Die vorliegende Arbeit untersucht das Gleichnis von den bösen Weingärtnern in Mk 12,1–12 anhand exegetischer Methoden. Im Mittelpunkt stehen die wiederholte Sendung der Knechte, die zunehmende Gewalt und die Tötung des geliebten Sohnes. Ausgehend von persönlichen Vorüberlegungen und einer wirkungsgeschichtlichen Reflexion werden der Text sprachlich-sachlich analysiert und seine Aussageabsicht untersucht. Weitere Schwerpunkte bilden die Formkritik, die Textpragmatik, die Traditionsgeschichte sowie der synoptische Vergleich. Abschließend wird die Perikope in ihren theologischen Gesamtkontext eingeordnet und hinsichtlich ihrer Bedeutung für Jesu Vollmacht, Sendung und Geschick betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorüberlegungen und Textsicherung
1.1 Persönlicher Zugang zum Text
1.2 Wirkungsgeschichtliche Reflexion
1.3 Abgrenzung der Perikope
1.4 Textsicherung: Vergleich deutscher Übersetzungen
1.5 Zwischenergebnis zum Zugang und zur Textsicherung
2. Sprachlich-sachliche Analyse (synchron)
2.1 Sozialgeschichtliche und historische Fragen, Realien
2.2 Textlinguistische Fragestellung
2.3. Zwischenergebnis zur sprachlich-sachlichen Analyse
3. Frage nach der Aussageabsicht
3.1. Formkritik
3.2 Textpragmatik
3.3 Spezialfall: Gleichnis
3.4 Zwischenergebnis zur Aussageabsicht
4. Kontextuelle Analyse/ das innovative Potential (diachron)
4.1 Traditionsgeschichte
4.2 Religionsgeschichtlicher Vergleich
4.3 Synoptischer Vergleich
4.4 Zwischenergebnis des innovativen Potentials
5. Text as Teil theologischen Gesamtkontextes (synchron)
5.1 Kompositionskritik
5.2 Redaktionskritik
6. Ergebnissicherung und Ausblick
6.1 Ergebnis, Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende exegetische Arbeit untersucht das Winzergleichnis in Markus 12,1–12, um dessen sprachliche, strukturelle und theologische Bedeutung im Rahmen des Markusevangeliums zu erschließen.
- Analyse der textlichen Grundlagen durch Textsicherung, Abgrenzung und Übersetzungsvergleich.
- Untersuchung der sprachlich-sachlichen sowie formkritischen und textpragmatischen Dimensionen des Textes.
- Kontextuelle und traditionsgeschichtliche Verortung (inklusive synoptischem Vergleich).
- Bestimmung der kompositorischen und redaktionellen Einbettung in das Markusevangelium.
- Beantwortung der Frage nach der Verknüpfung von Jesu Vollmacht, Sendung und bevorstehendem Geschick.
Auszug aus dem Buch
1.2 Wirkungsgeschichtliche Reflexion
Die Wirkungsgeschichte von Mk 12,1–12 ist wesentlich durch allegorische Deutungen der Perikope geprägt. Dabei wurden einzelne Figuren und Elemente des Gleichnisses auf heilsgeschichtliche Größen bezogen. Der Weinbergbesitzer wurde mit Gott, der Sohn mit Christus, die Knechte mit den Propheten und die Weingärtner mit den religiösen Autoritäten Israels verbunden. Auch der Zusammenhang mit Jes 5 sowie mit weiteren alttestamentlichen Texten wurde in der Auslegungsgeschichte wiederholt hergestellt.
Bereits Beda Venerabilis deutet den Weinbergbesitzer als Gott. Die Abwesenheit des Besitzers vom Weinberg wird dabei mit der Möglichkeit einer freien Entscheidung der Weingärtner verbunden. Die wiederholte Sendung der Knechte versteht Beda als Ausdruck der zunehmenden Güte Gottes. Theophylakt deutet das Gleichnis stärker heilsgeschichtlich: Die Weingärtner stehen für die Hierarchen des jüdischen Volkes, während die Apostel als neue Weingärtner den Weinberg übernehmen. Der Sohn wird als Christus verstanden, der als Eckstein die Stellung des Herrn der Kirche einnimmt. Bei Calvin tritt neben die allegorische Deutung stärker die christologische Dimension. Der Tod des Sohnes wird auf Jesus und damit auf das Kreuz bezogen. In der neueren Auslegungsgeschichte wurde die Perikope darüber hinaus als Zeugnis für das Selbstverständnis Jesu sowie für den Zusammenhang zwischen seinem Geschick und der Tradition der Propheten verstanden. Bei Karl Barth wird die Gewalt der Weingärtner als Ausdruck menschlichen Widerstands gegenüber der göttlichen Offenbarung interpretiert.
Die Wirkungsgeschichte zeigt damit, dass Mk 12,1–12 über verschiedene Epochen hinweg mit unterschiedlichen theologischen Fragestellungen verbunden wurde. Besonders auffällig ist die wiederkehrende Verbindung von Weinbergbesitzer und Gott, Sohn und Christus sowie Weingärtnern und religiösen Autoritäten. Zugleich macht die Wirkungsgeschichte deutlich, wie stark die Perikope zur allegorischen Auslegung eingeladen hat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorüberlegungen und Textsicherung: Es werden persönliche Zugänge, wirkungsgeschichtliche Aspekte, die Abgrenzung der Perikope sowie ein Vergleich deutscher Übersetzungen vorgenommen.
2. Sprachlich-sachliche Analyse (synchron): Dieser Teil beleuchtet landwirtschaftliche Realien, sozialgeschichtliche Hintergründe sowie textlinguistische Fragestellungen.
3. Frage nach der Aussageabsicht: Anhand von Formkritik, Textpragmatik und der Analyse des Gleichnisses als Spezialfall wird die Aussagerichtung des Textes ermittelt.
4. Kontextuelle Analyse/ das innovative Potential (diachron): Die Untersuchung widmet sich der Traditionsgeschichte, religionsgeschichtlichen Parallelen und einem synoptischen Vergleich.
5. Text as Teil theologischen Gesamtkontextes (synchron): Kompositions- und redaktionelle Kritik ordnen den Text in den größeren Rahmen des Markusevangeliums ein.
6. Ergebnissicherung und Ausblick: Das Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und formuliert weiterführende Fragestellungen für die Forschung.
Schlüsselwörter
Exegese, Markusevangelium, Mk 12,1-12, Winzergleichnis, Gleichnis, Bibel, Theologie, Methodik, Christologie, Sprachanalyse, Formkritik, Redaktionskritik, Synoptischer Vergleich, Neues Testament
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich einer detaillierten exegetischen Untersuchung des Winzergleichnisses in Markus 12,1–12 unter Anwendung moderner theologischer Methoden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die sprachliche und strukturelle Analyse des Gleichnisses, die Frage nach der Gewalteskalation, die Autorität des Weinbergbesitzers und die christologische Bedeutung des Sohnes.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es soll geklärt werden, wie die wiederholte Sendung, die zunehmende Zurückweisung und die Tötung des Sohnes im Gleichnis gestaltet sind und welche Bedeutung sich daraus für Jesu Vollmacht und Geschick ergibt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine Kombination aus synchronen Methoden (Sprach-, form- und textpragmatische Analyse) und diachronen Methoden (Traditions- und Redaktionskritik, synoptischer Vergleich) angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Textsicherung, die sprachlich-sachliche Analyse, die Bestimmung der Aussageabsicht, den diachronichen Kontext sowie die kompositorische und redaktionelle Einbettung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlagworte sind Exegese, Markusevangelium, Winzergleichnis, Vollmacht, Formkritik, Redaktionskritik und Christologie.
Welche Rolle spielt die Wirkungsgeschichte zu Beginn der Untersuchung?
Die Wirkungsgeschichte zeigt auf, wie der Text über die Epochen hinweg allegorisch gedeutet wurde, wodurch eine methodische Zurückhaltung bei der Bestimmung der Ursprungsbedeutung geboten ist.
Wie unterscheidet sich die markinische Fassung von den Parallelen bei Matthäus und Lukas?
Markus zeichnet sich durch eine besonders ausführliche und sich steigernde Abfolge der Sendungen sowie durch die explizite Bezeichnung des Sohnes als „geliebten Sohn“ aus.
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- Jessica Nies (Autor:in), 2026, Exegese zu Mk 12,1–12. Das Gleichnis von den bösen Weingärtnern und die Eskalation der Gewalt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1783192