„ein […] wesentliches Charakteristikum der Fantasy, wenn nicht sogar das wesentlichste, [ist] das Vorhandensein von zwei Welten […] “
(Rank, 2006, S. 17)
Das obige Zitat untermauert den Inhalt dieser Arbeit, welche sich mit den unterschiedlichen Welten in phantastischer Literatur und dem Wechsel zwischen ihnen beschäftigt. Hierfür werden Michael Endes Die unendliche Geschichte und Cornelia Funkes Tintenherz2 (Band I der Tinten-Triologie) näher untersucht. Dabei wird speziell auf folgende Fragestellung eingegangen: Welche Funktion hat der Weltenwechsel von Figuren für sie selbst oder die Handlung?. Zunächst wird jedoch für das weitere Verständnis ein kurzer Überblick über den Inhalt der Werke gegeben. Damit geht einher, dass auch die unterschiedlichen Welten, zwischen denen ein Wechsel von Figuren stattfindet, beschrieben werden. Folglich wird dieser Wechsel bei beiden Werken genauer untersucht und dargestellt. Hierfür werden zuvor, mithilfe einschlägiger Literatur, wichtige Erklärungen zum 2-Welten-Modell, zur phantastischen Schwelle und zu den Mustern der Reise in die sekundäre Welt aufgezeigt. Im vorgegebenen Rahmen dieser Arbeit ist es realisierbar, jene wichtigen Erklärungen und Definitionen für die anschließende Bearbeitung der Fragestellung nach der Funktion des Weltenwechsels aufzuzeigen. Die Gattung der Phantastik kann somit nicht vollständig und in ihren unterschiedlichen Entwürfen von Literaturtheoretikern dargestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Inhaltsangabe
2.1.1 Die unendliche Geschichte von Michael Ende
2.1.2 Tintenherz von Cornelia Funke
2.2 Die verschiedenen Welten – eine kurze Beschreibung
2.2.1 Die unendliche Geschichte
2.2.2 Tintenherz
2.3 Der Weltenwechsel
2.3.1 Das 2- Welten-Modell nach Maria Nikolajeva
2.3.2 Die phantastische Schwelle
2.3.3 Drei Muster der Reise in die sekundäre Welt
2.3.4 Der Weltenwechsel in Die unendliche Geschichte
2.3.5 Der Weltenwechsel in Tintenherz
2.4 Die Funktion des Weltenwechsels
2.4.1 Die Funktion des Weltenwechsels in Die unendliche Geschichte
2.4.2 Die Funktion des Weltenwechsels in Tintenherz
2.4.3 Tintenherz und Die unendliche Geschichte im Vergleich
3. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Funktion des Weltenwechsels von Figuren in Michael Endes "Die unendliche Geschichte" und Cornelia Funkes "Tintenherz", um zu klären, welche Auswirkungen dieser Wechsel auf die Charaktere und den Handlungsverlauf der jeweiligen Werke hat.
- Analyse des 2-Welten-Modells nach Maria Nikolajeva zur Einordnung phantastischer Literatur.
- Untersuchung der phantastischen Schwelle als Übergang zwischen primärer und sekundärer Welt.
- Vergleich der unterschiedlichen Muster der Reise in die sekundäre Welt.
- Evaluation der Funktion des Weltenwechsels als Mittel zur Identitätsentwicklung und Handlungssteuerung.
Auszug aus dem Buch
2.4.1 Die Funktion des Weltenwechsels in Die unendliche Geschichte
>>Alle die bei uns waren, haben etwas erfahren, was sie nur hier erfahren konnten und was sie verändert zurückkehren ließ in ihre Welt. Sie waren sehend geworden, weil sie euch in eurer wahren Gestalt gesehen hatten. Darum konnten sie nun auch ihre eigene Welt und ihre Mitmenschen mit anderen Augen sehen. Wo sie vorher nur Alltäglichkeit gefunden hatten, entdeckten sie plötzlich Wunder und Geheimnisse.<< (Ende, 2011, S. 168)
Die oben stehende Aussage der Kindlichen Kaiserin fasst die Funktion des Weltenwechsels für die Figur Bastian Balthasar Bux annähernd zusammen. Bastian wird als kleiner, dicker, unsportlicher Junge beschrieben, der in seinem alltäglichen Leben eher unglücklich ist. Seit dem Tod seiner Mutter lebt er mit dem Vater alleine, wird in der Schule gehänselt und gedemütigt. Von seinen Mitschülern wird er unter anderem Mondkalb, Aufschneider, Schwindler und Spinner (vgl. Ende, 2011, S. 9) genannt, weil er sich selbst Geschichten erzählt.
Sahr´s Aussage, dass diesen Buchfiguren meistens alle charakteristischen Eigenschaften eines Helden fehlen, trifft auch auf Bastian zu (vgl. Sahr, 2001, S. 126). Weiterhin verkörpert er den unsicheren, ängstlichen und schwachen Menschen, der von seiner Umwelt nicht anerkannt wird oder familiäre Probleme hat, wie zum Beispiel den Tod eines Elternteils (vgl. ebd.) zu verarbeiten. Mit seinem Wechsel in die sekundäre Welt Phantásien ändert sich jedoch alles.
Bastian wird vom „kindliche[n] Außenseiter […] zum Helden, der zahlreiche phantastische Abenteuer besteht.“ (Nickel-Bacon, 2006, S. 49). Er ist von nun an hübsch, mächtig, stark und mutig. Als Retter Phantásiens wird er zudem von allen Wesen respektvoll behandelt. Nach und nach vergisst Bastian jedoch sein altes Leben und verweigert den Weg zurück in die Menschenwelt. Er wird überheblich und hochmütig, kämpft sogar gegen seine Freunde um Kaiser von Phantásien zu werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Weltenwechsel in der phantastischen Literatur ein und definiert die Fragestellung bezüglich der Funktion dieses Wechsels für Figuren und Handlung.
2. Hauptteil: Der Hauptteil umfasst die inhaltliche Darstellung der Werke, theoretische Grundlagen wie das 2-Welten-Modell sowie die detaillierte Analyse der Weltenwechsel und deren Funktionen in den untersuchten Romanen.
2.1 Inhaltsangabe: Hier werden die Romane "Die unendliche Geschichte" und "Tintenherz" kurz zusammengefasst, um die Grundlage für die anschließende Untersuchung zu schaffen.
2.2 Die verschiedenen Welten – eine kurze Beschreibung: Dieses Kapitel beschreibt die primären und sekundären Welten beider Werke, um ein Verständnis für die jeweiligen Schauplätze zu etablieren.
2.3 Der Weltenwechsel: Es werden theoretische Ansätze zur Definition und Charakterisierung von Weltenwechseln vorgestellt, insbesondere nach Maria Nikolajeva.
2.4 Die Funktion des Weltenwechsels: In diesem zentralen Kapitel wird analysiert, wie sich der Wechsel zwischen den Welten auf die Entwicklung der Figuren und den Fortschritt der Handlung auswirkt.
2.4.3 Tintenherz und Die unendliche Geschichte im Vergleich: Dieses Kapitel stellt die Ergebnisse der beiden Werkanalysen gegenüber und arbeitet Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede in der Funktion des Weltenwechsels heraus.
3. Fazit: Das Fazit reflektiert die Erkenntnisse der Arbeit und stellt fest, dass der Weltenwechsel in der phantastischen Literatur ein komplexes und prägendes Element darstellt.
Schlüsselwörter
Weltenwechsel, Phantastik, Die unendliche Geschichte, Tintenherz, 2-Welten-Modell, sekundäre Welt, phantastische Schwelle, Identitätsfindung, Initiation, Bastian Balthasar Bux, Mo Folchart, literarische Analyse, Kinderliteratur, Jugendbuch, Erzählstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die Funktion des Weltenwechsels von Figuren in phantastischer Literatur, speziell anhand der Werke "Die unendliche Geschichte" von Michael Ende und "Tintenherz" von Cornelia Funke.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die theoretische Einordnung phantastischer Welten, die Mechanismen des Übergangs (die phantastische Schwelle) sowie die Auswirkungen dieser Übergänge auf die Charakterentwicklung der Figuren und die Handlungsdynamik.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, welche spezifische Funktion der Weltenwechsel von Figuren für die Charaktere selbst sowie für den Verlauf der erzählten Handlung hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf einschlägiger Fachliteratur basiert, insbesondere unter Anwendung des 2-Welten-Modells von Maria Nikolajeva.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Inhaltsangaben, die theoretische Fundierung des Weltenwechsels, die Anwendung dieser Theorie auf die beiden Romane sowie eine vergleichende Untersuchung der Funktionsweisen des Weltenwechsels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Weltenwechsel, Phantastik, 2-Welten-Modell, phantastische Schwelle, Identitätsfindung sowie die spezifische Analyse der Figurenkonstellationen in Endes und Funkes Werken.
Inwiefern beeinflusst der Weltenwechsel die Handlung in "Die unendliche Geschichte"?
Der Wechsel von Bastian Balthasar Bux in die Welt Phantásien bewirkt, dass diese vor dem Untergang bewahrt wird und Bastian durch seine Wünsche aktiv zur (Neu-)Schöpfung der Handlung beiträgt.
Bleiben die Figuren in "Tintenherz" durch den Weltenwechsel in ihrem Charakter verändert?
Nein, im Gegensatz zu Bastian Balthasar Bux bleiben die Figuren in "Tintenherz" trotz des Wechsels zwischen den Welten in ihrem grundlegenden Wesen und ihren Werten weitgehend unverändert.
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- Julia Uhlitzsch (Author), 2011, Der Weltenwechsel in "Tintenherz" (Cornelia Funke) und "Die Unendliche Geschichte" (Michael Ende), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178609