Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Praxisrelevanz von Unternehmensethik sowie deren
Umsetzung und Einbettung in Unternehmensstrukturen. So müssen Unternehmen zunächst
die für sie relevanten Dilemmastrukturen in Erfahrung bringen, um dann Maßnahmen
zur erfolgreichen Überwindung dieser einleiten zu können. Da jedoch nicht jede Maßnahme
hierfür geeignet ist, bedarf es der Analyse, Auswahl und Implementierung effektiver Maßnahmen.
Um die Bedeutung dessen geeignet aufzeigen zu können, wurden zwei Unternehmen
derselben Branche zum Vergleich ausgewählt. Es handelt sich hierbei zum einen um die
Deutsche Telekom und zum anderen um die Telefónica Europe. Beide Unternehmen sind in
der Telekommunikationsbranche tätig und somit, neben leicht unterschiedlichen unternehmenseigenen
Problemen, den gleichen branchenspezifischen Risiken ausgesetzt. Mithilfe der
Darstellung ausgewählter Dilemmastrukturen und der Analyse der Maßnahmen, welche vom
jeweiligen Unternehmen getroffenen wurden, wird deutlich, dass unternehmerische Selbstbindung
zur langfristigen Besserstellung aller Beteiligten führt. Somit stellt die Selbstbindung
kein Opfer sondern hingegen eine Investition dar, mit deren Hilfe diese sozialen Dilemmata
erfolgreich überwunden werden können. Es liegt demnach im Interesse der Unternehmen moralisch
zu handeln und sich zu diesem Zweck auch selbstzubinden, um so Moral als einen
zusätzlichen Produktionsfaktor nutzen zu können. Weiterhin wird deutlich, dass aufgrund
oftmals hoher Transaktionskosten, zunehmend die unternehmensübergreifenden Kooperationen
der alleinigen Entwicklung und Implementierung der dafür notwendigen Verhaltenskodizes
vorgezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Unternehmensethik
2. Die Deutsche Telekom AG
2.1 Das Unternehmen Deutsche Telekom und seine Risiken
2.2 Die Verhaltenskodizes und Prinzipien der Deutschen Telekom
3. Die Telefónica Europe plc
3.1 Die Telefónica Europe und ihre Gefahren
3.2 Maßnahmen der Telefónica Europe zur Überwindung der Risiken
4. Der Vergleich der Deutschen Telekom und Telefónica Europe
4.1 Kunden & Gesellschaft
4.1.1 Datenschutz: Motivation und Einhaltung
4.1.2 Jugendschutz: Schranken und Aufklärung
4.2 Mitarbeiter
4.2.1 Arbeitsbedingungen: Ideen- und Nachwuchsmanagement
4.2.2 Interne Anreizstrukturen: Mitarbeiterkartelle und das Prinzipal-Agenten-Problem
4.2.3 Unternehmenskultur: Trittbrettfahrerproblematik
4.3 Unternehmen
4.3.1 Unlauterer Wettbewerb: Korruption
4.3.2 Kooperation mit Lieferanten: Lieferantenauswahl und -management
Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die betriebliche Praxis der Unternehmensethik, indem sie die Verhaltenskodizes der Deutschen Telekom und der Telefónica Europe vergleichend analysiert. Ziel ist es aufzuzeigen, wie Unternehmen soziale Dilemmata durch Selbstbindung erfolgreich überwinden und Moral als wertschöpfenden Produktionsfaktor etablieren können.
- Analyse und Vergleich der Verhaltenskodizes beider Telekommunikationsunternehmen
- Untersuchung branchenspezifischer Herausforderungen (Datenschutz, Korruption, Jugendschutz)
- Anwendung der Spieltheorie (Gefangenendilemma) zur Modellierung ethischer Entscheidungssituationen
- Evaluation von Maßnahmen zur Förderung einer integren Unternehmenskultur und nachhaltiger Lieferantenbeziehungen
Auszug aus dem Buch
4.1.1 Datenschutz: Motivation und Einhaltung
Vor allem für Unternehmen in der ICT-Branche ist der Datenschutz eines der wichtigsten und zugleich auch heikelsten Themen. Dies zeigt sich u.a. daran, dass es unterschiedlichste Probleme in diesem Bereich geben kann. An dieser Stelle wird auf folgende zwei grundlegende Fragen näher eingegangen:
1) „Warum sollten Unternehmen den Datenschutz ernst nehmen?“
2) „Wie ist es möglich den Datenschutz innerhalb eines Unternehmens einzuhalten?“.
Die erste Frage hat die Motivation der Unternehmen zum Gegenstand. Hierbei ergibt sich zunächst ein einseitiges PD. Die Kunden bzw. MA, um deren Daten es geht, haben die Möglichkeit in das Unternehmen zu investieren, d.h. seitens der Kunden, einen Vertrag zu schließen bzw. zu verlängern, und hinsichtlich der MA, bei dem Unternehmen eine Stelle anzunehmen bzw. im Unternehmen zu verbleiben. Das Unternehmen hat dann die Möglichkeit eine getätigte Investition in Form von Datenmissbrauch auszubeuten oder nicht. Im Status quo ist es für das Unternehmen am attraktivsten die Investition auszubeuten, da dies eine unerlaubte Nutzung oder den Verkauf der Daten ermöglicht bzw. aufwendige Schutzvorrichtungen zur Gewährleistung des Datenschutzes nicht erforderlich macht und somit den Gewinn erhöht.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung der Relevanz von Unternehmensethik in der ICT-Branche und Definition der zentralen Thesen und Vorgehensweise.
1. Unternehmensethik: Einführung in das ordonomische Forschungsprogramm und methodische Grundlagen zur Überwindung sozialer Dilemmata.
2. Die Deutsche Telekom AG: Analyse des Unternehmensprofils, der spezifischen Risiken und der implementierten Verhaltenskodizes der Deutschen Telekom.
3. Die Telefónica Europe plc: Deskriptive Darstellung der Telefónica Europe, ihrer Herausforderungen und der entsprechenden Maßnahmen zur Risikobewältigung.
4. Der Vergleich der Deutschen Telekom und Telefónica Europe: Anwendung spieltheoretischer Modelle auf konkrete Problemfelder wie Datenschutz, Korruptionsbekämpfung und Lieferantenmanagement.
Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der Analyseergebnisse und Diskussion der Bedeutung kollektiv entwickelter Kodizes sowie Potenziale für zukünftige Verbesserungen.
Schlüsselwörter
Unternehmensethik, Verhaltenskodex, Deutsche Telekom, Telefónica Europe, Spieltheorie, Gefangenendilemma, Datenschutz, Jugendschutz, Korruptionsbekämpfung, Compliance, Reputation, Selbstbindung, Nachhaltigkeit, Stakeholder, ICT-Branche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Praxisrelevanz der Unternehmensethik im Telekommunikationssektor und untersucht, wie Unternehmen Verhaltenskodizes nutzen, um ethische Herausforderungen zu bewältigen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen zählen Datenschutz, Jugendschutz, Mitarbeiteranreizstrukturen, Unternehmenskultur und die Korruptionsprävention in Lieferketten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch unternehmerische Selbstbindung Win-Win-Situationen geschaffen werden können, um langfristige Wettbewerbsfähigkeit und Reputation zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird auf die Spieltheorie, speziell das Modell des Gefangenendilemmas (PD), zurückgegriffen, um Dilemmastrukturen zwischen Akteuren wie Unternehmen, Kunden und Mitarbeitern zu modellieren und zu lösen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine vergleichende Analyse der Verhaltenskodizes der Deutschen Telekom und der Telefónica Europe hinsichtlich verschiedener Risikobereiche und der Wirksamkeit ihrer internen Compliance-Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Unternehmensethik, Verhaltenskodex, Spieltheorie, Gefangenendilemma, Compliance und Reputation.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen einseitigen und zweiseitigen Dilemmata eine Rolle?
Sie ermöglicht eine präzisere Analyse der Anreizstrukturen: Während einseitige Dilemmata oft durch individuelle Selbstbindung gelöst werden können, bedürfen zweiseitige Dilemmata kollektiver Bindungsmechanismen.
Was sind die konkreten Ergebnisse bezüglich der Unterschiede zwischen DT und Telefónica?
Die Analyse zeigt, dass die Deutsche Telekom durch eine Kombination aus expliziten und impliziten Kodizes (z.B. Fraud Policy) in manchen Bereichen effektiver aufgestellt ist als die Telefónica, die primär auf implizite Business Principles setzt.
- Quote paper
- Christian Göhring (Author), 2011, Unternehmensethik in der betrieblichen Praxis: Die Verhaltenskodizes der Deutschen Telekom und der Telefónica Europe im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178125