In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit den Nero-Büchern der Annales des römischen Geschichtsschreibers Publius Cornelius Tacitus, wobei ich mein Hauptaugenmerk auf die Ermordung
der Mutter Neros, Agrippina (ann. 14, 1 ff.), legen möchte. Zunächst scheint es mir wichtig, das Werk und seinen Autor in den Kontext der römischen Historiographie einzuordnen.
Im Hauptteil meiner Arbeit versuche ich, die schriftstellerische Leistung des Tacitus in angemessener Weise zu würdigen, indem ich die Ermordung der Agrippina in den Gesamtzusammenhang der Annales einbette und in einer möglichst umfassenden interpretatorischen
Darstellung den Gedankengang des Autors offenlege und deute. Dabei möchte ich vor allem auch die Frage diskutieren, inwieweit sich die Annales als Quelle für die Geschichte der römischen Kaiserzeit eignen. Darüber hinaus werde ich an einigen Stellen auch auf die
Schilderung der Ermordung Agrippinas in Suetons Nero-Biographie zu sprechen kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Tacitus und die Annales
3. Tacitus’ Schilderung der Ermordung der Agrippina
4. Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Ermordung Agrippinas, der Mutter Neros, in den Nero-Büchern der Annales des römischen Historikers Publius Cornelius Tacitus. Ziel ist es, das Werk in den historiographischen Kontext einzuordnen, die erzählerische Gestaltung des Mordgeschehens zu analysieren und kritisch zu hinterfragen, inwieweit die Annales als verlässliche historische Quelle dienen können, wobei auch Vergleiche zur Sueton-Biographie gezogen werden.
- Einordnung von Tacitus und dessen Werk in die römische Historiographie
- Analyse der machtpolitischen Hintergründe des Konflikts zwischen Nero und Agrippina
- Untersuchung der literarischen Gestaltung und Dramaturgie in der Schilderung des Agrippina-Mordes
- Kritische Reflexion der Subjektivität des Autors und dessen Quellenumgang
- Gegenüberstellung der Darstellung bei Tacitus mit anderen antiken Berichten
Auszug aus dem Buch
3. Tacitus’ Schilderung der Ermordung der Agrippina
Nero (37 - 68 n. Chr.), der letzte Kaiser aus dem Julisch-Claudischen Haus, war der Sohn des Senators Gnaeus Domitius Ahenobarbus und der Agrippina der Jüngeren. Diese war die Schwester des Kaisers Caligula sowie die Tochter von Agrippina der Älteren und Germanicus Caesar, dem Enkel des Kaisers Augustus. Agrippina hatte 49 n. Chr. ihren Onkel, Kaiser Claudius, geheiratet und ihn dazu gebracht, ihren Sohn Nero zu adoptieren und diesen seinem eigenen Sohn Britannicus vorzuziehen. Darüber hinaus arrangierte sie im Jahre 53 n. Chr. die Heirat Neros mit des Kaisers Tochter Octavia.
Mit der Erziehung ihres Sohnes beauftragte sie Lucius Annaeus Seneca (um 4 v. Chr. - 65 n. Chr.). Dieser war im Jahre 41 aufgrund einer Hofintrige nach Korsika verbannt worden, Agrippina hatte ihn jedoch bald nach ihrer Hochzeit mit Claudius wieder zurückgerufen (vgl. Dingel 2001: 412). Dabei konnte sie sich der Loyalität Senecas sicher sein, hatte sie doch große Anstrengungen zu seiner Rehabilitierung unternommen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Untersuchung ab, benennt den Fokus auf die Agrippina-Ermordung und definiert die Absicht, Tacitus' historiographische Leistung zu würdigen.
2. Tacitus und die Annales: Dieses Kapitel liefert eine biografische und kontextuelle Einordnung des Autors sowie seines letzten großen Geschichtswerkes.
3. Tacitus’ Schilderung der Ermordung der Agrippina: Der Hauptteil analysiert detailliert die politischen Machtkämpfe, die Inszenierung des Mordes bei Tacitus sowie die erzählerischen Mittel des Autors.
4. Zusammenfassung: Hier werden die zentralen Erkenntnisse gebündelt und die Rolle des antiken Geschichtsverständnisses bei der Darstellung historischer Ereignisse resümiert.
Schlüsselwörter
Tacitus, Annales, Nero, Agrippina, Römische Geschichte, Kaiserzeit, Historiographie, Machtkampf, Mord, Seneca, Burrus, Poppaea Sabina, Antike Literatur, Politische Intrige, Sueton
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Darstellung der Ermordung Agrippinas in den Nero-Büchern des römischen Historikers Publius Cornelius Tacitus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der politische Machtkampf im julisch-claudischen Kaiserhaus, die literarische Gestaltung der Annales und die historische Zuverlässigkeit taciteischer Berichterstattung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Werk in seinen Kontext einzuordnen und zu untersuchen, wie Tacitus das Geschehen um den Mord an Agrippina interpretierend darstellt und gestaltet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine literatur- und quellenkritische Methode, bei der der Originaltext des Tacitus analysiert und mit der Forschungsliteratur sowie zeitgenössischen Berichten, etwa von Sueton, abgeglichen wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Intrigen um Nero, Agrippina, Seneca und Burrus sowie die dramaturgischen Mittel, mit denen Tacitus den Mordprozess schildert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Tacitus, Annales, Nero, Agrippina, Machtkampf, Intrigen, Historiographie und Quellenkritik.
Warum spielt Poppaea Sabina laut Tacitus eine entscheidende Rolle?
Tacitus nutzt Poppaea Sabina, um den Einfluss einer Frau auf den jungen Kaiser und die daraus resultierende Gefährdung seiner Ehe mit Octavia sowie die Zuspitzung des Konflikts mit Agrippina zu verdeutlichen.
Welche Bedeutung kommt dem Freigelassenen Anicetus bei der Ermordung zu?
Anicetus fungiert als ausführendes Organ des Mordplans, wobei Tacitus dessen Beteiligung nutzt, um Nero eine Wahlmöglichkeit und das Ausmaß seiner moralischen Verantwortung darzustellen.
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- Patrick Roesler (Author), 2005, Die Ermordung der Agrippina, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178148