Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Geschlechtsbewusste Wohnungslosenhilfe als Arbeitsfeld Sozialer Arbeit

Männer in Wohnungnot

Titel: Geschlechtsbewusste Wohnungslosenhilfe als Arbeitsfeld Sozialer Arbeit

Bachelorarbeit , 2011 , 75 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Julia Schlembach (Autor:in)

Soziale Arbeit / Sozialarbeit
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Europäische Union hat das Jahr 2010 zum ‚Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung’ erklärt. Auch die Bundesregierung hat sich damit verpflichtet ihren Beitrag zu leisten und das Grundrecht der von Armut und sozialer Ausgrenzung Betroffenen auf ein Leben in Würde und auf umfassende Teilhabe an der Gesellschaft anzuerkennen. Die Regierung lässt jedoch extreme Armut, Wohnungslosigkeit und Wohnungsnot sowie die steigenden Gesundheitskosten für Arme beinahe unbeachtet. Nahezu polemisch wird von Seiten der Politik, der Wirtschaft und den Medien Stimmung gegen Arbeitslosengeld-II-Beziehende gemacht. Vor allem im ‚Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung’ müssen solche Missstände offen gelegt und angeprangert werden weswegen die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. zur bundesweiten Kampagne ‚Der Sozialstaat gehört allen!’ aufruft.

Immer wieder fällt mir in der Berufspraxis auf, dass die Beratung durch scheinbar männerspezifische Verhaltensmuster geprägt ist. Wieso wird in der Männerberatung nicht geschlechtssensibel gearbeitet? Wieso wird das männliche Geschlecht bei der Hilfe für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen nicht oder kaum berücksichtigt, wenn doch der Großteil der Wohnungslosen männlich ist?
In der Durchführungsverordnung zum Paragraphen 67 des Zwölften Sozialgesetzbuches ist bei der Hilfe darüber hinaus festgeschrieben „geschlechts- und altersbedingte Besonderheiten sowie besondere Fähigkeiten zu berücksichtigen.“ (§ 2 Abs. 2 Satz 3 DVO zu § 67 SGB XII)

Ich möchte mit dieser Arbeit keinesfalls frauenspezifische Angebote der Sozialen Arbeit in Frage stellen, sondern den Blick für ein männerbewusstes Pendant schärfen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Gesamtgesellschaftliche Ausgangslage

2 Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenhilfe

2.1 Begrifflichkeiten und Fallzahlen von Wohnungslosigkeit

2.2 Wohnungslosenhilfe

2.3 Fazit

3 Männerforschung und Männerkonzepte

3.1 Entwicklung und Blickwinkel der Männerforschung

3.2 Soziologische und biographische Erklärungsansätze von Männlichkeit

3.2.1 Böhnisch: Männliche Sozialisation und Bewältigung

3.2.2 Bourdieu: Männlicher Habitus

3.2.3 Connell: Hegemoniale Männlichkeit

3.3 Fazit

4 Soziale Arbeit und Geschlecht

4.1 Männerbewusste Soziale Arbeit

4.2 Geschlechtssensible Beratung

5 Männer in Wohnungsnot

5.1 Deutungsmuster der Wohnungslosigkeit

5.2 Armut und Arbeitslosigkeit

5.3 Soziales Kapital

5.4 Gesundheit, Alkohol und Gewalt

5.5 Männer- und Frauenbilder

5.6 Konsequenzen für das Hilfesystem

5.7 Fazit

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit setzt sich kritisch mit der geschlechtsblinden Praxis in der Wohnungslosenhilfe auseinander und zielt darauf ab, ein männlichkeitsbewusstes Pendant zu entwickeln, um männliche Adressaten in Wohnungsnot besser zu erreichen und professionell zu begleiten.

  • Analyse der gesamtgesellschaftlichen Bedingungen von Wohnungslosigkeit unter Berücksichtigung von Individualisierungsprozessen.
  • Theoretische Fundierung durch Männerforschung (Böhnisch, Bourdieu, Connell) als Basis für geschlechtsensible Soziale Arbeit.
  • Untersuchung der spezifischen Lebenslagen, Deutungsmuster und Hilfebedarfe wohnungsloser Männer.
  • Ableitung von Handlungsempfehlungen für eine geschlechtersensible Beratungskonzeption im ambulanten Setting.

Auszug aus dem Buch

3.1 Entwicklung und Blickwinkel der Männerforschung

Die Geschlechterforschung untersucht die „gesellschaftlichen, insbesondere die ökonomischen, politischen, kulturellen, rechtlichen und sozialisatorischen Strukturen und Prozesse, durch die jeweilige Vorstellungen und Formierungen männlicher und weiblicher Subjektivität hervorgebracht und reproduziert werden.“ (Scherr 2002, 379) Obwohl inzwischen ein Diskurs männlicher Forschung entstand, war in den vergangenen zwanzig Jahren Geschlechterforschung jedoch in aller Regel Frauenforschung. Die Asymmetrie im Aufgreifen der Geschlechterfrage hat Gründe, die unmittelbar mit dem Gegenstand der Männerforschung zusammenhängen. „Aus der Position derjenigen, die zuerst einmal von einem patriarchalen System profitieren, das wichtige Mittel zur Ausgestaltung der Individualität wie Bildung und Beruf in erster Linie für Männer reserviert, kommt es diesen überhaupt nicht in den Sinn, die Geschlechterfrage zu problematisieren […].“ (Brandes 2002b, 15)

Die meisten wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema Männlichkeit waren früher defizitorientiert und zielten auf die Erhaltung maskuliner Diskurse. Kritische Männerforschung entstand im Kontext der feministischen Forschung und der unterschiedlich ausgerichteten Männerbewegung. Beeinflusst durch die feministische Kritik an Sexismus und männlicher Gewalt im Geschlechterverhältnis entstanden Männergruppen und -büros, die ihre Arbeit als antisexistisch und patriarchatskritisch verstanden. Diese Angebote erreichten jedoch vor allem männerbewegte Männer und nur in seltenen Fällen Männer, die dem konventionellen Stereotyp des Mannes entsprachen. (vgl. Walter 2001, 16 f) Die Frauenforschung hat Geschlecht für den Mann sichtbar gemacht. Es gibt viele Männlichkeiten, es ist keine singuläre Konstruktion. (vgl. Kimmel 2004, 337 ff) Auf wissenschaftlicher Ebene entstanden in Auseinandersetzung mit der feministischen Theoriebildung die ersten kritischen Männerstudien (men’s studies) in den Vereinigten Staaten Anfang der 1980er Jahre. Bezugspunkt ist vor allem die männliche Sozialisation. Der Grund der verzögerten Durchsetzung dieses Forschungsstranges in Deutschland kann auf die starke Konzentration auf die Anherren der Soziologie zurückgeführt werden, wonach Männlichkeit in sozialer Praxis grundgelegt ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Gesamtgesellschaftliche Ausgangslage: Analyse der Prekarisierung und der Erosion des Normalarbeitsverhältnisses, die insbesondere Männer in prekäre Lebenslagen führt.

2 Wohnungslosigkeit und Wohnungslosenhilfe: Definition von Wohnungsnot und Darstellung der aktuellen Angebotsstrukturen in der Wohnungslosenhilfe im Wandel zu aktivierenden Systemen.

3 Männerforschung und Männerkonzepte: Theoretische Auseinandersetzung mit Männlichkeitskonzepten durch die Theorien von Böhnisch, Bourdieu und Connell als Basis für das Verständnis männlicher Lebenslagen.

4 Soziale Arbeit und Geschlecht: Erörterung der Notwendigkeit geschlechtssensibler Beratung in der Sozialen Arbeit zur Überwindung stereotypisierter Rollenzuschreibungen.

5 Männer in Wohnungsnot: Empirische Analyse der Deutungsmuster, Lebenslagen und Hilfebedarfe wohnungsloser Männer hinsichtlich ihrer Sozialisation und Bewältigungsstrategien.

Schlüsselwörter

Wohnungslosenhilfe, Männlichkeit, Soziale Arbeit, Geschlechtsbewusste Beratung, Sozialisation, Lebenslagen, Wohnungslosigkeit, Habitus, Hegemoniale Männlichkeit, Individualisierung, Armut, Deutungsmuster, Sozialkapital, Prekarisierung, Geschlechterforschung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die geschlechtsblinde Praxis in der Wohnungslosenhilfe und plädiert für eine männlichkeitsbewusste Herangehensweise bei der Unterstützung wohnungsloser Männer.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die soziologische Männerforschung, die Analyse der Lebenslagen wohnungsloser Männer und die Weiterentwicklung des professionellen Hilfesystems unter Berücksichtigung von Geschlechteraspekten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, das Verständnis für männliche Bewältigungsstrategien in Krisensituationen zu schärfen und Handlungskonzepte für eine geschlechtersensible Beratungspraxis in der Wohnungslosenhilfe zu formulieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung qualitativer Studien zur Lebenslage wohnungsloser Männer basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung durch Männlichkeitstheorien, eine kritische Betrachtung der Sozialen Arbeit unter Geschlechteraspekten sowie die spezifische Analyse der Situation wohnungsloser Männer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wohnungslosenhilfe, Männlichkeit, Soziale Arbeit, geschlechtsbewusste Beratung, Wohnungslosigkeit, Prekarisierung und Lebenslagen.

Warum ist das Geschlecht in der Wohnungslosenhilfe ein relevantes Thema?

Da die Mehrheit der Betroffenen männlich ist, das Hilfesystem jedoch oft auf geschlechtsneutralen Annahmen basiert, werden spezifische Bedürfnisse und männliche Sozialisationsmuster bei der Hilfeplanung oft vernachlässigt.

Welche Rolle spielt das Konzept der 'hegemonialen Männlichkeit'?

Es dient dazu, Machtverhältnisse unter Männern und zwischen den Geschlechtern zu verstehen und zu erklären, warum sich wohnungslose Männer häufig mit gesellschaftlichen Normen wie Autonomie und Stärke konfrontiert sehen, die sie in ihrer Notlage nicht erfüllen können.

Wie lässt sich Beratung für wohnungslose Männer optimieren?

Durch Konzepte wie die 'Beratung zwischen Tür und Angel' oder niedrigschwellige Zugänge, die männliche Schwellenängste abbauen und an den vorhandenen Ressourcen sowie der Lebenswelt der Männer ansetzen.

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Geschlechtsbewusste Wohnungslosenhilfe als Arbeitsfeld Sozialer Arbeit
Untertitel
Männer in Wohnungnot
Hochschule
Hochschule Esslingen
Note
1,0
Autor
Julia Schlembach (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
75
Katalognummer
V177798
ISBN (eBook)
9783640997206
ISBN (Buch)
9783640997107
Sprache
Deutsch
Schlagworte
wohnungslos männerspezifisch geschelchtssensibel Soziale Arbeit Wohnungslosenhilfe
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julia Schlembach (Autor:in), 2011, Geschlechtsbewusste Wohnungslosenhilfe als Arbeitsfeld Sozialer Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177798
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  75  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum