Diskursethik nach Habermas und braune Jugendgewalt


Hausarbeit, 2010

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1 EINLEITUNG

2 KURZLEBENSLAUF VON JÜRGEN HABERMAS

3 DIE THEORIE DES KOMMUNIKATIVEN HANDELNS
3.1 Kommunikation: Kommunikatives Handeln und Diskurs
3.2 Die universalen Geltungsansprüche

4 DER HERRSCHAFTSFREIE DISKURS
4.1 Regeln einer idealen Sprechsituation
4.2 Die kontrafaktische Unterstellung der idealen Sprechsituation
4.3 Herrschaftsfreiheit als rational begründetes Ideal

5 KOMMUNIKATIVES HANDELN UND LEBENSWELT
5.1 Rationalisierung und Kolonialisierung der Lebenswelt

6 BRAUNE JUGENDGEWALT ALS „SYMPTOM DER EROSION KOMMUNIKATIVER STRUKTUREN“ (SCHÄFER-VOGEL 2010)

7 FAZIT: WELCHE LÖSUNGSANSÄTZE BIETET DIE DISKURSETHIK?

8 LITERATURVERWEISE

1 EINLEITUNG

Der Begriff Diskursethik verführt zu der Idee, es handle sich um eine Ethik, die lediglich moralische Richtlinien für praktische Diskurse definieren möchte. Das tut sie zwar auch, aber sie ist trotzdem mehr als eine Bereichsethik, denn über das richtige Handeln im praktischen Diskurs hinaus, begründet die Diskursethik das Moralprinzip durch Reflexion auf die Diskurspraxis und bietet darüber hinaus Orientierung durch die Möglichkeit der Überprüfung von Normen innerhalb von Diskursen. (vgl. Düwell/Hübenthal/Werner 2002, S.140ff)

Die folgende Arbeit befasst sich mit der von Habermas entwickelten Linie der Diskursethik, die an den politischen Idealen der Aufklärung anknüpft. Es ging ihm immer um die Verwirklichung einer demokratischen vernünftigen Gesellschaft, die von mündigen und emanzipierten Bürgerinnen und Bürgern gestaltet wird. (vgl. Treibel 1995, S.159) Habermas selbst hat bereits früh (1961!) zu verstehen gegeben, dass er diese in der Bundesverfassung formulierten Ideale in der bundespolitischen Realität nicht umgesetzt sieht. (vgl. Graf 2009, S.4) Seither sind 50 Jahre vergangen und anstelle der grundgesetzlich verankerten demokratischen Bürgergesellschaft realisieren sich zunehmend eher Orwellsche Utopien. Großkonzerne gestalten mit geballter Wirtschaftsmacht eine für sie vorteilhafte Politik selbst, während Bürgerrechte dramatisch abgebaut werden. (vgl. Butterwegge 2006, 2008, 2009, Weiss/Schmiederer 2004, Müller 2004, 2006, 2010) Gleichgeschaltete Medien der Medienmogule steuern Meinungsbildungsprozesse über ihre Agenturen, über gut bezahlte wissenschaftliche Institute, in Zeitschriften und Büchern, Nachrichtensendungen, Dokumentationen, durch Mietmäuler in Talkshows und sogar in Seifenopern, um den Bürger von der zwingenden Notwendigkeit ihrer Raubzüge zu überzeugen und mit Angst und Scham (Sozialschmarotzer) stumm zu schalten. (vgl. ebds., vgl. Schimmek 2010) Mögliche Diskurse werden „durch Filterung, Verformung oder manipulative Steuerungen von Kommunikationsflüssen“ ausgeblendet. (Friesenhahn/Kniephoff-Knebel)

Der zweite Teil dieser Arbeit befasst dich daher mit der einseitigen Rationalisierung der Lebenswelt durch die Imperative von Macht, Geld und Bürokratie, die kommunikative Kompetenz der Individuen aufgrund ihrer Ausgeschlossenheit aus systemrelevanten Diskursen und der Neutralisierung ihrer Staatsbürgerrolle immer mehr verkümmern lässt und so u. a. auch die Ursache der Entstehung brauner Jugendgewalt darstellt. Abschließend sollen die Möglichkeiten diskursethischer Praxis zur Lösung dieser Problematik aufgezeigt werden.

2 KURZLEBENSLAUF VON JÜRGEN HABERMAS

International ist er der bekannteste deutsche Intellektuelle, wie die Übersetzungen seiner Werke und seine Vortragsreisen nach Japan, China, Iran, Spanien und Frankreich zeigen. Jürgen Habermas wurde 1929 in Düsseldorf geboren. Er studierte Philosophie, Geschichte, Psychologie, Deutsche Literatur und Ökonomie in Göttingen, Zürich und Bonn und arbeitet im Anschluss als Journalist. (vgl. Treibel 1995, S.158f)

Am Frankfurter Institut für Sozialforschung arbeitet er als Forschungsassistent und wird dort Schüler von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Es folgen verschiedene Professuren in Heidelberg, Frankfurt, Starnberg und schließlich wieder in Frankfurt. Auch nach seiner Emeritierung 1993 hat er sich immer wieder in Debatten eingemischt, bzw. durch seine Stellungnahmen solche ausgelöst. (vgl. ebd.)

Für seine Werke hat er zahlreiche Auszeichnungen erhalten, wie den Adorno-Preis, den Hegel-Preis und den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. (vgl. ebd.)

3 DIE THEORIE DES KOMMUNIKATIVEN HANDELNS

Das diskursethische Moralprinzip fordert ein Handeln, dem alle mit Rationalität ausgestatteten Teilhaber der von der Handlung betroffenen in einem „unbegrenzten argumentativen Diskurs zustimmen könnten“. (Düwell/Hübenthal/Werner 2002, S.140ff)

Allgemeingültige Kriterien für rationales Handeln sind laut Habermas in der Linguistik der menschlichen Sprache zu finden. (vgl. Baum 2004, S.158, vgl. Gripp1984, S.39)

„ die gattungsspezifische Kompetenz des Menschen, eine Sprache sprechen zu können, ist notwendige und zugleich hinreichende Bedingung dafür, daß[sic!] die Menschheit zu Mündigkeit und das heißt zu Vernünftigkeit fähig ist. “ (Gripp 1984, S.39)

Habermas geht davon aus (in Anlehnung an Noam Chomsky), dass die Formulierung von Sätzen aus einer Menge von Sprachelementen nach bestimmten Regeln verläuft und dass auch die Ausübung dieser Sprachkompetenz, also die Umformung grammatikalisch richtiger Sätze in Äußerungen, auf einem Regelsystem basiert und somit einer logischen Analyse zugänglich ist. (vgl. ebd.S. 39ff, vgl. Habermas 1984, S.353ff)

3.1 Kommunikation: Kommunikatives Handeln und Diskurs

Habermas unterzieht den Kommunikationsbegriff einer genauen Analyse.

Sätze werden erst dann zu Äußerungen, wenn sie in einen situativen Kontext gestellt werden und eine Interaktion zwischen Kommunizierenden stattfindet. Deshalb ist eine sprachliche Äußerung immer mit außersprachlichen Äußerungen verbunden. (vgl. Habermas 1971, S. 114, zitiert in: Gripp 1984, S.42f)

Jede Verständigung hat daher zwei Kommunikationsebenen: die Inhaltsebene und die Beziehungsebene. Habermas unterscheidet nun zwischen zwei Formen der Kommunikation, zwischen kommunikativem Handeln und Diskurs (vgl. ebds.):

In Gesprächen, [...] sind Ä ußerungen als kommunikatives Handeln gerade daran zu erkennen, dass sie in den Kontext außersprachlicher Ä ußerungen eingelassen sind. In Diskursen hingegen sind sprachliche Ä ußerungen thematisch zugelassen. Handlungen und Ausdruck der Beteiligten sind nicht Bestandteil des Diskurses. (ebds.)

Die Diskursebene wird dann betreten, wenn Zweifel an der Gültigkeit der Äußerung im kommunikativen Handeln bestehen. Durch den Wechsel der Kommunikationsebene auf die Ebene des Diskurses sollen diese Zweifel diskursiv beseitigt werden. Das heißt, jedes kommunikative Handeln basiert nach Habermas auf dem Vertrauen der Kommunikationspartner, dass eventuelle Missverständnisse durch den Klärungsprozess des Diskurses ausdiskutiert werden können. (vgl. ebds.)

3.2 Die universalen Geltungsansprüche

Habermas glaubt, dass allgemeingültige Kriterien für rationales Handeln in der Linguistik der menschlichen Sprache zu finden sind. Als Vorlage dient ihm zunächst die von Austin und Searle erarbeitete Theorie der Sprechakte. (vgl. Baum 2004, S.158ff).

Im menschlichen Sprechakt werden 2 Ebenen unterschieden: die propositionale Ebene und die performative Ebene. (vgl. ebd.) Unter der propositionalen Ebene versteht man den gesprochenen Satz und die Bedeutung, die der Sprechende damit verbindet, während auf performativer Ebene die Deutung des Hörers stattfindet (vgl. ebd.). Habermas unterscheidet vier Klassen von Sprechakten auf performativer Ebene, denen er unterschiedlichen Sinngehalt und jeweils ganz bestimmte Geltungsansprüche des Sprechers zuweist (vgl. ebd.):

1. Kommunikative Sprechakte (z.B. „Ich sage…“)

Sie geben den pragmatischen Sinn des gesprochenen Satzes wieder und erheben als Geltungsanspruch Verständlichkeit. (vgl. ebd.).

2. Konstative Sprechakte (z.B. „Ich behaupte…“)

„Diese drücken den Sinn der kognitiven Verwendung gesprochener Sätze aus“ (ebd.) und erheben als Geltungsanspruch nichts Geringeres als die Wahrheit. (vgl. ebd.)

3. Repräsentative Sprechakte (z.B. „Ich fürchte…“)

Diese Art von Sprechakten ist als Selbstdarstellung zu verstehen und erhebt als Geltungsanspruch Wahrhaftigkeit. (vgl. ebd.)

4. Regulative Sprechakte (z.B. („Ich befehle…“)

Sie enthalten den Sinn der praktischen Verwendung von Sätzen und beanspruchen für ihre Geltung Richtigkeit. (vgl. ebd.)

Während der Geltungsanspruch der Verständlichkeit keiner Einlösbarkeit bedarf, da er als Grundvoraussetzung eines gelungenen Gesprächs betrachtet wird und die Wahrhaftigkeit des Sprechenden an seinem Handeln gemessen werden kann, lässt sich laut Habermas der Anspruch auf Wahrheit und Richtigkeit im Sprechakt „nur im theoretischen bzw. im praktischen Diskurs überprüfen und legitimieren“. (ebd. S.159, vgl. ebd.)

Ziel jeder Kommunikation ist Einverständnis, welches auf der Anerkennung der vier Geltungsansprüche -Verständlichkeit, Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Richtigkeit - basiert. (vgl. Gripp 1984, S. 50f)

Sprechhandlungen können zurückgewiesen werden, wenn der Angesprochene Zweifel hat bezüglich 1. der Richtigkeit des Handelns in Bezug auf diese Norm bzw. die Norm selbst, oder 2. der Angesprochene Zweifel darüber hat, dass der Sprecher wirklich meint, was er sagt oder 3. daran zweifelt, dass die Aussage wahr ist. (vgl. Habermas 1987, S.411f)

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Diskursethik nach Habermas und braune Jugendgewalt
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)  (FB Sozialwesen)
Veranstaltung
Ethik in der Sozialen Arbeit
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V178068
ISBN (eBook)
9783640998579
ISBN (Buch)
9783656031307
Dateigröße
447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
diskursethik, habermas, jugendgewalt
Arbeit zitieren
BA Soziale Arbeit L. Lauprecht (Autor), 2010, Diskursethik nach Habermas und braune Jugendgewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178068

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Diskursethik nach Habermas und braune Jugendgewalt



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden