Daniel 8,14 - Das Heiligtum und der Yom Kippur


Seminararbeit, 2009

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund

3. Yom Kippur
3.1. Das Heiligtum
3.1.1. Die Vermittlung
3.1.2. Die Versöhnung
3.1.3. Die Heiligung
3.2. Der Yom Kippur

4. Die Reinigung des Heiligtums
4.1. Was bedeutet Frevel?
4.2. Das Problem mit der Reinigung

5. Ein Typos?

6. Schluss

7. Bibliographie

1. EINLEITUNG

Was mich dazu bewegt dieses Kapitel zu bearbeiten ist die Tatsache, dass das Buch Daniel für mich persönlich mit zu den spannendsten Büchern der Bibel gehört. Es steckt voller Geheimnisse, Symbole, geistlichen Lektionen und eschatologischen Inhalten. Es liefert uns Informationen über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. In dieser Arbeit wird sich alles um das 8. Kapitel drehen. Ich sehe dieses Kapitel und dieses Thema auch zum Teil als persönliche Herausforderung und Weiterentwicklung. Ein Kapitel was auf den ersten Blick unklar und verwirrend erscheint, jedoch wenn man sich Stück für Stück und unter Gebet diesem Teil der Heiligen Schrift nähert, sich allmählich die Augen öffnen. Dieses Kapitel liegt mir persönlich sehr am Herzen. Ziel dieser Arbeit ist es die Verbindung zu dem 3. Buch Mose aufzuzeigen. Mögen wir uns mit einer demütigen Einstellung an dieses Kapitel wagen, offen für Gottes Geist sein und offen für Korrekturen unseres menschlichen Denkens. Es ist allein Gott der Erkenntnis und Verständnis schenkt (Dan 1,17).

„Die Bibelstelle, die vor allen andern die Grundlage und der Hauptpfeiler des Adventglaubens war, ist die in Daniel 8,14 gegebene Erklärung: „Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen um sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden.“ GK 411

2. HISTORISCHER HINTERGRUND

Das 8. Kapitel des Daniel Buches gibt uns ein historisches Datum anhand dessen wir bestimmen können in welchem Jahr Daniel das ]1ТП (die Vision) erhalten hat. Die Schilderung „Im dritten Jahr der Herrschaft des Königs Belsazar“ lässt nach unserer Zeitrechnung auf das Jahr 548 v. Chr. schließen.[1] Zu dieser Zeit kam es im Nahen Osten zu großen Umwälzungen. Persien trat nun auf die politische Weltbühne. Babylons Macht schwand allmählich, während Persien im Nahen Osten immer einflussreicher wurde. Die Meder und die Perser waren verwandte Völker. Jedoch herrschte ein Militärisches Ungleichgewicht. Die Meder waren das mächtigere der beiden Völker.[2] Demnach lebt Daniel als er die Vision erhalten hat, kurz vor dem Untergang Babylons und der Machtübernahme durch das Medo-Presische Reich.

Shea sagt weiter, dass der Perserkönig Kyros 539 v. Chr. die Babylonier besiegte,[3] neun Jahre nach dem Daniel die Vision erhalten hat. In Daniel 5 und 6 ist nachzulesen, welche unmittelbaren Auswirkungen dieser Sieg hatte. Wir halten fest, dass wenn wir uns in Kapitel 8 bewegen, wir uns im 6. Jhd. v. Chr. befinden. Eine Zeit des Umbruches, eine Zeit des Paradigmawechsels, eine Zeit im Exil.

3. YOM KIPPUR

Bevor wir uns dem zentralen Thema dieser Arbeit widmen, nämlich der Verbindung zwischen Daniel 8 und dem Heiligtum (und somit auch zum Yom Kippur), ist es zuerst notwendig zu verstehen was genau die Aufgabe des Heiligtums war und was der Yom Kippur bewirkt.

3.1. Das Heiligtum

Nach dem Mose am Berg Sinai einen Bund zwischen Gott und dem Volk Israel geschlossen hat (2Mo 24,1-11) und anschließend die Gesetzestafel in Empfang genommen hat (2Mo 24,12-18) sprach der Herr zu ihm: „Sag den Kindern Israel, dass sie für mich eine Opfergabe erheben von jedem, der es freiwillig gibt“ (2Mo 25,2). Diese Opfer[4] bestanden aus unterschiedlichsten Gegenständen.[5] Diese Dinge sollten hauptsächlich für den Bau der Stiftshütte verwendet werden, aber auch für die Kleidung der Priester und der Unterhaltung des Heiligtumsdienstes.[6] Doch warum sollte das Volk Israel dies alle darbringen und daraus ein Heiligtum (hebr. Vdpm) bauen? Warum dieser Aufwand? Die Bibel gibt uns diesbezüglich eine eindeutige Antwort: „Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, damit ich in ihrer Mitte wohne“ (2Mo 25,8). Der ausschlaggebende Grund warum das Volk Israel ein Heiligtum für den Herrn bauen sollte war weil Gott ein Gott der Nähe, ein Gott der Beziehung ist. Sein Wunsch ist es am Leben der Menschen teil zu haben. Er möchte mitten unter ihnen wohnen[7], das heißt, mit ihnen leben. Aufgrund des Sündenfalls ist es Gott nicht mehr möglich von Angesicht zu Angesicht mit uns in Kontakt zu treten. „With the inception of sin, the experience of open communion came to an end, and a perception of listance - on humanity's part - arose.“[8]. Daher musste eine andere Lösung her. Das Heiligtum, als ein Ort der Begegnung mit Gott. Doch das Heiligtum ist mehr als „nur“ Gottes „Wohnort“. Es hat noch drei weitere Grundlegende Aufgaben - nämliche 1. Die Vermittlung; 2. Die Versöhnung; 3. Die Heiligung. Diese drei Bereich wollen wir uns nun genauer anschauen.

3.1.1. Die Vermittlung

Die Aufgabe des Priesters war in erster Linie die Rolle des Vermittlers. Das war ihre hervorragendste Aufgabe. Selbst wenn der Sünder das Opfer brachte - das Blut durfte er nicht versprengen. Genauso wenig durfte er - der Sünder - von den Schaubroten essen, noch den Weihrauch darbringen oder die Leuchter versorgen. Dies alles musste ein anderer für ihn tun. Auch wenn er sich dem Tempel nähern konnte, so konnte er nicht hinein; auch wenn er das Opfer brachte, so konnte er es nicht darbringen; auch wenn er das Lamm töten durfte, so konnte er das Blut nicht darbringen. Gott war für ihn nur durch die Vermittlung des Priestertums erreichbar. Er konnte sich Gott nur in der Person eines anderen nähern. Durch all diese Dinge musste ihm bewusst werden, dass er jemanden brauchte, der für ihn eintrat, jemanden, der für ihn vermittelte. Der gesamte Heiligtumsdienst beruht auf dem Prinzip der Vermittlung. Der Sünder selbst war auf den Priester angewiesen der das reinigende Blut versprengte.[9]

3.1.2. Die Versöhnung

Ein weitere wichtiger Gesichtspunkt des Heiligtumsdienstes ist die Versöhnung. Sünde trennt von Gott. Sünde ist es, die ihn veranlasst sein Angesicht vor uns zu verhüllen und uns nicht zu hören (Jes 59,2). Doch durch die Darbringung der Opfer und der Gebete, konnte man sich Gott nähern, so konnte die Verbindung wiederhergestellt werden, so konnte die Versöhnung zwischen Gott und dem einzelnen Menschen stattfinden. So wie die Hauptaufgabe des Priestertums im Mittlerdienst bestand, so lag der Sinn der täglichen (hebr. TQt)[10] Opfer während des ganzen Jahres in der Versöhnung. Durch sie wurde das Verhältnis mit Gott wiederhergestellt bzw. gerechtfertigt (hebr. qdXn). Die Sünde hatte die Trennung verursacht - das Blut die Wiederherstellung. 3Mo 4 zeigt uns deutlich, dass egal ob Priester (V.3), das Volk (V.13), ein Fürst (V.22) oder ein einzelner aus dem Volk (V.27) sündigt, dass für ihn Versöhnung vorhanden war solange er sich an die Anordnung Gottes hält (V. 20. 26. 35.). Auch wir, die heute im 21. Jhd. leben sind mit Gott durch den Tod seines Sohnes versöhnt (Rö 5,10). Die Versöhnung geschieht durch das Blut. 2Chr 29,24[11] belegt dies, dass das Blut unteranderem eine reinigende Funktion inne hat.

3.1.3. Die Heiligung

Der dritte wichtige Aspekt des Heiligtumsdienstes war die Heiligung. Der tägliche Dienst des Jahres über, der im Heiligen stattfand, reichte nicht aus. Er musste ergänzt und vervollkommnet werden durch den Dienst im Allerheiligsten. Dass die Übertretung vergeben wird, nachdem sie begangen wurde, ist eine wunderbare Sache; aber das genügt nicht. Die Sünde des Volkes wurde an einem bestimmten Tag endgültig aus ihrer Mitte entfernt. Diese Heiligung bzw. Rechtfertigung wurde auch am Heiligtum selbst vollzogen. Der Hohepriester durfte nur einmal im Jahr und nach intensiver Vorbereitung das Allerheiligste betreten um dort gemäß der Anweisung Gottes Sühnung für das Heiligtum zu schaffen (3Mo 16,20). Diesen besonderen Tag nennt man „Versöhnugstag“ oder auch Yom Kippur. Diesen Tag wollen wir uns nun im nächsten Abschnitt gesondert anschauen.

[...]


[1] William H. Shea, Daniel 7-12: Prophetie und Endzeit, Studienreihe zur Bibel, 2 (Hamburg: Advent-Verlag GmbH, 1998) 78.

[2] Ibid., 78-80.

[3] Ibid.

[4] Heb. nmwrt - was eigentlich mit „Hebopfer“ übersetzt werden sollte, wird von der Wurzel Ül"] - „hoch sein“ abgeleitet. Das Wort bezeichnet die Abgabe der Israeliten an das Heiligtum (2Mo 29,27; 4Mo 18,8.11.19.24.26; Neh 10,40), die auch Hebopfer genannt werden, weil sie sich auf den Teil beziehen, der von ihren Einkommen und Erträgen abgehoben wurde. Siehe dazu: L. Wächter und T. Seidel, „ПОПЛ“, in G. Johannes Botterweck und Helmer Ringgren Hg., Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Band VIII (Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH, 1995), 758-764, dort 758.

[5] Aus Gold, Silber, Kupfer, blauem und rotem Purpur, Scharlach, feiner Leinwand, Ziegenhaar, rotgefärbten Widderfellen, Dachsfellen, Akazienholz, Öl für die Lampen, Spezereien zum Salböl und zu wohlriechendem Räucherwerk, Onyxsteinen und eingefaßten Steinen zum Priesterschurz und zur Brusttasche. Siehe 2Mo 25,3-7.

[6] M. L. Andreasen, Der Heiligtumsdienst (Königsfeld: Edelstein-Verlag, 1988), 17.

[7] Hebr. jk V - sich niederlassen, wohnen, ruhen, verweilen, sich aufhalten. Görg schreibt in: M. Görg, „jkV“, in G. Johannes Botterweck und Helmer Ringgren Hg., Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Band VII (Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH, 1993), 1337-1348, dort 1348: „JHWH, der „inmitten der Israeliten wohnen will“, gibt auch in Ez 43,7.9 eine „Verheißung der unkonditionalen zugsagten Gottesgegenwart“, die sich zugleich als eine „Selbstbindung Jahews an Israel“ [...] darstellt.“

[8] Roy Adams, The Sanctuary: Understanding the Heart of Adventist Theology (Hangerstown, MD: Review and Herald Publishing Association, 1993), 20.

[9] M. L. Andreasen, 37.

[10] Laut K. M. Byse, „T^D“, in G. Johannes Botterweck und Helmer Ringgren Hg., Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Band VIII (Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH, 1995), 680-683, dort 680: Wird die Redeweise „Tamid“ als Ausdruck für das tägliche, das ständige dargebrachte Brandopfer verwendet. Das Talmud-Traktat zum Tamid in Lazarus Goldschmid, Der babylonische Talmud, Band XII (Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 41996), 293-315 beschreibt die einzelnen Vorgänge der Vorbereitung und des Vollzugs des Tamid-Opfers, wobei mehrfach das Wort tamid benutzt wird. Zudem wird diese These bestätigt da es im letzten Abschnitt (S. 315) heißt: „Dies ist die Ordnung des beständigen Opfers beim Dienste in unserem Gotteshaus“. Aus diesem Traktat geht hervor, dass das Tamid-Opfer am Morgen und am Abend vollzogen wurde, wie es den Anweisungen von 2Mo 29,28 und 4Mo 28,4 entspricht. Roy Adams schildert, dass das täglich aus drei Elementen besteht. So schreibt er auf S. 34: „The daily service constisted of three main elemets: the morning and evening burnt offering, the offering of incense on the golden altar located in the holy place, and the special offerings for the personal sins (see Ex. 39,38-42; Num. 25:3-8; Ex. 30:6-8, 34-38; Lev. 4).“ Die Beschreibung des Tamid-Opfers und der zugehörigen Bestandteile findet sich in 4Mo 28,3-7. Wichtig beim Tamid-Opfer ist, dass es täglich stattfand und zwar jeden Morgen und jeden Abend.

[11] „Und die Priester schlachteten sie und taten ihr Blut zur Entsündigung an den Altar, um Sühne zu schaffen für ganz Israle.“

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Daniel 8,14 - Das Heiligtum und der Yom Kippur
Hochschule
Seminar Schloss Bogenhofen
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V178057
ISBN (eBook)
9783656001010
ISBN (Buch)
9783656000570
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Daniel, Heiligtum, Yom Kippur, Daniel 8
Arbeit zitieren
Andreas Weber (Autor), 2009, Daniel 8,14 - Das Heiligtum und der Yom Kippur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178057

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