Das Erkennen und Klassifizieren von Satzgliedern stellt ein Standardthema des Deutschunterrichts dar, dem man in allen Lehrplänen und Schulbüchern begegnet (Baurmann 1989:17). Obwohl dieses Thema aus dem Deutschunterricht nicht wegzudenken ist, gibt es dennoch immer wieder Schwierigkeiten und Unklarheiten. Nicht nur den Schülern fällt es schwer, zum Beispiel zwischen Prädikatsnomen und Satzadjektiv oder Adverbiale und präpositionalem Objekt zu unterscheiden. Die verschiedenen Grammatiken unterscheiden sich zudem oft in Verwendung der Termini und Methoden. Die Abgrenzung verschiedener Satzgliedtypen untereinander ist also nicht immer einfach. Vor allem bei der Satzgliedklasse der Adverbialien kommt es im schulischen Kontext immer wieder zu Problemen. An ihnen lassen sich zum Beispiel Schwierigkeiten bei der Unterscheidung zwischen Wortart und Satzgliedfunktion sowie die Abgrenzung von Ergänzung und Angabe zeigen. Gerade wegen dieser Schwierigkeiten in Hinblick auf die Adverbialbestimmungen möchte ich mich in der vorliegenden Arbeit speziell auf dieses Satzglied konzentrieren.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit soll dabei die Klärung des Begriffs „Adverbial“ in Abgrenzung zu anderen grammatischen Begrifflichkeiten stehen. Dabei möchte ich speziell auf die Probleme bei der Unterscheidung zwischen Adverbial und anderen Satzgliedern eingehen. Außerdem sollen die Klassifizierungsmöglichkeiten dieser Satzgliedklasse dargelegt werden. Ich möchte auch auf das Thema der Adverbial-Kombinationen und der Weglassbarkeit von obligatorischen Adverbialien unter bestimmten Bedingungen eingehen.
Ich erläutere zunächst Begriff und Struktur des Adverbials und gehe vor allem auf die Abgrenzung der Adverbialen zur kategorialen Klasse des Adverbs ein. Des Weiteren zeige ich Probleme bei der Unterscheidung zwischen adverbialen Präpositionalphrasen und Präpositionalobjekten sowie Adverbialien und Prädikativen auf. Im nächsten Punkt soll die Möglichkeit dargestellt werden, Adverbiale nach verschiedenen Gesichtspunkten – nämlich syntaktisch, semantisch und morphologisch – bestimmen zu können. Ich möchte ferner auf die drei verschiedene Adverbialkombinationen, nämlich Adverbialdopplung, Adverbial-komplex und Koordination eingehen. Abschließend soll behandelt werden, inwieweit Adverbiale ein Problem für die Beschreibung der Valenz von Verben darstellen bzw. die Unterscheidung zwischen adverbialer Ergänzung und Angabe schwierig ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriff und Struktur
3. Bezugsmöglichkeiten adverbialer Bestimmungen
4. Abgrenzung der Adverbialien zu Wortarten und Satzgliedern
4.1 Adverbiale und Adverb
4.2 Adverbiale und Objekte
4.3 Adverbiale und Prädikative
4.4 Adverbiale und Verbzusätze
5. Klassifizierung der Adverbialien
5.1 Adverbiale und Valenztheorie – syntaktische Einteilung der Adverbialien
5.2 Semantische Einteilung der Adverbialien
5.2.1 Lokale Adverbiale
5.2.2 Temporale Adverbiale
5.2.3 Modale Adverbiale
5.3 Morphologische Einteilung der Adverbialien
5.3.1 Adverbialer Akkusativ
5.3.2 Adverbialer Genitiv
5.3.3 Dativ-NPs in adverbialer Funktion?
5.3.4 Adverbiale Adjektivphrase
6. Adverbial-Kombinationen
6.1 Adverbialdopplung
6.2 Adverbialkomplexe
6.3 Koordination
7. Ergänzung oder Angabe?
8. Schlusswort
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grammatikalische Kategorie der Adverbialien mit dem Ziel, deren Abgrenzung gegenüber anderen Satzgliedern und Wortarten zu klären. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, wie Adverbialien syntaktisch, semantisch und morphologisch zu klassifizieren sind und welche Probleme bei der Unterscheidung zwischen obligatorischen Ergänzungen und fakultativen Angaben auftreten.
- Strukturelle Klärung des Begriffs "Adverbial"
- Abgrenzung von Adverbialien zu Objekten, Prädikativen und Verbzusätzen
- Syntaktische, semantische und morphologische Klassifizierung
- Untersuchung von Adverbialkombinationen
- Problematik der Unterscheidung von Ergänzung und Angabe
Auszug aus dem Buch
4. Abgrenzung der Adverbialien zu Wortarten und Satzgliedern
Adverbiale Bestimmungen, oder verkürzt auch Adverbiale, geben die näheren Umstände an, unter denen sich ein im Satz ausgedrücktes Geschehen vollzieht. Es bestehen terminologische Schwierigkeiten in der Abgrenzung der Begriffe „Adverb“ und „Adverbial“. Während der Begriff „Adverb“ eine Wortart bezeichnet, bezieht sich „Adverbial“ auf eine Satzgliedfunktion, die unterschiedliche kategoriale Füllungen aufweist. Ein Adverbial kann zum Beispiel in der Form eines Adverbs, eines Adjektivs, einer Präpositional- oder Nominalphrase oder sogar als Nebensatz auftreten. Ein Adverb kann im Satz eine adverbiale Funktion einnehmen, es kann aber auch andere syntaktische Funktionen übernehmen (vgl. Dürscheid 2007:38). Bei „Adverb“ handelt es sich um den älteren Terminus, von dem der Begriff des Adverbials abgeleitet worden ist, um auf diese Weise eine konsequente Trennung zwischen Kategorien und Funktionen vornehmen zu können. Bei Adverbien handelt es sich um „nichtflektierbare Einheiten, die zum überwiegenden Teil der lokalen, temporalen und modalen Situierung von Entitäten jeder Art dienen.“ (Dürscheid 2007:38)
Der Grund für die fälschliche Gleichsetzung beider Begriffe ist, dass das Adverb oft ausschließlich als nähere Bestimmung zum Verb verstanden wird (Dürscheid 2007:38). Dies ist aber gerade ein charakteristisches Merkmal der Teilklasse der Adverbialen. Der Wortbestandteil -verb geht auf die Bezeichnung „Wort“ zurück und lässt sich dementsprechend als „Beiwort“ übersetzen und nicht, wie oft fälschlicherweise angenommen wird, als „Beiverb“. Vor allem in der englischsprachigen Literatur wird häufig nicht zwischen Form und Funktion unterschieden und der Begriff „Adverb“ sowohl für die syntaktische Funktion als auch die Wortart verwendet (vgl. Pittner 1999:41).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung erläutert die Relevanz der Adverbialien als Standardthema des Deutschunterrichts und definiert die Zielsetzung, die Abgrenzung dieses Satzgliedtyps zu untersuchen.
2. Begriff und Struktur: Dieses Kapitel erörtert die theoretische Einordnung der Adverbialen und beleuchtet die Schwierigkeiten bei der traditionellen Satzanalyse sowie die heterogene Natur dieser Satzgliedklasse.
3. Bezugsmöglichkeiten adverbialer Bestimmungen: Hier wird zwischen satzbezogenen Adverbialen, die den gesamten Satz modifizieren, und Adverbialen, die sich auf Teile des Prädikats beziehen, unterschieden.
4. Abgrenzung der Adverbialien zu Wortarten und Satzgliedern: Das Kapitel widmet sich der differenzierten Abgrenzung von Adverbialien gegenüber anderen Kategorien wie Adverbien, Objekten, Prädikativen und Verbzusätzen.
5. Klassifizierung der Adverbialien: Es werden die syntaktische (Valenztheorie), semantische (lokal, temporal, modal) und morphologische Einteilung der Adverbialien detailliert dargestellt.
6. Adverbial-Kombinationen: Dieser Abschnitt behandelt die Möglichkeiten und Bedingungen für das gemeinsame Auftreten mehrerer Adverbiale im Satz, etwa durch Dopplung oder Komplexbildung.
7. Ergänzung oder Angabe?: Hier wird das Kernproblem der Unterscheidung zwischen obligatorischen Ergänzungen und fakultativen Angaben anhand verschiedener Verbgruppen analysiert.
8. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass die Kategorie der Adverbialien sehr heterogen ist und eine eindeutige Abgrenzung oft stark vom jeweiligen Kontext abhängt.
Schlüsselwörter
Adverbiale, Adverb, Satzglieder, Syntax, Valenztheorie, Ergänzung, Angabe, Adverbialbestimmung, semantische Klassifizierung, morphologische Analyse, Adverbialkombination, Sprachunterricht, Grammatiktheorie, Präpositionalphrase, Satzstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der linguistischen Kategorie der Adverbialien im Deutschen, insbesondere mit deren Struktur, ihrer Klassifizierung und ihrer systematischen Abgrenzung von anderen Satzgliedern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zum Adverb und zu anderen Satzgliedern wie Objekten, die syntaktische Valenz, die semantische und morphologische Einteilung sowie das Verhalten bei Kombinationen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die terminologische Unschärfe und die Probleme bei der Unterscheidung von Adverbialien zu klären, insbesondere die Frage, wann eine adverbiale Bestimmung eine notwendige Ergänzung oder eine optionale Angabe darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine theoretisch-linguistische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse verschiedener Grammatikmodelle und der Untersuchung von Beispielsätzen basiert, um syntaktische und semantische Kriterien anzuwenden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Abgrenzung zu verwandten Strukturen, eine dreifache Klassifizierung (syntaktisch, semantisch, morphologisch) sowie die Diskussion von Adverbialkombinationen und dem Ergänzungs-/Angabe-Status.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Adverbiale, Valenztheorie, Ergänzung, Angabe, Satzgliedfunktion, syntaktische Abgrenzung und semantische Klassifizierung.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen "Ergänzung" und "Angabe" bei Adverbialien?
Die Arbeit zeigt auf, dass dies kein einheitliches Kriterium ist, sondern stark vom betrachteten Verb und dem situativen oder sprachlichen Kontext abhängt, wobei der Test der Weglassbarkeit oft an seine Grenzen stößt.
Warum ist die Abgrenzung zwischen "Adverb" und "Adverbial" für die Autorin so wichtig?
Die Autorin betont die Trennung, da "Adverb" eine Wortart und "Adverbial" eine Satzgliedfunktion bezeichnet; eine Gleichsetzung führt zu terminologischen Unschärfen, die gerade im schulischen Kontext zu Verständnisproblemen führen.
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- Franziska Eichhorn (Author), 2010, Die Adverbiale im Deutschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177914