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Die Henker vom 13. bis 18. Jahrhundert

Title: Die Henker vom 13. bis 18. Jahrhundert

Seminar Paper , 2009 , 20 Pages , Grade: 3

Autor:in: Markus Helmich (Author)

Law - Philosophy, History and Sociology of Law
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Summary Excerpt Details

Der Beruf des Henkers durchlief anfangs eine unruhige Zeit
Es gab keinen berufsmäßigen Scharfrichter bis zum 13. Jahrhundert. Ein Anlass für das anfängliche Desinteresse am Henkerberuf war nicht nur der blutige Beruf, sondern auch dass die Todesstrafen bis zu den Landfrieden die Ausnahme darstellten. Am Ende des Spätmittelalters hatte nahezu jede größere Stadt einen eigenen Henker.
Tabuisierung und Ambivalenz führten zur Zwiespältigkeit
Der Henkerberuf galt als 'unrein' und 'unehrlich' und war ein „unbeliebter“ Beruf. Den Stammhaltern von Henkern stand bis Anfang des 18. Jahrhunderts kein anderer Berufsweg offen. Doch dieser Teil des „Fluches“ nahmen die Reichsgesetze der Jahre 1731 und 1772 von der Henkersfamilie, indem sie jene Kinder und Enkel für ehrlich erklärten.
Zu den direkten Aufgaben des Scharfrichters gehörten die Todes- und Leibesstrafen. Art und Form der Hinrichtung orientierte sich an der Gefährlichkeit und der Schwere des Vergehens. Die Folge war, dass es mehrere Arten von Hinrichtungen gegeben haben muss: Enthauptungen, Lebendigbegraben, Pfählen, Rädern, Verbrennen und Vierteilen. Dazu kamen Körper- und Ehrenstrafen sowie die Durchführung der peinlichen Befragung oder Folter. Daneben musste er auch oft unangenehme Nebenaufgaben übernehmen: z. B. Kloakenreinigung, die Bestattung von Selbstmördern, die Aufsicht über die Prostituierten sowie beanstandete Bücher zu verbrennen.
Ein eigenartiger Gegensatz
bestand in der häufig vorkommenden Verbindung von Scharfrichter und Heilkundigem: Er nahm das Leben, quälte die Gesetzesbrecher, doch dem anderen half er als fachmännischer und anerkannter Arzt und Chirurge.
Die Hinrichtung war vereinzelt ein Schauspiel.
Die Hinrichtung sollte ein würdevoller, erhebender Akt mit erzieherischer Wirkung auf die Öffentlichkeit sein. Das blutige Schauspiel war tatsächlich geeignet, Aggressionen abzubauen und große, erregte Massen zu beruhigen und Macht zu demonstrieren.
Psychologische Schäden waren nicht selten
Diese Tätigkeit verursachte bei vielen Henkern schwere seelische Störungen. Alkoholsucht, Depressionen und Selbstmord waren die häufigsten Ausprägungen. Aufgrund ihrer medizinischen Fähigkeiten ließen sich zahlreiche Nachkommen der Henker seit dem 18. Jahrhundert vermehrt in ärztlichen Berufsfeldern nieder.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Geschichte des Scharfrichters

3. Tabuisierung und Ambivalenz

4. Henkerdynastien

5. Die Aufgaben des Henkers

5.1 Die Hauptaufgaben

5.1.1 Enthaupten

5.1.2 Lebendigbegraben

5.1.3 Pfählen

5.1.4 Rädern

5.1.5 Verbrennen

5.1.6 Vierteilen

5.2 Heilkräfte

5.3 Körper- und Ehrenstrafen

5.4 Durchführung der peinlichen Befragung od. Folter

6. Fehlrichten des Henkers

7. Nebenaufgaben

8. „Stadmedicus“

9. Aberglaube, Henkersmahlzeiten und Mütze

10. Zunftentwicklungen

11. Die Hinrichtung

12. Frauen

13. Psychologische Schäden

14. Tod

15. Das Ende des Henkerberufs

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Rolle, den sozialen Status und die vielschichtigen Tätigkeitsfelder des Scharfrichters vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. Sie beleuchtet dabei, wie sich dieser Beruf zwischen gesellschaftlicher Ächtung als "unehrliche" Person und notwendiger Ausübung staatlicher Gewalt sowie medizinischer Heilkunde wandelte.

  • Historische Entwicklung des Scharfrichteramtes und Entstehung von Henkerdynastien.
  • Die verschiedenen Arten der Strafvollstreckung und die Rolle der peinlichen Befragung.
  • Soziologische Analyse der Tabuisierung und Ambivalenz gegenüber dem Scharfrichter.
  • Die medizinische Doppelrolle des Henkers als Heiler und medizinischer Experte.
  • Psychologische Aspekte und Bewältigungsmechanismen des Henkerberufs.

Auszug aus dem Buch

3. Tabuisierung und Ambivalenz

So spät das Amt des Scharfrichters auch begründet wurde, so rätselhaft war meist sein Beruf. So galten Henker als 'unrein' und 'unehrlich' und genossen auf diese Weise das gleiche Ansehen wie Gaukler, Juden, andersgläubige Fremde, aber auch wie Hebammen, Bader, Müller, Schäfer, Leinweber und Töpfer. Er war eine Person, die den Inbegriff der Unehrlichkeit darstellte und deren Berührung allein schon als ehrenrührig, ja sogar als schändlich galt. Bestimmte Strafen wurden per se durch den Scharfrichter ausgeführt und erhielten durch seine Handhabung die unehrliche Wirkung. Sie wurden nicht nur von Seiten des ehrbaren Handwerks, sondern vom ganzen Volk gemieden und waren sich selbst ihrer niederen Einschätzung bei den Menschen bewusst.

Unklar ist trotz allem, weshalb der Henkersberuf so „unbeliebt“ war, obwohl sich die Bevölkerung nicht gescheut hatte, einer Hinrichtung bzw. dem ganzen Spektakel als Zuschauer beizuwohnen. Es war, so scheint es, von Beginn an keine Unehrlichkeit in diesem Berufsbild zu erkennen. Warum es schließlich zu diesem Wandel kam, lässt sich heute nicht eindeutig beantworten, obwohl zahlreiche Theorien zu diesem Thema aufgestellt wurden: Zum einen könnte die Professionalisierung dieser Beschäftigung in Verbindung mit anderen Tätigkeiten diesen Beruf unehrlich gemacht haben. Ein anderer Grund war sicherlich, dass die Stadt dem Henker die Schuld der Gesellschaft aufgebürdet hat, möglicherweise die Bezahlung für die Hinrichtungen als eine Art „Freikaufen der Schuld“ darstellte. Fragwürdige Gestalten (Alkoholiker, Verbrecher), die diesen Beruf ausübten, trugen seinesgleichen bei, dass das Image des Henkers enorm litt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Definition des Begriffs Scharfrichter und Einordnung der Tätigkeit in das magisch-sakrale Weltbild des Mittelalters.

2. Geschichte des Scharfrichters: Darstellung der Entwicklung vom ungelernten Laienvollzug hin zum besoldeten und geschulten Amtsinhaber.

3. Tabuisierung und Ambivalenz: Untersuchung des sozialen Status als unehrliche Person und der damit verbundenen gesellschaftlichen Ächtung.

4. Henkerdynastien: Beschreibung der vererbbaren Struktur des Berufs und der Entstehung geschlossener Familienverbände.

5. Die Aufgaben des Henkers: Detaillierte Auflistung der Hinrichtungsmethoden sowie der Nebentätigkeiten wie Heilkunde und Folter.

6. Fehlrichten des Henkers: Analyse der Konsequenzen bei misslungenen Hinrichtungen und der hohen Anforderungen an das handwerkliche Geschick.

7. Nebenaufgaben: Übersicht der geächteten Tätigkeiten wie Kloakenreinigung und Tierkörperverwertung.

8. „Stadmedicus“: Aufarbeitung der medizinischen Expertise des Henkers und dessen Rolle als Chirurg und Heiler.

9. Aberglaube, Henkersmahlzeiten und Mütze: Erläuterung der abergläubischen Praktiken rund um die Hinrichtung.

10. Zunftentwicklungen: Skizzierung der Versuche zur Bildung von Zünften und der Entwicklung eines eigenen Berufsethos.

11. Die Hinrichtung: Analyse der Hinrichtung als erzieherisches Spektakel für die Öffentlichkeit.

12. Frauen: Darstellung der besonderen Probleme und Hemmungen bei der Hinrichtung von Frauen.

13. Psychologische Schäden: Erörterung der emotionalen Belastungen und der Rechtfertigungsstrategien der Henker.

14. Tod: Beschreibung des Umgangs mit dem verstorbenen Henker und dem Fehlen einer regulären Bestattung.

15. Das Ende des Henkerberufs: Fazit über den Wandel des Berufsstandes hin zu anderen medizinischen Feldern.

Schlüsselwörter

Scharfrichter, Henker, Hinrichtung, Mittelalter, Tabuisierung, unehrlich, Folter, Henkerdynastien, Heilkunde, Aberglaube, Strafvollzug, Nachrichter, Todesstrafe, Sozialgeschichte, Berufsethos

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung, das gesellschaftliche Ansehen und das komplexe Tätigkeitsfeld des Scharfrichters im Zeitraum vom 13. bis zum 18. Jahrhundert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die rechtliche Stellung, die soziale Ausgrenzung als unehrliche Person, die Ausbildung von Henkersdynastien sowie die medizinische Doppelrolle des Henkers.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu ergründen, warum der Henker einerseits gefürchtet und gemieden wurde, ihm aber gleichzeitig medizinische Heilkräfte zugeschrieben wurden und er als unentbehrlicher Staatsdiener fungierte.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung von Fachliteratur, Rechtsquellen (wie der Carolina) und sozialgeschichtlichen Studien basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der verschiedenen Hinrichtungsmethoden, der Nebenaufgaben (wie Abdeckerei), der psychologischen Belastung und des medizinischen Fachwissens der Henker.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Scharfrichter, unehrlich, Tabuisierung, Henkersdynastien, Heilkunde, Aberglaube und Strafvollzug.

Wie gelang es Henkern, mit der psychischen Last ihres Berufs umzugehen?

Die Henker nutzten Rechtfertigungsmechanismen wie den "Amtsgedanken", die Berufung auf göttliche Ordnung und die Delegation der Verantwortung an den Richter, um psychische Distanz zu wahren.

Welche besondere Rolle spielte der Scharfrichter in der frühen Medizin?

Durch die Arbeit am menschlichen Körper beim Foltern und Rädern besaßen Henker anatomische Kenntnisse, die sie zu gefragten Chirurgen und Heilkundigen für Knochenbrüche und Wundversorgung machten.

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Details

Title
Die Henker vom 13. bis 18. Jahrhundert
College
Ruhr-University of Bochum  (Rechtsgeschichte)
Grade
3
Author
Markus Helmich (Author)
Publication Year
2009
Pages
20
Catalog Number
V178276
ISBN (eBook)
9783656001799
ISBN (Book)
9783656002284
Language
German
Tags
henker jahrhundert
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Markus Helmich (Author), 2009, Die Henker vom 13. bis 18. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178276
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