Kaum jemand betrachtet, dass Kriege nicht nur Auswirkungen auf die Psyche der kämpfenden Soldaten und der Kampfhandlungen ausgesetzten Zivilisten haben, sondern auch auf die komplette Gesellschaft, wenn nicht sogar Weltbevölkerung. Man braucht niemanden persönlich zu kennen, der dem Grauen der Kriege ausgesetzt ist, um in einer Medienlandschaft wie der unseren das Elend der Welt zu erkennen.
Es werden Ängste geschürt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Borcherts Vorgeschichte
Zu den Szenen
Vorspiel und ein Traum
1. Szene
2. Szene
3. Szene
4. Szene
5. Szene
Die Rollen der Charaktere
Beckmann
Das Mädchen/Beckmanns Frau
Der Einbeinige
Der Oberst/Der Kabarettdirektor
Die Durchschnittsbürger
Der alte Mann
Der Tod
Der Andere/Die Elbe
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert Wolfgang Borcherts Drama "Draußen vor der Tür" im Kontext einer traumatisierten Nachkriegsgesellschaft. Ziel ist es, die Zerrissenheit des Kriegsheimkehrers Beckmann zwischen Schuld, Suche nach Identität und der Konfrontation mit einer verdrängungswilligen Gesellschaft darzustellen.
- Psychologische Analyse des Kriegsheimkehrers Beckmann
- Die Rolle der Gesellschaft als verdrängende Kraft
- Symbolik der Stationen und Charaktere (Gott, Tod, Der Andere)
- Konflikt zwischen individuellem Trauma und kollektivem Vergessen
Auszug aus dem Buch
Die Rollen der Charaktere
Beckmann ist trotz einiger Parallelen zu Borchert, nach dessen eigenen Angaben, kein Alias mit dem er versucht seine eigene Vergangenheit aufzuarbeiten.
Er ist gemäß Vorwort des NWDR „um die 25 herum“, die in „dunkel eingefärbten Soldatenmänteln“ in ein ausgebombtes Land zurückkehrten, das ihnen fremd wurde.
„In ihren Augen brennt kein Feuer […] dafür aber spricht aus ihren Augen etwas anderes, man fühlt sich beobachtet und abgeschätzt, wenn man ihnen gegenüber steht“ „Man spürt den Hunger den sie haben. Einen Hunger nach allem, auch nach dem Leben, von dem sie soviel furchtbares erfahren haben, beinahe nur das Furchtbare.“
Die Geschichte beginnt am Tag nach seiner Heimkehr. Heimkehr aus tausendtägiger Kriegsgefangenschaft in seine Heimatstadt Hamburg, die ihm keine Heimat mehr zu bieten scheint. Von allem verlassen was ihm Vertraut war, versucht Beckmann Halt und Heim zu finden.
Er versucht die unterschiedlichsten „Türen“ zu durchschreiten und seine Vergangenheit zu verarbeiten ohne jedoch seine Identität aufgeben zu müssen. Er hat nichts außer seiner Gasmaskenbrille bei sich. Diese Repräsentiert seine Sicht der Dinge, es ist keine zivile Brille, die ihm den Blick der anderen erlaubt, sondern eine Gasmaskenbrille. So wie die Gasmaskenbrillen ausgegeben wurden, damit „Sehbehinderte Soldaten den Feind klar sehen konnten“ wurde die Jugend durch eine Erziehung regelrecht konditioniert die Dinge um sie herum so zu sehen, wie es von ihr erwartet wurde. Als Soldaten in den letzten Kriegsjahren regelrecht verheizt, sollten sie Verantwortung übernehmen und letztlich den Rückzug der Verantwortlichen übernehmen. Die Verantwortung übernehmen als lebende Bremsklötze für die vorrückenden alliierten Panzer.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor erläutert seine Motivation, sich mit Borcherts Werk auseinanderzusetzen, und stellt den thematischen Bezug zu den Ängsten einer kriegsgeprägten Gesellschaft her.
Borcherts Vorgeschichte: Dieser Teil beleuchtet die Biografie des Autors und dessen eigene traumatische Erfahrungen während des Krieges und der Gefangenschaft.
Zu den Szenen: Die einzelnen Szenen des Stationendramas werden analysiert, wobei der Fokus auf der Entwicklung Beckmanns und seiner vergeblichen Suche nach einem Sinn in der Nachkriegszeit liegt.
Die Rollen der Charaktere: Eine detaillierte Untersuchung der Hauptfiguren (Beckmann, Oberst, Der Andere, etc.) und deren symbolische Bedeutung für die Verarbeitung oder Verdrängung des Kriegstraumas.
Zusammenfassung: Eine abschließende Einordnung der zentralen Thematik, die das Stück als Mahnung für die Millionen Soldaten und als Spiegelbild des gesellschaftlichen Neuanfangs charakterisiert.
Schlüsselwörter
Wolfgang Borchert, Draußen vor der Tür, Kriegsheimkehrer, Beckmann, Trauma, Nachkriegszeit, Verdrängung, Schuld, Identität, Stationendrama, Trümmerliteratur, Gesellschaftskritik, Moral, Verantwortung, Stunde Null.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Wolfgang Borcherts Drama "Draußen vor der Tür" und analysiert die psychologische Situation eines Kriegsheimkehrers in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Bewältigung von Kriegstraumata, die moralische Verantwortung, das kollektive Verdrängen der Vergangenheit durch die deutsche Gesellschaft und der Verlust religiöser und ethischer Werte.
Was ist das primäre Ziel der Analyse?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Borchert durch die Figur des Beckmann die existenzielle Not der Heimkehrer darstellt und gleichzeitig die Ignoranz einer Gesellschaft kritisiert, die den Blick nach vorne auf das Wirtschaftswunder richtet, statt sich der Vergangenheit zu stellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine werkimmanente Interpretation der Szenenfolge sowie eine vergleichende Analyse der Charaktere unter Einbeziehung freudscher Konzepte (z.B. Tabu, Über-Ich).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte szenische Analyse und eine Charakterisierung der Rollen, wobei die symbolische Bedeutung jedes Auftretenden im Verhältnis zu Beckmanns Suche nach einem Platz in der Gesellschaft untersucht wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kriegsheimkehrer, Trauma, Verdrängung, Schuld, Identitätsverlust, Nachkriegsgesellschaft, Stationendrama.
Wie bewertet der Autor die Rolle von "Gott" in Borcherts Drama?
Der Autor interpretiert die Figur des Gottes als Symbol für den Verlust des Glaubens und der Hoffnung, da dieser Gott machtlos gegenüber dem Grauen der Welt ist und den Menschen keinen Halt mehr bieten kann.
Welche Bedeutung kommt der "Gasmaskenbrille" bei Beckmann zu?
Die Brille symbolisiert die fortwährende Sichtweise des Soldaten auf die Welt, die Beckmann auch nach dem Krieg nicht ablegen kann, obwohl seine Umwelt ihn dazu drängt, die Vergangenheit zu vergessen.
- Arbeit zitieren
- Thomas Lindwurm (Autor:in), 2007, Zu W. Borcherts "Draußen vor der Tür" , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177953