Ein erster Blick auf Leipziger Straßennamen lässt nicht viel erkennen. Vereinzelt gibt es
Viertel, wie zum Beispiel im Stadtteil Marienbrunn, wo sämtliche Wege nach Märchen
benannt sind oder im Stadtteil Grünau, bei dem Planeten und andere Himmelskörper für
die Straßennamen verwendet wurden. Doch viel mehr stechen die großen und langen
Straßen hervor, die nicht all zu selten nach einer Person benannt wurden. Gemeint sind
damit unter anderem die Georg-Schuhmann-Straße, die Arthur-Hoffmann-Straße,
Hermann-Liebmann Straße und viele mehr. Doch wer waren diese Personen überhaupt
und warum hat man eine Straße nach ihnen benannt ? Das sind alles Fragen, die hier in
dieser Arbeit teilweise beantwortet werden sollen. Leipziger Straßennamen haben
oftmals mehrere Umbenennungen in kürzester Zeit erlebt, sodass ihre Bedeutungen aus
eher aus „stetigen Aktualisierungen des Geschichtsbildes“ als auch traditionellen
Begriffen stammen1. In dieser Arbeit sollen die Straßenumbenennungen in der Zeit von
1945, also dem Beginn der SBZ, bis 1989 genauer betrachtet werden. Leipzig wurde
wie viele andere Städte in den östlichen Gebieten von Deutschland, gleich von 2 sehr
unterschiedlichen Ideologien geprägt. Zum einen von der des NS-Regimes, von 1933-
1945 und zum anderen gleich darauffolgend von der sowjetischen Ideologie. In wie fern
hat sich das ebenfalls auf das Straßenbild ausgewirkt. Wurden zu der besagten Zeit nur
Straßen umbenannt um die Vergangenheit so schnell wie möglich aus dem Gedächtnis
der Leipziger zu löschen oder war es vielleicht auch ein Mittel um neue Ideologien und
ein neues Geschichtsbewusstsein zu schaffen? Dazu ist es notwendig zu hinterfragen,
welche Bedeutung Straßenumbenennungen in der SBZ/DDR allgemein hatten. Leipzig
war nicht die einzige Stadt, in denen eine enorme Menge an Straßen umbenannt
wurden. Jedoch soll eine Statistik auch zeigen welchen enormen Veränderungen es im
Leipziger Stadtbild gab und vor allem welche Personen oder Bezeichnungen
vorwiegend gewählt wurden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Auswirkung und Bedeutung von Straßenumbenennungen
2.1. Bedeutung Straßennamen in der SBZ und DDR
2.2. Statistische Darstellung aller Straßenumbenennungen in Leipzig von 1945-1989
3. Veränderungen der Straßennamen in Leipzig im historischen Kontext
3.1. Straßenumbenennungen in der SBZ
3.2. Straßenumbenennungen in der DDR
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politisch motivierten Straßenumbenennungen in Leipzig im Zeitraum von 1945 bis 1989. Dabei wird analysiert, inwieweit diese Veränderungen als gezieltes Instrument zur Etablierung einer neuen Ideologie, zur Schaffung eines kollektiven Geschichtsbewusstseins und zur Verdrängung der NS-Vergangenheit eingesetzt wurden.
- Bedeutung von Straßennamen als politisches Steuerungsinstrument
- Statistische Analyse der Umbenennungswellen in Leipzig
- Vergleich der Umbenennungspraxis in der SBZ und der DDR
- Rolle von Widerstandskämpfern im offiziellen Erinnerungskonzept
- Zusammenwirken von Medien, Ideologie und Stadtbildgestaltung
Auszug aus dem Buch
3.1. Straßenumbenennungen in der SBZ
Anhand der Statistik lassen sich zwei große Wellen erkennen. Eine direkt am 1.8.1945 und eine vom 9.7.-12.7.1947. Bei der ersten fällt auf, dass die Anzahl der Straßen die nach kommunistischen Widerstandskämpfern fast die Hälfte aller Straßen ausmacht. Was die Statistik nicht verrät sind die zeitgenössischen Diskussionen um diese Benennungen. Es gab bereits erwähnt eine Umbenennungswelle im Mai 1945. Nicht mal drei Monate später, werden viele dieser Straßen die im Mai einen anderen Namen nochmals umbenannt. Es fällt dabei nicht schwer, sich vorstellen zu können, welche Verwirrung das bei den Bewohnern der jeweiligen Straßen hervorgerufen haben musste. Doch warum gab man sich nicht mit den bereits vorhandenen Straßenumbenennungen zufrieden? Immerhin schien es in Leipzig weitaus größere Probleme wie Enttrümmerung und Hungersnöte zu geben. Betrachtet man die Schlagzeilen der Deutschen Volkszeitung vom 3.8.1945 so geben diese einen Hinweis.
„Militärverwaltung fordert antifaschistische Jugend“ oder „Demokratischer Aufbruch“ heißt es in dieser Ausgabe. Die vorherigen Umbenennungen waren den sowjetischen Besatzungsmächten nicht ausreichend um diese Ziele zu verwirklichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Leipziger Straßennamen als Ausdruck von Geschichtspolitik ein und definiert den Untersuchungszeitraum von 1945 bis 1989.
2. Auswirkung und Bedeutung von Straßenumbenennungen: Dieses Kapitel erläutert die theoretische Funktion von Straßennamen als Orientierungsmittel und ideologisches Instrument sowie die statistischen Rahmendaten der Umbenennungen in Leipzig.
2.1. Bedeutung Straßennamen in der SBZ und DDR: Hier wird der Zusammenhang zwischen Straßennamen, politischer Ideologie und der Schaffung eines kollektiven Gedächtnisses näher beleuchtet.
2.2. Statistische Darstellung aller Straßenumbenennungen in Leipzig von 1945-1989: Dieses Kapitel liefert eine quantitative Auswertung der Umbenennungsvorgänge und setzt diese in den Kontext der jeweiligen politischen Phasen.
3. Veränderungen der Straßennamen in Leipzig im historischen Kontext: Die historischen Entwicklungen der Straßennamen in Leipzig werden hier chronologisch und unter Berücksichtigung der unterschiedlichen politischen Zäsuren analysiert.
3.1. Straßenumbenennungen in der SBZ: Untersuchung der unmittelbaren Nachkriegszeit, geprägt von den ersten Umbenennungswellen und dem Ziel der Entnazifizierung.
3.2. Straßenumbenennungen in der DDR: Analyse der weiteren Entwicklung während der DDR-Zeit, in der der Fokus zunehmend auf der Stabilisierung des Systems und dem Heldenkult um kommunistische Widerstandskämpfer lag.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Straßenumbenennungen als zentrales Mittel der Machtausübung und ideologischen Inszenierung in der SBZ und DDR.
Schlüsselwörter
Leipzig, Straßenumbenennungen, SBZ, DDR, Geschichtspolitik, Ideologie, Widerstandskämpfer, Heldenkult, kollektives Gedächtnis, Stadtbild, Entnazifizierung, Machtausübung, Erinnerungskultur, SED, antifaschistisch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die politischen Straßenumbenennungen in Leipzig zwischen 1945 und 1989 als Mittel der ideologischen Einflussnahme.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Entnazifizierung des Straßenbildes, der Aufbau eines sozialistischen Geschichtsbewusstseins und der gezielte Einsatz von Straßennamen als Symbole der herrschenden Ideologie.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, ob die Umbenennungen primär der Erinnerung an NS-Opfer dienten oder ob sie gezielte Mittel waren, um neue Ideologien und ein neues Geschichtsbewusstsein in der Bevölkerung zu verankern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Archivmaterialien, statistischen Daten zu Umbenennungswellen und der Auswertung von zeithistorischer Literatur und zeitgenössischen Presseberichten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit inhaltlich behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Bedeutung von Straßennamen in der SBZ und DDR, bietet eine statistische Übersicht der Umbenennungen und kontrastiert diese mit den historischen Rahmenbedingungen und politischen Zäsuren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung am besten?
Die wichtigsten Begriffe sind Leipzig, Straßenumbenennungen, Geschichtspolitik, Ideologie, Widerstandskämpfer und Erinnerungskultur.
Welche Rolle spielten kommunistische Widerstandskämpfer bei der Namensgebung?
Sie nahmen eine zentrale Rolle ein, da ihre Ehrung dazu diente, den Heldenkult des kommunistischen Systems zu manifestieren und das kollektive Gedächtnis entsprechend der SED-Doktrin zu formen.
Warum wird die Umbenennungspraxis in der DDR als "Heldenkult" bezeichnet?
Die Autorin argumentiert, dass die bewusste Inszenierung der Ehrung bestimmter Personen über Festakte und Medien gezielt dazu genutzt wurde, die Macht des neuen Systems zu festigen und politisch genehme Vorbilder zu etablieren.
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- Carolin Teubert (Author), 2011, Straßenumbenennungen in Leipzig zur Zeit der SBZ und DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178019