In der folgenden Hausarbeit „Entwicklung der einzelnen Merkmale der Geschlechtstypisierung“ möchte ich aufzeigen wie sich geschlechtstypisches Verhalten entwickelt und wodurch dieses beeinflußt wird. Dabei gehe ich auch auf die Rolle der Gesellschaft ein, da Individuation immer in Wechselwirkung mit Sozialisation steht.
Zunächst geht es darum wie Jungen und Mädchen ihre Geschlechtsidentität entwickeln. Dies beinhaltet die Erkenntnis, daß das eigene Geschlecht konstant ist und daß es überhaupt zwei verschiedene Geschlechter gibt. Im zweiten Abschnitt setze ich mich damit auseinander, wie sich Geschlechtsrollenstereotype bilden, entwickeln und ausprägen und welche Rolle dabei das soziale Umfeld und die Umwelt spielt.
Danach stelle ich dar, wie die eigene und auch die andere Geschlechtsrolle bewertet wird. Dabei gehe ich auf die Unterschiede bei der Geschlechtsrollenpräferenz zwischen Jungen und Mädchen ein. Schließlich untersuche ich die Entwicklung geschlechtstypischen Verhaltens. Dies geschieht durch ein Analyse des Spielverhaltens der Kinder.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung der Geschlechtsidentität (Geschlechtskonstanz)
3. Entwicklung von Konzepten der Geschlechterdifferenzierung Geschlechtsrollenstereotype
4. Entwicklung von Einstellungen zur Geschlechtstypisierung Geschlechtsrollenpräferenzen
5. Entwicklung geschlechtstypischen Verhaltens
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Entwicklungsprozess der Geschlechtstypisierung bei Kindern und analysiert, inwieweit soziales Umfeld und gesellschaftliche Sozialisationsprozesse das geschlechtstypische Verhalten prägen. Zentral ist dabei die Frage, wie Kinder ihre Geschlechtsidentität, Rollenstereotype und Präferenzen bilden und welche Faktoren (wie z. B. Spielzeugangebot oder kulturelle Rollenbilder) diese Entwicklung beeinflussen.
- Entwicklung der Geschlechtskonstanz in der frühen Kindheit
- Entstehung und Wandel von Geschlechtsrollenstereotypen
- Entwicklung von Geschlechtsrollenpräferenzen im Vorschulalter
- Einfluss des Spielverhaltens auf die Geschlechtstypisierung
- Die Rolle der gesellschaftlichen Sozialisation und Erziehung
Auszug aus dem Buch
3. Entwicklung von Konzepten der Geschlechterdifferenzierung Geschlechtsrollenstereotype
„Konzepte der Geschlechterdifferenzierung beinhalten Vorstellungen darüber, in welchen Merkmalen bzw. Merkmalsausprägungen sich die beiden Geschlechter unterscheiden“ (ebd.; S.338).
Dabei wird von der Geschlechtsgruppe und nicht von individuellen Merkmalen einer Person ausgegangen. Daher spricht man von Geschlechter- oder Geschlechtsrollenstereotypen. Um Geschlechtsrollenstereotype zu erfassen, werden den Versuchspersonen Merkmale gezeigt, die sie dann dem aus ihrer Sicht passenden Geschlecht zuordnen sollen.
Geschlechtsrollenstereotype bilden sich bereits im Alter von zwei bis drei Jahren aus. Kinder haben mit Erreichen des Grundschulalters die Geschlechtszuordnungen der kulturellen und gesellschaftlichen Geschlechtsrollenstandards bezüglich Spielzeug, Aktivitäten und Berufsrollen verinnerlicht. Dagegen werden geschlechtstypische Persönlichkeitsmerkmale erst später realisiert.
Geschlechtsunterschiede werden besonders dort wahrgenommen, wo das eigene Geschlecht bevorzugt wird. Trautner untersuchte in einer Längsschnittstudie die Entwicklung von Geschlechtsrollenstereotypen. Die Versuchsgruppe bestand aus 43 Mädchen und 39 Jungen, die zwischen vier und zehn Jahren alt waren und die Aufgabe hatten, 38 Aussagen zu geschlechtstypischen Aktivitäten und Persönlichkeitseigenschaften von Kindern und Erwachsenen auf einer fünfstufigen Skala danach zu beurteilen, zu welchem Geschlecht sie am ehesten passen oder ob sie geschlechtsneutral sind (siehe Anhang: Items der Geschlechtsrollentypisierung). Dabei wurde folgendes Entwicklungsmodell bestätigt, das von drei Entwicklungsphasen ausgeht:
- In der ersten Phase besteht noch relative Unsicherheit oder Unkenntnis über geschlechtstypische Merkmale. Daher sind die Geschlechtszuordnungen eher zufällig.
- Im Alter von vier bis fünf Jahren erfolgt der Übergang zur rigiden (starren) Stereotypisierung. Diese ist gekennzeichnet durch exklusive Merkmalszuschreibungen und rührt von dem zunehmenden Wissen über kulturelle Stereotypisierungen bei gleichzeitiger mangelnder Klassifikationsfähigkeit (größte Ausprägung mit sechs Jahren).
- Die dritte Phase beginnt mit etwa acht Jahren und wird geprägt von zunehmend flexiblen (geschlechtstypischen) und geschlechtsneutralen Zuordnungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage, die sich mit der Wechselwirkung von Individuation und Sozialisation bei der Entwicklung geschlechtstypischen Verhaltens befasst.
2. Entwicklung der Geschlechtsidentität (Geschlechtskonstanz): Analyse der kognitiven Voraussetzungen, um das eigene Geschlecht als unveränderliches Merkmal über die Lebensspanne hinweg zu begreifen.
3. Entwicklung von Konzepten der Geschlechterdifferenzierung Geschlechtsrollenstereotype: Untersuchung der Entstehung von Vorstellungen über geschlechtsspezifische Unterschiede und der Entwicklung stereotyper Rollenzuschreibungen.
4. Entwicklung von Einstellungen zur Geschlechtstypisierung Geschlechtsrollenpräferenzen: Erörterung der kindlichen Bewertung von Geschlechtsrollen und der Bevorzugung eigener geschlechtstypischer Verhaltensweisen.
5. Entwicklung geschlechtstypischen Verhaltens: Exemplarische Untersuchung des Spielverhaltens von Kindern und dessen Abhängigkeit von gesellschaftlichen Vorgaben sowie dem Spielzeugangebot.
6. Fazit: Zusammenfassende Schlussfolgerung, dass die Geschlechtstypisierung ein erlernter Prozess ist, der stark durch gesellschaftliche Normen und Rollenklischees geformt wird.
Schlüsselwörter
Geschlechtstypisierung, Entwicklungspsychologie, Geschlechtsidentität, Geschlechtskonstanz, Geschlechtsrollenstereotype, Geschlechtsrollenpräferenz, Spielverhalten, Sozialisation, Rollenklischees, Geschlechterdifferenzierung, Kindesentwicklung, Geschlechtszugehörigkeit, Identitätsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der psychologischen Entwicklung von Geschlechtstypisierungen bei Kindern und untersucht, wie Jungen und Mädchen ihre Identität und ihr geschlechtstypisches Verhalten ausbilden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die Geschlechtsidentität (Konstanz), die Bildung von Geschlechtsrollenstereotypen, die Bewertung von Geschlechterrollen (Präferenzen) sowie die Ausprägung geschlechtstypischen Spielverhaltens.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie gesellschaftliche Einflüsse und Sozialisationsprozesse dazu führen, dass Kinder erlernen, sich mit bestimmten Geschlechterrollen zu identifizieren und entsprechend zu handeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse entwicklungspsychologischer Theorien und bezieht sich auf empirische Studien, wie beispielsweise Längsschnittstudien zu Geschlechtsrollenstereotypen und Experimente zum Spielverhalten.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die drei Stufen der Geschlechtskonstanz nach Kohlberg, die Phasen der Stereotypisierung bei Kindern und die Analyse des Einflusses von Spielzeugangebot und gesellschaftlichem Druck auf das kindliche Verhalten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Geschlechtstypisierung, Geschlechtsidentität, Geschlechtsrollenstereotype, Sozialisation und Geschlechtsrollenpräferenz.
Was besagt das Drei-Phasen-Modell der Geschlechtsrollenstereotype?
Das Modell unterscheidet zwischen einer anfänglichen Unsicherheit, einer rigiden Phase der Stereotypisierung (ca. 4-5 Jahre) und einer späteren, zunehmend flexibleren Phase der Zuordnung ab etwa acht Jahren.
Welche Rolle spielt das Spielverhalten für die Geschlechtstypisierung?
Das Spielverhalten dient als leicht beobachtbarer Indikator für den Sozialisationsgrad. Die Arbeit zeigt, dass Kinder oft nicht aufgrund einer inneren Anlage, sondern primär aufgrund der gesellschaftlichen Erwartungen und des angebotenen Spielmaterials „geschlechtstypisch“ spielen.
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- Jan Altendorf (Author), 1998, Entwicklung der einzelnen Merkmale der Geschlechtstypisierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17852