Der Nationalstolz ist in vielen Ländern ein selbstverständliches Thema und eine Empfindung, die eher erwünscht als unerwünscht ist. Der unverkrampfte Umgang mit der eigenen Identität und den
Landesfarben ist beispielsweise in den USA eine Normalität. In jedem Vorgarten weht die amerikanische Flagge als Ausdruck eines gewissen Stolzes auf das eigene Land. Nicht nur in Übersee, sondern auch in Europa sind viele Nationen stolz auf sich, und stellen dies ohne
Übertreibung zur Schau. Die Bundesrepublik Deutschland bildet hierbei eine Ausnahme. Wer eine deutsche Fahne im Vorgarten stehen hatte, wurde kritisch beäugt und des latenten Rechtsextremismus beschuldigt. Die Deutschen waren möglicherweise ebenso stolz auf ihre Nation wie die Franzosen oder die Griechen, allerdings wurde die Zurschaustellung dieses Stolzes oftmals missbilligt.
In den letzten Jahren war diesbezüglich ein Wandel festzustellen und besonders beeindruckend wurde dieser Wechsel durch die WM 2006 dokumentiert. Die Deutschen bekannten sich zu ihren Farben und ihrer Identität, was im Ausland zu großen Teilen positiv aufgenommen wurde. Nun stellt sich die Frage, ob es einen neuen Nationalstolz gibt, und wovon dieser abhängen könnte.
Genau diese Thematik ist Fokus der vorliegenden Hausarbeit. Hierfür wird im ersten Teil der Datensatz des ALLBUS beschrieben, die Forschungsfrage erläutert und Hypothesen erstellt, bevor
es anschließend zur Klärung der Variablen kommt. Im Hauptteil der Arbeit kommt es zu einer Klärung der wichtigsten Methoden und Konzepte einer logistischen Regression, bevor diese dann
anschließend in mehreren Modellen Ergebnisse liefert. Nachdem das letzte Modell, welches alle verwendeten unabhängigen Variablen einschließt, interpretiert wurde, wird der Interaktionseffekt
behandelt. Abschließend werden die aufgestellten Hypothesen überprüft und ein Schlussfazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Der ALLBUS
2.1 ALLBUS 1996
2.2 ALLBUS 2006
2.3 Relevanz dieser Wellen
3 Forschungsfrage
3.1 Hypothesen
3.2 Variablen
3.2.1 abhängige Variable
3.2.2 unabhängige Variablen
3.3 deskriptive Statistik
3.3.1 Häufigkeitsauszählungen
3.3.2 Kreuztabellen
4 Logistische Regression
4.1 Theoretischer Hintergrund
4.2 Modelle
5 Schlussfolgerungen
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss verschiedener demografischer Merkmale auf die Empfindung von Nationalstolz in Deutschland. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwieweit sich das Stolzempfinden der Bevölkerung über die Zeit, konkret anhand der Daten der ALLBUS-Wellen 1996 und 2006, gewandelt hat und welche sozioökonomischen Faktoren diesen Prozess beeinflussen.
- Analyse des Einflusses demografischer Merkmale auf den Nationalstolz
- Vergleichende Untersuchung der ALLBUS-Datensätze von 1996 und 2006
- Anwendung der logistischen Regression zur Identifikation von Einflussfaktoren
- Überprüfung von Hypothesen zu Alter, Geschlecht, Bildung und Familienstand
- Untersuchung von Interaktionseffekten zwischen Bildung und Erhebungsjahr
Auszug aus dem Buch
3.1 Hypothesen
Hypothese 1: Jüngere Menschen besitzen ein höheres Risiko generell stolz Deutsche zu sein als ältere.
Es wird vermutet, dass ältere Menschen den Nationalsozialismus und deren Auswirkungen stärker in Erinnerung haben als jüngere, und sich der deutschen Vergangenheit schämen. Die Erfahrungen mit dem geteilten Deutschland könnten ebenfalls dazu führen, dass ältere Menschen weniger Nationalstolz empfinden. Jüngere Menschen hingegen dürften durch das hohe Ansehen und möglicherweise auch durch die sportlichen Erfolge Deutschlands einen unverkrampfteren Umgang mit dem Nationalstolz besitzen.
Hypothese 2: Frauen und Männer unterscheiden sich nicht in der Wahrscheinlichkeit Nationalstolz zu sein.
Die Vermutung liegt nahe, dass möglicherweise mehr Männer Nationalstolz empfinden, da sie durch die kameradschaftliche Erziehung und die Bundeswehr möglicherweise mehr an das Land denken als Frauen. Jedoch gibt es keinen offensichtlichen Grund, warum Frauen weniger Stolz auf ihre Nationalität sein sollten.
Hypothese 3: Je höher der allgemeine Schulabschluss, desto geringer ist das Risiko generell stolz deutsch zu sein.
Je höher der Bildungsabschluss, desto kritischer ist das Denken, und desto kritischer wird die Politik beurteilt. Dies könnte sich möglicherweise auf den generellen Stolz auswirken. Die Vermutung und das mediale Bild legen nahe, dass untere Bildungsschichten tendenziell eher extremere, oftmals rechtsextremere, Meinungen vertreten und somit einen höheren Nationalstolz empfinden.
Hypothese 4: Arbeitslose besitzen ein geringeres Nationalstolzrisiko als Berufstätige.
Arbeitslose, besonders Langzeitarbeitslose, sind oftmals frustrierter als berufstätige Menschen und unzufriedener mit dem Staat und dessen Unfähigkeit Vollbeschäftigung zu ermöglichen. Demzufolge erscheint es logisch, dass Arbeitslose eher weniger stolz sind, Deutsche zu sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einführung erläutert die Relevanz des Themas Nationalstolz im historischen Kontext der Bundesrepublik und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Der ALLBUS: Dieses Kapitel stellt die Datenbasis der Studie vor, erläutert die Struktur der ALLBUS-Erhebungen 1996 und 2006 sowie deren methodische Besonderheiten.
3 Forschungsfrage: Hier werden die zentralen Hypothesen aufgestellt, die zu untersuchenden Variablen definiert und erste deskriptive Einblicke in die Datensätze gegeben.
4 Logistische Regression: In diesem Teil erfolgt die statistische Modellierung mittels logistischer Regression, um die Zusammenhänge zwischen den demografischen Variablen und dem Nationalstolz zu quantifizieren.
5 Schlussfolgerungen: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, gleicht sie mit den eingangs formulierten Hypothesen ab und diskutiert mögliche Interpretationen der statistischen Befunde.
Schlüsselwörter
Nationalstolz, ALLBUS, logistische Regression, demografische Merkmale, quantitative Sozialforschung, Bildungsgrad, Deutschland, Zeitvergleich, Wahrscheinlichkeitsanalyse, soziologische Datenanalyse, Identität, Geschlechterunterschiede, Arbeitslosigkeit, politische Einstellung, Bevölkerungsbefragung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Faktoren, die das Stolzempfinden der Deutschen auf ihre Nation beeinflussen, unter besonderer Berücksichtigung demografischer und sozioökonomischer Unterschiede.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen der Zusammenhang zwischen individuellen Lebensumständen (wie Alter, Bildung, Familienstand) und dem Ausdruck von Nationalstolz in zwei verschiedenen zeitlichen Erhebungsperioden.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Studie?
Ziel ist es, empirisch zu prüfen, ob und wie demografische Variablen das Ausmaß an Nationalstolz bestimmen und ob sich dieses Empfinden zwischen 1996 und 2006 verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Datenauswertung herangezogen?
Die Arbeit nutzt die Methode der logistischen Regression, da die abhängige Variable "Nationalstolz" dichotom (ja/nein) kodiert wurde.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Datenbasis (ALLBUS), die deskriptive statistische Aufbereitung der Variablen und die anschließende multivariate Analyse durch Regressionsmodelle.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Zu den zentralen Begriffen zählen Nationalstolz, logistische Regression, der ALLBUS-Datensatz, Bildungseinfluss und der zeitliche Wandel der gesellschaftlichen Einstellungen.
Wie unterscheidet sich der Einfluss des Bildungsgrads auf den Nationalstolz?
Die Untersuchung zeigt, dass der Bildungsgrad einen signifikanten Einfluss ausübt; entgegen der Ausgangshypothese zeigt sich jedoch ein komplexer Zusammenhang, bei dem Bildung eine Rolle in der Art und Weise der Reflexion gegenüber dem eigenen Land spielt.
Welche Rolle spielt das Erhebungsjahr für die Ergebnisse?
Das Erhebungsjahr dient als Indikator für einen gesellschaftlichen Wandel; die Analyse zeigt deutliche Unterschiede im Stolzempfinden zwischen den Wellen von 1996 und 2006.
- Quote paper
- Steven Oklitz (Author), 2010, Nationalstolz 2.0 - Eine Studie über den Einfluss demographischer Merkmale auf die Empfindung von Nationalstolz anhand der Daten des ALLBUS 1996 und 2006, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178649