Diese Bachelorarbeit beschäftigt sich mit dem Einsatz tiergesützter Arbeit bei Kindern im Autismus-Spektrum. Sie beleuchtet die Möglichkeiten und Chancen tiergestützter Interventionen zur Förderung sozialer Kompetenzen, emotionaler Entwicklung und Kommunikation. Dabei werden sowohl die Potenziale als auch mögliche Herausforderungen betrachtet. Die Arbeit bietet einen fachlichen Einblick in ein spannendes und praxisrelevantes Thema an der Schnittstelle von Pädagogik, Inklusion und tiergestützter Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Fundierung Autismus-Spektrum-Störung
2.1. Bestimmung des Krankheitsbildes
2.2. Diagnostik und Klassifizierung
2.3. Merkmale und Erscheinungsbild
2.4. Herausforderungen im Schulalltag für Kinder im Autismus-Spektrum
3. Theoretische Fundierung tiergestützte Arbeit
3.1. Entwicklung der tiergestützten Arbeit und Abgrenzung zur pferdegestützten Arbeit
3.2. Voraussetzungen
3.3. Konzepte und Ansätze
3.3.1. Begriffliche Abgrenzung tiergestützter Arbeit
3.3.2. Pferdegestützte Pädagogik
3.3.3. Pferdegestützte Therapie
3.3.4. Pferdegestützte Aktivität
3.4. Mensch-Tier-Beziehung
3.4.1. Das Konzept der Du-Evidenz
3.4.2. Die Biophilie-Hypothese
3.4.3. Bindungstheoretische Überlegungen
4. Methodische Vorgehensweise
4.1. Systematische Literaturrecherche
4.2. Vorgehen
4.3. Methodenkritik
5. Ergebnisse
6. Diskussion
6.1. Wirkweise der Mensch-Pferd-Beziehung
6.1.1. Psychologische Wirkung
6.1.2. Soziale Wirkung
6.1.3. Physiologische Wirkung
6.2. Möglichkeiten der tiergestützten Arbeit mit Pferden
6.2.1. Chancen tiergestützter Arbeit
6.2.2. Grenzen
6.3. Umsetzung im Schulkontext
7. Fazit – Ausblick auf mögliche weitere Forschungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht in Form einer systematischen Literaturrecherche den Einfluss und die Wirksamkeit pferdegestützter sozialer Arbeit auf das Wohlbefinden und die soziale Interaktion von Kindern mit einer Autismus-Spektrum-Störung im Schulkontext, um Potenziale, Grenzen und praktische Umsetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
- Wirksamkeit und psychologische sowie soziale Effekte pferdegestützter Interventionen
- Krankheitsbild, Merkmale und spezifische Herausforderungen im Schulalltag bei Autismus-Spektrum-Störungen
- Theoretische Grundlagen tiergestützter Arbeit und Konzepte der Mensch-Tier-Beziehung
- Methodik der systematischen Literaturrecherche und Auswertung internationaler Studien
- Praktische Umsetzung im Schulkontext unter Berücksichtigung von Rahmenbedingungen, Tierschutz und Kosten
Auszug aus dem Buch
3.3.1. Begriffliche Abgrenzung tiergestützter Arbeit
Während in Deutschland die positiven Auswirkungen der tiergestützten Arbeit erst recht spät erkannt worden sind, wurde im englischsprachigen Raum bereits an den Wirkungen geforscht und unterschiedliche Begriffe für die Arbeit mit Tieren eingeführt (vgl. Vernooij & Schneider, 2013 S. 29 f.). Anfangs wurde im englischsprachigen Raum der Begriff der Pet Therapy verwendet. Hierbei handelt es sich um den Einsatz von Tieren jeder Art, die eine Therapie unterstützen. Später wurde dieser durch den Begriff Pet-Facilitated Therapy ersetzt, der auch heute noch verwendet wird. Der Grundgedanke ist hierbei, dass Tiere als Unterstützer für die Hilfemaßnahmen dienen. Mit der Einführung des Begriffs Pet-Facilitated Psychotherapy wurde die Wirkung der Tiere auf den menschlichen Körper, insbesondere auf die Psyche, nochmals untermauert.
Auf der Grundlage dieser Begrifflichkeiten haben sich auch in Deutschland einige Ansätze für die tiergestützte Arbeit etabliert. Dabei handelt es sich um die tiergestützte Aktivität, die tiergestützte Förderung, die tiergestützte Therapie und tiergestützte Pädagogik. Diese Ansätze unterscheiden sich hauptsächlich in der Qualifikation und den Kompetenzen des Personals und den Zielsetzungen für die Klient:innen (vgl. Wesenberg, 2020, S. 96). Allerdings gibt es durchaus auch Überlagerungen der unterschiedlichen Ansätze. Die Einfügung „tiergestützt“ vor jedem Ansatz zeigt die Unterstützung durch Tiere im jeweiligen Setting an und damit auch, dass es sich nicht um eine eigenständige, sondern um eine verknüpfte Methode handelt (vgl. Vernooij & Schneider, 2013, S. 34). Alle Ansätze haben außerdem gemeinsam, dass eine Zustimmung der Klient:innen und/oder deren Eltern zugrunde liegen sollte, um eine aktive Mitarbeit zu gewährleisten (vgl. Vernooij & Schneider, 2013, S. 36.). Nicht unerwähnt bleiben darf, dass bei allen Formen Kenntnisse über den korrekten Umgang mit dem Tier sowie die Gewährleistung von Tierschutz und Tierwohl zwingend erforderlich sind (vgl. Wesenberg, 2020, S. 96). Um die Frage nach dem Einfluss der tiergestützten Arbeit klären zu können, ist es bedeutend, zwischen den einzelnen Formen zu differenzieren. Aufgrund der Komplexität der tiergestützten Arbeit werden die einzelnen Ansätze, die im Zusammenhang mit der Autismus-Spektrum-Störung-Therapie in Deutschland mit Erfolg angewandt werden, kurz erläutert.
Da die tiergestützte Pädagogik und die tiergestützte Förderung in Bezug auf Zielgruppen, Voraussetzungen und personellen Anforderungen ähnlich sind, wird im Folgenden nur auf die praktische Anwendung, zusammengefasst unter dem Begriff der pferdegestützten Pädagogik, näher eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Entwicklung der Mensch-Tier-Beziehung ein, erläutert die Besonderheiten von Pferden als Interventionspartner und formuliert die zentrale Forschungsfrage bezüglich autistischer Schüler:innen.
2. Theoretische Fundierung Autismus-Spektrum-Störung: Dieses Kapitel beleuchtet das Krankheitsbild, Diagnostikkriterien, typische Verhaltensmerkmale wie Wahrnehmungsbesonderheiten und die konkreten Herausforderungen betroffener Kinder im Schulalltag.
3. Theoretische Fundierung tiergestützte Arbeit: Es werden die Entwicklung der tiergestützten Arbeit, wesentliche Voraussetzungen für Tiere und Mensch sowie verschiedene Fachkonzepte (Pädagogik, Therapie, Aktivität) und Modelle zur Mensch-Tier-Beziehung erörtert.
4. Methodische Vorgehensweise: Das Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der systematischen Literaturrecherche in Datenbanken wie PubMed und Cochrane inklusive Suchkriterien, Filter und Methodenkritik.
5. Ergebnisse: Hier werden die wichtigsten Ergebnisse aus fünf ausgewählten internationalen Studien strukturiert in Tabellenform zusammengefasst und detailliert vorgestellt.
6. Diskussion: Die Ergebnisse werden kritisch diskutiert, indem die psychologischen, sozialen und physiologischen Wirkweisen der Mensch-Pferd-Beziehung beleuchtet sowie Chancen, Grenzen und die praktische Umsetzung im Schulkontext analysiert werden.
7. Fazit – Ausblick auf mögliche weitere Forschungen: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen, weist auf Einschränkungen der aktuellen Studienlage hin und gibt konkrete Anstöße für zukünftige Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Tiergestützte Arbeit, Pferdegestützte Therapie, Autismus-Spektrum-Störung, Schulkontext, Soziale Interaktion, Mensch-Tier-Beziehung, Pädagogik, Systematische Literaturrecherche, Emotionale Regulation, Verhaltensauffälligkeiten, Inklusion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Wesentlichen?
Die Arbeit untersucht den Einsatz und die Wirksamkeit pferdegestützter Interventionen bei Kindern im Autismus-Spektrum, insbesondere hinsichtlich ihres Einflusses auf das Wohlbefinden und die soziale Interaktion während des Schulbesuchs.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Publikation behandelt?
Zu den Kernbereichen gehören das Krankheitsbild und die Merkmale der Autismus-Spektrum-Störung, die Grundlagen und Konzepte tiergestützter sowie pferdegestützter Arbeit, theoretische Modelle der Mensch-Tier-Beziehung sowie eine systematische Literaturanalyse.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Untersuchung?
Die Arbeit widmet sich der Frage, welchen Einfluss tiergestützte Arbeit auf das Wohlbefinden und die soziale Interaktion von autistischen Schüler:innen während des Schulbesuchs ausübt.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Beantwortung angewandt?
Als methodische Basis dient eine systematische Literaturrecherche in internationalen Fachdatenbanken (PubMed und Cochrane Library), ergänzt durch die qualitative Auswertung und Evidenzbewertung ausgewählter Studien.
Welche Inhalte stehen im umfangreichen Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil analysiert ausführlich die Symptomatiken im Schulalltag, die verschiedenen therapeutischen und pädagogischen Ansätze mit Pferden, die psychologischen, sozialen und physiologischen Wirkungsweisen sowie rechtliche, finanzielle und praktische Voraussetzungen für die Schulumsetzung.
Durch welche Schlüsselwörter wird die thematische Ausrichtung charakterisiert?
Zentrale Keywords sind unter anderem Tiergestützte Arbeit, Pferdegestützte Therapie, Autismus-Spektrum-Störung, Schulkontext, Soziale Interaktion und Mensch-Tier-Beziehung.
Welche konkreten positiven Effekte auf Kinder mit Autismus wurden in den analysierten Studien festgestellt?
Die ausgewerten Studien belegen insbesondere Verbesserungen der sozialen Kompetenzen, der Kommunikationsfähigkeit, der Empathie sowie eine Reduktion von Hyperaktivität und Stresssymptomen durch verminderte Cortisolwerte.
Welche Grenzen oder Ausschlussfaktoren zeigen sich bei pferdegestützten Interventionen?
Grenzen ergeben sich beispielsweise durch bestehende Allergien, Tierphobien, extreme Hypersensibilität bei Kindern, die zu Panik führen kann, sowie durch das Wohlbefinden und die Reaktionen der sensiblen Fluchttiere Pferde.
Welche organisatorischen und rechtlichen Hürden existieren bei einer Umsetzung im Schulkontext?
Hürden sind vor allem die fehlende Infrastruktur zur Pferdehaltung an Regelschulen, die Einhaltung strenger Tierschutzgesetze und Hygienevorschriften, die Klärung von Haftungsfragen sowie die Sicherung der langfristigen Finanzierung.
- Arbeit zitieren
- Lile Liama (Autor:in), 2023, Tiergestützte Arbeit mit Kindern im Autismus-Spektrum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1783179