Geschlechterungleichheit


Essay, 2010

6 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Abschlussessay zur Geschlechterungleichheit

Wohin geht die Reise? Diese Frage in Bezug auf die Geschlechterungleichheit zu stellen, zeigt, dass diese Problematik ein dynamischer Prozess ist. Ein Prozess, welcher ständigen Entwicklungen unterworfen ist, und sich über die Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte wandelt. Daraus lässt sich ableiten, dass die Geschlechterungleichheit, so wie sie aktuell ist, nicht bleiben wird. Die Frage ist, ob sie sich verstärkt, oder ob sie abnimmt. Hierfür müssen die Eindrücke aus den vergangenen Seminaren aufgegriffen werden, um eine Antwort auf die erste Frage zu finden.

Im Rahmen des Seminars „ Geschlecht und soziale Ungleichheit “ wurde festgestellt, dass nachweislich eine Benachteiligung von Frauen im Erwerbsleben zu erkennen ist. Dies äußert sich darin, dass Frauen eine wesentlich geringere Erwerbsquote als Männer besitzen1, und dass sie bei gleicher Arbeit wesentlich weniger verdienen2. Zudem wurde festgestellt, dass die Gesellschaft die Muster der Geschlechterungleichheit immer wieder neu zu reproduzieren scheint, und somit das Denken über vermeintlich starke Männer und vermeintlich schwache Frauen weiterhin am Leben erhält. Auch im gleichberechtigten 21. Jahrhundert. Weiterhin wurde im Seminar herausgearbeitet, dass die unterschiedlichen Biographien von Frauen und Männern die Geschlechterdifferenzen eher verstärken als verringern. Hinsichtlich dieser Problematik wurden Lösungsansätze diskutiert, welche u.a. vom Staat oder der Gesellschaft an sich ausgehen müssten. Zudem wurden neue Tendenzen und Entwicklungen besprochen, u.a. die neuen Väter, welche vermeintlich mehr im Haushalt und bei der Erziehung mitwirken, und somit den Frauen etwas Reproduktionsarbeit abnehmen, damit diese wieder verstärkt in den Arbeitsmarkt drängen können. Nach Betrachtung all dieser Erkenntnisse, Modelle und Fakten kann jedoch keine endgültige Antwort auf die Frage gefunden werden, wohin denn nun die Reise der Geschlechterungleichheit geht. Lediglich eine Vermutung, kombiniert aus den gewonnenen Erkenntnissen des Seminars und subjektiven Meinungen und Eindrücken ist möglich und soll Gegenstand dieses Essays sein.

Wie schon in meinem ersten Essay kurz angedeutet, bin ich der Meinung, dass die Geschlechterungleichheit, wie sie heute existiert, nicht mehr lange anhalten wird. Die Entwicklungen der Arbeitsmarktzahlen und Angleichungen hinsichtlich des Lohnes stützen diese Behauptung auf den ersten Blick auch. Klenner bestätigt dies, wenn sie schreibt, dass es „Veränderungen in Richtung von mehr Egalität zwischen den Geschlechtern“ gibt3. Allerdings fügt sich auch einen zweiten, wesentlich wichtigeren Aspekt ein, welcher auch im Seminar besprochen wurde: die Angleichung der Frauen scheint nur bis zu einem bestimmten Punkt zu gelangen. Eine komplette Gleichheit wird es offensichtlich nie geben. Klenner erläutert dies an dem Beispiel der Führungskräfte, welche weiterhin vornehmlich männlich sind, obwohl Frauen deutliche Qualifikationsgewinne erlangen4. Frauen hängen somit nach wie vor in den unteren Hierarchieebenen5 fest, wogegen Männer die Führungspositionen besetzen. Nicht nur hier stockt die Emanzipation. Ganz besonders macht sich diese Tatsache darin fest, dass Frauen aus diesem Dilemma nicht herauszukommen scheinen, da sie an ihrer Biographie, welche die Geschlechterungleichheit zum großen Teil verstärkt, nicht viel ändern können. Während eine Geburt bei Männern eher positive Aspekte, wie eine Gehaltserhöhung oder eine Beförderung, mit sich bringt, wirkt sich ein Kind negativ auf das Erwerbsleben einer Frau aus. Dies ist ungerecht, da die Arbeit der Frau hinsichtlich der Erziehung keineswegs geringer anzusehen ist, als die Arbeit eines Mannes. Dadurch, dass Frauen nach wie vor den Hauptteil der Elternzeit in Anspruch nehmen, kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Geschlechterungleichheit in den nächsten Monaten weiter annähert. Allerdings sind die Voraussetzungen hierfür geschaffen und die Politik zeigt gute Ansätze um eine Annäherung weiter voranzutreiben. Bei allen staatlichen Einflüssen muss aber ein weiterer, wichtiger Aspekt berücksichtigt werden: die besten staatlichen Gesetze ändern nichts, solange es in der Gesellschaft keinen Wertewandel gibt. Hier ist festzustellen, dass sich die neue, junge Generation diesbezüglich langsam annähert. In vielen Bereichen ist eine Emanzipation festzustellen, welche vor ein paar Jahrzehnten noch unwahrscheinlich erschien. Zwar gibt es noch viele Anlaufschwierigkeiten und die Situation ist noch längst nicht so offen, wie sie sein sollte, doch es ist klar zu erkennen, dass Unterschiede, sowohl kultureller als auch geschlechtlicher Herkunft, verstärkt abnehmen. Es ist ein langwieriger Prozess, der für die benachteiligten Personen nicht einfach ist, aber ich denke, dass in der Bundesrepublik Deutschland gerade ein Umbruch stattfindet. Ein Umbruch, an dessen Ende eine multiethnische Gesellschaft steht, die in erster Linie nach Leistung schauen wird, und nicht nach Herkunft oder Geschlecht. Nachdem die gesellschaftlichen Normen der 50er und 60er Jahre eine deutliche Unterscheidung zwischen Männern und Frauen verstärkt hat, weichen diese Grenzen nun offensichtlich immer mehr auf.

[...]


1 Klenner (2002): Geschlechtergleichheit in Deutschland?, S. 18

2 Klenner (2002): Geschlechtergleichheit in Deutschland?, S. 19

3 Klenner (2002): Geschlechtergleichheit in Deutschland?, S. 27

4 Klenner (2002): Geschlechtergleichheit in Deutschland?, S. 27

5 Klenner (2002): Geschlechtergleichheit in Deutschland?, S. 19

Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Geschlechterungleichheit
Hochschule
Universität Rostock  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Geschlecht und soziale Ungleichheit
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
6
Katalognummer
V178651
ISBN (eBook)
9783656007586
Dateigröße
420 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
geschlechterungleichheit
Arbeit zitieren
Steven Oklitz (Autor), 2010, Geschlechterungleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178651

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