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Das Judenspanische im Osmanischen Reich

Soziale Netzwerke und Sprachkontakt in der Diaspora

Titel: Das Judenspanische im Osmanischen Reich

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2011 , 48 Seiten

Autor:in: Patrick Roesler (Autor:in)

Romanistik - Hispanistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Nachdem die reyes católicos 1492 mit Granada die letzte maurische Bastion auf der Iberischen Halbinsel für das Königreich Kastilien erobert hatten, strebten sie nicht nur die politische sondern auch die religiöse Einheit Spaniens an. Mit einem Vertreibungsedikt stellten sie noch im selben Jahr die spanischen Juden (Sepharden)
vor die Wahl, zum christlichen Glauben zu wechseln oder aber ihren Besitz zu veräußern und das Land zu verlassen. Ein Großteil der Juden, die nicht konvertieren wollten und sich daher für die Emigration entschieden, wanderte in der Folgezeit zunächst nach Nordafrika, Portugal, Navarra, Frankreich sowie Italien und fand schließlich auf dem Gebiet des Osmanischen Reiches, im östlichen Mittelmeer- und Balkanraum, eine neue Heimat. Mit ihrer Ausweisung waren die Sepharden gezwungen ihre gewohnte Umgebung, die seit der Antike in den spanischen Städten bestehenden jüdischen Viertel, zu verlassen, um sich auf fremdem Boden neu organisieren und eine neue soziale sowie ökonomische Existenz aufbauen zu können.
Im Folgenden soll mit umfassendem Bezug auf ausgewählte Werke der Sekundärliteratur zum Sephardischen diskutiert werden, welche Auswirkungen die Vertreibung der Juden von der Iberischen Halbinsel auf ihre Sprache, das Judenspanische (JS), hatte und welche Rolle dabei die Verlagerung der sephardischen Lebenswelt in einen differenten Sprach- und Kulturraum, das Osmanische Reich,
gespielt haben könnte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. AUSWIRKUNGEN VON MIGRATIONSPROZESSEN AUF DAS SPRACHVERHALTEN

3. JÜDISCHES LEBEN IN SEFARAD

3.1 Sepharden im frühchristlichen Spanien

3.2 Sepharden im maurischen Spanien

3.3 Sepharden in den zurückeroberten Gebieten bis 1492

3.4 Zentrale Lebensbereiche und soziale Netzwerke

3.5 Judenspanisch in Sefarad

4. AUSWIRKUNGEN DER VERTREIBUNG AUF DIE SPRACHE DER SEPHARDEN

5. DIE SEPHARDEN UND IHRE SPRACHE IN SÜDOSTEUROPA ZUR ZEIT DES OSMANISCHEN REICHES

5.1 Jüdisches Leben in der Türkei, auf dem Balkan und in Griechenland

5.2 Soziale Netzwerke und Sprachkontakt

5.2.1. Die Rolle des Judenspanischen im kommunikativen Alltag der Sepharden

5.2.2 Das Judenspanische im Kontakt mit den autochtonen Sprachen

5.2.3 Das Judenspanische als jüdische Sprache

5.2.4 Der italienische Einfluss auf das Judenspanische

5.2.5 Der französische Einfluss auf das Judenspanische

5.3 Nationale Unabhängigkeit und Sprachpolitik

6. SCHLUSSBETRACHTUNGEN

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen der Vertreibung der Sepharden von der Iberischen Halbinsel im Jahr 1492 auf ihre Sprache, das Judenspanische (JS), sowie die Rolle, die die Verlagerung ihrer Lebenswelt in den neuen Kulturraum des Osmanischen Reiches dabei spielte. Dabei steht insbesondere die Wechselwirkung zwischen Sprachkontakt innerhalb sozialer Netzwerke und den daraus resultierenden sprachlichen Veränderungen im Zentrum der Analyse.

  • Migration und soziale Netzwerke im Kontext des Sprachverhaltens
  • Jüdisches Leben auf der Iberischen Halbinsel vor der Vertreibung
  • Die Entwicklung des Judenspanischen als Resultat von Sprachkontakt und Migration
  • Einflüsse von Türkisch, Griechisch, Italienisch und Französisch auf das JS
  • Die Auswirkungen von Nationalismus und Sprachpolitik auf das Überleben der Sprache

Auszug aus dem Buch

5.2.2 Das Judenspanische im Kontakt mit den autochtonen Sprachen

Bedenkt man, dass vom 16. bis 19. Jh. die Mehrheit der sephardischen Bevölkerung in der Türkei, auf dem Balkan und in Nordgriechenland ansässig war, so kommt man zu dem Schluss, dass die spanischen Juden mit den autochthonen Völkern in Kontakt gekommen sein müssen, und dass das Türkische und die Balkansprachen im Kontakt mit dem JS ihre Spuren in der Sprache der Sepharden hinterlassen haben dürften. Vor allem die Frage nach dem Einfluss von Strukturen der Balkansprachen Makedonisch, Bulgarisch und Griechisch auf das JS ist in der Literatur häufig kurz und bündig mit Nein oder aber etwas differenzierter beantwortet worden (vgl. HETZER 2001: 91). Eine solche Beeinflussung kategorisch auszuschließen ist sicherlich bedenklich, wenn nicht sogar falsch, wie u.a. SYMEONIDIS (2000, 2002) und Габинский (1992) nachgewiesen haben. Jedoch bedarf die Problematik des Sprachkontakts zwischen dem Judenspanischen und den autochthonen Sprachen in der Tat einer etwas differenzierteren Betrachtung.

BENBASSA/RODRIGUE (1995: 19) betonen mit Recht, dass die jüdische Gemeinschaft und die jüdischen Stadtviertel unbestritten den Mittelpunkt des sozialen Lebens der Sepharden darstellten. Sie räumen jedoch ebenso ein, dass die Juden durchaus häufig Verbindung zur nichtjüdischen Außenwelt hatten und Umgang mit Muslimen und Christen pflegten. Dies wird umso deutlicher, wenn man die weiter oben eingehender behandelte verstärkte Eingebundenheit der spanischen Juden in das osmanische Wirtschafts- und Gesellschaftsleben mit berücksichtigt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Diese Einleitung skizziert die historische Vertreibung der Sepharden 1492 und formuliert die zentrale Fragestellung nach dem Einfluss dieses Migrationsprozesses auf die Sprache der Sepharden im osmanischen Raum.

2. AUSWIRKUNGEN VON MIGRATIONSPROZESSEN AUF DAS SPRACHVERHALTEN: In diesem theoretischen Kapitel werden die Begriffe Migration und soziales Netzwerk eingeführt, um zu erklären, wie Migranten ihre kommunikativen Gewohnheiten in einem neuen Umfeld anpassen.

3. JÜDISCHES LEBEN IN SEFARAD: Dieser Abschnitt beleuchtet die historische Entwicklung der jüdischen Gemeinden im frühchristlichen und maurischen Spanien sowie in den reconquista-Gebieten, einschließlich der sprachlichen Besonderheiten vor der Vertreibung.

4. AUSWIRKUNGEN DER VERTREIBUNG AUF DIE SPRACHE DER SEPHARDEN: Hier werden die unmittelbaren Folgen des Vertreibungsedikts und die Integrationsprozesse der sephardischen Flüchtlinge in Ländern wie Portugal und Italien auf deren Sprachentwicklung analysiert.

5. DIE SEPHARDEN UND IHRE SPRACHE IN SÜDOSTEUROPA ZUR ZEIT DES OSMANISCHEN REICHES: Dieses umfangreiche Kapitel untersucht das Leben der Sepharden im Osmanischen Reich, die Rolle sozialer Netzwerke, den massiven Einfluss von Kontakt- und Prestige-Sprachen sowie die Auswirkungen aufkommender Nationalismen auf die sephardische Sprache und Kultur.

6. SCHLUSSBETRACHTUNGEN: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht, dass die sprachlichen Besonderheiten des Judenspanischen ein Resultat sowohl des Abbruchs der Kommunikation mit dem Spanischen als auch des intensiven Kontakts mit neuen Sprachumgebungen im Osmanischen Reich darstellen.

Schlüsselwörter

Sepharden, Judenspanisch, Migration, Sprachkontakt, Osmanisches Reich, Balkan, Soziale Netzwerke, Ladino, Sprachgeschichte, Identität, Assimilation, Mehrsprachigkeit, Diaspora, Romanische Sprachen, Minderheitenpolitik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Judenspanischen nach der Vertreibung der Sepharden aus Spanien im Jahr 1492 und deren Ansiedlung im osmanischen Raum.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Migrationsgeschichte, die Organisation sephardischer Gemeinden, der Einfluss verschiedener Kontaktsprachen (Türkisch, Griechisch, etc.) und die Bedeutung des Judenspanischen im sozialen Alltag.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, welche Auswirkungen die Vertreibung und die Verlagerung der sephardischen Lebenswelt in einen fremden Sprach- und Kulturraum auf die Entwicklung des Judenspanischen hatten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer umfassenden Auswertung von Sekundärliteratur zur Migrationslinguistik und zur Geschichte der sephardischen Diaspora, ergänzt durch die Analyse sprachhistorischer Daten und Lehnwortanalysen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert das jüdische Leben in Spanien vor 1492, die Migrationsprozesse, die soziale Struktur der Gemeinden im Osmanischen Reich sowie die vielfältigen sprachlichen Einflüsse und den Umgang mit dem Wandel durch aufkommende Nationalstaaten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Sepharden, Judenspanisch, Migration, Sprachkontakt, Soziale Netzwerke und den Einfluss des Osmanischen Reiches charakterisiert.

Welche Rolle spielte das "Ladino" innerhalb der sephardischen Gemeinde?

Das Ladino entwickelte sich als sakrale Sprachform durch Wort-für-Wort-Übersetzungen des Hebräischen und genoss als Ausdruck höherer Bildung hohes Prestige innerhalb der Gemeinschaft.

Warum veränderte sich das Judenspanische im 19. und 20. Jahrhundert?

Durch den Einfluss der Alliance Israélite Universelle und die Gründung neuer Nationalstaaten auf dem Balkan wurden Nationalsprachen und das Französische als Bildungs- und Verwaltungssprachen eingeführt, was den Druck auf das Judenspanische und dessen Verwendung massiv erhöhte.

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Das Judenspanische im Osmanischen Reich
Untertitel
Soziale Netzwerke und Sprachkontakt in der Diaspora
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Autor
Patrick Roesler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
48
Katalognummer
V178140
ISBN (eBook)
9783640999378
ISBN (Buch)
9783640999255
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Judenspanisch Sepharden spanische Juden Sprachkontakt
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Patrick Roesler (Autor:in), 2011, Das Judenspanische im Osmanischen Reich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178140
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Leseprobe aus  48  Seiten
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