Das Mediensystem in der Volksrepublik China


Studienarbeit, 2007

9 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Einführung

Die VR China ist mit 1,3 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde.

China ist ein autoritärer Staat mit einem Ein-Parteiensystem und wird von der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh oder KP) regiert.

Im Zuge der allmählichen Öffnung des Landes seit den 1980er Jahren haben sich auch die Rahmenbedingungen für das Mediensystem gebildet. Die Kommunikationsindustrie in China gehört zu den am schnellsten wachsenden Entwicklungssektoren und die IT-Industrie ist mit ihrem Absatzvolumen von 356 Mrd. Yuan (entspricht ca. 35 Mrd. Euro) im Jahr 2001 die führende Branche in diesem Land.

Funktion des Staates und Verständnis von Medien in China

Die Verflechtung zwischen den Medien und dem Staat bzw. der Regierung Chinas ist sehr wichtig für das Verständnis von der Entwicklung der jeweiligen Medienbereichen Print, Hörfunk, Fernsehen und Internet. Diese vier Bereiche fallen in den Hoheitsbereich der VR China und sind daher als Organe der Öffentlichkeitsarbeit der KPCh zu verstehen. Die Medien werden mit der Funktion belegt, das Volk im Sinne der KPCh aufzuklären, zu erziehen und zur Solidarität aufzurufen. Erst in zweiter Linie folgt dann die Unterhaltung des Volks. Es ergeben sich vier Funktionen des Staates gegenüber den Medien:

1. Der Staat ist Eigentümer und ihm obliegt die oberste Verwaltung.
2. Gestaltung der Medien- und Wirtschaftspolitik.
3. Finanzierung der Medien. Seit 1992 zieht sich der Staat größtenteils von der Medienfinanzierung zurück und hält die Rundfunkanstalten und die Printmedien an, sich durch Werbeeinnahmen weitgehend selbst zu finanzieren.
4. Steuerung und Überwachung der Produkte und Inhalte.

Der Aufbau der VR China

Abbildung 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.bpb.bund.de/publi- kationen/T8KUJ9,1,0,Charakteristika_des_ politischen_Systems.html (Staatsaufbau)

Wichtige Einrichtungen und Ministerien im Zusammenhang mit dem Medienbetrieb in China:

Die SARFT (State Administration of Radio, Film and Television) entstand 1998 nach dem 9. Chinesischen Volkskongress und ist als Rundfunkverwaltungsamt zu verstehen und somit zuständig für Hörfunk und Fernsehen. Sie untersteht direkt dem Staatsrat. Aufgaben sind die Lizenzvergabe an Sender, Vorgabe der Programmgestaltung, die Verwaltung der Sendeanlagen und die Zensur von Inhalten. Das SANV (Staatliche Amt für Nachrichten und Verlagswesen) ist zuständig für das Verlagswesen und die Printmedien und untersteht dem Staatsrat wie die SARFT. Das Amt genehmigt Neugründungen von Zeitungen und Zeitschriften und regelt die rechtlichen Bestimmungen für den Printbereich. Für das Internet sind mehrere Behörden zuständig. Die wichtigste ist das Staatliche Amt für Internet Propaganda.

Xinhua (Zentrale Nachrichtenagentur) wurde 1931 gegründet. Sie untersteht dem Staatsrat und ist als einzige berechtigt Informationen und Nachrichten in und über China zu sammeln und zu verbreiten. Bei den wichtigsten Nachrichten besteht ein Übernahme- und Meldezwang für die Medienbetriebe in China. Während die Ämter SANV, SARFT und das Staatliche Amt für Internet Propaganda den Output der Medien kontrollieren ist die Nachrichtenagentur Xinhua für den Input zuständig. Xinhua beschäftigt ca. 7000 Mitarbeiter. Die Nachrichtenagentur unterhält selbst ca. 40 Zeitungen und Zeitschriften, darunter die Zeitung Renmin Ribao (Volkszeitung), die seit 1949 das offizielle Verlautbarungsorgan der Partei und Regierung ist und die auflagenstärkste Zeitung Cankao Xiaoxi (Reference News).

Wichtige Eckdaten der (Medien)Geschichte der VR China

1949 Staatsgründung nach der Revolution

1966 Die Kulturrevolution (1966-76) hat einschneidende Wirkungen auf die Medien. Die Zahl der Zeitungen sinkt beispielsweise von ca. 1300 auf 43.

1978 Erste grundlegende Reformen zum Mediensystem im Kontext der wirtschaftl. Liberalisierung

1987 Die erste E-Mail wird verschickt

1992 Beginn der wirtschaftlichen Ausrichtung der Medienunternehmen und der Rückzug des Staates aus der Vollfinanzierung

1994 China wird mit dem Internet verbunden

2001 Der Beitritt Chinas zur WTO (Welthandelsorganisation). Eine schrittweise Öffnung für ausländische Investoren geht damit einher.

Presse und Print

Geschichtliche Entwicklung

China hat eine weit reichende Erfahrung und Tradition im Zeitungsbereich. Schon ca. 880 n. Chr. erschien die erste Zeitung, die schon damals streng kontrolliert war. Nach der Machtergreifung 1949 durch die KPCh war das nicht anders. Die KP begann ein ganz neues Mediensystem aufzubauen. Mit seiner Hilfe sollten die Erfolge der Revolution wachgehalten und geschützt, aber gleichzeitig auch die Bevölkerung beherrscht werden. So wurde die ein Jahr zuvor gegründete Renmin Ribao (siehe links) das offizielle Verlautbarungsorgan der Partei und gleichzeitig wichtigster Informationslieferant für das Volk. Die 1981 gegründete China Daily arbeitet eng mit der Volkszeitung zusammen und ist quasi ihr englischsprachiges Gegenstück für Propaganda des Staates.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: www.world-he- ritage-tour.org/info/...

Die Zeit nach der Gründung der Volksrepublik ist gekennzeichnet durch ein stän- diges Auf und Ab im Pressesektor. Zunächst entstanden rund 250 Zeitungen. 1957 hat sich die Anzahl mit 1308 mehr als verfünffacht. Die Kulturrevolution von 1966 bis 1976 ließ die Anzahl der regulären Zeitungen wieder auf nur 43 sin- ken. Grund dafür waren politische Machtkämpfe der einzelnen Flügel der KP, die in den Zeitungen ausgetragen wurden. Alle nicht-politischen Zeitungen wurden geschlossen. Die folgende Reformierung und Öffnung der Wirtschaft sorgte für erneutes Wachstum in der Printbranche: 1988 zählte man wieder 1579 Zeitungen. Es war jene Zeit, in der sich der Staat aus der Vollfinanzierung der Medien zurückgezogen hat und damit den Weg für härteren Wettbewerb mit langwierigen Preiskriegen und die Kommerzialisierung der Medien geebnet hat. Gerade privatwirtschaftliche Aktivitäten setzten dann eine Flut an neuen Printprodukten in Gang. Staatlichen Periodika fiel es seitdem zunehmend schwerer sich zu behaupten.

Das Pressewesen ist insgesamt nicht mehr auf Verlautbarungen des Staates reduziert. Es bewegt sich nun bei dynamischer Entwicklung zwischen wirtschaftlicher Liberalisierung und politischer Kontrolle. Stellenweise findet man heute sogar investigativen Journalismus, der Skandale aufzudecken versucht. Die Grundversorgung mit Informationen scheint langsam an Bedeutung zu gewinnen. 2002 beträgt die Erwachsenen-Reichweite der Zeitungen 70,9 % täglich, 90,2 % wöchentlich und 92,3 % monatlich. Ferner werden 3 Mrd. Zeitschriften und 6,8 Mrd. Bücher produziert, die Buchverlagsbran- che ist also auch sehr aktiv (vgl. ABELS 2004, S. 833). Der Staatsführung liegt es daran eine möglichst universelle Erziehung zu erreichen, so dass einige Bereiche, wie das Sachbuch oder Übersetzungen aus- ländischer Werke, gefördert werden.

Im Bereich Finanzierung haben sich die Printprodukte auch als Werbeträger stark profiliert. Nach DREIER (2006, S. 79) steht einer Verzehnfachung der Zeitungsauflage von 1986 bis 1996 eine Verdreißigfachung der Anzeigenerlöse gegenüber.

Insgesamt haben die Printprodukte ihre ehemalige Spit- zenposition unter den Massenmedien in China nicht zurück gewonnen, sie konkurrieren jedoch heute wie- der mit dem Fernsehen und neuerdings dem Internet mit (siehe Tabelle 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 (Quelle: ABELS 2004, S. 832)

Gegenwärtige Situation, Organisation und Struktur

Der chinesische Pressemarkt ist durch die hohe Anzahl verschiedener Printherausgeber in seinem Ange- bot sehr umfangreich und vielfältig. Bis auf regelmäßige regierungskritische Veröffentlichungen ist fast alles zu finden. Die am weitesten verbreiteten Tageszeitungen in China sind die Cankao Xiaoxi und die Renmin Ribao, beide mit Auflagen von über 2,5 Mio. Exemplaren (vgl. DREIER 2006, S. 79). Bei den nicht- politischen Veröffentlichungen ist das Monatsmagazin Duzhe hervorzuheben, das mit einer Auflage von 3,29 Mio. am meisten gelesen wird (vgl. GUI 2004, S. 56). Ferner existieren viele Periodika, die sich auf Themen spezialisieren. Die beliebtesten unter ihnen sind Computer- und Sportzeitschriften. Der Vertrieb erfolgt überwiegend postalisch, meist über Abonnements. Zusätzlich zu einigen Titeln, die im norma- len Straßenverkauf erscheinen, werden die vom Staat für wichtig erachteten Zeitungen in öffentlichen Schaukästen zur Verfügung gestellt.

Der Boom des Zeitungsmarktes verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig auf das Land. In den ländlichen Gebieten wird er eher vernachlässigt, so dass sich auch hier - wie in den Medien insgesamt - die Kluft zwischen der städtischen und ländlichen Entwicklung Chinas widerspiegelt.

Fast alle Printveröffentlichungen sind abhängig von der zentralen Nachrichtenagentur Xinhua, da sie das Informationsmonopol bezüglich Nachrichten über und in China hat, damit also das Angebot steuert. Auch im rechtlichen Bereich findet sich ein ähnliches Bild. Nach Artikel 35 der chinesischen Verfassung von 1982 ist die Presse zwar frei, jedoch wird sie durch etliche andere Bestimmungen eingeschränkt. Diese sind so wage formuliert, dass der Staat die Macht hat problemlos Redaktionen zu bestrafen oder ganz zu schließen. Der Staat sieht sein Handeln dabei in der Verfassung begründet: Da er die Verant- wortung für das kulturelle Leben seines Volkes übernehme, müssten auch alle Tätigkeiten der Medien durch ihn überwacht werden. Da viele Medieninstitutionen ohnehin dem Staat oder der KP unterstehen, ereignen sich solche Fälle nicht oft. Wenn sie jedoch eintreten, haben sie auch eine abschreckende Wir- kung. Weil z.B. ein Journalist für die New York Times in Peking vorab über den Rücktritt des ehemaligen Präsidenten Zemin als Militärkommissionschef berichtete, wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Mediensystem in der Volksrepublik China
Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Veranstaltung
Medienwirtschaft und Kommunikationspolitik
Note
1,0
Autoren
Jahr
2007
Seiten
9
Katalognummer
V178567
ISBN (eBook)
9783656005865
ISBN (Buch)
9783656237020
Dateigröße
1225 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediensystem, China, Medien, Staat, Hörfunk, Presse, Print, Fernsehen, Internet, Pressefreiheit, Zensur
Arbeit zitieren
Master of Arts Stanislaw Schmidt (Autor)Christian Steckroth (Autor), 2007, Das Mediensystem in der Volksrepublik China, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178567

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Das Mediensystem in der Volksrepublik China



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden