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Arbeitsbedingungen in stationären Erziehungshilfen unter den Einflüssen der Ökonomisierung in Ostdeutschland

Welche Handlungsmöglichkeiten und Strategien bleiben den Fachkräften?

Titel: Arbeitsbedingungen in stationären Erziehungshilfen unter den Einflüssen der Ökonomisierung in Ostdeutschland

Bachelorarbeit , 2024 , 165 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Toni Kursawa (Autor:in)

Didaktik - Gemeinschaftskunde / Sozialkunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Eine qualitativ empirische Untersuchung der Personalstrukturen und der Auswirkungen prekärer Arbeitsbedingungen auf die sozialpädagogische Qualität der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Heimerziehung.

Soziale Arbeit als Profession sieht sich aktuell mehr denn je gezwungen, sich in vielen Bereichen ihrer Wirkungsfelder betriebswirtschaftlichen Vorgaben unterzuordnen. Gleichzeitig wird ihre Notwendigkeit von der Öffentlichkeit und ihren Institutionen zunehmend unter Anlegung von Kosten-Nutzen-Schemata bewertet. Die Perspektiven ihrer Fachlichkeit, wie bspw. die des Vorrangs von fundamentaler Subjekt- vor starren ökonomischen Erfolgsbemessungsmethoden der Output-Orientierung müssen dabei stets von Fachkräften in ihrer Bedeutung bestärkend hervorgehoben werden, um die Zwecke sozialpädagogischer Methoden zu rechtfertigen. Da es sich bei den stationären Hilfen zur Erziehung um ein Arbeitsfeld handelt, dessen offerierte Hilfen zu den kostenintensivsten Leistungen des Achten Buches des Sozialgesetzbuches (SGB VIII) gehören, stehen hier alle Akteure unter besonders starkem ökonomischem Druck und Wettbewerb. Wie wirkt sich dieser politisch gewollte Druck und Wettbewerb auf die leistungserbringenden Sozialarbeitenden als Angestellte häufig, betriebswirtschaftlich orientierter Betriebe in der Heimerziehung aus? Welche Ressourcen oder Strategien helfen Sozialarbeitenden den schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen zu trotzen oder befindet sich Soziale Arbeit in den stationären Erziehungshilfen bereits in einem aussichtslosen Rückzugsgefecht? Diese Bachelorarbeit versucht eine ausführliche Betrachtung theoretischer Zusammenhänge und des aktuellen Forschungsstandes mit der Perspektive einer qualitativ empirischen Untersuchung mit einem deduktiv hermeneutischen Ansatz zu vergleichen und diesen Fragen auf den Grund zu gehen, um Antworten zu finden, die Sozialarbeitenden dabei helfen sollen, in diesem Berufsfeld tätig bleiben und sowohl ihre eigenen arbeitsrechtlichen Interessen als auch die Fachlichkeit ihrer Profession besser vertreten zu können und die bestehenden, dringlichen, politischen und professionellen Handlungsbedarfe zu verdeutlichen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Gender-Erklärung

I. Einleitung

I.1. Problemstellung

I.1.a) Ziele und Herausforderungen der Hilfe

I.1.b) Ökonomische Einflüsse auf das Arbeitsfeld und die Qualität

I.1.c) Fachkräftemangel: Personalstrukturen im Zeichen betriebswirtschaftlicher Zwänge

I.2. Zielsetzung

I.3. Aufbau der Bachelorarbeit

II. Rechtliche Grundlagen stationärer Hilfen zur Erziehung (HzE)

II.1. Heimerziehung als Bestandteil der HzE

II.1.a) HzE (§27 SGB VIII)

II.1.b) Heimerziehung und sonstige betreute Wohnformen (§34 SGB VIII)

II.1.c) Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung (§35 SGB VIII) und Eingliederungshilfe (§35a SGB VIII)

II.1.d) Hilfe für junge Volljährige (§41 SGB VIII)

II.1.e) Mitwirkung, Hilfeplan (§36 SGB VIII)

II.2. Der gesetzliche Rahmen des Leistungsdreiecks

II.2.a) Pflichten öffentlicher Träger

II.2.b) Die Rolle der Leistungserbringenden

II.2.c) Rechtsansprüche für Leistungsempfangende

II.3. Exkurs Arbeitsrecht

II.3.a) Faktorisierte Arbeitszeiten und Bereitschaftsdienste

II.3.b) Arbeitsrechtliche Einflussmöglichkeiten für Sozialarbeitende

III. Theorien und Vorannahmen

III.1. Ökonomisierung

III.1.a) Paradigmenwechsel politischer Zielsetzungen im Sozialstaat

III.1.b) Die Ökonomisierung Sozialer Arbeit in Ostdeutschland

III.1.c) Ökonomische Abhängigkeiten im Leistungsdreieck

III.1.d) Die Effekte auf die sozialpädagogischen Fachkräfte

III.1.d)i. Positive Effekte

III.1.d)ii. Arbeitsverdichtung durch pädagogisch unrelevante Messbarkeitszwänge

III.1.d)iii. Rationalisierungen und der Fachkräftemangel

III.1.d)v. Gesundheitsrisiken und häufige Erkrankungen

III.2. Qualitätsbegriff

III.2.a) Dimensionen des Qualitätsbegriffes

III.2.a)i. Qualität: Betriebswirtschaftslehre vs. Soziale Arbeit

III.2.a)ii. Qualität in den stationären Erziehungshilfen

III.2.b. Qualität am Arbeitsplatz

III.2.c) Kompensationsstrategien für Qualitätssicherung?

III.3. Forschungsfrage

IV. Methodisches Vorgehen

IV.1. Datenerhebung

IV.1.a) Umgang mit Vorwissen und persönlichen Erfahrungen

IV.1.b) Auswahl Erhebungsmethode

IV.1.c) Problemzentriertes, leitfadengestütztes Experteninterview

IV.2. Qualitative Inhaltsanalyse und -auswertung mit „f4analyse“

V. Diskussion der Ergebnisse

V.1. Ergebnisse und Ergebnisdiskussion

V.1.a) Überblick

V.1.b) Die subjektiven Wahrnehmungen des Arbeitsfeldes und intrinsische Qualitätssicherungsanreize

V.1.c) Die Personalsituation als Spiegel der Arbeitsbedingungen durch AG

V.2. Fazit und Ausblick

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das Hauptziel dieser Bachelorarbeit besteht darin, die Auswirkungen ökonomisch beeinflusster Arbeitsbedingungen auf die Personalsituation in den stationären Erziehungshilfen zu untersuchen und herauszufinden, welche Strategien Fachkräften helfen, die sozialpädagogische Qualität trotz widriger Umstände aufrechtzuerhalten.

  • Analyse der Ökonomisierungseffekte und deren Einfluss auf die professionelle Praxis in Ostdeutschland
  • Untersuchung rechtlicher Grundlagen und des Leistungsdreiecks in der Jugendhilfe
  • Bewertung von Qualitätsbegriffen im Spannungsfeld zwischen Betriebswirtschaft und Sozialpädagogik
  • Empirische Erhebung durch leitfadengestützte Experteninterviews mit Fachkräften und Studierenden
  • Identifikation von Belastungsfaktoren, Gesundheitsrisiken und individuellen Kompensationsstrategien

Auszug aus dem Buch

I.1. Problemstellung

Die stationären Hilfen zur Erziehung (HzE), hier vor allem die „Heimerziehung oder sonstige betreute Wohnformen“ (§34 SGB VIII) gehören neben der Erziehungsberatung und Sozialpädagogischer Familienhilfe zu den am häufigsten vermittelten Einzelhilfeformen der HzE nach §27 SGB VIII. In 2022 lebten 121.000 junge Menschen in Heimen (Statistisches Bundesamt (DeStatis), a, 2023).

Wie auch allgemein für die HzE festzustellen, ist insbesondere in den für die Fremdunterbringung relevanten Hilfen ein stetig zunehmender Bedarf in der letzten Dekade erkennbar (Siehe Abbildung 1).

Das weite Arbeitsfeld der Heimerziehung soll Kinder- und Jugendliche, welche aus unterschiedlichen Gründen auf eine Unterbringung außerhalb der Herkunftsfamilie angewiesen sind, gemeinsam mit den Personensorgeberechtigten (PerSorgBer) auf eine Rückführung in den Herkunftshaushalt vorbereiten oder wenn dies nicht möglich ist, partizipativ zu einer eigenständigen und eigenverantwortlichen Lebensführung befähigen, sie dabei sozialpädagogisch professionell begleiten und in familienähnlichen Settings, häufig in sog. dezentralen Wohngruppen (WG) rund um die Uhr betreuen (Jordan et al., 2015, S. 261 ff.).

Die jungen Menschen und ihre PerSorgeBer finden sich dabei als Hilfeempfangende im sogenannten Leistungsdreieck zwischen den Leistungstragenden und Leistungserbringenden wieder. Leistungstragende sind die öffentlichen Trägerschaften durch die örtlich zuständigen Jugendämter (JAmt/ JÄmter) und ihre übergeordneten Landesbehörden. Als Leistungserbringende sind die Trägerschaften der stationären Einrichtungen, w. z. B. dezentrale WG gemeint (Jordan et al., 2015, S. 382 ff.). Begründet wird die Hilfe durch einen Rechtsanspruch der PerSorgBer auf „Hilfen zur Erziehung“ nach §27 SGB VIII mit dem alleinigen Fokus auf den individuellen Hilfebedarfen der jeweiligen Kinder und Jugendlichen, welche sich nicht zuletzt aus den Normierungen der Kinderrechte der UN-Kinderechtskonvention von 1990 (UN-KRK), zu welchen sich auch die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet hat, ergeben.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der Ökonomisierung in den stationären Erziehungshilfen ein, beleuchtet die Kernproblematik prekärer Arbeitsbedingungen für Fachkräfte und formuliert die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.

II. Rechtliche Grundlagen stationärer Hilfen zur Erziehung (HzE): Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Rahmenbedingungen des SGB VIII, die Rechte und Pflichten im Leistungsdreieck sowie arbeitsrechtliche Besonderheiten wie Bereitschaftsdienste und faktorisierte Arbeitszeiten.

III. Theorien und Vorannahmen: Es werden die theoretischen Perspektiven der Ökonomisierung, des Qualitätsbegriffs und der Arbeitsbelastungen beleuchtet, um daraus fundierte Hypothesen und den Forschungsbedarf abzuleiten.

IV. Methodisches Vorgehen: Die Methodik beschreibt die Durchführung und Auswertung leitfadengestützter Experteninterviews mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach einem hermeneutischen Ansatz.

V. Diskussion der Ergebnisse: Hier werden die Ergebnisse der Interviews mit den theoretischen Vorannahmen verglichen, um Rückschlüsse auf die Personalsituation, Qualitätsverluste und Bewältigungsstrategien zu ziehen.

Schlüsselwörter

Heimerziehung, Hilfen zur Erziehung, Ökonomisierung, Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, Sozialpädagogische Qualität, Leistungsdreieck, Arbeitsrecht, Bereitschaftsdienst, Burnout, Qualitätsmanagement, Experteninterview, Kindeswohl, Bewältigungsstrategien

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit im Grundsatz?

Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen ökonomischen Einflüssen, den Arbeitsbedingungen von Fachkräften und der Personalsituation in den stationären Erziehungshilfen in Ostdeutschland.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Fokus stehen die Ökonomisierung Sozialer Arbeit, rechtliche Grundlagen nach dem SGB VIII, der Fachkräftemangel, arbeitsrechtliche Regelungen sowie Qualitäts- und Belastungsfaktoren am Arbeitsplatz.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Es wird analysiert, welche Auswirkungen die aktuellen Arbeitsbedingungen auf die Personalsituation haben und welche Strategien für Fachkräfte nützlich sind, um die sozialpädagogische Qualität aufrechtzuerhalten.

Welche wissenschaftliche Methode wurde angewendet?

Es wurde ein qualitativ-empirischer Ansatz gewählt, bei dem leitfadengestützte Experteninterviews mit in der Heimerziehung tätigen Fachkräften und Studierenden mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet wurden.

Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich den theoretischen Grundlagen der Ökonomisierung, den Dimensionen des Qualitätsbegriffs nach Donabedian, arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen sowie der empirischen Auswertung der Interviews.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Publikation charakterisieren?

Zentrale Keywords sind Heimerziehung, Ökonomisierung, Arbeitsbedingungen, Fachkräftemangel, sozialpädagogische Qualität, Leistungsdreieck und Burnout.

Welche Rolle spielen gewerbliche Träger in der Untersuchung?

Gewerbliche Träger in Form von GmbHs oder gGmbHs stehen im Fokus, da bei ihnen der wirtschaftliche Druck und die Gewinnorientierung besonders stark auf Kosten des Personals ausgetragen werden.

Wie wirken sich unbezahlte oder faktorisierte Nachtbereitschaften auf das Personal aus?

Faktorisierte Bereitschaftszeiten führen zu starker physischer und psychischer Belastung durch Schlafentzug, unzureichende Vergütung und das Gefühl mangelnder Wertschätzung durch den Arbeitgeber.

Welche Bedeutung hat das sogenannte Triple-Mandat in diesem Kontext?

Das Triple-Mandat nach Staub-Bernasconi beschreibt die Verpflichtung von Sozialarbeitenden gegenüber Wissenschaft, Berufskodex und Menschenrechten, was in der Praxis oft zu enormen Loyalitätskonflikten führt.

Warum greifen viele Fachkräfte zu negativen Kompensationsstrategien?

Wegen anhaltender Überarbeitung und fehlender externer Ressourcen neigen Fachkräfte zu Mehrarbeit über ihre Belastungsgrenze hinaus, zur Absenkung von Ansprüchen oder entwickeln zynische Verhaltensweisen.

Ende der Leseprobe aus 165 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Arbeitsbedingungen in stationären Erziehungshilfen unter den Einflüssen der Ökonomisierung in Ostdeutschland
Untertitel
Welche Handlungsmöglichkeiten und Strategien bleiben den Fachkräften?
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg  (Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien)
Veranstaltung
BA Soziale Arbeit
Note
1,3
Autor
Toni Kursawa (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2024
Seiten
165
Katalognummer
V1780741
ISBN (PDF)
9783389209721
ISBN (Buch)
9783389209738
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziale Arbeit Social Work Ostdeutschland East Germany Ökonomisierung Sozialwesen Hilfen zur Erziehung Fachkräftemangel Kinderheime Jugendhilfe Kinderschutz Jugendschutz prekäre Arbeitsbedingungen Arbeitsbedingungen freie Träger
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Toni Kursawa (Autor:in), 2024, Arbeitsbedingungen in stationären Erziehungshilfen unter den Einflüssen der Ökonomisierung in Ostdeutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1780741
Blick ins Buch
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