"Welcome I can say always" Die Kara Südwestäthiopiens und ihre Sicht auf den Tourismus in Korcho


Magisterarbeit, 2010
103 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen: Tourismus als ethnologisches Forschungsfeld
2.1 Ethno-Tourismus und Nachhaltigkeit - "Come and discover the undiscovered"
2.2 Theoretische Grundlagen: Kulturell Fremde im Kontakt
2.3 Afrikanische Länder als Reiseziel

3 Tourismus in der South Ото Zone Südwestäthiopiens
3.1 Entwicklung des Tourismus in der South Ото Zone
3.2 Die touristische Vermarktung der Region
3.3 Die staatliche Verwaltung des Tourismus in der South Ото Zone
3.4 Zusammenfassung

4 Die ethnische Gruppe der Kara
4.1 Siedlungsgebiet und Wirtschaft
4.2 Ethnische Gliederung und Sozialstruktur
4.3 Ritual und Religion
4.4 Das spezielle Verhalten der Kara-paxalmamo - Ironie und Cleverness
4.5 Einflusssphären innerhalb der "Kulturellen Nachbarschaft"
4.6 Einflusssphären außerhalb der "Kulturellen Nachbarschaft"
4.6.1 Staat und Stadt
4.6.2 Schule-„akey oflife“
4.6.3 Wasserkraftprojekt GilgelGibe

5 Der Tourismus bei den Kara
5.1 Das Community Based Tourism - Projekt in Korcho
5.1.1 Die lokale Verwaltung und Umsetzung
5.1.2 Rolle der lokalen Guides als Mittler
5.1.3 Die ökonomische und kulturelle Bedeutung

6 Die Touristen und die Kara - Kontakt und Kommunikationen
6.1 Die Strukturen der Touristenbesuche
6.2 Die Interaktion - Das Verhalten der Kara, die Reaktion der Touristen und umgekehrt
6.3 Das Foto und das Geld
6.4 Von Farben, Tänzen und Sprüngen - das touristische Unterhaltungsprogramm
6.5 Die Meinung der Kara zum Tourismus
6.6 Das Eigene und das Andere - Was ist ein Tourist?
6.7 Die Nationalität von Touristen als Zuordnungskriterium
6.8 Zusammenfassung: Die Bedeutung des Tourismus für die Kara

7 Auswertung

Literaturverzeichni s Anhang

Anhang:

Liste der Informanten (Interview/ Gespräch) Beispiel- und Feldbilder

Abbildungsverzeichnis

Abbildungl ForaBeluko,Korcho

Abbildung 2 Hütten des Tourismus-Projektes in Korcho

Abbildung 3 Zu Boden geworfene Blüte, die als Schmuck diente

Abbildung 4 maz während einer Initiation bei den Hamar

Kartenverzeichnis

Karte 1 Southern Nations, Nationalities and Peoples Regional State (SNNPRS)- Regionen, Zonen, woredas

Karte 2 Siedlungsgebiet der Kara

Karte 3 Die "Kulturelle Nachbarschaft" der Kara

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Touristische Ankünfte und Einnahmen im SNNPRS von 1992-2001

Danksagung

Zu großem Dank bin ich Dr. Felix Girke verpflichtet, den ich 2008 auf eine Feldforschung begleiten durfte und der mich in die Welt der Kara einführte. Außerdem Dunga B. Nakuwa, der mich während des gesamten Forschungsprozesses unterstützte und mir voller Elan seine Kultur präsentierte.

Besonders wertvoll war auch die Hilfe von Prof. Dr. Ivo Strecker und seiner Frau Jean Lydall. Ihr Forschungscenter, das SORCAM in Jinka, hat vieles erleichtert, indem es als Treffpunkt für Ethnologen, aber auch als Ruhepol zwischen den Forschungen diente.

Herzlich bedanken möchte ich mich bei Prof. Dr. Bernhard Streck, der sein Vertrauen in mich legte und mich zu dieser Forschung ermutigte.

Natürlich danke ich dem DAAD (Deutscher Akademischer Austausch Dienst) für die finanzielle Unterstützung, die mir beide Aufenthalte in Äthiopien ermöglichte.

Zu guter Letzt allen Menschen, die meine Fragen nicht unbeantwortet ließen. Darunter insbesondere den Bewohnern von Korcho, die mich nicht als Tourist, sondern als Gast in ihre Mitte aufgenommen haben:

"Denn du lebst mit uns und du kommst wieder!" (Aldi Bodo, Korcho).

1 Einleitung

“The tourists can bring money, but this is not changing my life. I don't know about their life, but I know my life is good as it is. Nobody would come here, if we are not unique and good.”[1]

Haillo Dello reflektiert den Tourismus in ihrem Ort. Sie ist die Witwe des verstorbenen bitti von Korcho, dem Vater über das Land. Als ihr Mann verstarb ging das Amt des bitti auf ihren ältesten Sohn über, der nun erlebt, wie sich sein Land zum Hauptziel von Touristen etabliert.

Durch den hohen wirtschaftlichen Wert des Tourismus für Äthiopien, wird er von staatlicher Seite intensiv gefördert. Vor allem im Südwesten des Landes werden Regularien aufgestellt, um den Tourismus an die lokalen Umstände anzupassen und die Bevölkerung auf den wachsenden Besucherstrom vorzubereiten. Im Leben der meisten ethnischen Gruppen der South Ото Zone spielt Tourismus mittlerweile eine zentrale Rolle, mit steigender Tendenz. Noch vor zwanzig Jahren war das ethnisch heterogene Gebiet relativ unbekannt. Durch steigende Vermarktung, Ausbau der Straßen und Dienstleistungen wächst die Zahl der Besucher.

Im Tourismus konkretisiert sich interkultureller Umgang und dynamischer Erfahrungsaustausch. Der Tourist, als: “a temporarily leisured person who voluntarily visits a place away from home for the purpose of experiencing change” (Smith 1989: 1) begeht eine Reise als persönliches Projekt. Für die lokalen Menschen ist sein Besuch eine Tatsache, mit der sie umgehen müssen und die sie immer mehr auf wirtschaftlicher Ebene nutzen. Das steigende Interesse der Touristen an der lokalen Kultur der Ethnien steht im Kontrast zu deren Abwertung von Seiten des Staates und bietet eine Chance das Selbstwertgefühl der Ethnien Südwestäthiopiens positiv zu beeinflussen. Dazu kommt auch das steigende ethnologische Interesse an der Region, die erst seit den 70er Jahren verstärkt ethnologisch erforscht wird. Die im Regionalstaat "Southern Nations, Nationalities, and Peoples Regional State" zusammengefassten ethnischen Gruppen dieses Gebiets sind die Kara, Hamar, Bashada, Banna, Ari, Mursi, Bodi, Dime, Nyangatom, Dassenech, Tsamai, Arbore, Maale, Muguji-Kwego, Baacha, Murle und Biraile (Lydall 2000: 42). Die Ethnien sind mehr oder weniger vom Tourismus betroffen, je nach Grad der externen Vermarktung und Zugänglichkeit ihrer Siedlungen.

Die folgende Arbeit beschäftigt sich vor allem mit der ethnischen Gruppe der Kara. Die im Vergleich kleine Gruppe der Kara, mit ca. 1400 Personen, lebt schwer erreichbar an den Ufern des Omo-Flusses. Trotzdem steigen die touristischen Besuche in ihrem Gebiet seit einigen Jahren an. Lokale Nichtregierungsorganisationen (NGO) haben in Korcho, einer der drei Hauptsiedlungen der Kara, als erstes Projekt dieser Art in Südwestäthiopien ein Community Based Tourism (CBT)-Projekt[2] aufgebaut. Während meines ersten Aufenthaltes bei den Kara 2008 war das Projekt gerade im Entstehen und bedeutsames Thema in lokalen Gesprächen. Verschiedene Begebenheiten haben mein Interesse für das Thema Tourismus bei den Kara hervorgerufen. Vor allem trug dazu eine Kara-Frau bei, die erzählte, dass sie noch vor einigen Jahren viel Geld damit verdient hätte für die Fotos der Touristen zu posieren. Heute jedoch wolle sie keiner mehr fotografieren, da nun jeder Mensch ein Bild von ihr besitze und sie auf der ganzen Welt bekannt sei.[3] Diese Einschätzung ließ Fragen entstehen: Wie erklären sich die Kara den Tourismus an ihrem Ort? Wie wirkt auf sie die Konfrontation mit dem kulturell Fremden? Wie wahren sie das eigene Gesicht und Selbstwertgefühl im Moment der Begegnung mit dem total Fremden? Welche Erklärungsmuster entstehen, um das Fremde in das Vertraute einzuordnen? Werden existentielle Grundlagen der eigenen Identität berührt und wie äußert sich das? Welche emotionalen Abläufe spielen eine Rolle? Dabei sind beide Seiten von Relevanz, sowohl die der Touristen, als auch die der Kara. Besonders soll diese Arbeit jedoch die Sicht der Kara aufzeigen. Meinen zweiten Aufenthalt bei ihnen nutzte ich, um diese Fragen beantwortet zu bekommen.[4] In der vorliegenden Arbeit habe ich bewusst häufig mit Zitaten gearbeitet, um die Sicht der Kara unverfälscht darzulegen. Leider war es mir durch meine fehlenden Kenntnisse der Kara-Sprache im Feld nur möglich mit einem Übersetzter zu arbeiten. Im Ansatz lernte ich die Sprache erst im Laufe des zweimonatigen Aufenthaltes in Südwestäthiopien. Trotzdem ließ die gute Zusammenarbeit mit meinem Übersetzter ein umfassendes Bild entstehen, welches die Situation des Tourismus in Korcho und die Einstellung der Bewohner dazu widerspiegelt.

Speziell zu den Kara existiert im Vergleich mit anderen ethnischen Gruppen Südwestäthiopiens wenig Literatur. Felix Girke, Ethnologe bei den Kara, veröffentlichte bis dato einen Text zum Kara-Nyangatom-Konflikt 2006/2007 (Girke 2008a) und zu Prozessen sozialer Konvergenz und Divergenz der Kara innerhalb der 'kulturellen Nachbarschaft' (Girke 2008b). Eine umfassende Darstellung im Rahmen einer Diplomarbeit existiert von Gezahegn Petros (1994), ergänzende Informationen liefern verschiedene Texte von Matsuda, die jedoch hauptsächlich die agrarwirtschaftliche Thematik oder die Beziehung zu den Moguji und Koegu analysieren (1994, 1996, 2002, 2007).

Im folgenden werden relevante theoretische Grundlagen der Tourismus-Forschung (Kap. 2) und die allgemeine touristische Situation der South Ото Zone Südwestäthiopiens dargelegt (Kap. 3). Ein Portrait der Kara im Kapitel 4 leitet dann die Abhandlung zum Tourismus in Korcho ein (Kap. 5 und 6).

2 Theoretische Grundlagen: Tourismus als ethnologisches Forschungsfeld

Tourismus ist der Motor, der die Begegnung einander fremder Menschen über geografische, sprachliche und kulturelle Grenzen hinweg ermöglicht und das Feld dadurch in das Interesse von Ethnologen rückt (Sharpley 1999: 26). War der Grundton der Ethnologie zum Thema bis in die siebziger Jahre vor allem negativ, die Zerstörung und Vermarktung lokaler Kultur Hauptkritik, wurden bei näherer Betrachtung auch positive Seiten hervorgehoben, darunter sinnvolle Effekte und Arrangements für Besucher und Besuchte, Einkommenssteigerung oder Stärkung der Identität. Besonders deutlich wird diese Entwicklung an den drei elementaren Werken von Valene Smith „Hosts and Guests“ (1974, 1989) und „Hosts and Guests revisited“ (2001). Der kritische Grundton der ersten beiden Bände wurde im Dritten relativiert (van Beek 2007: 150f.). Diese drei Bände etablierten zusammen mit „The tourist: a new theory of the leisure class" von Dean MacCannell (1999) Tourismus als Thema der ethnologischen Forschung. Damit wurde ein Set thematischer Herausforderungen geweckt, die sich nach Dennison Nash aus drei Perspektiven angehen lassen: Erstens, die Sicht auf den Tourismus als Entwicklung oder Akkulturation, wobei die Konzentration auf die Wirkung von kulturellen Kontakten gelegt (Nash 1995: 179) und der Tourismus positiv oder negativ bewertet wird. Der Fokus wird dabei auf das Aufeinandertreffen und die Anpassung von „entwickelten“ und „unterentwickelten“ Gesellschaften gelegt und dominant-devote Beziehungsmuster festgestellt (ebd.: 182ff.). Zweite Möglichkeit ist die Betrachtung des Tourismus aus der Perspektive des Reisenden. Die Reise wird als persönlicher Übergang des Touristen verstanden, in der er drei Stufen durchgeht, die Trennung bei Antritt der Reise, die Liminalität während der Reise und die Reintegration nach der Reise (ebd.: 187). Diese Theorie ist angelegt an van Gennep's Konzept der rites de passage (van Gennep I960 (1909)), welches Victor Turner nutzte, um das Freizeitverhalten von Menschen, zu dem auch Urlaub gehört, zu beschreiben. Er kategorisierte die Urlaubszeit als „liminoid“, als Zustand dazwischen, als zentrale Periode eines säkularen Rituals, dem Gang durch eine mehrdeutige, gegenteilige Realität zwischen dem Davor und dem Danach des Alltags. Während der Reise werden soziale Strukturen aufgelöst und zu einer Antistruktur gewandelt (Turner 1977: 43-46). Die dritte Betrachtungsweise betrachtet Tourismus als „Superstructure“, wobei wiederum der Blickwinkel auf die Gesellschaft gelegt ist, welche den Tourismus generiert. Dabei wird die Annahme verfolgt, dass jede Gesellschaft die Tourismus-Form konstruiert, welche passend für ihre sozialen Umstände ist (Nashl995: 188). Aus ethnologischer Sicht ist es schwer eine allumfassende Theorie des Tourismus zu finden und von Vorteil verschiedene theoretische Ansätze, zum Beispiel des kulturellen Materialismus oder der symbolischen Ethnologie in die Betrachtung einzubeziehen. Damit kann die Verflechtung verschiedener Aspekte soziokultureller Systeme berücksichtigt und die holistische Perspektive der Ethnologie gewahrt werden. Das ist die Basis des Ethnologen, der als „culture broker“ zwischen lokaler Gesellschaft und den im Tourismus beteiligten Akteuren agiert (Nunez 1989: 278f.).

In Rahmen dieser Arbeit können nur wenige, relevante Theorien zum Tourismus vorgestellt werden. Das folgende Kapitel widmet sich im Besonderen dem sogenannten Ethno- Tourismus, der für das Reiseziel Südwestäthiopien dominant ist.

2.1 Ethno-Tourismus und Nachhaltigkeit “Come and discover the undiscovered“

Der Ethno-Tourismus (auch 'indigenous tourism') beruht auf der Suche nach dem Anderen und dem vergangen Geglaubten, nach Kuriositäten, Exotik und Traditionen fremder Kulturen. Er genießt eine Darstellung als sozial und ökologisch verträglicher Tourismus neben den fünf Tourismustypen des „Cultural Tourism“, „Historical Tourism“, [5] „Evironmental Tourism“ und „Recreational Tourism“ (Smith 1989: 4f.). Oft ist er verbunden mit dem „Evironmental Tourism“, der die abgelegene und unverfälschte Natur sucht und dem „Cultural Tourism“ der sich auf Geschichte fremder Kulturen konzentriert (ebd.: 4f.). Im Ethno-Tourismus ist vor Allem das Erleben, das Zusammenkommen, in manchen Fällen auch die reine Besichtigung fremder Gesellschaften Ziel des Reisenden. Bedürfnisse wie Neugierde, Sehnsucht, Nostalgie, Idealisierung spielen eine große Rolle und veranlassen die Reisenden in Welten einzudringen, die ihrem eigenen Alltag möglichst entfernt scheinen. Der Wert des Reisens besteht für Ethno-Touristen oft in der Re­Definition ihres Blickes auf Kultur und Natur, den Sinn des Lebens im Allgemeinen und im Persönlichen (van Beek 2007: 149). Die Konfrontation mit der Fremde, die faszinierend, unbekannt und damit gefährlich auf den Touristen wirkt, verspricht Entfaltung des Denk- und Erfahrungshorizontes und der Persönlichkeit (Maletzke 1996: 31). Der Tourist möchte das Leben kulturell fremder, "isoliert" lebender Menschen sehen. Er dringt in deren Lebensgebiete vor und empfindet sie als umso interessanter, umso "natürlicher" sie wirken und umso mehr sie sich von der eigenen Lebensweise unterscheiden. Traditionen, Zeremonien, Tänze und Handwerkskunst sind für ihn Zeichen der Authentizität und Exklusivität. Wörter wie "timeless", "isolated", "tribal", "untouched" und "authentic" (Fest Ethiopia 2010: 10.08.2010, South Ethiopia Tours 2010: 10.08.2010) und Floskeln wie „bounty of exotic costumes, colorful ceremonies and celebrations“ (Ethiopian Rift Valley Safaris 2010: 10.08.2010) spielen zentrale Rollen in der Vermarktungsstrategie der im Ethno-Tourismus tätigen Akteure. Wichtig bei Reisen des Ethno-Tourismus ist vor Allem die Suche nach Authentizität und die indirekte Kritik an den Regeln und dem empfundenen Verlust der Authentizität in der eigenen Welt:

„The modern disruption of real life and the simultaneous emergence of a fascination for the 'real life' of others are the outward signs of important social redefination of the categories 'truth' and 'reality' now taking place. In premodem types of society truth and untruth are socially encoded distinctions protected by norms.“ (MacCannell 1999: 91).

'Moderne Gesellschaften' hingegen wären bestimmt „through cultural representations of reality at a level above that of interpersonal relations“ (ebd.: 91f.). Dies führt zum angenommenen Verlust der eigenen Authentizität, die der Reisende in fremden Gesellschaften wiederfinden will (Greenwood 1989: 184). Er flüchtet vor den entfremdeten Bedingungen der eigenen Welt und sucht nach Bedeutung und Identität in der Ferne (Sharpley 1999:19). Kritik am Tourismus, der direkt den Kontakt mit fremden Gesellschaften zum Ziel hat, beschäftigt sich vor allem mit dem Problem der Authentizität. Authentizität zu definieren stellt Theoretiker vor eine Herausforderung, da Kultur nicht als statisch und in sich homogen betrachtet werden kann, wie es der Begriff Authentizität reflektiert (Greenwood 1989: 183). Bezogen auf den Tourismus impliziert der Begriff zwei unterschiedliche Aspekte, einmal die "authenticity of experiences" und die "authenticity of toured objects" (Wang 1999: 351). Die beiden Aspekte bedingen aber einander. "It follows that the authentic experience is caused by the recognition of the toured objects as authentic" (ebd.: 351). Nach Sharpley ist Authentizität im Bereich Tourismus etwas, dass als "vormodern" oder "traditionell" angesehen wird, etwas dass der eigenen Normalität entgegensteht und als typisch für eine Region angesehen wird (Sharpley 199: 192, 201). Das Empfinden von Authentizität bei dem Touristen wird gestärkt durch den direkten Kontakt mit der Gesellschaft, die als "das Andere" und "das Vergangene" klassifiziert wird. Authentizität wird vermarktet und ist ein Label, dass der „unauthentischen“ Welt des Touristen gegenüb ersteht (Sharpley 1999: 203).

Der Ethno-Tourist beschäftigt sich mit Fragen der Ethik und der Werte des Reisens. Er zeigt ein hohes Interesse an den fremden Kulturen und hofft auf deren Bewahrung. Ethno-Tourismus ist meist eine elitäre und prestigeträchtige Form des Reisens. Die Reiseziele liegen oft weit entfernt der Heimat, bevorzugt in „Entwicklungsländern“. Die Reisenden haben im Durchschnitt ein hohes monatliches Einkommen und eine hohe formale Bildungsstufe. Generell sind sie politisch, kulturell und im Bezug auf das Reisen interessierter, aktiver und achten auf ein ethisch und umweltbewusstes Verhalten (Vorläufer 1996:43). Aus dem Ethno-Tourismus heraus entwickelt sich oft eine Nachfrage nach Nachhaltigen Tourismuskonzepten[6], zu denen auch 'Community Based Tourism' (CBT) gehört. Diese Tourismus-Form orientiert sich an der lokalen Gesellschaft und fördert ihre aktive Teilhabe am Tourismus der entsprechenden Region. Dadurch wird eine breite Akzeptanz der touristischen Besuche innerhalb der lokalen Bevölkerung erreicht und ihre Existenzgrundlage abgesichert. Den Bewohnern wird das Recht gewährt, über den Tourismus in ihrem Gebiet mitzubestimmen und ihn somit nicht als auferlegte oder imperialistische Situation zu erleben. Die Einnahmen aus dem Tourismus kommen der Gesellschaft zugute und dienen der Entwicklung der Gemeinschaft. Durch den Ausbau lokaler Arbeitsplätze und letztlich der Übernahme der Verwaltung des Tourismus-Projekts durch die lokalen Bewohner, wird Arbeitsmigration vorgebeugt (Neudorfer 2007: 48). Durch ein CBT-Projekt wird der Lebens- und Kulturraum der Gemeinschaft zur touristischen Attraktion. Durch die Vermarktung einer Gesellschaft kann dem, was sie als authentisch erscheinen lässt, im Sinne der Entwicklung entgegengewirkt werden.

2.2 Theoretische Grundlagen: Kulturell Fremde im Kontakt

Das Aufeinandertreffen von Touristen und den Menschen im Reiseland ist im besten Fall geprägt von gegenseitigem Kennenlernen auf persönlichen Ebenen, interkulturellem Lernen und Verstehen. Jedoch erschweren unterschiedliche soziokulturelle Strukturen die Kommunikation und das Verständnis füreinander. Nach Heidegger ist das Verstehen immer an die alltägliche Umgebungswelt des Subjekts gebunden, die durch das Маи bestimmt ist. Das .Маи bildet den kulturellen, historischen und gesellschaftlichen Hintergrund des Daseins, der wesentlich ist für den Mensch als kulturelles Wesen. Das Man ist das Neutrum, kombiniert aus allen Anderen und dem Selbst und gibt uns “die Seinsart der Alltäglichkeit vor”, es zeigt auf, wie man es im Allgemeinen macht (Heidegger 2006: 127). Es bewirkt, dass man in Auffassungen und Verhalten beeinflusst und geprägt ist, je nach der weltlichen Umgebung, in der man aufwächst. Je nach der Mitwelt die einen umgibt und die Begegnungen mit Anderen erzeugt, von denen man sich zumeist nicht unterscheidet, ist man fähig ein Verständnis für die direkte Mitwelt zu erlangen, auf der Basis von Alltäglichkeit und Durchschnittlichkeit (ebd.: 118, 124). Verlässt der Tourist seine alltägliche Umgebungswelt und wird mit anderen kulturellen Ordnungen und "symbolischen Sinnwelten" (Schoormann 2004: 15) konfrontiert, muss er, ebenso wie die besuchten Gesellschaften, sein Verständnis von Realität neu orientieren.

Kommunikation basiert auf sozialen Regeln, die Handlungsvorschriften implizieren und hängt ab vom kulturellen Hintergrund, aufeinander bezogenen Vorstellungen und Sprachkenntnissen der Menschen im Kontakt:

„Von interkultureller Kommunikation sprechen wir, wenn die Begegnungspartner verschiedenen Kulturen angehören und wenn sich die Partner der Tatsache bewusst sind, daß derjeweils andere 'anders' ist, wenn man sich also wechselseitig als 'fremd' erlebt“ (Maletzke 1996: 37).

Im Kontakt mit dem kulturell Fremden werden die Grenzen des eigenen Kommunikationssystems überschritten. Das Interesse fremde Kulturen zu besuchen impliziert nicht gleich, dass man fähig, bzw. bereit ist sie kennenzulernen. Der Kontakt ist gehemmt durch sprachliche und kulturelle Barrieren. Oft ist das Zusammentreffen geprägt von gestellten Szenerien und Strategien, besonders wenn sich die besuchten Gesellschaften der Vermarktungskomponente ihrer Kultur bewusst geworden sind. Die von MacCannell umschriebene Suche der Touristen nach Authentizität, resultiert oft in einem Schauspiel und Konstruktion von Realität durch die lokalen Gesellschaften. Die Kontaktsituation ist dann geprägt von einer Trennung lokaler Bereiche in "front regions" und "back regions" (MacCannell 1999: 94) und einer Form der “Staged Authenticity”.[7] "Front regions" sind die Plätze für touristische Besuche, Interaktion, Performance. In ihnen spielt sich die "Staged Authenticity" ab, die Replikation des tatsächlichen Lebens. Die “back regions” sind die Orte der Familie, Intimität, Stille, Vorbereitung und des Alltags. Die bewusste Abgrenzung der Präsentation und der Realität eigener Kultur verlangt einen Sinn für Mystifizierung der Authentizität durch die lokalen Gesellschaften. Diese produzierte Realität, die “Staged Authenticity”, dient dem Zweck den Vorstellungen der Touristen gerecht zu werden und gleichzeitig interne Rückzugbereiche zu definieren:

“Primitives who live their lives totally exposed to their 'relevant other' do not suffer from anxiety about the authenticity of their lives, unless, perhaps, a frightening aspect of life suddenly becomes too real for them. The opposite problem, a weakened sence of reality, appears with the differentiation of society into front and back. Once this division is established, there can be no return to a state of nature. Authenticity itself moves to inhabit mystification.” (ebd.: 93).

Für den Touristen wird es schwer in die „back regions“ einer Gesellschaft einzudringen, in denen das Intime und 'Reale' bewahrt wird. Die „staged back region“ (MacCannell 1999: 99) gibt dem Touristen das Gefühl Authentizität erlebt zu haben, indem sie Ausschnitte lokaler Kultur zeigt und somit bei den Touristen den Eindruck von Entdeckung und Teilnahme vermittelt, jedoch kein allumfassendes Bild erlaubt. Die „staged back regions“ stellen eine Inszenierung lokaler Institutionen oder Traditionen dar, die jedoch ihrem Kontext enthoben sind. Oft stellt sich der Tourist zufrieden mit Symbolen und Präsentation kultureller Praktiken und gibt sich seinem System der Illusionen und Stereotype hin (Sharpley 1999: 78). Nach Cohen hat der postmoderne Tourist den Widerspruch in Bezug auf die Authentizität und die Bedeutung des touristischen Einflusses auf fragile lokale Gesellschaft erkannt. "Staged authenticity" sieht der postmoderne Tourist als gerechtfertigten Schutz für die Bewahrung der lokalen Kultur (Cohen 1995: 16f.).

Die möglichen Beziehungen zwischen Tourist und lokalen Gemeinschaften sind unendlich und geprägt von gegenseitiger Neugierde, Machtabschätzung, Abhängigkeit und Unkenntnis des jeweils anderen. Normalerweise ist der Kontakt einseitig, da die meisten ethnischen Gruppen keine Reise ohne Besuchs- oder Erwerbszwecke antreten würden, bzw. können. Bei einem Kontakt treffen die Urlaubswelt des Gastes und die Alltags- bzw. Arbeitswelt der lokalen Gesellschaft aufeinander, die sich eventuell auch im Arbeitsverhältnis dem Gast gegenüber befindet. Der “irritation index” oder “Doxey's irridex” (Doxey 1975: 195f) identifiziert vier aufeinanderfolgende Stufen der möglichen Beziehungen und misst den Grad der Irritation lokaler Gemeinschaften in den Stufen Euphorie, Apathie, Störung und Antagonismus. Nach dem Widerstand kommt eventuell die Phase des Akzeptierens, der permanenten Anpassung an den und Abhängigkeit vom Tourismus. Dieses Modell geht von einer allgemein negativen Entwicklung von Tourismus aus und sieht die Anzahl der Touristen als entscheidend für die Grundhaltung der lokalen Gesellschaft. Eine ausgeglichene Kontaktsituation kann nur entstehen, wenn ein beidseitiger, bedeutsamer„face-to-face“ Austausch stattfindet, was jedoch nicht möglich ist, wenn die lokalen Gesellschaften nur als Teil des Tourismus-Produktes angesehen werden und die Touristen als Geldgeber. Persönliche Kontaktebenen und affirmative, gegenseitige Einstellungen sind entscheidende Kriterien für ein positives Verhältnis, ebenso wie Einigkeit über Bezahlung von Diensten und Produkten (Fotos, Souvenirs...) und der Respekt vor Rückzugsräumen der lokalen Gesellschaften (Sharpley 1999: 257, 261). Die Sicherheit, dass die Begegnung zeitlich begrenzt ist, erleichtert das Zusammenkommen. Mit zunehmender Intensität des Tourismus wird das Bedürfnis mit Touristen zu kommunizieren auf Seiten der lokalen Gesellschaften geringer. Den Reisenden ist dieses Element der Monotonie oft nicht bewusst. Er befindet sich in seiner Freizeit, an einem fremden Ort in neuen und interessanten Situationen. Der lokale Bewohner hingegen ist an seinem gewohnten Ort in einer normalen Alltags- und Arbeitssituation. Viel Potential die Kontaktsituation zu verbessern und die besuchten Gesellschaften nicht als lebendige Museen zu veräußern haben „culture broker“, Vermittler zwischen Touristen und lokaler Gesellschaft, wie lokale Guides und Ethnologen (Sharpley 1999: 298) (siehe Kap. 5.1.2).

2.3 Afrikanische Länder als Reiseziel

Der afrikanische Kontinent gilt als Reiseziel, in dem Abenteuer und Exotik zu finden ist. Van Beek benennt folgende Paradoxe des afrikanischen Tourismus:

Den „spoiling tourist“, der den 'wilden, unberührten' Afrikaner sucht, ihn durch seine Besuche aber in seiner Lebensweise beeinflusst. Das Phänomen des „fearing africa“, durch den steten Mitklang der Gefahr, des Extremen, der Wildnis. Das Paradox des „being there“, der Vorstellung vor Ort zu sein, während man in Wirklichkeit nicht teilnimmt und in der „tourist bubble“ die Kontrolle in die Hand der Reiseleiter gibt. Basis dieser Theorie ist die Annahme, dass der Tourist sich im Reiseland automatisch in die „tourist bubble“ begibt, die ihm das Gefühl gibt da zu sein, ohne vollkommen teilzuhaben. Die Theorie der „tourist bubble“, die aus der “environmental bubble“ von Crick (1989) entstanden ist, beschreibt die Funktion der geschützten Welt des Touristen. Sie dient dazu, den 'Schock des Aufeinandertreffens' von Tourist und lokaler Gesellschaft zu mildem, indem sie den Touristen in eine Blase aus infrastrukturellen Arrangements, wie Hotels, Personal, Logistik, Transport, Internet, Tagesprogramme hüllt. Somit kann der Tourist Reiseziele aktiv erkunden und mit lokalen Menschen interagieren, ohne sich ihrer Andersartigkeit vollkommen 'auszuliefem'. Je nach Reiseart variiert die Dicke der Wände dieser „tourist bubble“, wobei sie beim Rucksack-Touristen wenig und im Ressort-Tourismus extrem ausgeprägt ist (van Beek 2007: 152). Sowohl Touristen, als auch Tour-Agenturen und Guides setzten die Grenzen der „tourist bubble“ fest. Die besuchte Gesellschaft legt, unter günstigen Bedingungen fest, wie viel von ihrer Kultur gezeigt wird und bestimmt einen „local culture tailor-made for visitors“. Weiteres Paradox ist die Sicht auf Afrika als "Paralleluniversum", was mit der Empfindung der Raum- und Zeitlosigkeit, der Begegnung mit der Weite, der Fremde und der „Wildnis“ zusammenhängt (ebd.: 155ff.).

Der afrikanische Tourismus hat zwei Konsequenzen, welche die afrikanischen Länder als Reiseziele von anderen unterscheiden: Erstens achten die Touristen besonders auf ihre „tourist bubble“: „the bubble can be trusted. Important is what I like to call 'bubble authenticity': in Africa the bubble should be African“ (ebd.: 159). Zweitens erleben Touristen das Land entsprechend ihren vorher gefassten Vorstellungen und suchen nach dem 'wahren Afrika', das sich voller Farben, Traditionen, wilder Tiere und in seiner ganzen 'Ursprünglichkeit' zeigt. Besonders anziehend für Touristen sind die 'Big Five'[8], die 'traditionellen Kulturen'[9], 'Naturparadiese' und der Badetourismus an den Küsten. Afrika wird als Ort der 'archaischen Kulturen' und wilden Natur gesehen, andererseits als Kontinent der Katastrophen, der Hilfe von außen bedarf. Der Kontinent bietet ein weites Feld für Projektionen von Phantasien aller Art.

3 Tourismus in der South Ото Zone Südwestäthiopiens

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Karte 1: SouthemNations, Nationalities and Peoples' Regional State (SNNPRS), Regionen, Zonen, 'woredas (EEPCO 2009: 28.06.2010, S.35)

Die South Omo Zone (im Folgenden nur noch SOZ) liegt im Südwesten Äthiopiens und gehört zum „Southern Nations, Nationalities and Peoples' Regional State“[10] mit Hauptsitz in Awassa. Das Gebiet ist unterteilt in Zonen, die wiederum in woredas untergliedert sind, in regionale Verwaltungszonen. Die SOZ besteht aus sechs woredas.

Der Tourismus in der SOZ Südäthiopiens ist geprägt vom ansteigenden Strom von Besuchern, die meist in den Städten Äthiopiens Rundreisepakete gebucht haben und in Kolonnen gemieteter Geländewagen mehrtägige Reisen in den Südwesten des Landes unternehmen. Man findet vor allem Ethno-Tourismus vor (siehe Kap 2.1), einige Individualtouristen bereisen auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln und ohne Guide das Gebiet. Im Vergleich zum Norden Äthiopiens kommen jährlich wenige Besucher, doch das Interesse der Touristen, neben der historischen Route des nördlichen Teils des Landes, auch die Ethnien und Nationalparks des Südens zu besuchen wächst. Zusätzlich wird die Bekanntheit der Region durch Anstrengungen der Regierung und der unzähligen Tour­Unternehmer, mit dem Ziel den Tourismus der SOZ anzukurbeln, verstärkt.[11] Der finanzielle Hauptgewinn wird extern eingenommen. Der Tourismus ist in der Hand vieler Interessengruppe, hauptsächlich Organisationen, Regierungsbüros, Stiftungen und Tour­Unternehmen, deren Zentralen in den Städten außerhalb der SOZ liegen. Die finanziellen Gewinne der lokalen Bevölkerung beschränken sich meist auf die Einnahmen durch die Bezahlung der Fotografien (Pastoralist Magazine 2006: 25.08.2010). Um diese externe Koordination und Kontrolle des Tourismus zu umgehen, werden aktuell Anstrengungen unternommen den Tourismus lokal besser zu organisieren und verträglicher für die einheimische Bevölkerung zu machen. Bis jetzt ist der lokale Tourismus von einer begrenzten kommerziellen Entwicklung vor Ort begleitet und kein Massentourismus anzutreffen. Die Bewohner werden sich jedoch der touristischen Vermarktungskomponente ihrer kulturellen Eigenheit bewusst. Für Fotografien, lokale Kunst- bzw. Gebrauchsgegenstände, Tänze oder andere kulturelle Präsentationen werden minimale Beträge (im Vergleich zu den Kosten der Touren) abverlangt (Pactworld 2007: 08.08.2010). Der Tourismus bringt Einkommen und Aufwertung der kulturellen Identität, aber auch Effekte wie Generationskonflikte, Alkoholismus, Bettelei, Kommodifizierung[12]. Lydall beschreibt die Sorge älterer Hamar über den Einfluss auf die jüngere Generation:

„Many young people neglect their parents' fields and herds in order to make things to sell to the tourists, put on special song and dance performances, or dress up and paint themselves for the tourists to photograph. Instead of giving the money to their parents, many spend more and more time in town, drinking alcohol and sleeping with townspeople and tourists. Although these young people are engaged in manufacturing and selling local material culture to the tourist, at the same time they are losing many important traditional skills and knowledge that they need to survive in their native homes.“ (Lydall 2000: 45).

Sextourismus, der vor allem bei den Hamar bekannt ist, ist ein neues Phänomen in Südwestäthiopien und wurde ermutigt durch zwei Bestsellerromane von Fikre Markos, in denen die Hamar als sexuell freizügig dargestellt werden. Touristen aus Äthiopien und dem Ausland finden sich in einem Camp nahe Turmi ein, um sexuelle Kontakte zu Mädchen der Hamar herzustellen (ebd.: 45f.). Inwieweit andere Ethnien davon betroffen sind, wäre nachzuforschen. Die Berichte über das Reisen im südwestlichen Äthiopien, mit seiner ethnisch vielfältigen Landschaft, werden medial sowohl im Inland, als auch international verbreitet und fördern die Bekanntheit des Gebiets als Reiseziel, aber auch Vorurteile und romantisierende Verallgemeinerungen :

"Die Ferenji - die Fremden - kommen wegen der Menschen. Auf einem Gebiet von der Größe Hessens leben hier ein Dutzend Stammesgesellschaften in vermeintlich neolithischer Ursprünglichkeit. Sie jagen, züchten Rinder, betreiben Ackerbau und tragen Ziegenfelle. Reiseagenturen preisen exklusive Jeep-Expeditionen als Besuche in einem bunten „Museum der Völker“ an. Die Kataloge zeigen exotische Bilder aus einem Paradies edler Wilder, wo die Mädchen angeblich freudig ihre Brüste präsentieren.“ (FOKUS Magazin 2003: 03.09.2010).

Die Verwaltung der SOZ versucht neben der Förderung des Tourismus die negativen Effekte einzudämmen und stellt Regularien auf, an die sich Lokale und Touristen halten sollen, um einen akzeptablen Kontakt untereinander zu garantieren.[13] Besondere Aufmerksamkeit wird dabei auf die Bettelei gelegt. An den Straßenrändern sind Schilder zu finden, auf denen steht: ,,We are no beggar“. Guides und Beamte warnen die Reisenden davor, leere Flaschen oder Bonbons für die Kinder, die am Straßenrand tänzerische oder akrobatische Übungen vollführen, aus dem Autofenster zu werfen oder ohne Erlaubnis zu fotografieren. Konflikte über Bezahlungen von Fotos und Dienstleistungen kommen äußerst häufig vor und führen dazu, dass der Aufenthalt von beiden Seiten als unangenehm wahrgenommen wird.

Generell ist die SOZ nur auf schlechten Straßen erreichbar. Das Lower Orno Valley, die Talebene des unteren Omo-Flusses und Heimat der Kara, ist nur auf breiten Wegen befahrbar. Die ethnischen Gruppen des Gebiets sind dennoch beliebtes Ziel von Touristen. Als prähistorische Stelle mit dem Fund mehrerer bis zu 2,4 Millionen Jahre alter hominider Fossilien zählt die Region zum UNESCO Weltkulturerbe und spricht auch damit einige Touristen an (World Heritage Center UNESCO 2010: 16.07.2010). Das folgende Kapitel wird näher auf die touristische Entwicklung der SOZ eingehen.

3.1 Entwicklung des Tourismus in der South Ото Zone

Seit dem Bau einer Allwetter-Straße in den 1980er Jahren steigt die Zahl der Touristen in der SOZ besonders in den letzten 20 Jahren stetig an (Lydall 2000: 45). Bis 1990 war der Tourismus von der staatlichen National Tourism Organisation (NTO) kontrolliert und jährlich besuchten in dieser Zeit nur durchschnittlich 35 Besucher den Omo-Nationalpark und 272 den Mago-Nationalpark. Der Omo-Nationalpark wurde 1966 gegründet und ist mit einer Größe von 4068 km2 fast doppelt so groß wie der 1975 eingerichtete Mago- Nationalpark mit 2162 km2 (Göttsch 1997:1). Bis heute sind die Parks schwer zugänglich, werden aber zu touristischen Werbezwecken genutzt. Die Ethiopia Wildlife Conservation Organisation (EWCO) versucht durch Naturschutz-Projekte und Wildtierreservate die Nationalparks als Ressource des Öko-Tourismus, der die Betonung auf Natur statt Kultur legt, zu verbessern. Die lokale Bevölkerung wird in die Projekte integriert, soweit es im Sinne der Nationalparkentwicklung ist, oder aus dem Gebiet umgesiedelt (siehe dazu: Turton 2002).

Neben den Nationalparks sind besonders die Märkte in Dimeka, Jinka und Turmi und die Besuche der Mursi, Hamar und Kara von touristischem Interesse. In der Touristensaison kommen ganze Kolonnen von Geländewagen mit Touristen auf Rundreise. Aminu Said vom Public Communication and Tourism Office in Dimeka bestätigt die Entwicklung des Tourismus:

"Ten years ago there was no flow of tourism, the people didn't know about tourists. Only a few tourists came here. But in the last years the government facilitated good infrastructure for the tourists, for this the number of tourists is increasing. And the people get aware how they get money from the tourists. Now, since ten years, the development is very good.“[14]

Der Ausbau einer geteerten Straße von Addis Abeba nach Jinka, bzw. Omorate wird wesentlich dazu beitragen, dass immer mehr Besucher die zweitägige Fahrt in den Süden antreten werden. Außerdem vereinfacht eine Straße die Lieferung der für den Tourismus benötigten Waren: „Before there was no road, so no tourists came here. But now everything is open, the road is there for all people to come to South Orno. So the development can come.“[15] Auch der nationale Tourismus hat in den letzten Jahren zugenommen und verdeutlicht die steigende Bekanntmachung der Region und das dadurch steigende inländische Interesse an der kulturellen und sozialen Umgebung Äthiopiens. Im

August 2010 haben Unternehmer aus der SOZ die Reiseorganisation Debub by Bus gegründet, die alle 2 Wochen 11-tägige Busreisen durch die SOZ zu einem günstigen Preis anbieten. Dieses Angebot soll vor allem auch nationale Touristen ansprechen.[16] [17] Die folgende Tabelle zeigt die (nationalen und internationalen) touristischen Ankünfte und Einnahmen im ‘Southern Nations, Nationalities and Peoples’ Regional State’ (SNNPRS) von 1992 bis 2001 und verdeutlicht den immensen Anstieg der Besucher:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: touristischen Ankünfte und Einnahmen im ‘Southern Nations, Nationalities and Peoples’ Regional State’ (SNNPRS) von 1992 bis 200117

In den letzten Jahren wurden von Regierungsseite viele Anstrengungen unternommen die touristischen Reiseziele Südwestäthiopiens zu erforschen und aufzuwerten, um den Tourismus vor Ort zu entwickeln. Der Ausbau lokaler Dienstleistungsbetriebe, wie Hotels, Restaurants und Souvenirshops nimmt jährlich zu, der informelle Sektor findet flexibel allerlei Nischen, um am Tourismus durch das ad hoc Prinzip zu verdienen. Einige der Einnahmen werden für den Bau von Schulen und Kliniken investiert. Die Weltbank hat 2009 in Äthiopien ein Projekt gestartet, dass den 'Nachhaltigen Tourismus' innerhalb von fünf Jahren entwickeln soll. Das zur Verfügung stehende Budget beträgt etwa 30 Millionen US$. Wichtigste Ziele sind die Entwicklung der touristisch attraktiven Regionen durch Ausbau der Infrastruktur und der Dienstleistungen, die Entwicklung lokaler Märkte, Institutionen und Kapazitäten. Außerdem eine bessere Evaluierung der touristischen Prozesse, durch Unterstützung in der Verwaltung und Auswertung (Worldbank 2009: 23.07.2010). Aktuell wird dies in der SOZ umgesetzt, indem man Projekte für 'Nachhaltigen Tourismus' unter kommunaler Verwaltung initiiert, wobei das Projekt bei den Kara in Korcho als Paradebeispiel angesehen wird.[18] Welche Vermarktungsstrategien angewendet werden, um die Region für Touristen attraktiv zu machen, wird im folgenden Kapitel aufgezeigt.

3.2 Die touristische Vermarktung der Region

Durch die noch begrenzte Infrastruktur und den spärlichen Ausbau der touristischen Dienstleistungen, wie Hotels und Unterhaltungsangebote eignet sich die SOZ im Moment nicht für Massentourismus und spricht vor allem Rucksack-Touristen und Touristen mit höherem Einkommen, mit Interesse an Kultur und Natur des Gebiets an. In der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba werben die Reisebüros mit dem "anderen Äthiopien" im Südwesten des Landes, das vom restlichen Äthiopien sprachlich und kulturell sehr verschieden ist. Die Vermarktung der Region basiert auf verallgemeinernden Bildern und Stereotypen, die besonders spektakuläre Elemente einzelner Kulturen präsentieren und damit die Neugierde und Entdeckungslust der Touristen wecken sollen. Sucht man Information in den verschiedenen Reisebüros der Hauptstadt, bekommt man bunt bebilderte Prospekte mit falschen und oberflächlichen Angaben zu den jeweils abgebildeten Ethnien. Oft muss die Landkarte den Angestellten helfen, das Gebiet zu orten. Fragen zu den einzelnen ethnischen Gruppen enden ohne Information oder mit stereotypen Angaben über "typische" kulturelle Eigenarten, die im Allgemeinen das Interesse der Touristen ansprechen. Dabei sind die Hamar immer die „Bullenspringer“, die Mursi die „Lippenplattenträger“ und die Kara „die Bemalten“.[19]

Green Land Tours and Travel, eine Reiseagentur die vor allem auch Reisen in die SOZ anbietet, präsentiert die Region wie folgt:

“Further south is the Omo Valley with its popular ethnic treasures. This is where about 50% of Ethiopia's ethnic groups live: the Konso with their terraced agriculture and rituals; the Mursi with their clay lip plates and barbarian life style; the Hamer with their bull-jumping ceremony, which young men must experience in order to qualify for adulthood; and the Karo with their body painting and adornment. Here unusual traditions such as dance, music and rituals from birth to marriage and burial are still observed in their genuine and original forms.“ (Green Land Tours and Travel 2010: 22.09.2010). Ethiopian Rift Valley Safaris, eine Reiseagentur, die auch die Murulle Lodge am Orno Fluss nahe der Kara-Siedlungen betreibt, preist die lokalen Gruppen folgendermaßen an: „enjoy a precious opportunity for interaction in the lives of remote & cordial people groups who remain contentedly close to nature“ (Ethiopian Rift Valley Safaris 2010: 17.09.2010).

3.3 Die staatliche Verwaltung des Tourismus in der South Ото Zone

Bis 1991 wurde der Tourismus der SOZ staatlich so kontrolliert, dass er jährlich nur 300 Touristen den Zugang erlaubte (Göttsch 1997:1). Heute ist die Förderung und Verbesserung des Tourismus essentielle Thematik staatlicher Wirtschaftspolitik in der SOZ. Besonders der Ethno- und Naturtourismus im Südwesten Äthiopiens soll durch bessere Verwaltung der regional zuständigen Behörden koordiniert und ausgebaut werden. Es finden gehäuft Konferenzen und Praxisschulungen zu diesem Thema statt, um lokale Kompetenzen im Organisations- und Servicebereich zu maximieren und zentrale Punkte zur Tourismusförderung mitzuteilen.[20] Die zuständige Tourismus-Verwaltung in der SOZ folgt der Strategie der Zentralregierung, den Tourismus-Sektor für die ökonomische Entwicklung und Armutsreduzierung zu nutzen und fördert gezielt dessen lokalen Ausbau. Besondere Bedeutung erfährt dabei die Aufwertung von „touristic attractive areas“[21] und „attractions“[22]. Die Touristenziele sollen erreichbar und erlebbar gemacht werden und dabei die natürliche und kulturelle Vielfalt geschützt werden. Tasow Chefike, Vorsteher des Culture and Tourism Office (dem zuständigen Verwaltungsbüro für Tourismus der SOZ) gab als wichtigste Punkte in Bezug auf die Entwicklung des Tourismus in der SOZ in dieser Reihenfolge an:

- Verbesserung der Dienstleistungen und Straßen
- Bewahrung der Natur und der Wildtiere
- Verbesserung der Situation für die lokalen Menschen.

Letzteres sollte vor allem durch Schulungen, Bewusstseinsbildung und die Einnahmen von Eintrittsgebühren in Nationalparks und Dörfer umgesetzt werden.[23] Im Moment erhalten die lokalen Gemeinschaften (ausgenommen Korcho) die von den Touristen zu zahlenden Eintrittsgebühren nicht direkt, sondern in Form von Projekten des Culture and Tourism Office, die dem Wohl der Gemeinde dienen sollen (z.B. Bau einer Getreidemühle bei den Mursi).[24]

Verschiedene Probleme ergeben sich bei der Umsetzung und machen deutlich, dass dies unter den gegebenen Bedingungen nicht vollständig verwirklicht werden kann. Das Hauptproblem, das sich bei der Verwaltung der touristischen Region SOZ ergeben hat, stellen die fehlenden Transportmittel der Verwaltungsbüros dar. Das Culture and Tourism Office in Jinka hat keine Möglichkeit die verschiedenen Stationen der Region anzufahren:

,,We don't have a car, we are just working on foot. We can't survey the attractions in our zone. Even tourists are watching the limited areas, but we cannot! Even we haven't seen this areas. Sometimes the tourists are not arriving every attractive area. Because we don't make it suitable for them. Because we don't have car! In case of this we can not so much develop.“[25]

Die zweite Problematik betrifft den finanziellen Aspekt, der es nicht möglich macht Mitarbeiter in die Regionen der Ethnien zu entsenden und zu entlohnen. Chefike betont, dass dies wichtig wäre, um das Bewusstsein der lokalen Gesellschaften für den Umgang mit Tourismus, die Bewahrung materieller Kultur und des kulturellen Erbes zu stärken. Aus Mangel an Gebäuden und professionellen Arbeitern gibt es auch nicht genug Anlaufstellen in den einzelnen Regionen der SOZ. Ein weiteres Hindernis stellen die schlechten Straßen dar, die es den Touristen schwer machen, die Reiseziele zu erreichen.[26] Auf meine Frage, ob es Möglichkeiten für die Gemeinschaften gibt, den Tourismus in ihrem Dorf einzuschränken, bekam ich folgende Antwort:

„No they need the tourists. This possibility is not available. Even the local people have understood now the advantage of tourism. And they need tourists and they need to make relationship with the guests.“[27]

Die Gemeinschaften sollen den Tourismus annehmen und daran verdienen, nicht um sich ökonomisch abhängig vom Tourismus zu machen, aber um ein Zusatzeinkommen zu generieren.[28]

Die kulturelle Vielfalt der SOZ soll nach Meinung der Tourismusbehörde genutzt werden, um interessante Angebote für Touristen zu schaffen. Aus diesem Grund läuft in Jinka, der Hauptstadt der SOZ, seit Beginn 2010 das von der Regierung geförderte Cultural Bond Projekt. Junge Mitglieder der regionalen Ethnien studieren Gesänge und Tänze ein, die sie später den Touristen in Hotels und zu bestimmten Gelegenheiten präsentieren. Dafür wurde ein Proberaum mit verschiedenen Instrumenten, wie E-Gitarre und Keyboard und Schulungsräume zur Verfügung gestellt, in dem die 16 Mitglieder täglich Zusammenkommen. Die 13 männlichen und drei weiblichen Teilnehmer kommen von den ethnischen Gruppen der Kara, Hamar, Maale, Ari, Mursi, Banna und Tsamai. Die Lieder und Tänze stammen sowohl aus traditionellem Liedgut der ethnischen Gruppen, werden aber auch von den Teilnehmern in ihren jeweiligen Sprachen selber verfasst und komponiert.[29]

Die Verwaltung des Tourismus im Hamar woreda, zuständig für die Hamar, Kara und Arbore, legte besonderen Wert auf dessen Nachhaltigkeit und Nutzen für die lokalen Gemeinschaften des Gebiets und die Vermeidung negativer Beeinträchtigungen der Kulturen: „The people shall preserve their cultures and also in the side of preserving their culture, they get benefits from tourists and institutions.“[30]

Man legte im Allgemeinen eine optimistischere Grundhaltung vor und Aminu Said vom Public Communication and Tourism Office betonte die gute Entwicklung des Tourismus in den letzten zehn Jahren, was die Straßen und das Einkommen für die Menschen betrifft. Im Unterschied zur eher überfordernden Situation der Verwaltungszone SOZ allgemein, ist die Hamar woreda Zone relativ überschaubar und die touristischen Ziele sowohl für Touristen als auch für Angestellte des Verwaltungsbüros relativ gut erreichbar. Es gibt wenige unzugängliche Gebiete wie zu den Mursi, den Bodi oder Surma (Mago Nationalpark) der SOZ. Das Unterbringungs- und Dienstleistungsangebot ist relativ gut ausgebaut und die Märkte in Dimeka und Turmi sind wesentliche Anlaufpunkte für Touristen.[31] Dimeka und der Großteil des Hamar 'woreda ist nicht mit dem Telefonnetz verbunden und somit noch weitestgehend auf direkte Informationsvermittlung angewiesen. Die Stromversorgung ist schlecht[32], elektrische Datenverarbeitung nicht möglich. Statistische Daten sind nicht verfügbar, sollen aber in Zukunft erstellt werden. Man strebt eine bessere Zusammenarbeit mit Touranbietem und lokalen Hotels, bzw. Lodges an, um Daten über Ankünfte von Touristen, Einnahmen und Ähnliches zu dokumentieren. Bei der Frage nach Problemen in Bezug auf den Tourismus der Region, wurden zwei Thematiken angesprochen. Aminu Said kritisierte, dass einige Rituale, wie der 'Sprung über die Rinder' der Hamar und Kara, für Touristen nachgestellt werden und dass manche Touristen zum Zwecke des Sextourismus ins Gebiet kommen:

„There are some problems, which are informally, like the communities have their own culture and language. There is some ritual, the bull-jumping, which is a procedure over three or four month for the Hamar or Karo boy, who want to do this. When he has finished his program he can jump over the bull. But some tourists come here and they can cheating the community. They say that without plan they want to pay a amount of money for the community for seeing a bull-jumping. So this is not good. This makes a bad image on the culture. And sometimes they want to make sex with the community, or sex-films, without interest of the community. So such things avoid the community and makes conflict with the tourists. Lastly we saw such kind of things, and just we controlled it and there are rules. And just tourists can come, but they have to do their visit by this rules."[33]

Die Tourismusbehörde reagiert auf diese Problematik und stellte Regularien auf, um einen fairen Tourismus in der Region zu garantieren. Man wies die Gemeinschaften darauf hin, eventuelle Probleme sofort an die lokalen Assoziationen in Turmi, Dimeka, Arbore und Kara-Korcho weiterzugeben, damit diese die zonale Zentralverwaltung informieren können. Diese überprüft den Fall und schreitet bei Bedarf ein.[34] Eine wichtige Regel ist, dass Dörfer nur mit Guides besucht werden. In Zukunft sollen hauptsächlich lokale Guides die Touristen in dem Gebiet führen. Aus diesem Grund ist es eine elementare Aufgabe der Verwaltungsbezirke diese auszubilden und einzusetzen. Ein lokaler Guide, der im Hamar woreda arbeitet, muss strengen Anforderungen gerecht werden. Er muss aus dem Gebiet stammen, die Kultur kennen und von den Ältesten der einzelnen Gesellschaften und Dörfer, in denen er aktiv ist, ausgewählt und akzeptiert werden. Die Ältesten und Guides werden somit in die Verantwortung gezogen, selbst zu überwachen, ob ihre Kultur gut präsentiert wird.[35] Aminu Said, fügt zu: „(...) he must be free from adopt things, like alcohol, smoking, chewing chat[36].“[37] Der Tourismus soll nicht zur Lebens- und Wirtschaftsgrundlage der Menschen gemacht werden, die ethnischen Gruppen sollen ökonomisch unabhängig bleiben und ihren Stolz bewahren:

[...]


[1] Interview mit Haillo Dello, BewohnerinvonKorcho, 21.05.2010: 51-54.

[2] CBT-CommunityBased Tourism, als Tourismusentwicklung, bei der soziale, ökologische und ökonomische Bedürfnisse der lokalen Gesellschaften berücksichtigt werden.

[3] Persönl. Erlebnis im Febr. 2008 in Dus.

[4] Die vorliegende Arbeit stützt sichvor allem aufForschungen, die ich im Mai/Juni 2010 während meines zweimonatigen Aufenthaltes in Äthiopien gemacht habe. Forschungsorte waren Addis Abeba (zwei Wochen), Jinka (zweieinhalb Wochen), Dimeka (zwei Wochen) und Korcho (10 Tage). Während der gesamten Zeit im südwestlichen Äthiopien arbeitete ich fast täglich mit meinem Hauptinformanten Dunga Batum Nakuwa zusammen.

[5] Dies ist der Werbeslogan von Access-Tours, einem Reiseanbieter Äthiopiens (Access Tours 2010: 09.09.2010).

[6] 'Nachhaltiger Tourismus', auch 'Sanfter Tourismus' genannt, ist eine Form des ökologisch- und sozialverträglichen Tourismus (siehe Kirstges 1995).

[7] Das Konzept der “Staged Authenticity“ wurde von Goffmann (1959) entwickelt und von MacCannell (1973, 1999) ausgebaut.

[8] Die fünf Wildtiere Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard.

[9] Keine Kultur ist traditionell in dem Sinne, sondern dynamisch und steter Veränderung unterlegen.

[10] Die föderale Konstitution soll regionale Autonomie für ethno-linguistische Gruppen Äthiopiens garantieren. Dazu wurde das Land in neun Regionalstaaten aufgeteilt. Im Südwesten des Landes dominierte keine ethnische Gruppe, sodass die vielen ethnischen Gruppen im ’Southern Nations, Nationalities and Peoples’ Regional State' (SNNPRS) zusammengefasst wurden. Die SNNPRS ist in 13 Unterzonen aufgeteilt, die wiederum in 126 woredas (Verwaltungsbezirke) und 8 Spezial woredas untergliedert ist.

Hin ganz Äthiopien hat sich die Ankunft von Touristen mit 103 000 Ankünften im Jahr 1995 bis zum Jahr 2008 mit 330 000 mehr als verdreifacht (UNData, 2010: 12.08.2010).

[12] Kommodifizierung meint hier die Vermarktung von Kultur im Tourismus, durch Verkauf von Kulturgütern, Fotografien, zeremoniellen Darbietungen. Der Begriff ist meist negativ konnotiert, da er im Zusammenhang mit Authentizitätsverlust und ökonomischer Abhängigkeit gesehen wird (Cohen 2007: 944­946).

[13] zur näheren Information siehe Anhang: South Omo Zone Tourism Forum Report.

[14] Interview mit Aminu Said (Public Communication and Tourism Office) in Dimeka, 10.06.2010: 24-27.

[15] ebd.: 32f.

[16] (Telefon)-Gesprächmit Bereket Tadesse, 05.09.2010.

[17] Quelle: Culture and Tourism Bureau of Southern Nation, Nationalities and Peoples' Regional State 2010: 23.07.2010.

[18] Gespräch mit Dunga Batum Nakwa (Kara) in Jinka, 30.05.2010.

[19] Basierend auf eigenen Nachforschungen in Addis Abeba.

[20] Die folgende Ausarbeitung stützt sich auf jeweils ein Interview mit Tasow Chefike, Vorsitzender des Culture and Tourism Office in Jinka (Zuständigkeit: SOZ) und mit Aminu Said, Vorsitzender im Office for Tourism in Dimeka (Zuständigkeit: Hamar woreda, unter das auch das Kara Gebiet fällt). Außerdem auf Gespräche mit Mitarbeitern der Tourismus-Verwaltung und die Sichtung verschiedener Protokolle über Tourismus-Projekte der Region.

[21] Interview mit Tasow Chefike (Culture and Tourism Office) in Jinka, 17.06.2010: 4.

[22] siehe Anhang: South Omo Zone Culture and Tourism development process, S.l.

[23] Interview mit Tasow Chefike (Culture and Tourism Office) in Jinka, 17.06.2010: 17-26.

24ebd.: 60-68.

[25] ebd.: 34-37.

26ebd.: 38-47.

[27] ebd.: 55-58.

28ebd.: 70-73.

[29] Gespräch mit Haska Nyakurmba in Jinka und Besichtigung der Räumlichkeit in Jinka.

[30] Interview mit Aminu Said (Public Communication and Tourism Office) inDimeka, 10.06.2010: 35ff.

[31] ebd.: 24-27.

[32] Ein Generator liefert normalerweise täglich drei Stunden Strom für das Dorf.

[33] ebd.: 47-57.

34ebd.: 67-70.

[35] ebd.: 91-101.

[36] Rausch- und Genußmittelpflanze, auch 'miraa' genannt, die in Äthiopien, Somalia, Dschibuti, Kenia, Oman und Jemen als Alltagsdroge Verwendung findet, (siehe: www.giftpflanzen.com/catha_edulis.html, ab gerufen am 24.09.2010)

[37] ebd.: 93.

Ende der Leseprobe aus 103 Seiten

Details

Titel
"Welcome I can say always" Die Kara Südwestäthiopiens und ihre Sicht auf den Tourismus in Korcho
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Ethnologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
103
Katalognummer
V178115
ISBN (eBook)
9783656111405
ISBN (Buch)
9783656111573
Dateigröße
3603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kara, Äthiopien, South Omo, Tourismus, Kulturkontakt, Kultureller Wandel, Karo
Arbeit zitieren
Nadine Brückner (Autor), 2010, "Welcome I can say always" Die Kara Südwestäthiopiens und ihre Sicht auf den Tourismus in Korcho, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178115

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