Goodwill - Was steckt dahinter?


Seminararbeit, 2010

48 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Forschungsfragen
1.2. Gang der Untersuchung
1.3. Stand der Forschung

2. Vorüberlegungen
2.1. Begriff und Arten des Goodwill
2.2. Berechnung des Goodwill
2.3. Bilanzierung nach US-GAAP vor 2001
2.4. Bilanzierung nach US-GAAP nach 2001
2.5. Risiken der Reformen für Unternehmen und Anleger
2.6. Beeinflussende Faktoren
2.7. Komponenten

3. Eigene empirische Untersuchungen
3.1. Allgemeine Auswertung
3.2. Branchenbetrachtung
3.3. Faktorenanalyse

4. Zusammenfassung

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Webseitenverzeichnis

Anhang

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Eine Vielzahl an Firmenübernahmen bestimmt unser Wirtschaftsbild, unter anderem mit der Intention, sich einen Vorteil gegenüber seiner Konkurrenz zu verschaffen. Bekanntermaßen tragen bei „Mergers & Aquisitions“ (M&A) gewonnene Vermögensgegenstände zur Wertschöpfung des Käufers bei. Die Ziele gestalten sich dabei vielfältig. Neben finanziellen Aspekten spielen dabei sowohl die Erschließung neuer Märkte als auch der Zugewinn an Know-How eine wichtige Rolle.

Es stellt sich allerdings die Frage, warum eine Vielzahl an Unternehmen bereit ist, einen Kaufpreis zu zahlen, der teilweise deutlich über den Werten der Bilanzen liegt. Bei der Übernahme von „THE GILLETTE COMPANY“ durch „PROCTER&GAMBLE COMPANY“ beispielsweise wurde ein Aufpreis von 35,5 Mrd. Dollar bei einem Gesamtkaufpreis von etwa 53,4 Mrd. Dollar gezahlt.1 Diese Differenz entspricht einem Aufschlag von rund 298%. Goodwill nimmt somit einen immer größeren Stellenwert in den Bilanzen der „kaufenden Unternehmen“ ein2. Um ein besseres Verständnis für diese Thematik zu gewinnen, ist es insbesondere wichtig diese Differenz und deren Zusammensetzung zu analysieren.

1.1. Forschungsfragen

Die nachfolgenden Untersuchungen setzen sich mit differierenden Forschungsfragen auseinander: Was verbirgt sich zunächst einmal hinter dem Begriff Goodwill? Welche Rolle spielt er für Unternehmenszusammenschlüsse und lässt sich eine wachsende Bedeutung feststellen? Wie groß ist sein Anteil am Kaufpreis? Gibt es Unterschiede zwischen einzelnen Branchen und wie groß fallen eventuelle Schwankungen aus? „In den letzten Jahren bis zu Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 haben die Anzahl der Unternehmenszusammenschlüsse und damit zusammenhängend der daraus resultierende Goodwill stetig zugenommen“3, so DOMINIKA GÖDDE (2010). Der Wirtschaftsprüfer und Unternehmer GIORGIO BEHR (2005) ist der Auffassung, dass die „früher[e] von Produktionsunternehmen geprägte Denkweise wenig Raum für die Aktivierung von Goodwill [biete]“4.

Aber wie kann es zu solchen Entwicklungen kommen? Welche Faktoren beeinflussen den Geschäftsmehrwert in diesem Maße? Aufschluss bietet dabei die nun folgende wissenschaftliche Arbeit.

1.2. Gang der Untersuchung

Zunächst beschäftigt sich diese Studie mit dem Stand der Forschung. Im Weiteren werden grundlegende Begriffe und sich stellende Fragen geklärt, die sich im Zusammenhang mit der Thematik ergeben. Als Basis der empirischen Forschung dienen die Jahresabschlüsse 100 US-amerikanischer Unternehmen, die die größten Unternehmenszusammenschlüsse in einem Zeitraum zwischen 2001 und 2008 verursachten. Diese Geschäftsberichte wurden jeweils nach konkreten Übernahmen bezüglich Kaufpreis und der Höhe des dazugehörigen Goodwills untersucht. Weiterhin wurde das prozentuale Verhältnis des Goodwill zum Kaufpreis, seine durchschnittliche Höhe sowie mögliche kausale Faktoren analysiert. Anschließend fand eine Prüfung der sekundären Daten auf Zusammenhänge beziehungsweise Gemeinsamkeiten statt.

1.3. Stand der Forschung

Es liegen zahlreiche empirische Studien zur Bilanzierung von Goodwill vor, insbesondere im internationalen Bereich. Die Auswirkungen der neuen Regelungen des FASB (Organisation für internationale Rechnungslegungsvorschriften) von 2001 sind allerdings noch relativ unerforscht.5 Diese Studien haben Goodwill von einer Vielzahl an Perspektiven betrachtet. Einerseits untersuchten sie, vor allem in früherem Stadium, die Berichterstattung und das Rechnungswesen „(EMERY 1951; MILLER, 1973; COLLEY and VOLKAN, 1988; MA and HOPKINS, 1988)”.

WALKER (1938), NELSON (1953) und GYNTHER (1969) analysierten den Goodwill andererseits als einen wichtigen Faktor zukünftiger Einnahmen.

Weitere Untersuchungen betrachten ihn aus der Sicht des Erwerbers und sehen darin einen wertrelevanten Bestandteil eines Unternehmens „(CHAUVIN AND

HIRSCHEY, 1994; MCCARTHY and SCHNEIDER, 1995; JENNINGS, ROBINSON, THOMPSON,

and DUVALL, 1996; and VINCENT, 1997)“.6

WATTS (2003a,b) argumentiert, dass die Bewertung aller identifizierbarer Vermögenswerte, wie sie von SFAS 142 gefordert wird, Manipulationspotential durch das Management bieten würde. Definiert man Goodwill als Marktwert des Eigenkapitals abzüglich des Buchwertes des Nettovermögens, so folgt daraus, dass der Goodwill, um das Ausmaß der Unterbewertung der Buchwerte, höher ausfällt.7 Die Finanzpresse stellt sich hierbei außerdem die Frage, inwiefern die Zeitwerte des Geschäftsmehrwertes objektiv ermittelt werden.8

Bedeutend, insbesondere für diese wissenschaftliche Arbeit, sind die Untersuchungen von HENNINGS, LEWIS und SHAW. Sie greifen die Arbeiten von JENNINGS et al. (1996) und VINCENT (1996) auf, die sich mit der Wertrelevanz von angeeignetem Goodwill und seiner Abschreibung auseinandersetzen. Die Autoren analysierten die Bewertung und Bemessung einzelner Komponenten des Goodwills. Als Grundlage dienten ihnen 1576 Übernahmen in einem Zeitraum von 1990 bis 1994. Sie stellten unter anderem fest, dass das Synergiepotential einen großen Stellenwert einnehme, während hingegen die RESID, die Rest-Komponente, scheinbar zu vernachlässigen sei, da sie im selben Jahr abgeschrieben werde.9

Eine aktuelle Untersuchung zum Thema lieferten EALES und ABBEY (2009). Ihre Studie nimmt Bezug auf die Relevanz von Goodwill und betrachtet indessen einzelne Industriezweige näher. Sie werteten im Namen von ERNST&YOUNG 709 Transaktionen in 21 Länder von 13 Branchen aus dem Jahr 2007 aus und identifizierten im Durchschnitt 47% Goodwill am Unternehmenswert dieser Übernahmen. Die Spanne unter den Branchen reicht dabei von 65% bei Konsumprodukten bis hin zu 30% in der Öl - und Gasindustrie.10

2. Vorüberlegungen

2.1. Begriff und Arten des Goodwill

Die treffendsten Übersetzungen für diese Bezeichnung aus betriebswirtschaftlicher Sicht lauten „geschäftliches Ansehen“ bzw. „imaginärer Geschäftswert“. Aus ökonomischer Sicht handelt es sich dabei um einen immateriellen Vermögenswert, der intern generiert bzw. als Teil einer Akquisition von einer anderen Firma erworben werden kann.11 Lord MACNAGTHEN sieht in ihm einen Vorteil eines etablierten Unternehmens in Bezug auf Beziehungen und Ansehen gegenüber einem neugegründeten Unternehmen.12 Es handelt sich also um einen Nutzeffekt, der den der materiellen Werte übersteigt. „Ökonomisch handelt es sich beim Goodwill um den Mehrwert eines Unternehmens über den Wert seiner Substanz hinaus“, so WOLFGANG SCHULTZE (2005).13

Klassifizieren lässt sich der Mehrwert in den derivativen und originären Goodwill. Von letzterem spricht man, wenn er selbst geschaffen und nicht mit Hilfe von Unternehmensakquisitionen angeeignet wird. Entstehen kann der originäre Goodwill auf Grund vieler verschiedener unternehmensspezifischer Faktoren. SCHMIDT unterteilt diese in zwei Aspekte. Einerseits gliedert er sie in unternehmensbezogene wie z.B. eine überlegene Strategie, Erfahrung, Know-How oder auch Teamgeist. Andererseits unterscheidet er in umweltbezogene Faktoren wie beispielsweise eine „dominante Marktstellung“, „gute Beziehungen zu Lieferanten“ und das „Vertrauen der Kreditgeber“.14

Der derivative Goodwill entsteht nach INGO SCHMIDT (2007) durch den entgeltlichen Erwerb eines Unternehmens.15 Er ergibt sich aus der Differenz der Anschaffungskosten abzüglich des Substanzwertes.16 Somit drückt er in gewisser Weise den wirtschaftlichen Vorteil aus, den sich der Käufer von der Übernahme erhofft. Beeinflusst wird diese Größe von den subjektiven Erwartungen sowie der Verhandlungsposition und dem Verhandlungsgeschick des Käufers.17

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Aufbau der Anschaffungskosten

(Quelle: SCHMIDT, I. (2007), S.148)

In seiner unerwünschten Form wird er als „Badwill“ bzw. negativer Goodwill bezeichnet. In diesem Fall ist der Ertragswert kleiner als der Substanzwert. Gründe hierfür können neben einer schlechten Organisation und unqualifiziertem Personal auch eine schlechte Stellung am Markt sein.18 „[Ihm] (liegen) [somit] mehrheitlich solche Elemente zugrunde, die künftige Aufwendungen oder Verluste erwarten lassen.“19 Des Weiteren kann „auch die Ausübung von Bilanzierungswahlrechten, wie z.B. die Berücksichtigung variabler Anschaffungskosten oder die Einbeziehung von Eventualverbindlichkeiten“ zu einem negativen Goodwill führen.20

Zur Entstehung eines Lucky Buy kommt es auf Grund einer „positiven Verhandlungsposition [seitens] des Käufers“.21 Man spricht in diesem Fall auch von einem „guten Deal“ für den Käufer. Somit ist sein Kaufpreis geringer als sein Grenzpreis. Ein so ebenfalls generierter negativer Goodwill kann damit, neben dem Verhandlungsgeschick des Erwerbers, auch aus einem Notverkauf wegen mangelnder Liquidität resultieren.22

Grundlage für die folgende wissenschaftliche Arbeit wird die Definition des Goodwills als Geschäftsmehrwert sein. Des Weiteren wird er insbesondere in Form des derivativen Goodwills von Bedeutung sein, da Unternehmenszusammenschlüsse das Kernelement der Studie bilden.

2.2. Berechnung des Goodwill

Im August 2008 übernahm die POTOMAC ELECTRIC POWER COMPANY für rund 2,2 Mrd. Dollar CONCECTIV INC. Ein Blick auf den Geschäftsbericht von 2008 genügt, um einige Besonderheiten festzustellen. Der Kaufpreis von 2,2 Mrd. Dollar setzte sich zu 64,27% aus Goodwill zusammen, was sich in einer absoluten Höhe von rund 1,4 Mrd. Dollar widerspiegelt.23

Dem Goodwill wird stetig mehr Bedeutung beigemessen was auch ERNST & YOUNG (E&Y) (2009) bestätigten. Demnach macht der Goodwill bei Akquisitionen fast die Hälfte des Unternehmenswertes aus.24

Was jedoch rechtfertigt seine Höhe und wie berechnet sich der Goodwill?

Anhand der untenstehenden Grafik wird ersichtlich, dass zunächst bei dem übernommenen Unternehmen die Zeitwerte aller Vermögensgegenstände bestimmt werden müssen. Von diesen wiederum sind die Zeitwerte der Schulden abzuziehen. Der daraus resultierende Betrag wird Substanzwert einer Unternehmung genannt. Liegen im Zuge einer Akquisition die Anschaffungskosten über diesem Substanzwert, wird von Goodwill gesprochen.25 Der Goodwill wird somit als „Residualgröße ermittelt“.26

Maßgeblich hierfür sind zukünftige Ertragsaussichten, die einen Geschäfts- oder Firmenwert (GoF) rechtfertigen könnten. Exemplarisch hierfür sind die Marktposition oder Synergieeffekte zu nennen.27

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Berechnung des Goodwills

(in Anlehnung an: WÖHE, G. (2002), S. 1031)

2.3. Bilanzierung des Goodwill nach US-GAAP vor 2001

Die erste Modifikation der Goodwill-Bilanzierung fand 1944 statt. Nach den Accounting Research Bulletin (ARB) 24 wurde die Aktivierung des selbst geschaffenen, dass heißt originären Goodwill, untersagt. Die nächste signifikante Änderung fand 1953 statt. Nach ARB 43 wurde für Goodwill mit beschränkter Nutzungsdauer eine planmäßige Abschreibung festgeschrieben und für Goodwill mit unbeschränkter Nutzungsdauer ein Werthaltigkeitstest eingeführt. Weiterhin wurde die „Pooling-of-Interets-Methode“ (PoI) implementiert.28

Nach der PoI-Methode „werden [bei der Übernahme eines Unternehmens] die Vermögensgegenstände und Schulden des Tochterunternehmens in den Konzernabschluss zu ihren Buchwerten übernommen“.29 „Die Bilanzen der beiden Unternehmen werden (…) aufaddiert“30 und es entsteht der Eindruck als hätte der „Zusammenschluss (…) von Anfang an bestanden“.31 Gemäß TUMP und GROSS „wird [so] eine negative Ergebnisauswirkung vermieden“, da ein Goodwill erst gar nicht entsteht. Das „Accounting Principle Board“ 16 und 17 beschloss schließlich 1970, dass der Goodwill „planmäßig über eine Nutzungsdauer von maximal 40 Jahren [abgeschrieben wird]“.32

2.4 Bilanzierung des Goodwill nach US-GAAP seit 2001

Die Bilanzierung des Goodwills nach US-GAAP wurde im Juni 2001 wesentlich reformiert. Das US-amerikanische Financial Accounting Board (FASB) veröffentlichte die Erklärungen Statement of Financial Accounting Standards SFAS 141 “Business Combinations” und SFAS 142 “Other Intangible Assets”.33 DR. WOLFGANG SCHULTZE (2005) beschreibt diese Änderungen sogar als „revolutionär“: „With its standards FAS 141 and 142 the Financial Accounting Standard Board has revolutionized the accounting for business combinations.“34

SFAS 141 reguliert den Erstansatz und SFAS 142 die Folgebewertung. Beide Artikel sind Teil der US-GAAP und somit maßgeblich für alle Unternehmen.35 Nach SFAS 141 besteht für den originären Goodwill weiterhin ein Ansatzverbot36, während der derivative, käuflich erworbene Goodwill aktiviert werden muss.37 Weiterhin wurde die bereits angesprochene planmäßige Abschreibung durch den Impairment-Only-Approach abgelöst38, der ein zwei-stufiges Werthaltigkeitsverfahren für die Folgebewertung vorsieht.39 Im Zuge der Abschaffung der planmäßigen Abschreibung wurde auch die PoI-Methode verboten.40

Die Artikel SFAS 141 und 142 beziehen sich auf alle Unternehmenszusammenschlüsse.41 Richtungweisend hierfür ist der Artikel SFAS 141.9, der einen Unternehmenszusammenschluss folgendermaßen definiert: „a business combination occurs when an entity acquires net assets that constitue a business or acquiers equity interests of one or more other entities and obtain control over that entity or entities“.42 Nach dieser Auslegung sind sowohl „share deals“ , bei denen der Käufer Anteile des zu übernehmenden Unternehmens erwirbt, als auch „assett deals“, bei denen sämtliche Wirtschaftsgüter übernommen werden, als „business combinations“ anzusehen.43

Artikel SFAS 142 regelt, wie angesprochen, die Folgebewertung der Goodwill- Bilanzierung. Eine Abschreibung ist nur dann zulässig, wenn die Höhe des Goodwills nicht mehr werthaltig ist. Nach der „Impairment-Only-Approach“ Methode wird der Goodwill bei der erstmaligen Bilanzierung auf sogenannte Reporting Unit verteilt.44 Diese Reporting Units sind Teilbereiche eines Unternehmens, die einen ökonomischen Nutzen aus dem Unternehmenszusammenschluss ziehen.45

Der Zeitpunkt des Impairment-Tests muss nicht mit dem Bilanzstichtag übereinstimmen und kann somit nach SFAS auch während des Geschäftsjahres durchgeführt werden. Der festgelegte Termin muss dabei jedoch jährlich beibehalten werden. Ist eine Wertminderung abzusehen, beispielsweise durch eine weitere Akquisition, Freisetzen von Mitarbeitern oder verstärkten Wettbewerb auf dem Markt, muss eine Prüfung zeitnah durchgeführt werden.46

Im ersten Schritt des Impairment-Tests wird überprüft, ob der Goodwill noch werthaltig ist. Eine Möglichkeit, einen Wertverlust festzustellen, ist der Vergleich vom Fair Value, dem beizulegenden Zeitwert, der Reporting Unit mit deren Buchwert inklusive des Goodwills. Ist der Fair Value hier niedriger, liegt eine Wertminderung vor, andernfalls gilt der Goodwill in seinem Wert bestätigt. Die Ermittlung des Zeitwerts der Reporting Unit erfolgt anhand des derzeitigen Marktpreises. Der Marktpreis wäre dann der Preis, der erzielt werden würde, wenn die gesamte Reporting Unit verkauft würde: „Thus, the fair value of a reporting unit refers to the amount as which the unit as a whole could be bought or sold in a current transaction between willing parties“.47 Auf der zweiten Stufe wird der Fair Value des Goodwills der Reporting Unit mit dem Buchwert des Goodwills verglichen. Liegt hierbei der Fair Value unter dem Buchwert des Goodwills, so ist eine Abschreibung notwendig und zwar in Höhe der Abweichung des Zeitwerts vom Buchwert.48

Eine außerplanmäßige Abschreibung ist bis auf null möglich49, eine Wertaufholung hingegen ist nicht zugelassen.50

Die untenstehende Grafik zeigt nun zur besseren Veranschaulichung die zwei angesprochenen Stufen des Impairment-Only-Approaches.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Zweistufiger Werthaltigkeitstest nach SFAS 142 (Quelle: GROSS, O. / TUMP, A. (2001), S.316)

2.5. Risiken der Goodwill-Reform für Unternehmen und Anleger

Mit der Reformierung der Goodwill-Bilanzierung von 2001 sind auch einige Risiken für das bilanzierende Unternehmen sowie für Anleger entstanden. Die Abschaffung der planmäßigen Abschreibung über eine bestimmte Nutzungsdauer bedeutet gleichzeitig Planungsunsicherheit, da die Abschreibungsbelastung nicht eingeschätzt werden kann. Nach dem „Worst-Case-Szenario“ kann die Höhe der Abschreibung den gesamten Goodwill vernichten. Besonders problematisch wird es für Unternehmen, die kürzlich Akquisitionen getätigt haben und nun nach US-GAAP bilanzieren müssen. Liefert der bereits angesprochene Impairment-Test das Ergebnis, dass der Goodwill nicht mehr werthaltig ist, so muss eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen werden.51

Laut ERNST&YOUNG (2009) kann sich dies wiederum maßgeblich auf das Vertrauen der Anleger und die finanzielle Situation des Unternehmens auswirken.52 Das Unternehmensergebnis wird somit schwer zu prognostizieren. MATSCHKE und BRÖSEL (2006) formulierten es zutreffend: „Der GoF ist eine Bilanzposition, die Fehldeutungen und Spekulationen geradezu heraufbeschwört“.53 In Deutschland wäre insbesondere die Allianz SE von einer „Adaption“ der US-GAAP zum Zeitpunkt der Bilanzierungsreform betroffen gewesen, da das Unternehmen allein für die Übernahme von PIMCO und NICHOLAS APPLEGATE 3,8 Mrd. Euro Goodwill zahlte.54

Eine weitere Statistik zeigt die prozentuale Höhe der Goodwill-Abschreibung im Vergleich zu den gesamten Abschreibungen des Unternehmens EVOTEC AG. Auch diese Tabelle verdeutlicht eventuelle Nachwirkungen der Bilanzierungsreform.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Geschäfts- oder Firmenwert-Abschreibungen zu den gesamten Abschreibungen (Quelle: KÜTING, K (2005), S.2757 ff.)

Das in Hamburg ansässige Biotechnologie-Unternehmen EVOTEC AG schrieb rund 89 Mio. Euro vom Anlagevermögen ab. Gleichzeitig wurden vom GoF 59 Mio. Euro abgeschrieben.55 Auch diese Tabelle verdeutlicht eventuelle Nachwirkungen der Bilanzierungsreform.

Ein weiteres interessantes Beispiel ist die Firma TIME WARNER, die auf dem Höhepunkt der „Dot-Com-Krise“ insgesamt 54 Mrd. US-Dollar unter den damals neuen Bilanzierungsvorschriften auf die Übernahme von AOL vom Goodwill abschreiben musste.56

Bisher konnten die Unternehmen durch eine „lange Abschreibungsdauer [den Goodwill] ergebnisschonend bilanzieren“, um auch so neue Anleger zu akquirieren. Laut ZIELKE und STOFFEL (2001) lässt sich jedoch „langfristig von einem positiven Effekt auf das Akquisitionsverhalten von Unternehmen ausgehen“, auch wenn die Abschreibung kurzfristig zunächst „erhebliche Auswirkungen hat“.57

[...]


1 Geschäftsbericht PROCTER & GAMBLE COMPANY (2006).

2 GÖDDE, D. (2010), S.3.

3 Ebd., S.2.

4 Vgl. BEHR, G. (2005), S.341.

5 Vgl. ALKA, B. (2008), S.66.

6 Vgl. CHURYK, N. / MANTZKE, K. (2008), S.19.

7 Vgl. WATTS, ROSS L. (2003b), S.288.

8 Vgl. WATTS, ROSS L. (2003a), S.219.

9 Vgl. HENNING, S. / LEWIS, B. / SHAW, W. (2000), S.375-386.

10 Vgl. EALES, J. / ABBEY C. (2009), S.1-6.

11 Vgl. BALDI, F. / TRIGEORGIS, L. (2009), S.115.

12 Vgl. OBERMÜLLER, A. (1999), S.6 f.

13 SCHULTZE, W. / HIRSCH, C. (2005), S.123.

14 PFAUTH, A. (2008), S.11.

15 Vgl. SCHMIDT, I. (2007), S. 60.

16 Vgl. ebd.

17 Vgl. ebd.

18 THOMMEN, J. (2008), S.562.

19 SCHMIDT, I. (2007), S.61.

20 ALKA, B. (2008), S.7.

21 HAAKER, A. (2008), S.406.

22 Vgl.PFAUTH, A. (2008), S.20.

23 Vgl. Geschäftsbericht POTOMAC ELECTRIC POWER COMPANY (2008).

24 Vgl. ERNST&YOUNG (Hrsg.) (2009), S.3

25 Vgl. WÖHE, G. (2002), S.1030 & SFAS 141.43.

26 Vgl. KÜHNBERGER, M. (2005), S. 677-683.

27 Vgl. WÖHE, G. (2002), S.1030.

28 Vgl. KÜTING, K. (2005), S. 2757 - 2765.

29 Vgl. WÖHE, G. (2002), S.1034.

30 Vgl. TUMP, A. / GROSS, O. (2001), S.316

31 Vgl. WÖHE, G. (2002), S.1034.

32 Vgl. KÜTING, K. (2005), S. 2757 - 2765.

33 Vgl. BALLWEISER, W. (2005), S.273.

34 Vgl. SCHULTZE, W. (2005), S.1.

35 Vgl. BALLWEISER, W. (2005), S.275.

36 Vgl. Abschnitt 2.3

37 Vgl. SFAS 141.

38 Vgl. HAYN, C. / HUGHES, P. (2006), S.227.

39 Vgl. KIRSCH, H. (2003), S. 793-800

40 Vgl. KÜTING, K. (2005), S. 2757 - 2765.

41 Vgl. BALLWIESER, W. (2005), S.275.

42 Vgl. SFAS 141.9.

43 Vgl. BALLWIESER, W. (2005), S.275.

44 Vgl. HAYN, C. / HUGHES, P. (2006), S.227.

45 Vgl. SFAS 142.30 & Vgl. PFAUTH, A. (2007), S.78.

46 Vgl. HARR, U. (2003), S.19 f. & Vgl. SFAS 142.26-29.

47 Vgl. Nestler, A./Thuy.M (2002), S.171

48 Vgl. PFAUTH, A. (2007), S. 98 f.

49 Vgl. SFAS 142.20 & Vgl. PFAUTH, A. (2007), S. 98

50 VGL. BLOOM, M. (2009), S. 5

51 Vgl. STOFFEL, C. / ZIELKE, C. (2001), S.1456

52 Vgl. ERNST&YOUNG (Hrsg.) (2000) S. 2

53 VGL. MATSCHKE/BRÖSEL (2006) S.423 ZITIERT NACH KÜTING, K. (2005)

54 Vgl. STOFFEL, C. / ZIELKE, C. (2001), S.1456

55 Vgl. KÜTING, K. (2005), S. 2757 - 2765.

56 Vgl. Manager Magazin (2002), S.1

57 Vgl. STOFFEL, C. / ZIELKE, C. (2001), S.1456

Ende der Leseprobe aus 48 Seiten

Details

Titel
Goodwill - Was steckt dahinter?
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre)
Veranstaltung
Aqua - Mentorenprogramm
Note
1,3
Autoren
Jahr
2010
Seiten
48
Katalognummer
V178692
ISBN (eBook)
9783656008811
ISBN (Buch)
9783656011897
Dateigröße
945 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Verfasst von Johann Hacker und Michael Graßmann. Studenten der Wirtschaftswissenschaften im 5. Semester an der Technischen Universität zu Dresden.
Schlagworte
Goodwill, Bilanzierung, Berechnung, Firmenwert, GoF
Arbeit zitieren
Michael Graßmann (Autor)Johann Hacker (Autor), 2010, Goodwill - Was steckt dahinter?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178692

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