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"Gehirngerechtes Denken"

Über Neuro-bullshitting in der Pädagogik

Titel: "Gehirngerechtes Denken"

Wissenschaftlicher Aufsatz , 2011 , 13 Seiten

Autor:in: Dr. Holger Wille (Autor:in)

Pädagogik - Allgemein
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Studie unternimmt eine kritische Würdigung pädagogischer Anknüpfungen an die moderne Hirnforschung.

[...]
Terminologische Distanz gegenüber einem wissenschaftlichen Gegenstand lässt sich auf quantitativem oder qualitativem Wege gewinnen. Beim quantitativen Verfahren wird der Abstand zu einem Phänomen durch zunehmende Abstraktion, d.h. den Rückgriff auf allgemeinere Begriffe erreicht. Bei der qualitativen Methode dagegen wird der Distanzierungsgewinn durch die Wahl anderer Begriffe als der üblich verwendeten erzielt. Ein Beispiel für Verfremdungsversuche dieser Art ist die Wissenschaftsparodie. Wie der Titel gebende Ausdruck “gehirngerechtes Denken” zeigt, fühlen sich die folgenden Überlegungen einer so verstandenen “fröhlichen Wissenschaft” durchaus verpflichtet – nicht als Selbstzweck, sondern vielmehr, um gerade den Ernst der Lage zu berücksichtigen. Damit einige aktuelle Auseinandersetzungen um den menschlichen Zerebral-Apparat nicht noch weiter Opfer fehlenden Sinnes für die eigene Humorlosigkeit werden, muss deshalb anfänglich und leider ausdrücklich darauf hingewiesen werden: Der Neologismus “gehirngerechtes Denken” ist ein Nonsens-Ausdruck! Er ist weder dazu gedacht noch dazu geeignet, einen neuen Topos jener heutigen Neuro-Rhetorik zu begründen, die sich so gerne von sich selbst faszinieren lässt. Man hat diesen Ausdruck deshalb auch sorgfältig in Anführungszeichen zu setzen, die gleichsam als intellektuelle Gitterstäbe fungieren und einen Ausbruch in die freie Wildbahn verhindern sollen.
[...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. “Gehirngerechtes Denken”

2. Über Neuro-bullshitting in der Pädagogik

Zielsetzung & Themen

Das Hauptziel der Arbeit ist die kritische Dekonstruktion des pädagogischen Konzepts des „gehirngerechten Lernens“. Der Autor untersucht dabei, ob diesem Begriff eine wissenschaftliche Grundlage zugrunde liegt oder ob es sich um einen „Kategorienfehler“ und ein rein rhetorisches Konstrukt der modernen Neuro-Pädagogik handelt, das wissenschaftliche Standards vernachlässigt.

  • Kritik an der Zerebralisierung pädagogischer Fragestellungen
  • Analyse des Begriffs „Gehirngerechtigkeit“ und dessen normativer Implikationen
  • Unterscheidung zwischen Seinsgebilden (Gehirn) und Geltungsgebilden (Denken/Lernen)
  • Kritik an neurobiologischen Adaptionsversuchen in der Erziehungswissenschaft

Auszug aus dem Buch

Über Neuro-bullshitting in der Pädagogik

Terminologische Distanz gegenüber einem wissenschaftlichen Gegenstand lässt sich auf quantitativem oder qualitativem Wege gewinnen. Beim quantitativen Verfahren wird der Abstand zu einem Phänomen durch zunehmende Abstraktion, d.h. den Rückgriff auf allgemeinere Begriffe erreicht. Bei der qualitativen Methode dagegen wird der Distanzierungsgewinn durch die Wahl anderer Begriffe als der üblich verwendeten erzielt.

Ein Beispiel für Verfremdungsversuche dieser Art ist die Wissenschaftsparodie. Wie der Titel gebende Ausdruck “gehirngerechtes Denken” zeigt, fühlen sich die folgenden Überlegungen einer so verstandenen “fröhlichen Wissenschaft” durchaus verpflichtet – nicht als Selbstzweck, sondern vielmehr, um gerade den Ernst der Lage zu berücksichtigen. Damit einige aktuelle Auseinandersetzungen um den menschlichen Zerebral-Apparat nicht noch weiter Opfer fehlenden Sinnes für die eigene Humorlosigkeit werden, muss deshalb anfänglich und leider ausdrücklich darauf hingewiesen werden: Der Neologismus “gehirngerechtes Denken” ist ein Nonsens-Ausdruck! Er ist weder dazu gedacht noch dazu geeignet, einen neuen Topos jener heutigen Neuro-Rhetorik zu begründen, die sich so gerne von sich selbst faszinieren lässt. Man hat diesen Ausdruck deshalb auch sorgfältig in Anführungszeichen zu setzen, die gleichsam als intellektuelle Gitterstäbe fungieren und einen Ausbruch in die freie Wildbahn verhindern sollen.

Zusammenfassung der Kapitel

“Gehirngerechtes Denken”: Das Kapitel führt in die Thematik ein, kritisiert die pseudowissenschaftliche Rhetorik der modernen Hirnforschung in der Pädagogik und stellt den Begriff als Nonsens-Ausdruck dar.

Über Neuro-bullshitting in der Pädagogik: Dieser Teil analysiert den Kategorienfehler, der dem „gehirngerechten Lernen“ zugrunde liegt, indem er zwischen empirischen Seinsgebilden (dem Gehirn) und logischen Geltungsgebilden (dem Denken) differenziert.

Schlüsselwörter

Gehirngerechtes Lernen, Neuro-Pädagogik, Kategorienfehler, Hirnforschung, Pädagogik, Seinsgebilde, Geltungsgebilde, Erkenntnistheorie, Zerebralisierung, Neuro-Didaktik, Wissenschaftskritik, Erkenntnisinteresse, Subjektivität, Logik, Neuro-bullshitting

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit setzt sich kritisch mit der Übertragung neurobiologischer Konzepte auf pädagogische Fragestellungen auseinander und entlarvt das „gehirngerechte Lernen“ als wissenschaftlich unhaltbar.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung zwischen biologischer Hardware (Gehirn) und geistiger Leistung (Denken/Lernen) sowie die Kritik an der unreflektierten Anwendung bildgebender Verfahren auf komplexe kognitive Prozesse.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist der Nachweis, dass pädagogische Forderungen nach „Gehirngerechtigkeit“ auf fundamentalen Kategorienfehlern basieren und keine wissenschaftliche Legitimation besitzen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt eine erkenntnistheoretische und philosophische Analyse, um logische Inkonsistenzen in neurodidaktischen Diskursen aufzuzeigen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Differenzierung von Seinsgebilden und Geltungsgebilden und hinterfragt, ob das Gehirn überhaupt als Instanz für Wahrheit oder logische Gültigkeit herangezogen werden kann.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Neuro-Didaktik, Kategorienfehler, Gehirngerechtigkeit, Erkenntnistheorie und Wissenschaftskritik charakterisieren.

Warum hält der Autor den Begriff „gehirngerechtes Lernen“ für einen Kategorienfehler?

Weil er einem materiellen Gegenstand (Gehirn) Eigenschaften wie „Denken“ oder „Lernen“ zuschreibt, die nur durch ein bewusstes, handelndes Subjekt erbracht werden können.

Welche Rolle spielen bildgebende Verfahren in der Kritik des Autors?

Der Autor argumentiert, dass diese Verfahren lediglich Korrelate von Hirnaktivitäten zeigen, aber keine Aussagen über die logische Richtigkeit, Wahrheit oder Gültigkeit von Denkakten machen können.

Was fordert der Autor von der Pädagogik im Umgang mit der Hirnforschung?

Er fordert eine stärkere Besinnung auf pädagogische Grundfragen und ein selbstbewusstes Zurückweisen der Vereinnahmung durch eine unkritische Neurobiologie.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Gehirngerechtes Denken"
Untertitel
Über Neuro-bullshitting in der Pädagogik
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Allgemeine Pädagogik)
Autor
Dr. Holger Wille (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V178626
ISBN (eBook)
9783656006985
ISBN (Buch)
9783656006954
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gehirngerechtes denken neuro-bullshitting pädagogik
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Dr. Holger Wille (Autor:in), 2011, "Gehirngerechtes Denken", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178626
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Leseprobe aus  13  Seiten
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