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An der Schwelle zwischen Progression und Regression

Eine psychoanalytische Betrachtung der Figur Elis Fröbom in E.T.A. Hoffmanns "Die Bergwerke zu Falun"

Titel: An der Schwelle zwischen Progression und Regression

Hausarbeit , 2025 , 19 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: David Schonauer (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die deutsche romantische Literatur ist von einer Spannung zwischen rationaler Alltagswelt und subjektiver Imagination geprägt. Diese Spannung zeigt sich besonders in den Figuren E. T. A. Hoffmanns, deren ausgeprägte Vorstellungskraft sie in Konflikt mit ihrem sozialen Umfeld bringen und eine gesellschaftliche Integration erschweren kann. Auch in "Die Bergwerke zu Falun" ist dieser Konflikt für die Figurenkonstitution des Protagonisten Elis Fröbom zentral. Die Gegenüberstellung von irdischer und unterirdischer Welt spiegelt dabei seinen inneren Konflikt wider. Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern sich Elis’ innere Zerrissenheit nicht nur als Spannungsverhältnis zwischen Introversion und gesellschaftlicher Integration, sondern auch als Konflikt zwischen Progression und Regression interpretieren lässt. Auf der Grundlage ausgewählter psychoanalytischer Konzepte Sigmund Freuds wird analysiert, welche Bedeutung die beiden Welten für Elis’ psychische Entwicklung besitzen und inwiefern sein Weg in die Unterwelt als regressive Bewegung gedeutet werden kann.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Psychische Disposition

Andeutung des Konflikts

Zwei Lebensmodelle: Oberwelt und Unterwelt

Die Stabilisierung der Oberwelt

Die Übermacht der Unterwelt

Scheitern der Vermittlung

Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht aus psychoanalytischer Perspektive, inwiefern die raumstrukturelle Gegenüberstellung von Oberwelt und Unterwelt in E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Bergwerke zu Falun“ den inneren Konflikt des Protagonisten Elis Fröbom widerspiegelt.

  • Psychologische Disposition und ungelöste Mutterfixierung des Protagonisten Elis Fröbom nach dem Verlust seiner Mutter
  • Die symbolische Funktion der Raumstrukturen als Ausdruck von Regression und Progression
  • Psychoanalytische Deutung der Traumsequenz und der darin enthaltenen weiblichen Archetypen (Jungfrauen und Bergkönigin)
  • Die Konfrontation zwischen den Lebensmodellen der Oberwelt (soziale Integration und Autonomie) und der Unterwelt (Regression und Selbstauflösung)
  • Das Scheitern der Vermittlung zwischen den inneren Konfliktparteien und die Unfähigkeit zur Autonomiebildung

Auszug aus dem Buch

Die Stabilisierung der Oberwelt

Elis treibt es also nach Falun. Dort begegnet er dem Bergmann Pehrson Dalsjö, der Elis mit offenen Armen bei sich aufnimmt. Er wird früh zu einer Vaterfigur für Elis und unterstützt ihn in seinen Fertigkeiten um die Künste des Bergbaus. Erinnert man sich an Elis‘ Schilderungen seiner Kindheit, fällt auf, dass Pehrson als eine Art Ersatzvater fungiert, der Elis das bietet, was ihm in der Vergangenheit verwehrt geblieben ist: Soziale Integration. Interpretiert man psychoanalytisch, könnte man sagen, dass Pehrson ein väterliches Identifikationsangebot verkörpert, welches Elis während seiner Kindheit nicht zuteilwurde. So kommt Elis als ein umsorgtes Kind im Körper eines jungen Mannes nach Falun und bekommt durch Pehrson einen schützenden Begleiter, der ihm den Weg ebnet, sich nachträglich zu emanzipieren. Dass Elis dieses Angebot anzunehmen versucht und in Falun bleibt, erscheint verwunderlich, da Elis während der Feierlichkeiten des Hönsning eine Integration in eine Gemeinschaft noch entschieden abgelehnt hat. Eine weitere, noch stärkere Motivation für Elis, nicht nach Götaborg zurückzukehren stellt zudem die Jungfrau Ulla Dalsjö dar. Die Präsenz von Pehrson bewegt Elis bereits, seine Pläne der Heimkehr vorübergehend zu verschieben und an der Schwelle der Haustür seines Hauses zu warten. Aber erst als Ulla den Raum betritt, „[ist] es ihm, als schlüge ein Blitz durch sein Innres und entflammte alle Himmelslust, allen Liebeschmerz – alle Inbrunst die in ihm verschlossen“ (BF: 21). Diese Beschreibung erinnert an Elis‘ Begegnung mit den Jungfrauen während seines Traumes. Nicht nur stützt diese Parallele den Ansatz der Jungfrauen als Vertreter von Ulla, sondern spiegelt auch einen Kontrast zu Elis zu Beginn der Handlung wider. Das bereits im Traum auftretende Interesse an einer Frau seiner Generation spiegelt den Wunsch nach Progression, also nach einer erwachsenen Liebesbeziehung wider. Schenkt man den erarbeiteten Tendenzen zu einer Mutterfixierung Glauben, ist hier ein Fortschritt für Elis erkennbar. Die Progression tritt in einen Konflikt mit den regressiven Tendenzen. So verkörpern Pehrson und Ulla als Vertreter der Oberwelt neben sozialer Integration auch das Potential zur Autonomiefindung von Elis. Der bestätigende Umgang mit ihm stellt die Stärkung Elis‘ eigenen Selbst dar und fördert seine eigenständige Handlungsbereitschaft.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Arbeit führt in die romantische Zerrissenheit der Figuren bei E.T.A. Hoffmann ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Spiegelung des inneren Konflikts von Elis Fröbom durch die Raumstruktur in „Die Bergwerke zu Falun“.

Psychische Disposition: Es wird analysiert, wie Elis nach dem Tod seiner Mutter in eine schwere psychische Desorientierung gerät, die auf einer ungelösten, libidinös besetzten Mutterfixierung und dem Ausbleiben einer erfolgreichen Triangulierung beruht.

Andeutung des Konflikts: Die Begegnung mit dem alten Bergmann und die anschließende Traumsequenz werden als Vorwegnahme der inneren Zerrissenheit zwischen verdrängten Wünschen und regressiven Tendenzen gedeutet.

Zwei Lebensmodelle: Oberwelt und Unterwelt: Die Arbeit untersucht die beiden gegenläufigen Pole im Werk, wobei die Oberwelt durch Pehrson und Ulla für soziale Integration und Autonomie steht, während die Unterwelt die Introversion und Regression repräsentiert.

Die Stabilisierung der Oberwelt: Dieser Abschnitt beleuchtet Elis' Versuche, sich durch die Vaterfigur Pehrson und die Beziehung zu Ulla in der Gemeinschaft zu etablieren und einen schrittweisen Autonomieprozess zu durchlaufen.

Die Übermacht der Unterwelt: Es wird dargelegt, wie die Bergkönigin und die Tiefe des Bergwerks als Symbole für frühkindliche Regression und mütterlichen Schutzraum dienen, denen Elis aufgrund seiner mangelnden Durchsetzungsfähigkeit schließlich erliegt.

Scheitern der Vermittlung: Die Unfähigkeit des Protagonisten, seine regressiven Wünsche mit den Anforderungen der realen Lebenswelt zu vereinbaren, gipfelt in seinem finalen Untergang in den Tiefen des Bergwerks.

Fazit: Das Schlusskapitel fasst zusammen, dass Elis nicht an äußeren Umständen scheitert, sondern an seiner eigenen Unfähigkeit, die inneren Konflikte zwischen Progression und Regression zu integrieren.

Schlüsselwörter

E.T.A. Hoffmann, Die Bergwerke zu Falun, Psychoanalyse, Sigmund Freud, Elis Fröbom, Mutterfixierung, Regression und Progression, Romantische Literatur, Raumstruktur, Oberwelt und Unterwelt, Identitätsdiffusion, Ödipale Ablösung, Tiefenpsychologie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit widmet sich einer literaturwissenschaftlichen und psychoanalytischen Untersuchung von E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Die Bergwerke zu Falun“ mit speziellem Fokus auf die Hauptfigur Elis Fröbom.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Im Mittelpunkt stehen die Themenfelder psychische Disposition, Mutterfixierung, die symbolische Bedeutung von Raumstrukturen in der Romantik sowie der Konflikt zwischen regressiven und progressiven Persönlichkeitsanteilen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Es wird untersucht, inwiefern die antithetische Raumstruktur von Oberwelt und Unterwelt den tiefen inneren Konflikt des Protagonisten zwischen gesellschaftlicher Integration und regressivem Rückzug widerspiegelt.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit angewendet?

Die Analyse stützt sich auf psychoanalytische Ansätze und Theorien, insbesondere auf Konzepte von Sigmund Freud (wie Ödipuskomplex, Traumdeutung und Regression) sowie auf ergänzende literaturwissenschaftliche Sekundärliteratur.

Was wird im umfangreichen Hauptteil der Publikation behandelt?

Der Hauptteil analysiert detailliert die psychische Ausgangslage von Elis Fröbom, interpretiert seine schicksalhafte Traumsequenz, vergleicht die Lebensmodelle der Oberwelt und Unterwelt und beleuchtet das schließliche Scheitern des Protagonisten.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Zu den prägendsten Begriffen zählen Psychoanalyse, Mutterfixierung, Regression, Progression, Romantik, Raumstruktur sowie die Antinomie von Ober- und Unterwelt.

Welche Rolle spielt die Mutterfigur in der psychologischen Entwicklung von Elis Fröbom?

Elis leidet unter einer ungelösten, tiefen Fixierung auf seine verstorbene Mutter, die den Aufbau stabiler sozialer Bindungen und eine erfolgreiche ödipal bedingte Autonomiewerdung im Erwachsenenalter verhindert.

Wie lässt sich die symbolische Funktion der Traumsequenz in der Erzählung deuten?

Der Traum fungiert als psychisches Schauplatz- und Vorwegnahmemodell, in dem der unbewusste Konflikt zwischen dem Wunsch nach einer partnerschaftlichen Beziehung und der bedrohlichen Anziehungskraft der regressiven Bergkönigin offenbar wird.

Warum scheitert Elis Fröbom letztlich an der Schwelle zu einem eigenständigen Leben?

Elis besitzt nicht die nötige psychische Stärke und Durchsetzungsfähigkeit, um die Anforderungen einer emanzipierten Existenz in der Oberwelt zu erfüllen, weshalb er den regressiven Sog der Unterwelt und die Verschmelzung mit der Mutterinstanz vorzieht.

Welche Funktion übernimmt die Bergkönigin im Kontext der psychoanalytischen Deutung?

Die Bergkönigin repräsentiert eine übermächtige, verschlingende Mutterinstanz, die Elis in einen frühkindlichen Schutzraum zurückzwingt und dadurch jegliche progressive Autonomieentwicklung endgültig zerstört.

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Details

Titel
An der Schwelle zwischen Progression und Regression
Untertitel
Eine psychoanalytische Betrachtung der Figur Elis Fröbom in E.T.A. Hoffmanns "Die Bergwerke zu Falun"
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  (Neuere deutsche Literatur)
Veranstaltung
Proseminar: E.T.A. Hoffmann
Note
1,0
Autor
David Schonauer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2025
Seiten
19
Katalognummer
V1787130
ISBN (PDF)
9783389211724
ISBN (Buch)
9783389211731
Sprache
Deutsch
Schlagworte
E.T.A. Hoffmann Sigmund Freud Traumdeutung Romantik Progression Regression Triangulierung Mutterfixierung Bergwerk Oberwelt Unterwelt Introversion
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
David Schonauer (Autor:in), 2025, An der Schwelle zwischen Progression und Regression, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1787130
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