Die Mohammed Karikatur - Meinungsfreiheit vs. Religionsfreiheit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
20 Seiten, Note: 2.0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1. Definition
1.2. Thematik

2. Reaktion der westlichen Welt
2.1.Wie reagierte der Rest der Welt auf die Karikaturen Krise?
2.2. Reaktion der Medien und Öffentlichkeit in Deutschland

3. Reaktion der islamischen Welt
3.1. Die islamische Welt
3.2. Reaktion der westlichen Islamwissenschaft

4. Reaktion in der Politik
4.1. Reaktionen der Politik in Deutschland
4.2. Reaktionen der Politik im Ausland

5. Reaktion der geistlichen Welt

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung

1.1. Definition

Unter Karikaturen (von lat.: carrus = Karren, also: Überladung, und ital.: caricare = überladen, übertreiben) versteht man durch überraschende Bezüge und Rahmungen

oder Überzeichnungen als witzig empfundene zeichnerische Kommentare

zu zeitgenössischen Personen, aktuellen Ereignissen oder gesellschaftlichen

Zustanden. Ob eine Karikatur als bösartig oder scharfsinnig empfunden wird,

hangt nicht nur von eindeutigen Vorgaben des Karikaturisten ab, sondern

auch von der Perspektive und Betroffenheit der Betrachtenden.[1]

Die Karikatur setzt voraus, dass die Betrachter mit den dargestellten Personen

und Inhalten einigermasen vertraut sind. Dies schränkt die Möglichkeiten der

massenmedialen Karikatur durchaus ein, und das zunehmend, wie „der wohl

bekannteste politische Karikaturist aus dem deutschsprachigen Raum“[2], Horst

Haitzinger, meinte:

„Die Metaphern findet er in Märchen, Sagen, Balladen,

in der Bibel, bei Schriftstellern und Malern oder im Alltagsleben: Ehe und

Familie, Krankheit, Verkehr, Jagd und Sport. Wie jeder Satiriker ist er dabei

auf das Vorwissen seiner Kundschaft angewiesen. Der Betrachter muss die abgebildeten

Personen kennen, von dem beschriebenen Problem wissen und die

Metapher verstehen. Und damit, so hat er beobachtet, hapert es immer mehr.

Vor allem junge Menschen konnten heute mit Don Quichotte oder Schneewittchen

nicht mehr viel anfangen. Da könne er sich, weil er verständlich

bleiben muss, um gedruckt zu werden, nur hin und wieder ein ‚Minderheitenprogramm‘

leisten.“[3]

Tatsachlich gewinnt Horst Haitzinger die witzigen Verbindungen

eher aus Sprichwörtern und bildhafter Sprache als aus der hochkulturellen Tradition (Religion, Literatur, Kunst).[4]

1.2. Thematik

Am 30. September veröffentlichte die größte dänische Tageszeitung Jyllands-Posten zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed. Eine Provokation die nur zeigen sollte, dass es möglich sein muss in einer modernen Demokratie religiöse Führer satirisch darzustellen.
Die Idee war den Journalisten gekommen, als der bekannte Schriftsteller KåreBluitgen im dänischen Fernsehen klagte, er könne keinen Zeichner für sein Kinderbuch über Mohammeds Leben finden, da alle Angst vor Vergeltungsaktionen hätten.[5] Im Islam ist es verboten, den Propheten bildlich darzustellen, und die dänische Künstlerszene war nach dem Mord an dem niederländischen Islamkritiker Theo van Gogh verschreckt. Darauf bat die größte dänische Zeitung Jyllands-Posten 40 dänische Karikaturisten, ihr eigenes Bild von Mohammed zu entwerfen. Nur zwölf von ihnen machten mit. Am 30. September wurden ihre Werke gedruckt und das ursprüngliche Projekt mutierte zu einem gewaltigen Politikum.[6]

Die ersten Proteste kamen aus dem Vorort von Aarhus gegen die Karikaturen, die ersten Funken eines weltweiten Zorns. Abdallah KhalidIsmail, Imam in Aarhus:

„ Das ist wie ein Messerstich ins Herz, wenn andrer über mich oder über irgendjemand anderen schlecht sprechen, kein Problem, aber hier wurde das wertvollste Symbol der Moslems verunglimpft. Wir lieben den Propheten Mohammed als Vater und Mutter, mehr als unsre Kinder.“

In einem formellen Brief von elf islamischen Botschaftern in Kopenhagen an die Republik Dänemark, wurde Ministerpräsident Anders FoghRasmussen dazu aufgefordert gegen Jyllands-Posten vorzugehen und öffentlich Abstand von den Mohammed Karikaturen zu nehmen. Rasmussen, der mit Hilfe der rechtspopulistischen dänischen Volkspartei (DPP) regierte, lehnte diese Aufforderung rigoros ab.Die Antwort der dänischen Regierung auf diesen Brief war:

„Wer annimmt, dass ich beeinflussen kann, was nationale Zeitungen drucken – dem ist die Essenz der dänischen Demokratie völlig entgangen. Sie wollen die Meinungsfreiheit da wo es um Religion geht durch internationale Gesetze beschneiden, und da sagen wir ganz klar, wir stehen zur Meinungsfreiheit auch wenn es um Religion geht“.[7]

Angesichts dieser kompromisslosen Haltung der dänischen Regierung, machten sich eine Gruppe dänischer Imame auf den Weg in Nahen Osten, um eine Protestbewegung ins Leben zu rufen. Mit im Gepäck die umstrittenen zwölf Mohammed-Zeichnungen. Auf dem einem Bild ist der Prophet und Religionsstifter unter anderem als finsterer Terrorist mit Bombe im Turban zu sehen. Auf einer anderen Zeichnung verwehrt er Männern den Zutritt zum Himmel mit den Worten: "Stopp! Uns sind die Jungfrauen ausgegangen."[8] Eine Botschaft, die auch unter gemäßigten Muslimen Zorn auslöste, weil hier nicht nur Mohammed verunglimpft, sondern mit ihm der Islam insgesamt dem Terrorismus gleichgestellt wurde. Muslime sehen in Mohammed ein Vorbild und einen Gesandten Gottes, von dem kein Bild gezeichnet werden und der nicht lächerlich gemacht werden darf.[9] An der Spitze der Delegation stand, der Imam SheikhRaedHlayhel, der sich aktiv an den Protesten gegen die Karikaturen beteiligte, der Mann der alles ins Rollen brachte.

Nun kritisierten auch zahlreiche arabische Außenminister scharf die lasche Position der dänischen Regierung. Rasmussen erwiderte in seiner Neujahrsansprache, die dänische Meinungsfreiheit sei nicht verhandelbar, rief aber gleichzeitig zur Versöhnung auf.

Nach massiven Protesten in arabischen Ländern hat sich die dänische Zeitung „Jyllands-Posten” für die Verletzung religiöser Gefühle durch die Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen entschuldigt. Ministerpräsident Anders FoghRasmussen distanzierte sich zwar von der Veröffentlichung der Karikaturen. Er verwies aber auf das verbriefte Recht auf Presse- und Meinungsfreiheit.
Bestimmten Kreisen in der muslimischen Welt scheint der Vorfall eine willkommene Gelegenheit zu sein, am dänischen Beispiel dem Westen insgesamt Überheblichkeit und Unempfindlichkeit gegenüber dem Islam vorzuwerfen.[10] Die Vermutung liegt nahe, dass sich hinter den überzogenen Reaktionen nicht nur religiöse, sondern auch politische Motive verbergen. Islamistische Gruppen versuchen dadurch Hass gegen den Westen zu schüren und somit ihren politischen Einfluss zu festigen. Es hat immerhin vier Monate gedauert, ehe Muslime in aller Welt ihren Protest gegen die zwölf Mohammed-Karikaturen begannen.[11]
Waren die Proteste Ausdruck einer spontanen religiösen Empörung und was sind die Konsequenzen für die Meinungsfreiheit eine Religion auf die satirische Weise zu kritisieren. Flemming Rose Redakteur „Jyllands-Posten“: „Wenn ich sage ich bereue und werde es nie wieder tun, so dann sende ich ein Signal an die Reaktionären und gewaltbereiten Kräfte die auf Einschüchterung setzen. Ich signalisiere ihnen, wenn ihr nur genügend Gewalt einsetzt, bekommt ihr was ihr wollt“.[12] Nicht nur das dänische Volk war erschüttert, als aufgebrachte Muslime dänische Fahnen verbrannten und Gebäude bis in ihre Grundmauern niederrissen. Karikaturisten haben „untertauchen“ müssen, da sie um ihr Leben Angst hatten. Die Redakteure standen vor einer schwierigen Entscheidung. Sollten die Karikaturen nachgedruckt werden, im Namen der Meinungs- und Pressefreiheit oder sollte dieses vermieden werden um den Protestierenden nicht mehr Zündstoff zu geben aus Rücksicht auf die moslemische Empfindlichkeit.[13] Als Mitte Januar ein dänisches Gericht zugunsten der Redakteure entschied, dass die Veröffentlichung der Karikaturen nicht gegen dänische Gesetze verstößt, druckte darauf die christliche norwegische Zeitung „Magazinet“ alle Zwölf Zeichnungen nach.
Die Karikaturen führten weltweit zu einer Diskussion über die Religions-, Presse-, Kunst- und Meinungsfreiheit.

2. Reaktion der westlichen Welt

2.1.Wie reagierte der Rest der Welt auf die Karikaturen Krise?

Über 3000 Blogs beschäftigten sich mit den dänischen Karikaturen. In anderen Medien herrschte Selbstzensur. Zahlreichen Zeitungsherausgebern und Fernsehverantwortlichen in den USA und England fehlte der Mut die Karikaturen zu veröffentlichen. Selbst die CNN verpixelte sie bis zur Unkenntlichkeit.[14] So wirkt allein eine verbale Beschreibung dessen, was in diesen Zeichnungen enthalten war. Aber das reicht offenbar aus, um 1,3 Milliarden Moslems in Rage zu versetzen, an der sich Tausende mit unbeschreiblicher Zerstörungswut beteiligten.[15]

[...]


[1] vgl. http://www.ruhr-uni-bochum.de/iga/isb/isb-hauptframe/lehrveranstaltungen/wise0607/MaterialUebFortMittagKarikatur/Definition.pdf

[2] Augsburger Zeitung 19.06.2004, S. 3.

[3] ebd.

[4] ebd.

[5] vgl. Müller, Marion G. and EsraÖzcan."The Political Iconography of Muhammad Cartoons.S.287ff

[6] Vgl.ebd. S.289ff

[7] Rose, Flemming: Die Stunde der Wahrheit. In: Der Spiegel, 29.05.2006, S. 136.

[8] vgl.Spiegelman, Art. “Drawing Blood: Outrageous Cartoons and the Art of Outrage.”Harper’s Magazine. S. 45ff

[9] vgl.Müller, Marion G. and Esra Özcan. S. 291ff

[10] vgl.Spiegelman. S.47ff

[11] ebd.

[12] Rose, Flemming: Die Stunde der Wahrheit. In: Der Spiegel, 29.05.2006, S. 136.

[13] Vgl.Spiegelman S.46ff

[14] ebd.

[15] vgl.Lapham, Lewis H. “Mute Button.” Harper’s Magazine. S.9

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Mohammed Karikatur - Meinungsfreiheit vs. Religionsfreiheit
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Menschenrechte
Note
2.0
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V178527
ISBN (eBook)
9783656005988
ISBN (Buch)
9783656006275
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
mohammed, karikatur, meinungsfreiheit, religionsfreiheit, Thema Meinungsfreiheit
Arbeit zitieren
Tezer Güc (Autor), 2010, Die Mohammed Karikatur - Meinungsfreiheit vs. Religionsfreiheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178527

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