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Schillers Maria Stuart – Genese zu einer 'Schönen Seele'?

Titel: Schillers Maria Stuart – Genese zu einer 'Schönen  Seele'?

Hausarbeit , 2024 , 23 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Gelingt Schillers Maria Stuart am Ende die Wandlung zur „Schönen Seele“? Die Frage, ob die schottische Königin eine echte Läuterung durchläuft oder bis zuletzt eine zerrissene Figur bleibt, beschäftigt die Forschung seit Jahrzehnten.

Die Arbeit erläutert zunächst Schillers Konzept der Schönen Seele aus „Über Anmut und Würde“, in dem Pflicht und Neigung, Vernunft und Sinnlichkeit in Einklang stehen. Ergänzend stellt sie seinen Begriff des Erhabenen vor. Auf dieser Grundlage folgt eine genaue Textanalyse entlang der zentralen Stationen des Dramas: Marias erste Auftritte zwischen Reue und Stolz, der Königinnenstreit mit Elisabeth als emotionaler Ausbruch und Wendepunkt sowie die Beichte und Hinrichtung im fünften Akt.

Dabei werden die maßgeblichen Forschungspositionen gegenübergestellt, etwa von Sautermeister, Guthke, Greiner, Pikulik, Hoffmann und Vonhoff. Die Arbeit zeigt, was für eine Läuterung Marias spricht und was dagegen, zum Beispiel ihre spöttischen letzten Worte an Leicester. Am Ende steht das differenzierte Bild einer Figur zwischen Schuld und Würde, Buße und Selbstbehauptung, die sich eher der Kategorie des Erhabenen zuordnen lässt als dem harmonischen Ideal der Schönen Seele.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Ideal der ‚Schönen Seele‘ bei Schiller

3. Schillers Maria Stuart – eine ambivalente Figur

3.1. Exposition: Die ersten Auftritte der Figur Maria Stuart

3.2. Der Königinnenstreit

3.3. Marias Hinrichtung

4. Genese zur Schönen Seele?

5. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der zentralen Forschungsfrage, ob der Figur Maria Stuart in Friedrich Schillers gleichnamigem Drama tatsächlich die Wandlung zu einer „Schönen Seele“ gelingt oder ob stattdessen von einer anderen ästhetischen Kategorie wie dem „Erhabenen“ gesprochen werden muss. Dabei wird untersucht, inwiefern Maria dem Ideal im Schillerschen Sinne entspricht und ob eine echte Läuterung der Figur stattfindet.

  • Schillers moralisch-ästhetische Konzeption der „Schönen Seele“ und des „Erhabenen“
  • Ambivalente Charakterisierung und Exposition der Figur Maria Stuart
  • Der Königinnenstreit als Peripetie und emotionaler Wendepunkt
  • Marias Hinrichtung und die Diskussion um ihre moralisch-religiöse Erlösung
  • Kritische Gegenüberstellung verschiedener wissenschaftlicher Forschungsmeinungen zur Genese

Auszug aus dem Buch

3. Schillers Maria Stuart – eine ambivalente Figur

Insgesamt erscheint die Figur der Maria Stuart ambivalent. Bereits in der Eröffnungsszene gewährt Schiller einen retroperspektivischen Einblick in Marias Vergangenheit, in der ihre moralisch-bedenkliche Handlungen offenbart werden. Dazu zählen der von ihr erzwungene Freispruch des Mörders ihres Mannes sowie ihre darauf erfolgte Heirat mit diesem (Vgl. I, 4, 353-355). Neben diesen Anschuldigungen wird ihr ein „üppig lastervolles Leben“ (I, 1, 57) vorgehalten. In diesem Zusammenhang betont Neymeyr, „da[ss] Schiller seine Protagonistin keineswegs als Inkarnation eines Tugendideals auftreten läßt“. Paradoxerweise erscheint sie bei ihrem ersten Auftritt zwar mit den Attributen einer frommen Katholikin („Maria im Schleier, ein Kruzifix in der Hand“ (I, 2, 145), der Gefängniswärter jedoch, kommentiert ihren gottesfürchtigen Auftritt abwertend und ironisch: „Den Christus in der Hand, / Die Hoffart und die Weltlust in den Herzen.“ (I, 1 143)

Trotz der dezidiert negativen Darstellungen: „Sie kam ins Land als eine Mörderin, / Verjagt von ihrem Volk, […], / Den sie mit schwerer Greueltat geschändet.“ (I, 1, 98-100) zeigt sich ebenfalls das Bild einer demütigen und einsichtigen Königin von Schottland, denn Maria selbst bereut ihre Taten und zeigt Schuldgefühle für ihre Verfehlungen. Diese betrachtet sie als "blut'ger Schatten Darnleys" (I, 4, V. 272) betrachtet, der "nimmer Friede mit [ihr] machen" (I, 4, V. 274) werde. Während sich die Reue der Figur darin niederschlägt, dass sie „de[n] Jahrestag dieser unglückseligen Tat“ (I, 4, V. 278) mit „Buß und Fasten“ (I.4, V. 280) bestreitet und relativiert Marias Amme ihre Schuld in wohlwollender Manier: „Die Jugend mildert Eure Schuld. Ihr wart / So zarten Alters noch.“ (I, 4, V. 295-296). Reuevoll entgegnet Maria: „So zart, und lud / Die schwere Schuld auf mein so junges Leben.“ (I, 4, V. 297). So scheint Maria zunächst unter ihrer Schuld zu leiden und scheint sogar bereit, das Urteil des englischen Gerichts als Buße für diese früheren Vergehen zu akzeptieren.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage vor, ob sich in Schillers Drama eine Wandlung Maria Stuarts zur Schönen Seele vollzieht, und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit.

2. Das Ideal der ‚Schönen Seele‘ bei Schiller: Dieses Kapitel erläutert Schillers philosophische Schriften „Über Anmut und Würde“ sowie „Über das Erhabene“, um die theoretischen Grundlagen für das Menschenbild und die Genese zu definieren.

3. Schillers Maria Stuart – eine ambivalente Figur: Anhand einer detaillierten Textanalyse der Exposition, des Königinnenstreits und der Hinrichtung wird die vielschichtige und widersprüchliche Natur der Protagonistin untersucht.

4. Genese zur Schönen Seele?: Hier werden die Ergebnisse der Textanalyse mit den Kontroversen der literaturwissenschaftlichen Forschung verglichen, um zu bewerten, ob eine tatsächliche Transformation stattfindet.

5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Argumente zusammen und kommt zu dem Schluss, dass Maria Stuart eine hochkomplexe, ambivalente Figur bleibt, deren Deutung zwischen der Schönen Seele und dem Erhabenen oszilliert.

Schlüsselwörter

Maria Stuart, Friedrich Schiller, Schöne Seele, Das Erhabene, Dramenanalyse, Ambivalenz, Läuterung, Charakterentwicklung, Königinnenstreit, Schuld und Buße, Literaturwissenschaft, Klassik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht Friedrich Schillers Drama „Maria Stuart“ und analysiert kritisch, ob sich bei der Titelheldin im Laufe der Handlung eine charakterliche Wandlung hin zu einer „Schönen Seele“ oder einer erhabenen Gesinnung vollzieht.

Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?

Im Fokus stehen Schillers ästhetische und moralphilosophische Schriften, die Konzeption der schönen Seele und des Erhabenen, die psychologische und moralische Ambivalenz der Hauptfigur sowie verschiedene literaturwissenschaftliche Interpretationsansätze.

Was ist die primäre Forschungsfrage der Hausarbeit?

Es wird der Frage nachgegangen, inwiefern Maria Stuart dem Ideal einer schönen Seele im Schillerschen Sinne entspricht und ob bzw. in welchem Moment man von einer echten Läuterung der Figur sprechen kann.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden für die Untersuchung herangezogen?

Die Arbeit stützt sich auf eine Kombination aus werktetextlicher Analyse (Textanalyse ausgewählter Dramenszenen) und der Rezeption etablierter literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur zu Schiller.

Welche Inhalte werden im umfangreichen Hauptteil erörtert?

Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung bei Schiller, der Untersuchung der ambivalenten Exposition, dem dramatischen Wendepunkt des Königinnenstreits sowie der detaillierten Analyse von Marias Hinrichtung.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Profil der Publikation am besten beschreiben?

Zentrale Begriffe sind Maria Stuart, Schiller, Schöne Seele, Erhabenes, Ambivalenz, Läuterung, Dramenanalyse sowie Schuld und Buße.

Wie wird die Figur Maria Stuart zu Beginn des Dramas charakterisiert?

Maria wird als stark ambivalente Gestalt dargestellt, die einerseits durch eine moralisch fragwürdige Vergangenheit und Verfehlungen belastet ist, andererseits aber auch Reue zeigt und mit großer Demut, Stolz und rhetorischem Geschick auftritt.

Welche Rolle spielt der sogenannte Königinnenstreit für die Entwicklung der Figur?

Der Konflikt mit Elisabeth wird als Peripetie gedeutet, in der sich Marias aufgestauter Groll in einem emotionalen Ausbruch entlädt, welcher von der Forschung teils als Befreiungsakt, teils als Beleg für ihre fortbestehende Triebhaftigkeit gewertet wird.

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Details

Titel
Schillers Maria Stuart – Genese zu einer 'Schönen Seele'?
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen  (Seminar für Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Maria Stuart. Ein Dramenstoff vom Barock bis zur Gegenwart
Note
1,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2024
Seiten
23
Katalognummer
V1783538
ISBN (PDF)
9783389211229
ISBN (Buch)
9783389211236
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Friedrich Schiller Maria Stuart Schöne Seele Läuterung Figurenanalyse
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2024, Schillers Maria Stuart – Genese zu einer 'Schönen Seele'?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1783538
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