Der Aufstieg Augsburgs zur Reichsstadt (1156 – 1316)


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

23 Seiten, Note: 3,0


Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Augsburgs Entwicklung bis 1156
2.1. Der Aufstieg nach den Ungarneinfällen
2.2. Die einst bedeutende Bischofsstadt
2.3. Das staufische Jahrhundert in Augsburg
2.4. Das Stadtrecht von 1104

3. Das Stadtrecht von 1156
3.1. Erste Schritte in die Selbständigkeit
3.2. Die Einflussnahme der Bürgerschaft

4. 120 Jahre der Veränderung – die Jahre 1156 bis 1276
4.1. Ergänzungen der Steuerreglements des Rechts von 1156
4.2. Deutliche Verschiebung der Machtverhältnisse

5. Das Stadtrecht von 1276
5.1. Geburtsstunde der Freien Reichsstadt durch Rudolf von Habsburg
5.2. Augsburger Hochgerichtsbarkeit ab 1276
5.3. Stadtpolitische Auswirkungen des Stadtrechts von 1276
5.3.1. Der Ausbau des Rates
5.3.2. Die Erhebung neuer Steuern
5.4. Trennung von Stadtrat und urbaner Herrschaftsgewalt

6. Die erste Freiheitsbestätigung durch Ludwig den Bayern

7. Die letzten Meter auf dem Weg zur Reichsstadt – die finalen Schritte durch Ludwig den Bayern 1316

8. Fazit

9. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Augsburg – die charmante kleine Großstadt, bayerisch-schwäbische Metropole und zugleich älteste Stadt Bayerns. Zwar klein in der Fläche, aber groß in ihrer historischen Bedeutung. Seit den frühesten Anfängen in der Antike in ihrer Rolle als Verwaltungshauptstadt der römischen Provinz Rätien bis in das späte Mittelalter genoss Augsburg großes Ansehen als Handelsplatz und Weltstadt. Doch wie erlangte die einstige Bischofsstadt Augsburg sein weit reichendes Ansehen, seine grandiose Bedeutung? Im Zuge dieser Arbeit beschäftige ich mich mit dem Aufstieg Augsburgs zur Reichsstadt, insbesondere den Jahre 1156 bis 1316, mit dem Höhepunkt im Jahr 1276, als Kaiser Rudolf von Habsburg Augsburg zum zweiten Mal das Stadtrecht verleiht und Augsburg Freie Reichsstadt wird. Wegen seiner herausragenden Bedeutung und bis dahin außergewöhnlichen Einzigartigkeit wurde das Augsburger Stadtrecht von 1276 zwar oft abgeschrieben aber gleichwohl nie auf andere Städte übertragen.[1]

Es soll untersucht werden, unter welchen Voraussetzungen der Aufstieg gelingen konnte. Unter dem Thema „Der Aufstieg Augsburgs zur Reichsstadt (1156 – 1316)“ sollen vom reichen römischen Erbe der Stadt bis zu den Anfängen der Reichsstadt 1156 die historischen Grundzüge dargelegt und danach auf die Zeit von 1156 bis 1316, die endgültige Ausreifung zur Freien Reichsstadt, eingegangen werden.

Als Grundlage für die, angesichts der gebotenen Kürze der Arbeit, grobe Skizzierung der wichtigsten historischen Ereignisse verwende ich das Jahr 923, als Bischof Ulrich sein Amt antritt.

Die Quellen, anhand derer der außergewöhnliche Aufstieg Augsburgs aufgezeigt werden soll, werden die Stadtrechtsurkunde des Jahres 1156, zwei Briefe von 1316 und natürlich das Stadtrechtsbuch von 1276 sein.

Denn das Stadtrechtsbuch von 1276 ist eine der bedeutendsten Rechtsaufzeichnungen des Mittelalters – wird es doch immer Sinnbild und „Ausdruck der Lösung von der bischöflichen Oberhoheit“[2] der charmanten kleinen Großstadt und bayerisch-schwäbischen Metropole Augsburg im Mittelalter sein.

2. Augsburgs Entwicklung bis 1156

2.1. Der Aufstieg nach den Ungarneinfällen

Aus dem Schatten eines reichen römischen Erbes – Augsburg war die Hauptstadt der Provinz Rätien und hatte den Status eines römischen municipiums; einer Stadt mit eigener Verwaltung inklusive Stadtrat und vollberechtigten Bürgern (cives) sowie Einheimischen (incolae) inne – trat Augsburg nach längerer Zeit ohne bedeutsame Geschehnisse erst wieder 955 mit der bekannten Schlacht auf dem Lechfeld gegen die Ungarn in das Rampenlicht.[3] Mittlerweile auch unter dem seit 923 neuen Bischof Ulrich, dem bei dem Sieg über die Ungarn auf dem Lechfeld ein enorme Wichtigkeit zugeschrieben wird. Bischof Ulrich erhielt bei der Schlacht auf dem Lechfeld Unterstützung durch den 936 gekrönten Otto I. Nach dieser Schlacht war Augsburg auf Grund der von Ulrich errichteten Befestigungsausbauten weitestgehend immun gegen weitere Ungarneinfälle. Der Schutz der Stadt konnte ab 955 unter Ulrich nachhaltig verbessert werden, nachdem ihm und seinen Vasallen das alleinige Recht auf Befestigungshoheit zugebilligt wurde.[4]

Die Stellung eines Bischofssitzes, die das Bistum Augsburg schon seit der Spätantike aber spätestens seit Ulrichs Vorgänger Bischof Simpert 778 innehatte, wurde beibehalten.[5]

2.2. Die einst bedeutende Bischofsstadt

Doch bei der Stellung eines „einfachen“ Bischofssitzes sollte es nicht lange bleiben. Mit der gleichzeitigen Stellung Ulrichs als Kirchenfürst wie auch weltliches Oberhaupt entstand unter Ulrich das befestigte Hochstift Augsburg als unabhängiges Kirchengut.[6] Dies wurde ermöglicht durch den erst nach 955 umgesetzten lang gehegten Wunsch Ottos I. die königliche Zentralgewalt durch die Ernennung geistlicher Fürsten ohne Erbfolge zu festigen. Dadurch, dass Otto den Bischöfen verschiedene Regalien zugestand, wurde die bischöfliche Position gegenüber weltlichen Fürsten gestärkt.[7]

Ulrich war somit der erste Augsburger Fürstbischof, der neben seinen geistlichen auch die wichtigsten staatlichen Hoheitsrechte wahrnahm. So schlossen sich für die Zukunft automatisch weitere Abhängigkeiten gegenüber weltlicher Machthaber aus. Ebenso schuf Ulrich mit der Gründung des Hochstifts als weltlichen Herrschaftsbereich des Fürstbischofs die Voraussetzungen für die spätere Freie Reichsstadt. Für die Selbständigkeit der ältesten Stadt Bayerns.[8] Trotz der gestärkten weltlichen Macht des Bischofs unterstand die Stadt immer noch der bischöflichen Gewalt.

Immer weiter weitete sich der Bischofssitz (civitas) des zehnten Jahrhunderts schließlich aus, bis Augsburg im elften Jahrhundert immer größer und eine der bedeutendsten Bischofsstädte wurde. Eine rege Bautätigkeit, überwiegend an kirchlichen Gebäuden und die Domweihe 1065 unter Bischof Embrico fördern diese Entwicklung.[9]

Eine wichtige Bischofsstadt, der 1156 mit dem vorrangig bischöflichen Status durch Kaiser Friedrich Barbarossa zum ersten Mal das Stadtrecht verliehen wurde.[10] Ändern sollte sich dieser Zustand erst mit dem zweiten Stadtrecht und damit dem Schritt Augsburgs in die Selbständigkeit 1276, als die Stadt nun nicht mehr dem Bischof sondern dem Kaiser direkt untersteht.

2.3. Das staufische Jahrhundert in Augsburg

Ein ebenso wichtiger Prozess wie die Gründung des Hochstiftes, der eine Grundlage für später bildete, war die Machtübernahme und die Stadtregentschaft der Staufer in Augsburg, die Mitte des zwölften Jahrhunderts begann und bis Mitte des 13. Jahrhunderts andauerte (ca. 1150-1250). Denn in diesem Jahrhundert starker staufischer Machtentfaltung löste sich das Bürgertum langsam von der bischöflichen Stadtherrschaft und hatte vom Königtum viele Freiheiten gewonnen. Schriftlich wurde dies aber erst mit dem Stadtrecht von 1276 fixiert; erst dann kann dieser Lösungsprozess als beendet betrachtet werden. Eine abschließende Bestätigung erfolgte 1316.[11]

In Gang gesetzt wurde dieser Verlauf mit der 1135 erfolgten Gegenwahl des Staufers Konrad III zu Sachsenherzog Lothar von Supplinburg, der bereits als deutscher König regierte. Die schon lange existenten supplinburgisch-staufischen Zwistigkeiten erreichten 1132 ihren Höhepunkt, als König Lothar auf einem Romzug im staufisch gesinnten Augsburg verweilte und sich mit Konrad III einen erbitterten Kampf auf dem Fronhof lieferte. Doch Augsburg blieb standhaft und feierte 1138 mit dem Einzug Konrads III den ersten und vor allen Dingen einzigen Staufers. Doch schon 14 Jahre später sollte ein weiterer Staufer seinen Fuß auf Augsburger Boden setzen – der römische König Friedrich I. Barbarossa. Unter ihm erlebte Augsburg eine brillante Blütezeit.[12] Auch erhielten die Augsburger das Stadtrecht von 1156 aus seinen geschätzten staufischen Händen.

Denn im zwölften sowie auch im 13. Jahrhundert war der Regierungsbezirk Schwaben eine staufesche terra imperii, ein so genanntes Reichsland. So war auch Augsburg ab Mitte des zwölften Jahrhunderts ein Stützpunkt staufischer Königsherrschaft; vor allem um es als günstige Basis für die Infrastruktur zum damals äußerst wichtigen Italien nutzen zu können – mittels des Stadtrechts von 1156.[13] Doch streng genommen war das Stadtrecht 1156 nur eine Bestätigung des Stadtrechts von 1104.

2.4. Das Stadtrecht von 1104

Das älteste Stadtrecht von Augsburg, wurde zuerst 1104 auf dem unter Heinrich 4. in Regensburg gehaltenen Hoftage festgehalten. Inhaltlich ging es darin hauptsächlich um die Ausübung der Gerichtsbarkeit des Hochstiftsvogtes.[14] Der Bischof sollte ab sofort mit der Unterstützung des Burggrafen die Gewalt ausüben, die Bürgerschaft hingegen war gezwungen ihren Pflichten dem Kaiser, also Heinrich IV gegenüber nachzukommen. Als so genannte städtische Reichsunmittelbarkeit wird dieses Arrangement zwischen Kaiser und Stadt charakterisiert.

Auslöser für die beiden Urkunden von 1104 war die Beschwerde zweier Augsburger Kanoniker, die sie auf dem Hoftag zu Regensburg Kaiser Heinrich IV vortrugen. Durch die Gewalttätigkeiten von Bischof und Vogt fühlten sie sich ungerecht behandelt.[15] Wie besonders „Eigenthümlich und in mannigfacher Hinsicht bedeutend […] das Stadtrecht von Augsburg, dessen Grundlage ein 1104 von Heinrich IV. zu Regensburg, 1152 von Friedrich I. bestätigtes Privileg bildet[16] ist, zeigt das darin festgehaltene „Recht der Vögte, des Burggrafen und der Stadt, der Stadtbürger und aller Stände“.[17] Augsburg wurde dank dieses Schriftstückes das erste Mal nicht von der Waffe sondern von schriftlich fixierten Rechtsgrundsätzen gelenkt. Ist darin unter Punkt vier beispielsweise etwa von so genannten Wergeldern, einer frühmittelalterlichen Rechtsordnung die Rede.[18] Doch diese schriftliche Vereinbarung vom Jahre 1104 kann eigentlich nicht als eigentliches Stadtrecht bezeichnet werden; eher als Vorläufer des „richtigen“ Stadtrechts von 1156. Doch bevor das geschehen konnte fehlt noch der Zwischenschritt von 1152. In diesem Jahr wurde abermals eine neue Klage über die Missstände in der Stadt an den seit diesem Jahr amtierenden König Friedrich I Barbarossa herangetragen, der daraufhin die neue Aufschrift des alten Rechts anordnete. Diese Bekräftigung der in die Jahre gekommenen Aufzeichnungen erfolgt in Augsburg direkt; nicht anderenorts, wie 1104 in Regensburg.[19]

[...]


[1] Vergleiche: : Zorn Wolfgang, Augsburg, Geschichte einer europäischen Stadt, Augsburg 2001 S. 156

[2] Vergleiche: Cramer-Fürtig Michael (Hrsg.), Aus 650 Jahren – Ausgewählte Dokumente des Stadtarchivs Augsburg zur Geschichte der Reichsstadt Augsburg 1156-1806, Augsburg 2006 S. 40

[3] Vergleiche: Schmidt Richard, Deutsche Reichsstädte, München 1957 S. 33f.

[4] Vergleiche: Möncke Gisela, Bischofsstadt und Reichsstadt – Ein Beitrag zur mittelalterlichen Stadtverfassung von Augsburg, Konstanz und Basel (Diss.), Berlin 1971 S. 24

[5] Vergleiche: Stadtbuch Augsburg, Augsburg 1973 S. 41

[6] Vergleiche: Hohmann Victor-Georg (Hrsg.), Augsburger Almanach und Stadtchronik, Augsburg 1952 S. 20

[7] Vergleiche: Rummel Peter, Ulrich von Augsburg – Bischof Reichssfürst Heiliger, Augsburg 1992 S. 27f.

[8] Vergleiche: Hohmann Victor-Georg (Hrsg.), Augsburger Almanach und Stadtchronik, Augsburg 1952 S. 20

[9] Vergleiche: Hohmann Victor-Georg (Hrsg.), Augsburger Almanach und Stadtchronik, Augsburg 1952 S. 22

[10] Vergleiche: Cramer-Fürtig Michael (Hrsg.), Aus 650 Jahren – Ausgewählte Dokumente des Stadtarchivs Augsburg zur Geschichte der Reichsstadt Augsburg 1156-1806, Augsburg 2006 S. 38

[11] Vergleiche: Fried Pankraz, Augsburg unter den Staufern (1132-1268), in: Gottlieb Gunther (Hrsg.), Geschichte der Stadt Augsburg – 2000 Jahre von der Römerzeit bis zur Gegenwart, Stuttgart 1984 S. 130

[12] Vergleiche: Fried Pankraz, Augsburg unter den Staufern (1132-1268), in: Gottlieb Gunther (Hrsg.), Geschichte der Stadt Augsburg – 2000 Jahre von der Römerzeit bis zur Gegenwart, Stuttgart 1984 S.128f.

[13] Vergleiche: Bosl Karl, Die Bayerische Stadt in Mittelalter und Neuzeit, Regensburg 1988

[14] Vergleiche: Stammler Wolfgang, Die deutsche Literatur des Mittelalters – Verfasserlexikon, Berlin 2006 S. 181

[15] Vergleiche: Meyer Christian , Das Stadtbuch von Augsburg, insbesondere das Stadtrecht vom Jahre 1276, Augsburg 1872 S. X

[16] In: Schulte Friedrich Joh., Lehrbuch der deutschen Reichs- und Rechtsgeschichte, Stuttgart 1861 S.129

[17] In: Hergenmüller Bernd-Ulrich, Quellen zur Verfassungsgeschichte der deutschen Stadt im Mittelalter, Darmstadt 2000 S. 191

[18] In: Die Stadtrechtsurkunde Friedrich Barbarossas, in: Hergenmüller Bernd-Ulrich, Quellen zur Verfassungsgeschichte der deutschen Stadt im Mittelalter, Darmstadt 2000 S. 193

[19] Vergleiche: Meyer Christian , Das Stadtbuch von Augsburg, insbesondere das Stadtrecht vom Jahre 1276, Augsburg 1872 S. IX

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Der Aufstieg Augsburgs zur Reichsstadt (1156 – 1316)
Hochschule
Universität Augsburg
Note
3,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
23
Katalognummer
V177807
ISBN (eBook)
9783640996353
ISBN (Buch)
9783640996490
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalter, Augsburg, Reichsstadt, 1156, 1316, Stadtrecht, Freie Reichsstadt, Rudolf von Habsburg, Ludwig der Bayer, 1276, Bischof Ulrich, Ungarneinfälle, Bischofsstadt, Hochgerichtsbarkeit
Arbeit zitieren
Melanie Steck (Autor:in), 2007, Der Aufstieg Augsburgs zur Reichsstadt (1156 – 1316), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177807

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