Das Zeitalter des Imperialismus war geprägt von einem Expansionsstreben der entwickelteren Staaten der Erde. Doch wie stand die Bevölkerung zur Expansions- und Rassenpolitik ihrer jeweiligen Regierungen? In dieser Arbeit soll kurz auf die Rolle von Vereinigungen eingegangen werden, die Unabhängig von der Deutschen Regierung ein Germanisierungs- und Expansionprogramm verfolgten. Der Schwerpunkt der Betrachtung liegt in den polnisch geprägten preußischen Ostprovinzen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die preußische Polenpolitik und der Ostmarkenverein
III. Böckh und der Allgemeine Deutsche Schulverein
IV. Fazit I
V. Fazit II
VI. Quellen und Literaturverzeichnis
1. Quellen:
2. Literatur:
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle nichtstaatlicher Agitationsvereine im deutschen Kaiserreich, konkret den Deutschen Ostmarkenverein und den Allgemeinen Deutschen Schulverein, um zu klären, ob diese als Instrumente preußischer Politik fungierten oder eine eigenständige Dynamik entwickelten. Dabei wird analysiert, inwieweit ihre Aktivitäten mit der offiziellen preußischen Polenpolitik korrespondierten und wie sich ihr theoretisches Fundament, insbesondere das von Richard Böckh, in der praktischen politischen Agitation widerspiegelte.
- Analyse des Einflusses des Deutschen Ostmarkenvereins auf die preußische Polenpolitik.
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen dem Allgemeinen Deutschen Schulverein und den liberalen Grundideen Richard Böckhs.
- Gegenüberstellung von staatlicher Politik und bürgerlichem Agitationsverhalten im Kontext des radikalen Nationalismus.
- Bewertung der ideologischen Doppelmoral und expansionistischer Tendenzen in den Vereinen.
Auszug aus dem Buch
II. Die preußische Polenpolitik und der Ostmarkenverein
Wenn von preußischer Polenpolitik die Rede ist, muss eine genauere Differenzierung bezüglich der Kanzlerschaft Bismarcks und seiner Nachfolger erfolgen. Die Politik von Bismarcks Nachfolger, Reichskanzler General Leo von Caprivi, war durch Maßnahmen wie beispielsweise einer Erleichterung der Bismarckschen Ausweisungsgesetze gekennzeichnet, welche jedoch weniger auf die Gewinnung von Sympathien bei den Polen ausgerichtet war, sondern darauf, die deutschen ostelbischen Agrarier positiv für Caprivis Politik zu stimmen. Dennoch wurde daraufhin von den Gründungsmitgliedern des Ostmarkenvereins behauptet, dass „die schwächliche Haltung der Staatsregierung gegen die Polen“ die Gründung des Vereins notwendig machte; dies kommt einer Zustimmung des Vereins, der vier Jahre nach der Entlassung Bismarcks ins Leben gerufen wurde, zur antipolnischen Politik des ersten Reichskanzlers gleich.
Um die antipolnische Politik rechtfertigen zu können, scheute man sich nicht davor, zu behaupten, dass die Polen in diesem „erbitterten Kampf“ die Absicht hätten, den polnischen Staat bis an die Ostsee wieder entstehen lassen zu wollen, denn die Polen seien „patriotisch und nationalistisch gesinnt“. Zur Legitimation der Eigentumsrechte der Deutschen auf die ostelbischen Gebiete berief man sich auch gerne auf historische Begebenheiten, „Weit mehr Dörfer als man glauben möchte, sind wahrscheinlich deutsche Gründungen, da schon im 13. Jahrhundert von den Zisterziensern, […] große Mengen deutscher Ansiedler in das Land gerufen wurden.“ Schon zu Bismarcks Regierungszeit wurden dem ersten Reichskanzler Attribute wie national und kolonialfreundlich zugeschrieben, was auf eine Identifizierung nationalistischer Vereinigungen mit Bismarck begünstigend gewirkt haben muss.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in den historischen Kontext des preußisch-polnischen Konflikts ein und skizziert die Fragestellung bezüglich der Rolle von Vereinen wie dem Ostmarkenverein und dem Schulverein.
II. Die preußische Polenpolitik und der Ostmarkenverein: Hier wird die Genese des Ostmarkenvereins im Kontext der post-bismarckschen Ära und seine enge, jedoch nicht immer deckungsgleiche Verflechtung mit der preußischen Politik analysiert.
III. Böckh und der Allgemeine Deutsche Schulverein: Dieses Kapitel untersucht die Diskrepanz zwischen den theoretischen Ansätzen Richard Böckhs und der realen, zunehmend expansionistischen und antiliberalen Praxis des Allgemeinen Deutschen Schulvereins.
IV. Fazit I: Dieses Kapitel zieht ein Resümee zum Ostmarkenverein und kommt zu dem Schluss, dass dieser zwar konservativ-bismarcksch geprägt war, aber dennoch eine eigene politische Handlungsdynamik entfaltete.
V. Fazit II: Dieses Kapitel resümiert die Unvereinbarkeit zwischen dem liberalen Gründungsanspruch des Schulvereins und seinem tatsächlichen Verhalten, das geprägt war von Doppelmoral und imperialistischem Sendungsbewusstsein.
VI. Quellen und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen und der wissenschaftlichen Sekundärliteratur, die der Arbeit zugrunde liegen.
Schlüsselwörter
Deutscher Ostmarkenverein, Allgemeiner Deutscher Schulverein, preußische Polenpolitik, Bismarck, radikaler Nationalismus, Richard Böckh, Ansiedlungskommission, Imperialismus, deutsch-polnischer Konflikt, Ostelbien, Entnationalisierung, Minderheitenpolitik, Vereinswesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die Rolle zweier einflussreicher nationaler Agitationsvereine im deutschen Kaiserreich und deren Verhältnis zur staatlichen preußischen Politik gegenüber der polnischen Minderheit.
Welche Vereine werden im Fokus der Untersuchung betrachtet?
Der Deutsche Ostmarkenverein sowie der Allgemeine Deutsche Schulverein stehen im Zentrum der Untersuchung.
Was ist das primäre Ziel dieser historischen Analyse?
Das Ziel ist es zu ergründen, ob diese Vereine lediglich als verlängerte Arme der Staatsführung agierten oder ob sie als bürgerliche Akteure eine eigenständige, radikalisierende Dynamik in die preußische Politik einbrachten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Untersuchung, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, Vereinsdokumenten und wissenschaftlicher Literatur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Genese der Vereine, der Instrumentalisierung nationaler Argumente sowie der Analyse, inwieweit die theoretischen Vorbilder (speziell Richard Böckh) in der Praxis durch die Vereine verzerrt oder umgangen wurden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind preußische Polenpolitik, radikaler Nationalismus, Ansiedlungskommission und das Spannungsfeld zwischen staatlichem Handeln und bürgerlichem Engagement.
Inwiefern unterschieden sich die beiden Vereine in ihrer ideologischen Ausrichtung?
Während der Ostmarkenverein von Beginn an konservativ-bismarcksch orientiert war, wies der Allgemeine Deutsche Schulverein einen ursprünglich liberaleren theoretischen Überbau auf, von dem er sich im Laufe der Zeit durch imperialistische Tendenzen zunehmend distanzierte.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis zur "Sprachgrenzentheorie" von Richard Böckh?
Der Autor stellt fest, dass der Schulverein die Theorie Böckhs, welche nationale Selbstbestimmung vorsah, durch eine geschickte Umdeutung in ihr Gegenteil verkehrte, um expansionistische Ziele im Ausland zu rechtfertigen.
- Arbeit zitieren
- Christian Fuchs (Autor:in), 2011, Der Deutsche Ostmarkenverein und der Allgemeine Deutsche Schulverein, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177790