Storytelling im Englischunterricht der Primarstufe

Berücksichtigt werden praktische Tipps bezüglich "The Gruffalo" von Julia Donaldson


Examensarbeit, 2011
61 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Begründung des Themas

2. Der frühe Fremdsprachenunterricht
2.1 Die Vorteile eines frühen Fremdsprachenunterrichts
2.2 Der Kernlehrplan Englisch (NRW)
2.2.1 Ziele
2.2.2 Die fünf Fertigkeiten
2.2.3 Interkulturelles Lernen
2.2.4 Sprachliche Mittel
2.2.5 Sprachbewusstheit und Methodenkompetenz
2.3 Der Englischunterricht in der Praxis

3. Begründung und Vorbereitung des Storytellings
3.1 Definition
3.2 Begründung des Storytellings in der Grundschule
3.3 Geeignete Textsorten
3.3.1 Märchen
3.3.2 Bildergeschichten
3.3.3 Authentische Kinderbücher
3.4 Die Auswahl der Geschichte
3.5 Das sprachliche Abändern von Geschichten
3.6 Atmosphäre schaffen und den Klassenraum vorbereiten
3.7 Vorlesen vs. Erzählen
3.7.1 Vorlesen
3.7.2 Erzählen
3.7.3 Fazit: Erzählen oder Vorlesen?
3.8 Visuelle Verständnishilfen
3.8.1 Objekte
3.8.2 Bilder/Zeichnungen sowie Masken/Kostüme
3.8.3 Körpersprache
3.9 Das Einüben der Geschichte

4. Die drei Phasen des Storytellings
4.1 Pre-listening Phase
4.2 While-listening Phase
4.3 Post-listening Phase

5. “The Gruffalo “ – Praktische Umsetzung des Storytellings
5.1 Inhalt
5.2 Gründe für den Einsatz des Buches
5.3 Ziele
5.4 Vorbereitung zu “The Gruffalo
5.5 Pre-listening activities
5.6 While-listening activities
5.7 Post-listening activities

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Begründung des Themas

Aufgrund der immer weiter fortschreitenden Globalisierung ist es mittlerweile beinahe unumgänglich, Englisch als eine der Weltsprachen zu beherrschen. Jedem Kind sollte daher während der Schulzeit die Möglichkeit gegeben werden, Englisch in Wort und Schrift zu erlernen. Da den weiterführenden Schulen oftmals nur fünf Jahre für die Vermittlung der englischen Sprache zur Verfügung stehen, haben viele Schüler ohne einen frühzeitigen Kontakt mit der Fremdsprache, nach dem Schulabschluss keine fundierten Englischkenntnisse erworben. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, aber auch aus lernpsychologischen Gründen, wurde 2003 der Beginn des Englischunterrichtes in die Grundschule vorverlegt.

An dieser Stelle knüpft meine Arbeit an, denn zunächst möchte ich die Vorteile eines frühen Fremdsprachenunterrichts erläutern. Im Anschluss daran gehe ich auf den nordrheinwestfälischen Kernlehrplan Englisch der Grundschule ein und beleuchte dessen Ziele und Schwerpunkte. Herauszustellen sind hierbei unter anderem die Fertigkeiten, welche die Kinder in den ersten Schuljahren erlernen sollen. Dazu zählen das Hörverstehen, Sprechen, Lesen, Schreiben und die Sprachmittlung. Alle diese “skills“ werden im Kapitel über die fünf Fertigkeiten beschrieben, wobei das Hörverstehen aufgrund seiner hohen Bedeutung für das Storytelling, im Vordergrund steht. Neben diesen wird auch ein Blick auf weitere Kompetenzen wie beispielsweise die Methodenkompetenz oder die interkulturelle Kompetenz geworfen.

Der Einblick in den Kernlehrplan soll dem besseren Verständnis dessen dienen, was der Englischunterricht der Grundschule bewirken soll. Anschließend wird auf die Art der Vermittlung in der Praxis eingegangen.

Die Vorverlegung des Englischunterrichts hat auch Konsequenzen für die Unterrichtsgestaltung, denn jüngere Kinder lernen anders als Jugendliche oder Erwachsene. Während der Erstspracherwerb bei den Älteren fast vollständig abgeschlossen ist, müssen Grundschulkinder teilweise noch grundlegende, sprachliche Regeln und Gesetze erlernen. Um einer Demotivation in Bezug auf das Fremdsprachenlernen vorzubeugen aber auch aus lern-psychologischen Gründen, wird das Wissen deswegen zu einem großen Teil in einem spielerischen Kontext vermittelt. Lieder, Reime und Lernspiele, aber auch Methoden wie beispielsweise das “Total Physical Response“ finden im Englischunterricht der Grundschule Berücksichtigung und werden deshalb kurz erläutert.

Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt allerdings auf der Methode des Storytellings, das meiner Ansicht nach viel mehr Verwendung im Fremdsprachenunterricht der Grundschule finden sollte.

Kinder lieben Geschichten und ihre Neugier und Freude an diesen kann für das Erlernen der englischen Sprache genutzt werden. Der Spaß an Geschichten ist jedoch nur einer der Gründe, für den Einsatz des Storytellings. Weitere Argumente, die für die Anwendung dieser Methode sprechen, werden von mir dargelegt.

Danach folgen verschiedene Hinweise bezüglich der Vorbereitung des Erzählers, unter anderem unter welchen Gesichtspunkten die Geschichte ausgewählt werden sollte, welche Textarten sich zum Geschichtenerzählen eignen und wie eine vorteilhafte Atmosphäre geschaffen werden kann.

Anschließend steht das Storytelling selber im Vordergrund. Hier werden die Hinführung zur Geschichte, die Erzählphase und die Nachbereitung näher beleuchtet und mit möglichen Aktivitäten der Schüler unterlegt.

Der letzte Teil dieser Arbeit widmet sich der Story “The Gruffalo “, die meiner Ansicht nach gut für den Unterricht in der Grundschule geeignet ist. An dieser möchte ich exemplarisch und unter Rückgriff auf die Theorie einige Möglichkeiten der Umsetzung darstellen.

2. Der frühe Fremdsprachenunterricht

2.1 Die Vorteile eines frühen Englischunterrichts

In der Vergangenheit wurde viel darüber diskutiert, ob Kinder bereits im Grundschulalter eine Fremdsprache erlernen sollten oder ob der Zeitpunkt zu früh ist. Kritiker warfen ein, Grundschulkinder würden überfordert und ein definitiver Vorteil gegenüber dem späteren Einstieg in eine Fremdsprache sei nicht erkennbar. Zudem sei in diesem jungen Alter, der Erwerb und die Festigung der Muttersprache noch nicht abgeschlossen und das gleichzeitige Erlernen einer Fremdsprache könnte sich negativ auf den Erstspracherwerb auswirken. Obwohl diese Einwände nicht ganz unbegründet sind, gibt es auch Argumente, die für den frühen Fremdsprachenerwerb sprechen. Diverse Studien bezüglich des optimalen Zeitpunktes für den Beginn des Fremdsprachenlernens, sehen bei einem frühzeitigen „Start“ in der Kindheit, die größtmögliche Chance auf einen fast akzentfreien Fremdsprachenerwerb.

“The earlier we start internalizing other languages, the higher the chances of acquiring a near native or even a native accent in each of those languages” (tpr-world, 2007).

Wenn Kinder bereits in ihrer Grundschulzeit mit Englisch in Berührung kommen, so ist dies eine sehr gute Ausgangslage, um eine nahezu muttersprachliche Aussprache in dieser zu erlangen. Dieser Lernvorteil gegenüber Erwachsenen kann auf unterschiedliche Weisen begründet werden (kognitive Entwicklung, Veränderungen im Gehirn), würde hier jedoch den Rahmen meiner Arbeit sprengen.

In Anlehnung an diese Ergebnisse aber auch aufgrund der fortschreitenden Globalisierung wurde der Englischunterricht 2003 in allen Bundesländern in die dritten Klassen der Grundschulen vorverlegt, in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sogar auf die erste Klasse. Seit 2009 wird nun auch in Nordrheinwestfalen Englisch ab der ersten Klasse gelehrt.

Dies hat gute Gründe, denn heutzutage werden Kinder schon in ihrem Alltag mit Ausdrücken aus der englischsprachigen Welt konfrontiert. Playstation, Gameboy, coke, cool oder englische Abkürzungen wie PC oder CD sind in ihrem Wortschatz fest verankert und auch durch Unterhaltungsmedien wie Fernsehen und Radio gelangen englische Wörter, Filmtitel oder Songtexte in die Lebenswelt der Kinder.

Englisch ist eine Weltsprache, eine “linguafranca“. In Zeiten zunehmender Globalisierung ist es fast unumgänglich, Englisch in Wort und Schrift zu beherrschen.

In vielen Berufen wird fließendes Englisch vorausgesetzt. Es dient nicht nur der reibungslosen Kommunikation mit ausländischen Geschäftspartnern, auch in alltäglichen Dingen ist es von Nutzen.

Für Kinder ist es daher von großem Vorteil, in der Schule so früh wie möglich mit Englisch in Berührung zu kommen. Eine fremde Sprache zu erlernen, bedeutet nämlich immer auch Einblicke in eine fremde Kultur zu erhalten. Englischunterricht heißt demnach nicht nur Vokabeln zu lernen, fremdartige Laute zu erkennen und die andersartig klingende Satzmelodie zu registrieren, sondern auch den kulturellen Horizont zu erweitern. Einefrühe Auseinandersetzung mit fremden Sprachen und Kulturen führt zu einer offeneren und toleranteren Einstellung der Kinder gegenüber Fremdem und kann zum Fremdsprachenlernen motivieren. Kinder lernen, andere Menschen besser zu verstehen und sind in der Lage, kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu erkennen. Dies wiederum ermöglicht einen vorurteilsfreien Kontakt mit Menschen aus anderen Kulturkreisen. „Sprachenlernen […] dient [damit] langfristig dem Ziel, das Zusammenleben der Menschen weltweit zu fördern“ (Vilke, 1980: 20).

Doch es gibt nicht nur gesellschaftliche und persönliche Gründe, die für einen frühzeitigen Fremdsprachenunterricht sprechen. Lernpsychologisch gesehen sind gerade Kinder im Grundschulalter besonders aufnahmefähig und es fällt ihnen noch leicht, fremdsprachliche Laute perfekt zu imitieren und in ihr Sprachsystem zu integrieren. „Kinder können eine Fremdsprache besser als Erwachsene lernen, weil sie sich von den Lauten einer neuen Sprache weniger stark beeindrucken lassen[…]“ (Vilke, 1980: 23).

Die Grundschulzeit ist demnach sehr gut geeignet, um erste Berührungen mit der englischen Sprache zu machen, insbesondere auch aus dem Grund, da die Lebensphase bis zur Pubertät, die für das Sprachenlernen effektivste sein soll. Zwischen dem zweiten Lebensjahr und der Pubertät, ist nach Ansicht des Neurologen Eric Lenneberg (1967), der Erwerb einer Sprache mit dem bestmöglichen Ergebnis und ohne große Anstrengung möglich. Diese Theorie der “Critical Period“ (Phase in der das Sprachenlernen begünstigt ist), begründet er mit altersbedingten Veränderungen im kognitiven und neurologischen Bereich, welche einen Spracherwerb im Erwachsenenalter erschweren und nahezu behindern. Jugendlichen und Erwachsenen ist es demzufolgenur noch sehr schwer möglich, eine Sprache in all ihren Facetten zu erlernen. Die Theorie der “Critical Period“ bezieht sich jedoch vornehmlich auf den Erstspracherwerb und ist nicht unumstritten. Ob und inwieweit sie auf den Zweitspracherwerb übertragbar ist, beziehungsweise inwieweit das Alter ausschlaggebend ist, für einen nahezu vollkommenen Zweitspracherwerb, wird in der Spracherwerbswissenschaft noch immer diskutiert. Erwiesen scheint jedoch, dass es Kindern leichter fällt als Erwachsenen, fremde Laute zu internalisieren und zu imitieren. Ein früher, didaktisch angemessener Englischunterricht, bietet demnach die besten Voraussetzungen für eine akzentfreie Aussprache in der Fremdsprache.

Auch haben die meisten Kinder weniger Hemmungen, sich in einer fremden Sprache zu artikulieren, als dies bei Erwachsenen der Fall ist. Fehler zu machen erscheint ihnen weniger schlimm als Erwachsenen, vielmehr überwiegt die Freude daran, sich in einer Fremdsprache verständigen zu können. In der Kindheit ist es daher leichter, Sprachen aufzunehmen und anzuwenden.

Ein weiterer Vorteil des Englischunterrichtes ab der ersten Klasse besteht darin, dass es für diese Altersklasse viele authentische Materialien gibt. Reime, Lieder und Stories bieten ein breites Spektrum, um den Fremdsprachenunterricht ansprechend und motivierend zu gestalten.

Die Kritik, dass Grundschüler zu Beginn ihrer Schulkarriere mit dem Erlernen einer Fremdsprache überfordert seien, ist haltlos. Eine fremde Sprache zu erlernen ist für die meisten Grundschüler reizvoll und aufregend. Der Englischunterricht ist motivierend und abwechslungsreich aber nicht überfordernd. Hier können die Kinder singen, spielen, in Rollen schlüpfen und „Geschichten lauschen“. Sie interagieren mit der Lehrperson und sind stolz darauf, zeigen zu können, was sie schon alles in der Fremdsprache beherrschen.

Früher Englischunterricht ist eine Bereicherung für Grundschüler. Sie lernen spielend die Sprache, haben die Möglichkeit, früh eine andere Kultur kennenzulernen und sind besser gewappnet für das spätere Arbeitsleben, in dem Englisch mittlerweile fast überall vorausgesetzt wird.

2.2 Der Kernlehrplan Englisch (NRW)

Der nordrheinwestfälische Kernlehrplan für das Fach Englisch, führt die Aufgaben und Ziele des Englischunterrichts in der Grundschule auf. Zudem wird auf die von den Schülern zu erreichenden Kompetenzen am Ende der Schuleingangsphase und am Ende der vierten Klasse eingegangen. Im Folgenden werden die Ziele des Englischunterrichts und die wichtigsten Schwerpunkte des Kernlehrplans näher beleuchtet.

2.2.1 Ziele

Der frühe Englischunterricht hat, laut Kernlehrplan, unterschiedliche Ziele zu verfolgen.

Eine Aufgabe liegt darin, die Kinder dazu zu befähigen, sich in Alltagssituationen der Fremdsprache bedienen zu können und einfache Redeabsichten zu verstehen.

Dafür müssen elementare sprachliche Mittel des Englischen erworben, erprobt und gefestigt werden (vgl. schulministerium.nrw, 2008). Des Weiteren sieht der nordrheinwestfälische Grundschulkernlehrplan Englisch, „die Entwicklung von Interesse und Freude am Sprachenlernen und an fremden Lebenswelten“ (schulministerium.nrw, 2008), als eines der Leitziele an. Durch eine sehr spielerische und ungezwungene Vermittlung der englischen Sprache und die Eingrenzung auf für Kinder relevante Themen werden diese zum Fremdsprachenlernen motiviert. Zudem erhalten die Schüler durch die Beschäftigung mit der englischen Kultur wertvolle Einblicke in die Lebensweisen anderer und lernen dadurch Toleranz gegenüber Fremdem und Fremden.

Der frühe Fremdsprachenunterricht soll ebenfalls dazu dienen, Lerntechniken zu vermitteln. Die Lehrer bieten den Schülern die Möglichkeit, sich in den vier Grundschuljahren mit verschiedenen Methoden und Strategien auseinanderzusetzen. Darunter zu fassen sind beispielsweise Lesestrategien oder Strategien zum Lernen von Vokabeln.

Eines der wichtigsten Ziele des Kernlehrplans Englisch ist jedoch das Folgende: Die Kinder sollen Spaß am Lernen fremder Sprachen entwickeln und dazu befähigt werden, an der multikulturellen Gesellschaft teilhaben zu können.

2.2.2 Die fünf Fertigkeiten

Der nordrheinwestfälische Kernlehrplan Englisch gibt verbindliche Lerninhalte und Themen vor, die im Englischunterricht der Grundschule Berücksichtigung finden sollen. Ein großes Lernziel stellt dabei die Vermittlung der fünf Fertigkeiten des Fremdsprachenlernens dar. Zu diesen gehören das Hörverstehen beziehungsweise das Hör-Sehverstehen, das Sprechen, das Leseverstehen, das Schreiben und die Sprachmittlung.

Alle fünf Bereiche sind, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, an dem Prozess des Lernens und Aneignens einer Sprache beteiligt. Differenzierende Aufgabentypen fördern die Ausbildung und Erweiterung der verschiedenen “skills“ und erzielen so einen bestmöglichen Lernerfolg der Schüler.

Im Englischunterricht der Grundschule „steht der rezeptive und produktive Umgang mit der gesprochenen Sprache und hier insbesondere die Verstehens- und Sprechfähigkeit im Mittelpunkt“ (schulministerium.nrw, 2008). Die Fertigkeiten des Hörverstehens und des Sprechens finden folglich eine höhere Beachtung, als das Lesen oder Schreiben, wobei letztgenannten trotzdem eine unterstützende Funktion beim Erlernen der englischen Sprache zugesprochen wird.

Unter Hörverstehen wird das Identifizieren von Wörtern, Phrasen, Lauten und Sätzen verstanden.Das Filtern und Erkennen dieser, stellt einen höchst aktiven und komplexen Prozess dar, besonders wenn es sich bei dem Gesagten oder Gehörten um fremdsprachliche Ausdrücke handelt. Das Gehirn versucht anhand des Aufgenommenen, Laute, Wörter und Sätze zu filtern, und anschließend aus deren Inhalt einen Sinn zu konstruieren.

„Bildhaft kann man den Hörverstehensprozess mit einem Netz vergleichen. Je enger die Maschen sind, umso mehr Knoten weist das Netz auf und umso effektiver ist es. Die Knoten entsprechen den Wörtern […], die ein Lernender versteht“ (Waas& Hamm, 2004: 51). Die Fertigkeit des Hörverstehensentwickelt sich folglich kontinuierlich und durch stetes Üben anhand von Geschichten, Liedern und Reimen und durch einen angemessenen Input seitens des Lehrers.

Dem Hörverstehen kommt eine sehr große Bedeutung im Fremdsprachenerwerb zu, denn das intensive und häufige Hören der fremden Sprache ist eine wesentliche Voraussetzung für die Ausbildung der Sprechfertigkeit. ”Itis a primaryvehicleforlanguagelearning […] [and] an integral part of an individual’s communicative competence“ (Müller-Hartmann, 2004: 72).

Besonders Lieder, Sprechgesänge, Reime und Stories sind geeignet, um das Hörverstehen der Schüler zu stärken.

Generell ist es wichtig, so oft wie möglich Höranlässe zu schaffen und den Kindern die Möglichkeit zu geben, ihre Hörverstehenskompetenz zu erweitern. Neben dem Sprachvorbild des Lehrers (z.B. beim Geschichtenerzählen) sollten jedoch auch authentische englische Songs und Geschichten von CDs oder Kassetten Berücksichtigung in der Unterrichtsgestaltung finden. „Der frühzeitige Einsatz von auditiven Medien ist wichtig, weil so die allgemeine Fixierung auf den Lehrer unterbleibt und ein Gewöhnen an verschiedene Stimmen (Männer, Frauen, Kinder) und Sprechweisen ermöglicht wird“ (Böttger, 2005: 123).Es ist wichtig, dass die Kinder lernen, sich auf unterschiedliche Sprecher und Aussprachen einzustellen und sich nicht von einer andersartigen Intonation oder einem Akzent abschrecken lassen.

Beim Hör-Sehverstehen ist zusätzlich zum reinen Hören eine visuelle Hilfe in Form von Bildern, Objekten, Mimik und Gestik gegeben.

Es ist eine rezeptive Fähigkeit, wobei rezeptiv nicht gleichbedeutend ist mit passiv, denn das Verstehen der fremden Sprache funktioniert nur, wenn einige Voraussetzungen seitens der Kinder erfüllt sind.

Die Schüler müssen sich auf das Englische einlassen und aufmerksam zuhören. Auch wenn sie nicht jedes Wort verstehen, sollten sie nicht daran verzweifeln, sondern es tolerieren (“toleranceofambiguity“). Um den Sinn des Gehörten konstruieren zu können, müssen sie auf ihr Weltwissen zurückgreifen und/oder auch Gemeinsamkeiten zu ihrer Muttersprache erkennen und so auf das Gemeinte schließen. „Das Hörverstehen aufzubauen ist […] ein sehr aktiver mentaler Prozess. In ihm werden Laute aufgenommen, in kleinere oder größere Einheiten segmentiert und mit einer zu konstruierenden Bedeutungszuweisung verarbeitet“ (Schmid-Schönbein, 2008: 52).

Gerade am Anfang des Fremdsprachenlernens ist es deshalb wichtig, dass bei der Schulung des Hörverstehens visuelle Hilfen wie Bilder oder Gegenstände eingesetzt werden.Die Kinder brauchen Erfolgserlebnisse,um Vertrauen in ihre Hörverstehenskompetenzzu entwickeln.

Um die jungen Lerner nicht zu überfordern, sollte eine kindgerechte Sprache verwendet werden. Der Lehrer redet daher in einem angemessenen Tempo, mit einer ausdrucksstarken Intonation und mit klarer Aussprache zu den Schülern. Des Weiteren sollten Schlüsselwörterbesonders betontwerden und das Gesagte immer von einer angemessenen Mimik und Gestik begleitet sein. Wiederholungen und Paraphrasierungen helfen den Kindern ebenfalls, Sinn herzustellen.

Viele Kinder versuchen, jedes einzelne Wort zu verstehen und scheitern, denn das fremdsprachliche Sprechtempo erscheint höher als in ihrer Muttersprache. Es ist somit wichtig, den Kindern zu erklären, dass sie nicht jedes einzelne Wort verstehen müssen, um den Gesamtzusammenhang erkennen zu können. Dadurch kann Frustration und Demotivation vorgebeugt werden.

„Das Hörverstehen kann nicht gelehrt werden, es können nur Situationen geschaffen und Materialien präsentiert werden, an denen die Schülerinnen und Schüler sich versuchen“ (Hermes, 1998: 221).

Insbesondere das Storytelling ist für die Schulung des Hörverständnisses geeignet, da die Schüler durch das Bilden und Herausfiltern von Zusammenhängen lernen, einen ganzen Text zu erschließen. Geschichten haben den Vorteil, dass sie durch den Kontext verstanden werden können und Schüler so lernen, sich nicht auf jedes Wort zu konzentrieren, sondern das Hauptaugenmerk auf das Verstehen der Geschichte als Ganzes zu legen.

Eine kontinuierliche Förderung des Hörverstehens ermöglicht es den Schülern, bereits nach kurzer Zeit, kleinere Texte zu verstehen. „Hörverstehen […] ist aber auch kommunikativ von großer Bedeutung. Ein nicht geringer Teil der Kommunikation läuft auf Seiten des Adressaten (Hörers) nonverbal ab. Er hört einen Text und muss eigentlich nur richtig reagieren“ (Waas& Hamm, 2004: 51). Was sich einfach anhört, ist in Wirklichkeit ein langwieriger Prozess.

Die Schulung des Hör-/Hörsehverstehens, sollte deswegen in der Grundschule von Beginn an Bestandteil jeder Englischstunde sein, denn nur so erhalten die Schüler die bestmögliche Vorbereitung auf eine spätere kompetente Sprachbeherrschung.

Neben dem Hörverstehen ist das Sprechen die wichtigste Fertigkeit, die im Englischunterricht der Grundschule gefördert werden sollte.

Sich in einer Fremdsprache zu äußern, ist zu Beginn des Lernprozesses nicht einfach. Die dafür nötigen Vokabeln fehlen, die Grammatik ist nicht vorhanden und auch die Intonation und Satzmelodie sind anders als in der Muttersprache. Dies alles macht den meisten Kindern jedoch nichts aus, da sie ein reges Mitteilungsbedürfnis verspüren und kaum Angst davor haben, Fehler zu machen.

Sie imitieren den Lehrer und „saugen“ alles auf, was sich ihnen als Sprachvorbild bietet. Auch wenn es sich nur um einzelne, geäußerte Wörter handelt, steigert es das Selbstbewusstsein der Kinder, wenn sie merken, dass der Lehrer sie versteht. Natürlich gibt es auch Schüler, die sich nicht sofort trauen, die Fremdsprache zu gebrauchen. Diese Phase wird als “silentperiod“ bezeichnet und stellt keinen Grund zur Besorgnis dar, da sich die Kinder verbal am Unterricht beteiligen, sobald sie über ein gewisses Sprachrepertoire verfügen. Wichtig ist es, keinen Druck auszuüben und diese Schüler zum Sprechen zu drängen. Die Kinder könnten sich genötigt fühlen und so eine Angst vor der Fremdsprache und dem Englischunterricht entwickeln.

Pädagogen können zurückhaltende Schüler in ihrer Entwicklung aber unterstützen, indem sie eine angenehme Lernatmosphäre schaffen, in der sich die Kinder wohl fühlen. ”Teachers […] haveto find waystocreate a relaxed, supportive, low stress atmospherewherestudentsare not afraidtospeak but areinsteadencouragedtotakerisksandproducelanguageto express […] ideas” (Müller-Hartmann & Schocker-v. Ditfurth, 2004: 63).

Die Aufgabe des Lehrers besteht darin, den Schülern so viel sprachlichen Input zu geben, wie möglich, denn Hörverstehen und Sprechen gehen Hand in Hand. Nur das, was bereits in der Fremdsprache gehört und vertieft wurde, kann von den Schülern reproduziert werden. Der Unterricht sollte deshalb weitestgehend auf Englisch ablaufen. Natürlich dürfen die Schüler sich auch auf Deutsch mitteilen, solange sie sich noch nicht trauen, die englische Sprache zu verwenden oder die Vokabelkenntnisse noch nicht ausreichend sind. Der Lehrer sollte dann, dass von den Schülern Gesagte, auf Englisch wiedergeben.

Ebenso wie das Hörverstehen, ist auch Sprechen ein hochkomplexer Prozess, der dem Gehirn eine enorme Vorbereitung abverlangt. Zunächst muss überlegt werden, was gesagt werden soll (“conceptualisation“) und wie es formuliert werden könnte (“formulation“). Hierbei greift das Gehirn auf diverse Wissenspole zu, beispielsweise das Weltwissen oder auch auf die Sprechsituation an sich. Wurden die passenden Wörter gefunden, so ist der nächste Schritt das Sprechen (“articulation“) selber. Hierbei steuert das Gehirn die Sprechorgane wie Zunge, Zähne und Lippen. Der letzte Part ist dann das Überdenken des Gesagten (“self-monitoring“). Der Sprecher hat die Möglichkeit, das Gesagte abzuändern oder zu verbessern (vgl. Müller-Hartmann&Schocker-v. Ditfurth, 2004: 60). Diese Schritte laufen im Bruchteil von Sekunden ab und geschehen unbewusst.

Um Schriftliches zu verstehen, ist es notwendig, lesen zu können.

Diese Fähigkeit, ebenso wie das Schreiben von Buchstaben und Wörtern, lernen die meisten Schüler erst nach der Einschulung in die Grundschule. Beide Kompetenzen können folglich erst dann Berücksichtigung im Englischunterricht finden, wenn die Schüler alphabetisiert sind.

Sobald die Kinder einigermaßen sicher in Wort und Schrift des Deutschen sind, kann man sie mit einzelnen englischen Wörtern in Schriftform konfrontieren. Die Wörter sollten den Kindern vom Hören bereits aus dem Englischunterricht bekannt sein. „Vom einfachen ganzheitlichen Wiedererkennen und Zuordnen einzelner Wörter zu Bildern, geht die Entwicklung hin zum sinnentnehmenden und -erschließenden Lesen von Sätzen und kleineren Texten“ (schulministerium.nrw, 2008).

Erst wenn die Schüler Einblicke in das englische Lautsystem gewonnen haben, sollte sie der Lehrer in das fremdsprachliche Schreiben einführen. Die Kinder sollten dabei immer nur nach Vorlage schreiben und nicht frei, denn auch falsch geschriebene Wörter können sich in ihr Gedächtnis einprägen. Oftmals ist das Schriftbild eine gute Stütze beim Lernen neuer Wörter.

Sowohl das Lesen als auch das Schreiben haben eine eher untergeordnete Funktion im Fremdsprachenunterricht der Grundschule, da Hören (Verstehen) und Sprechen in Bezug auf das Erlangen einer Kommunikationskompetenz relevanter sind. Trotzdem haben beide “skills“ eine „unterstützende Funktion für einen ganzheitlichen Spracherwerb“ (schulministerium.nrw, 2008).

Eine weitere Fertigkeit, welche im Englischunterricht der Grundschule vermittelt wird, ist die Sprachmittlung. Unter dieser ist die sinngemäße Wiedergabe eines schriftlichen Textes oder einer mündlichen Äußerung zu verstehen. Der Englischunterricht soll die Schüler dazu befähigen, Gehörtem oder Gelesenem einen Sinn zu entnehmen und diesen anschließend mitteilen zu können. Der Schüler ist folglich eine Art Dolmetscher zwischen der Welt und dem Text/Gesagten, nur dass er nicht wörtlich übersetzt, sondern sinngemäß. Geübt werden kann Sprachmittlung in Rollenspielen oder auch im Nacherzählen der zuvor gehörten Geschichte. Die Fähigkeit der Sprachmittlung wurde erst kürzlich in den Kernlehrplan NRW integriert und sollte im Unterricht ausreichend Beachtung finden.

2.2.3 Interkulturelles Lernen

Die Konzeption des Englischunterrichts in der Grundschule soll den Schülern ermöglichen, „Orientierungswissen aufzubauen und ein Verständnis für andere kulturspezifische Besonderheiten zu entwickeln“ (schulministerium.nrw, 2008).

In einem multikulturellen Klassenraum treffen unterschiedliche Nationalitäten und damit einhergehend verschiedene Kulturen aufeinander. Dies sollte Anlass für eine Unterrichtseinheit zum Thema Lebensweisen unterschiedlicher Kulturkreise bieten. Ausgehend von den Nationalitäten der Kinder kann auf bestimmte Aspekte der englischen Lebensweise eingegangen werden, unter anderem beispielsweise wie der Schulalltag dort aussieht, wie die Kinder ihre Freizeit verbringen und welche Staatsform vorherrscht.

Die Schüler erhalten im Englischunterricht Gelegenheit, sich sowohl Gedanken über ihren eigenen Kulturkreis zu machen als auch die Bräuche und Lebensweisen anderer Länder kennenzulernen. „In Gesprächen über die mehrsprachige, multikulturelle Wirklichkeit von Kindern im englischen Sprachraum wird ihnen die kulturelle und sprachliche Vielgestaltigkeit der eigenen Lebenswirklichkeit zunehmend bewusster“ (schulministerium.nrw, 2008). Durch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Lebensweisen und Sitten, sind die Schüler künftig in der Lage, sich besser in andere Menschen hineinzuversetzen und Handlungen anderer besser nachzuvollziehen. Dies führt im Endeffekt zu einer aufgeschlossenen und toleranteren Haltung anderen Menschen und fremden Nationalitäten gegenüber.

Um den Schülern die „englische Lebensweise“ zu vermitteln, sind authentische Materialien wie englische Kinderbücher oder Lieder am besten geeignet. Durch diese erhalten die Schüler einen guten Einblick in die Kultur und das Leben von Engländern und Amerikanern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten

Details

Titel
Storytelling im Englischunterricht der Primarstufe
Untertitel
Berücksichtigt werden praktische Tipps bezüglich "The Gruffalo" von Julia Donaldson
Hochschule
Universität zu Köln  (Philosophische Fakultät, Englisches Seminar II)
Note
2,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
61
Katalognummer
V178466
ISBN (eBook)
9783656005681
ISBN (Buch)
9783656005834
Dateigröße
620 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Storytelling, Geschichtenerzählen, Grundschule, Englisch, The Gruffalo, Didaktik
Arbeit zitieren
Sanya Ehms (Autor), 2011, Storytelling im Englischunterricht der Primarstufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178466

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