Der "Reichston" Walthers von der Vogelweide


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
43 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Der Dichter und Visionär Walther von der Vogelweide

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung - Überblick

2 Historischer Überblick, Edierung und mögliche Datierung
2.1 Kurzer historischer Überblick und Zuordnung Walthers
2.2 Edierung des „Reichston“
2.3 Mögliche Datierung des „Reichston“

3 Analyse der Form und Gestaltung
3.1 Die äußere Form
3.2 Stilelemente

4 Interpretation
4.1 „Ich saz ûf eime steine“ L 8,4
4.2 „ich hôrte ein wazzer diezen“ L 8,28
4.3 „ich sach mit mînen ougen“ L 9,16
4.4 Publikumsbezug, Vortragssituation, Rezeption

5 Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang 1, Tabelle
Strophe I; L 8,4; 43 A; 18 B; 1 C
Strophe II; L 8,28; 44 A; 20 B; 3 C
Strophe III; L 9,16; 45 A; 19 B; 2 C

Anhang 2

Anhang 3

Abbildungsverzeichnis

1 Autorenminiatur Walthers von der Vogelweide. Abbildung aus (o.A.) (o.J.) „Die Minnesinger in Bildern der Manessischen Handschrift“. Insel-Bücherei Nr. 450

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Dichter und Visionär Walther von der Vogelweide

Herr Walther von der Vogelweide 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[1] A uf der nebenstehenden Autorenminiatur aus der Manesseschen Liederhandschrift wird „Her walther vô der Vogelweide“ als Mann mit Krone, Wappen und Schwert dargestellt, der auf einem Felsblock sitzt, ein Bein auf das andere legt, seine Wange in die Hand schmiegt und sehr nachdenklich wirkt. Vor ihm flattert ein unbeschriftetes Textstück, das er mit der rechten Hand festhält. Diese Miniatur bezieht sich unmittelbar auf die Strophe „Ich saz ûf eime steine und dahte bein mit beine […]“[2] der

ersten Strophe des von Karl Simrock1870[3] so genannten „Reichston“. Die im Text beschriebene Rolle wurde offensichtlich zur Darstellung des Dichters selbst verwandt. Welches Bild Walthers wird hier vermittelt bzw. welches Bild vermittelt Walther in seinem Ton, so dass es in einer solchen Miniatur stilisiert werden konnte? Das eines nachdenklichen Dichters, eines Richters, eines Denkers oder Visionärs?

Walthers von der Vogelweide „Reichston“ werden Bezüge zur recht explosiven zeitgenössischen „Epoche politischer Machtkämpfe“[4] zwischen Staufern, Welfen und Papsttum Ende des 12. / Anfang des 13. Jahrhunderts zugesprochen. Sicherlich ist der „Reichston“ in der älteren und neueren Forschung ausgiebig betrachtet worden und kann hier auch nicht in vollem Umfang Berücksichtigung finden. Dennoch bietet sich eine Möglichkeit, Walthers möglicherweise erste politische Sangspruchdichtung alternativ zu beleuchten. Fragen der jüngeren Forschung sind aufgeworfen, wie z.B.: Welche Wirkung hat die unterschiedliche Edierung des „Reichston“in den Sammel-Handschriften (HS) A, B und C, oder die Datierung der einzelnen Strophen auf dieReihenfolge im Ton und deren Interpretation? Wie sollte der „Reichston“ „gelesen“, also verstanden und eingeordnet werden? Kann aus dieser Interpretation auf den Autor als politischem Dichter und Denker geschlossen werden?

Dieausführliche Beantwortungaller dieser Fragen würde hier zu weit führen, weshalb ich mich mit einigen Fragen nur ansatzweise beschäftigen werde. Der Fokus liegt auf einer Interpretation des „Reichston“, ohne den genannten Hintergrund zu vernachlässigen. Bevor ich das tue, folgt hier zunächst das

1 Einleitung - Überblick

In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit der besonderen Art der volkssprachlichen Spruchdichtung Walthers von der Vogelweide, insbesondere mit dem „Reichston“ beschäftigen. Textgrundlage ist die Walther-Edition wie sie zuerst von Lachmann und heute von Cormeau herausgegeben wird[5]. Es geht mir einerseits um eine Klärung der Strophenfolge, die sich in den Handschriften (HS) A, B und C unterschiedlich darstellt. Andererseits hat dieses Sujet unmittelbaren Bezug zur Datierung einzelner Strophen[6] des „Reichston“, weshalb auch äußere Form,Stilmittel und Thematik aller drei „Reichston“-Strophen in einem eigenen Kapitel überblicksweise betrachtet werden. Erst dann lohnt sich der Blick auf die Interpretation des „Reichston“ und damit auch des vermittelten Walther-Bildes.Die Rezeption des „Reichston“ soll nicht unerwähnt bleiben. Zum Abschluss werde ich die Ergebnisse zusammenfassen und auf offengebliebene Fragen hinweisen, wohl wissend, dass diese Hausarbeit nur äußerst begrenzte Möglichkeiten bietet, demumfangreichenArbeitsfeld gerecht zu werden.

2 Historischer Überblick, Edierung und mögliche Datierung

2.1 Kurzer historischer Überblick und Zuordnung Walthers

In den Jahren von 1198 bis 1205, dem möglichen zeitlichen Rahmen der Entstehung des Reichstons,[7] befindet sich das Heilige Römische Reich (Sacrum Imperium)[8] in einer politisch äußerst prekären Situation. Seit dem frühen Tod des Stauferkaisers Heinrich VI. (1197) kommt es zu Thronstreitigkeiten zwischen Heinrichs VI. Bruder und Sohn Friedrich Barbarossas, Philipp von Schwaben, und dem Welfen, Otto von Poitou, dem 16-jährigen Sohn König Heinrichs des Löwen und Neffen Richards Löwenherz. Als Thronsicherer des dreijährigen Sohnes Kaiser Heinrich VI. (dem schon 1196 gewählten König und späteren Kaiser Friedrich II.) und auf Drängen verschiedener stauferfreundlicher Fürsten, lässt sich der 20jährige Philipp am 8.3.1198 selbst zum König wählen und am 8.9. in Mainz krönen[9]. Die Krönung erfolgt, nachdemwenige Monate vorherOtto durch antistaufische Fürsten und den Kölner Erzbischof Adolf in Aachen (kaiserlicher Krönungsort seit Karl dem Großen),aber ohne entsprechende Insignien der Macht zum König erhoben wurde. In der Folge kommt es mit und durch Interventionendes im Januar 1198 neu gewählten, für einen Papst recht jungen,37-jährigen Papst Innozenz III., der nach einigem Zögern schließlich aus machtpolitischenErwägungen 1201 Otto anerkennt und Philipp bannt, zu kriegerischen Konflikten. Bei diesen fortlaufenden Auseinandersetzungen siegt schließlich Philipp 1205. Er wird, nach Zugeständnissen gegenüber der Kurie, 1205 in Aachen zum König gekrönt.Während der Verhandlungen für die zukünftige Krönung als Kaiser wird Philipp 2008 getötet und in der Folge der Welf Otto als Otto IV. 2009 zum Kaiser gekrönt.[10]

Der Minnesänger Walther von der Vogelweide befindet sich wahrscheinlich seit ca. 1195 am Hofe des Babenberger Herzogs, Friedrich I. Um 1198 verlässt er Wien, möglicherweise in Zusammenhang mit dem Kreuzzug und Tod seines bisherigen Gönners. Dies bedeutet für Walther eine große persönliche Veränderung, geradezu eine tiefgreifende Lebenswende. Während er bis zu diesem Zeitpunkt als angestellterMinnesänger mit gesichertem Lebensunterhalt an einem Fürstenhof lebt, muss er sich seitdem als fahrender Sänger verschiedenen Fürstenzur Erwerbssicherung andienen. Davon ist sein finanzielles Auskommen, sein Überleben, abhängig.Bisher ist sein Metier der Minnesang, jetzt ist es (auch) die Sangspruchdichtung, mit der er sich wohl zur Festanstellung ‚empfiehlt‘.Es ist davon auszugehen, dass Walther seine Liederan verschiedenen Höfen und vor allem auf Hoftagen, vor adligem Publikum singend vorträgt[11], da dieses in der Lage ist, kulturelle Darbietungen zu goutieren und zu bezahlen. Entsprechend sind diese Adligen auch seine Adressaten für den „Reichston“. Im Thronstreit der Jahre 1198 – 1205 arbeitet er möglicherweiseauch für einen stauferfreundlichen Fürsten oder am HofPhilipps, des Staufers, denn sein „Reichston“ enthält in Strophe II eine eindeutige,politische Stellungnahme für Philipp („Philippe, setze den weisen ûf“[12] ), womit die Königskrone mit dem speziellen Edelstein, dem Waisen, gemeint sein wird, der auch im ersten Philippston (L 19,2; 9.I,11) als Teil der Reichskrone erwähnt ist.Walther bewegt sich mit seiner politisch-aktuellen Thematik über den bisher bekannten Themenzirkel des Sangspruchs hinaus.[13]

2.2 Edierung des „Reichston“

Die drei Sprüche des „Reichston“ werden in den HS A, B und Cals geschlossene Gruppe, aber verschiedenartigüberliefert. So erscheinen die bei Cormeau als I - III genannten Strophen[14], die von Karl Simrock in der Walther-Ausgabe (1870) „Reichsklage“, „Weltklage“ und „Kirchenklage“ bezeichnet werden[15], in den HSA, B und C vollständig, aber in unterschiedlicher Reihenfolge und Bezug.[16] Sowohl Lachmann als auch Cormeau haben sich dabei an die Reihenfolge in HSA gehalten.[17] Die HSB und C stellen das von Cormeau III genannte Lied vor Lied II und ergänzen den Strophentext um die Zeilen 9,16 - 9,20, die in HS A fehlen.[18] Überdies scheinen etliche Textstücke des „Reichston“ in den einzelnen HS A-C jeweils unterschiedlich ediert zu sein, wie aus den Fußnoten zu den Reichston-Strophen bei Cormeau zu ersehen ist.[19] Letztlich werden sieaber nur als Variationen bezeichnet, da sie den Sinn nicht wesentlich verändern. Ulrich Müller, Margarethe Springeht[20] und Carolin Schuchert[21] sind darauf ausführlich eingegangen.Wirklich sinntragende Differenzen ergeben sich danach lediglich in der Strophe II bei dem Wort „cirkel“[22]. Dieses ist nach HS C in der Cormeau-Edition geschrieben, während HS A von „cirken“ und HS B von „kilchen“ spricht. Auch dies sei aber letztlich auf Vortragsvarianten zurückzuführen und nicht sinnverändernd. Darüber hinaus könne das Weglassen der Verse L 9,16-19 auf ein Abschreibe-Versehen hinweisen und sei letztlich nicht tragisch, da der Beginn bei L 9,20 (2.III,5) durch die Umformulierung in HS A „ich hôrte in Rôme liegen“ anaphorisch an den Beginn bei Strophe I und II erinnere und anknüpfe.[23] Ich schließe mich diesen Annahmen hier an.

Dem Vergleich ist auch zu entnehmen, dass den HS-Textvarianten die mit „ich saz…“ beginnende Strophe jeweils voransteht. Inhaltlich stünde aber HS A den HS B und C gegenüber, wobei auch diese letzteren textliche Unterschiede aufweisen.[24] Das Problem, das sich aus diesen verschiedenen Überlieferungen ergibt, besteht darin, nicht sicher angeben zu können, welche der HS tonangebend für die Originalfassung des Autors Walther gewesen sein kann und, ob die bei Cormeau und Lachmann angegebene Reihenfolge der HS A nicht reines Konstrukt ist. Es besteht demnach die Möglichkeit, dass durchaus die Reihenfolge der HS B oder C die „Richtige“ sein könnte, da diese sich wohl auch auf eine gemeinsame Quelle (HS BC) beziehen, die ja denkbar auch noch vor HS A existiert haben könnte.[25] Vielleicht gab es darüber hinaus noch eine andere Überlieferung, die aber nicht mehr auf uns gekommen ist. Da alsobezüglich der Reihenfolge und der textlichen Variationen keine gesicherten Erkenntnisse bestehen, muss hier die klare Zuordnung ausbleiben. Es wäre deshalb auch denkbarund kanndurchaus vermutet werden, dass der „Reichston“ nicht als textliche Einheit mit drei Strophen existierte. Dies widerspricht der gängigen Meinung, die Lieder des Tons seien als Einheit zu betrachten.[26] Ich werde an anderer Stelle darauf Bezug nehmen.

2.3 Mögliche Datierung des „Reichston“

Bei der Datierung gibt es ebenfalls große Ungereimtheiten und es wirdin der Forschung innerhalb eines relativ großen Zeitfensters zwischen 1198 und 1205 argumentiert.[27] Die Einheit der drei Lieder wird allerdings nur von Wenigen bezweifelt, wohl aber deren historisch-politischer Bezug und damit der zeitliche Entstehungsrahmen der einzelnen Strophen. Strophe II soll bereits im Jahre 1198, nach der Proklamation des Welfen Otto (im Juni) und vor der Krönung Phillips (im September) entstanden sein.[28] Lied III wird teilweise auf die Ereignisse vor 1201 (Bannung Phillips durch Papst Innozenz III) bezogen und entsprechend datiert[29].Der erste Reichsspruch könne nicht präzise zeitlich eingeordnet werden, da er zu allgemein gehalten sei, soll aber Bezug zum Jahr 1201 zeigen.[30] Serfas behauptet, dass sehr wohl ein Zusammenhang in Form einer inhaltlichen Vorbereitung auf Strophe II bestehe und daraus eine Gesamtdatierung der Sprüche I und II für die Zeit von November 1204 bis Januar 1205 abgeleitet werden könne.[31] Spruch III soll danach im Mai 1205 entstanden sein.[32] Kern meint wiederum, alle drei Sprüche seien in das Jahr 1201 einzuordnen.[33] Nix argumentiert nun, dass Strophe I und II vor dem 11.3.1198[34] und Strophe III erst 1201 entwickelt wurden.[35]

Sicherheit bezüglich der Datierung und Anordnung des „Reichston“ kann es jedoch nur dann geben, wenn die historischen Bezüge, die sich aus den einzelnen Strophen ergeben, mit berücksichtigt werden.Vorgreifend auf die Interpretation formuliere ich nun meine Position. Nimmtman die allgemeinen Hinweise aus Strophe I, kann mankonstatieren, dass die Feststellung, „fride und reht [pax und iustitia] sint sêre wunt“[36], zumindest die Situation des Thronfolgestreits seit dem Tod Heinrichs VI. bezeichnen (ab 1197). Gleichzeitig ist der Inhalt der Langzeile „diu zwei enwerden ê gesunt“[37] („fride und reht“) ein Hinweis auf den Inhalt der Strophe II, in der die Ordnung im Reich fehlt, für die der König mit seinem Inthronisationseid sorgen soll (Langzeile in II). Dies kann wiederum auf die Zeit nach dem Tod Heinrichs VI. (1197), Strophe II genauer aber auf die Monate März bis September 1198, der Wahl und der Krönung Phillips, deuten. Die Aussage über Betrug und Gewalt[38] könnte, allerdings in Verbindung mit Strophe III („zwẽne künige triegen“[39] ), auf die päpstliche Intervention zugunsten Ottos und auf die Bannung Phillips (1201) hinweisen oder aber nur seine persönlichen Lebenserfahrungen als Fahrender wiedergeben. Die Klage des Klausners in Strophe III über den zu jungen, unerfahrenen Papst, der die kriegerischen Auseinandersetzungen im Reich verursacht hat, kann wiederum auf das Jahr 1201 weisen, in der die Bannung Phillips stattfand. Diese Datierung scheint mir insgesamt auch die schlüssigste für Strophe III zu sein. Strophe I und II würde ich, der größeren Wahrscheinlichkeit wegen, auf das Jahr 1198 und die Monate zwischen Wahl und Krönung Philipps im September einordnen.

3 Analyse der Form und Gestaltung

Zunächst ist es notwendig, die Strophen des „Reichston“ genauer zu untersuchen. Siesind in ihrem äußeren Aufbau fast identisch, was mitTabellen und Schaubildern im Anhang (1-3)visualisiert wird. Der Text wird in Anhang 1 direkt mit übersetzt.Dies wird helfen, eine Analyse der äußerenFormund Stilmittel zu erleichtern, sowiegenaue innere und äußere Bezüge herzustellen und auch historische Zusammenhänge zu finden. Dadurch sollte die folgende Interpretation möglich sein.

3.1 Die äußere Form

Bezugnehmend auf Anhang 1 lässt sich feststellen, dass alle drei Sprüche des „Reichston“ aus 23 alternierenden Drei- und Vierhebernund einer längeren achthebigen Verszeile in Reimpaarversform bestehen. Die Kadenzen wechseln regelmäßig, beginnend jeweils mit einer weiblichen, klingenden Kadenz. Die Verse sind inhaltlich und auch rhythmisch aufeinander bezogen, also i.d.R. gefugt. Damit klingen sie harmonisch und können den Inhalt unterstreichen. Sie folgen der von Herger/Spervogel vorgegebenen Strophenform und sind nicht als Kanzone angelegt.[40] Alle 23 kürzeren Zeilen bestehen aus vier 2/4 – Takten[41], die Langzeilejeweilsaus acht 2/4 Takten, und enthalten wechselnde Silbenzahlen, wobei die 7-silbigen Zeilen vorherrschen[42]. Zählt man die Auftakte, kommt man ebenfalls zu unterschiedlichen Zahlen der einzelnen Strophen.[43] Die äußere Form unterstützt den semantischen Inhalt. Durch die Hebungen werden bestimmte Begriffe betont, von denen folgende auch mehrfach bzw. wiederholt auftreten[44]. Diese Worte erfahren dann besondere Bedeutung, wenn sie sich in anderen Strophen wiederholen, wie z.B. „bein“, „êre“, „welte“ und „reht“ in Strophe I und II, die dann in Strophe III fehlen. Eine Verbindung zwischen Strophe II und III findet sich wiederum durch wiederholte Verwendung der Worte „sach“, „hôrte“, „künec“ bzw. „künige“ und „owê“. Nur das Wort „ich“ findet sich in jeder Strophe: viermal in III, dreimal in II und sechsmal in I. Insgesamt erscheint das Wort „ich“ also in allen Strophen zusammen 13-mal. Diese formalen Hervorhebungen werden auch thematisch-inhaltlich von Bedeutung sein, wie später ersichtlich wird. Als besondere Wortart in diesem Zusammenhang findet sich die Interjektion („owê“) in den Strophen II und III, die für Klagen üblich ist. Einen bevorzugten Nominalstil, wie von Ehrismann behauptet, kann ich nur für wenige Strophenzeilen feststellen.[45] Diese werden dadurch aber zusätzlich hervorgehoben.

[...]


[1] Autorenminiatur Walthers von der Vogelweide. Abbildung aus (o. A.) (o.J.) „Die Minnesinger in

Bildern der Manessischen Handschrift“. Insel-Bücherei Nr. 450, S. 14.

[2] nach Lachmann L 8,4 und CormeauI; nach HS C 1; nach HS B 18, nach HS A 43.

[3] Simrock, Karl (1870) zitiert nach Mertens, Volker/Müller, Ulrich (Hrsg.) (2001): S. 235.

[4] Schweikle, Günther (Hrsg.): Walther von der Vogelweide (1994), S. 19.

[5] Walther von der Vogelweide. Leich, Lieder, Sangsprüche. in: Christoph Cormeau (Hrsg.)(1996): 14., völlig neu bearbeitete Auflage der Ausgabe Lachmanns mit Beiträgen von Thomas Bein und Horst Brunner. Berlin, New York. Buch I, S. 11-13. Später nur Cormeau (Hrsg.)(141996) genannt!

[6] Die Begriffe Strophe und Spruch werden hier von mir synonym verwandt; vgl. auch Sievert (1990): S. 205f, Anmerkung 5.

[7] Brunner/Hahn/Müller et al. (22009): S. 144f.

[8] Im Jahr 1157 wird der Begriff „Sacrum Imperium“ erstmals in einem offiziellen Dokument gebraucht und damit eine neue Vorstellung von Imperium und kaiserlicher Autorität verbunden unter gleichzeitiger Abwertung benachbarter Könige (Titulatur: regulus oder rex provincialis). Bezeugt wird die zunehmend transpersonale Herrschaftsvorstellung, allerdings immer noch auf die Person des Kaisers zentriert. Vgl. Goez (2009): S. 73.

[9] mit allen königlichen Insignien, aber unter Legitimitätsverlust wegen des dafür falschen Erzbischofs und des falschen Krönungsortes.

[10] vgl Hahn (1986): S. 110f.

[11] Leider ist für den „Reichston“ keine Melodie überliefert.

[12] Cormeau (Hrsg.) (141996): 12, II, L 9,15.

[13] Vgl. Hahn (1986): S. 97-98.

[14] Nach Lachmann in Buch I, L 8,4, L 8,28 und L 9,16. Die Einordnung in Buch I zeigt, dass für Lachmann gesichert ist, dass der „Reichston“ eindeutig Walther zum Autor hat. Ich werde diese These hier übernehmen und gehe von Walther als Autor aus.

[15] zitiert nach Schweikle, Günther (Hrsg.) (1994): S. 47.

[16] HS B und C folgen einer gemeinsamen Vorlage, die BC genannt wird; HS C beginnt mit dem „Leich“ und schließt daran direkt den Reichston an, zitiert nach Ehrismann (2008): S. 51.

[17] Cormeau (Hrsg.) (141996): S. 11.

[18] A.a.O. S. 13.

[19] Cormeau (Hrsg.) (141996): S. 11-13. Vergleiche auch Müller/Springeht (2001) in: Mertens, Volker/ Müller, Ulrich (Hrsg.). Göppingen. S. 237. Z.B.: L 9,13 in A: cirken, in B kilchen, in C cirkel. Siehe auch im Anhang 1 die von Cormeau (Hrsg.) übernommenen Fußnoten.

[20] Müller/Springeht (2001) in: Mertens/Müller (Hrsg.). S.237f.

[21] Schuchert (2010): S. 244-247.

[22] L 9,13; 2.II, 22.

[23] Müller/Springeht (2001) in: Mertens/Müller (Hrsg.). S. 238. Vgl. Schuchert (2010): S. 246.

[24] vgl. Müller/Springeht (2001) in: Mertens/Müller (Hrsg.). S. 237.

[25] Cormeau (Hrsg.) (141996): S. 11, Fußnote.

[26] Brunner/Hahn/Müller et al. (22009): S. 144f.

[27] Vergleiche Serfas (1983), Kern (1992); Scholz (22005): S. 44-53.

[28] Reichert (21998): S. 119; vgl. Serfas (1983): S. 68.

[29] Reichert (21998): S. 123; vgl. Serfas (1983): S. 68

[30] Reichert (21998): S. 124.

[31] Serfas (1983): S. 79.

[32] Serfas (1983): S. 81.

[33] Kern (1992): S. 356f. in: ZDfPh. Bd. 111. Er geht davon aus, dass Walther alle drei Strophen am Bamberger Hoftag (8.9. 1201) an den ja schon gekrönten Philipp gerichtet habe.

[34] Nix (1993): S. 39.

[35] Nix (1993): S. 71.

[36] L 8,26; 2.I.23.

[37] L 8,27; 2.I,24.

[38] „untriuwe ist in der sâze, gewalt vert ûf der strâze“ L 8,24-25; 2.I,21-22.

[39] L 9,21; 2.III,6.

[40] vgl. Ehrismann (2008): S. 50.

[41] Mit 23 Zeilen à vier Takten und je einer Langzeile à 8 Takten. Daraus ergibt sich eine Summe von jeweils 100 Takten pro Strophe mit Bezug zur verzehnfachten Zahl 10. Vgl. auch Schweikle (1994): S. 335.

[42] Je 12 x in L 8,4f und L 8,28f, 10 x in L 9,16f. In den Strophen I und II finden sich neben jeweils 12 x 7-Silbern noch 5 x 8 Silbenverse (L 8,4 f) bzw. 7 x 8-Silbenverse (L 8,28f) und 5 x 9 Silben (L 8,4 f) bzw. 3 x 9 Silbenzeilen (L 8,28 f). In Spruch III erscheint eine Differenz zu der Anzahl der 7-Silbrigen Verse in I und II. Wir finden hier auch 3 x 6 Silben, 8 x 8-silbrige Verse und einen 9-Silber.Die Langzeile enthält hier nur 16 Silben, in I und II jeweils 17 Silben.

[43] Hier finden wir bei L 8,4f 22, bei L 8,28 f 23 und bei L 9,16f insgesamt 21 Auftakte.

[44] Kursiv gesetzt als Zitat: ich, bein, satzte/setze, eime/ein, zwei/zweier/zwêne, driu/dritte, welte, (weltliche) êre, (varnde) guot, strît/strîtent, (fride und) reht/gerihte, hôrte, sach, künec/künege, bekêra/bekêre, pfaffen, leien, nôt, owê.

[45] vgl. Ehrismann (2008): S. 52. Zeilen: (8,5; 8,14-15; 8,31-33; 9,8; 9,20-21).

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten

Details

Titel
Der "Reichston" Walthers von der Vogelweide
Hochschule
Universität Trier  (Germanistik, Ältere Deutsche Philologie)
Veranstaltung
Hauptseminar "Walther von der Vogelweide"
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
43
Katalognummer
V178574
ISBN (eBook)
9783656006763
ISBN (Buch)
9783656007289
Dateigröße
1125 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Beurteilung des Dozenten: Sehr gelungene Arbeit, weit über jedes normale Maß einer Hausarbeit hinausgehend.
Schlagworte
Walther von der Vogelweide, Reichston, Mediävistik, politische Lyrik, Minnesänger, politischer Lyriker, ich saz uf eime steine, Staufer, Welfen, Mittelalter, volkssprachliche Lyrik, Hohes Mittelalter
Arbeit zitieren
Angela Lorenz-Ridderbecks (Autor), 2011, Der "Reichston" Walthers von der Vogelweide, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178574

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