Nach dem Zerfall der Sowjetunion kämpften die kommunistischen Kräfte in den zentralasiatischen Staaten energisch um die Erhaltung ihrer Macht. Während sie in Usbekistan, Kasachstan, Kirgistan und Turkmenistan einen gewissen Grad an Glaubwürdigkeit bewahren konnten und durch politische Unterdrückung und gezielte ökonomische Initiativen vom Volk weitgehend anerkannt waren, versagte die kommunistische Regierung in Tadschikistan. Der Verlust ihrer Macht bedeutete für das kleine Land einen fürchterlichen Bürgerkrieg, der mehr Opfer forderte, als jegliche andere kriegerische Auseinandersetzung auf dem Boden der ehemaligem GUS.
Der Bürgerkrieg in Tadschikistan von 1992 bis 1997 und seine Folgen haben im Westen relativ wenig Aufmerksamkeit erregt. Den zentralasiatischen Staatschefs, die bis dahin eher in westlich-liberalen Ideen einen großen Feind sahen, verdeutlichte er, dass die vom Islam ausgehende, ihre Macht bedrohende Gefahr sehr viel größer ist.
Diese Hausarbeit soll einen Überblick über die Ursachen, Verlauf und Ende dieses Bürgerkriegs geben. Dabei soll auch die Rolle Usbekistans näher betrachtet werden, das traditionell sehr eng mit Tadschikistan verbunden ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Tadschikistan auf dem Weg in den Bürgerkrieg
1.1 Tadschikistan in Zahlen
1.2 Die Ursachen des Bürgerkriegs
2 Der Tadschikische Bürgerkrieg
2.1 Erste Phase – „Der Bürgerkrieg beginnt“
2.2 Zweite Phase – „Die Verschärfung des Bürgerkriegs“
2.3 Dritte Phase – „Die Machtübernahme Rachmonows“
2.4 Vierte Phase – „Rückkehr zum Verhandlungstisch“
3 Die Beziehungen zwischen Tadschikistan und Usbekistan
Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen, den komplexen Verlauf und die Beendigung des tadschikischen Bürgerkriegs im Zeitraum von 1992 bis 1997 sowie die diplomatischen Verflechtungen mit dem Nachbarland Usbekistan.
- Politische Instabilität nach dem Zerfall der Sowjetunion
- Die verschiedenen Phasen der militärischen Auseinandersetzungen
- Die Rolle regionaler Machtzentren und Clans
- Die Internationalisierung des Konflikts und der Einfluss Russlands
- Das Verhältnis zwischen Tadschikistan und Usbekistan
Auszug aus dem Buch
2.3 Dritte Phase – „Die Machtübernahme Rachmonows“
Am 10. Dezember 1992 beginnt mit dem Einmarsch der kommunistisch orientierten Kuljaber Milizen unter Safarow in Duschanbe die dritte Etappe des Bürgerkrieges. Nach der Eroberung der Hauptstadt gehen die Kämpfer dieser „Volksfront“, wie sie sich selbst nannten, äußerst gewaltsam gegen Tadschiken aus jenen Regionen vor, in denen die Opposition starken Rückhalt gefunden hatte. Ergibt die Feststellung der regionalen Abstammung eines Einwohners, dass er aus jenen Gebieten kommt, wird er standrechtlich erschossen. Innerhalb eines Monates wurden auf diese Weise Dutzende Vertreter der Intelligenz getötet. Aus Angst vor dem neuerlichen Terror fliehen viele Einwohner aus der Stadt und alle oppositionellen Zeitungen stellen den Druck ein. Unabhängige Organisationen sprechen von bis zu einer halben Million Toten, während die tadschikische Regierung die Zahl der Opfer auf 20000 beziffert. Dazu kommen noch bis zu einer Million Flüchtlinge. Und das in einem Land, das zu diesem Zeitpunkt etwa 5,5 Millionen Einwohner hat.
Das Parlament setzt zunächst Iskandarow ab und ernennt den Altkommunisten Emomali Rachmonow zum neuen Staatschef. Dieser bildet sein Kabinett vorwiegend aus Vertretern seiner Heimatstadt Kuljab und versucht in den folgenden Monaten, seine Macht schnellstmöglich zu festigen. Beim Treffen der zentralasiatischen Staaten am 04. Januar 1993 sichert er sich die Unterstützung der anderen Regierungschefs. Zwischen dem usbekischen Präsidenten Karimow und Rachmonow kommt es sogar zur Unterzeichnung des ersten Freundschaftsvertrages in der Geschichte ihrer Staaten. Damit sichert sich Rachmonow auch die Unterstützung seiner Streitkräfte durch die usbekische Luftwaffe.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung skizziert den Zusammenbruch der staatlichen Ordnung in Tadschikistan nach dem Zerfall der Sowjetunion und die Forschungsrelevanz des Bürgerkriegs.
1 Tadschikistan auf dem Weg in den Bürgerkrieg: Dieses Kapitel beschreibt die sozioökonomische Ausgangslage des Landes und die wachsenden innergesellschaftlichen Spannungen in der Übergangsphase zur Unabhängigkeit.
2 Der Tadschikische Bürgerkrieg: Hier wird der chronologische Verlauf des Konflikts in vier Phasen detailliert analysiert, von den ersten Unruhen bis zum offiziellen Waffenstillstand 1997.
3 Die Beziehungen zwischen Tadschikistan und Usbekistan: Das Kapitel beleuchtet die komplexen, historisch vorbelasteten Beziehungen sowie die militärische Interdependenz zwischen den beiden Nachbarstaaten.
Schluss: Der Abschluss fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und bewertet die Auswirkungen der versäumten Präventivstrategien sowie die autoritäre Konsolidierung der Macht durch Rachmonow.
Schlüsselwörter
Tadschikistan, Bürgerkrieg, Sowjetunion, Emomali Rachmonow, Usbekistan, Zentralasien, Konflikt, Volksfront, Opposition, Waffenstillstand, Machtkampf, Unabhängigkeit, Islamische Partei der Wiedergeburt, Geopolitik, Regimestabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und den Verlauf des tadschikischen Bürgerkriegs von 1992 bis 1997 sowie dessen politische Folgen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die politischen und ökonomischen Krisen nach dem Zerfall der Sowjetunion, die Rolle von Clans, der Einfluss externer Mächte und die Beziehungen zu Usbekistan.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie es durch das Versagen politischer Führung und sozialer Prävention zur Eskalation eines verheerenden Bürgerkriegs kam.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine systematische Literaturanalyse, um die neuerliche politische Entwicklung Zentralasiens und den Machtkampf in Tadschikistan zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert den Bürgerkrieg in vier Phasen, die den Wandel von einer Revolution über den totalen Machtkampf bis hin zur erzwungenen Befriedung nachzeichnen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tadschikistan, Bürgerkrieg, Machtkampf, Emomali Rachmonow, Usbekistan, politische Instabilität und sozioökonomische Krise.
Welche Rolle spielt die Region Kuljab in der dritten Phase des Bürgerkriegs?
Kuljab fungierte als machtpolitisches Zentrum, aus dem die "Volksfront"-Milizen unter Safarow hervorgingen, welche die Hauptstadt eroberten und die Regierung Rachmonows stützten.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der russischen 201. Motorschützendivision?
Der Autor kritisiert, dass Russland durch die Division zwar das Potenzial gehabt hätte, Unruhen frühzeitig zu unterbinden, jedoch erst handelte, als regionale Stabilitätsinteressen massiv bedroht waren.
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- Stefan Erl (Author), 2003, Der Bürgerkrieg in Tadschikistan 1992 - 1997 - Ursachen und Verlauf einer menschlichen Tragödie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17833