Traditionell galt der Stromsektor als ein so genanntes natürliches Monopol. Die günstigste Organisationsform war somit die Versorgung staatlich geschützter Gebietsmonopole durch jeweils ein über alle Wertschöpfungsstufen vertikal integriertes Unternehmen. Die Bereiche Erzeugung und Versorgung werden mittlerweile als wettbewerbsfähig angesehen. In den für den Transport des Stroms notwendigen Netzen ist jedoch kein Wettbewerb möglich. Sie stellen einen monopolistischen Engpass (Bottleneck) dar. Theoretisch können Netzbetreiber ihre Marktmacht über die Netzentgelte in die wettbewerblichen Bereiche übertragen und dort Kampfpreise realisieren, die die Konkurrenz ausschalten (Predatory Pricing).
Die in Deutschland nach der Liberalisierung des Marktes umgesetzten Regulierungsmethoden des verhandelten Netzzugangs, der Kosten- und Anreizregulierung werden zunächst theoretisch dargestellt und verglichen. Es folgen eine ökonomische Analyse der Entwicklungen am deutschen Elektrizitätsmarkt unter dem jeweiligen Regulierungsregime sowie eine Analyse der geplanten Form der Anreizregulierung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Behandlung natürlicher Monopole in Theorie und Praxis
2.1 Natürliche Monopole in der Theorie
2.1.1 Definition und Effizienz
2.1.2 Traditionelle und neue Theorie
2.2 Natürliche Monopole in der Praxis
2.2.1 Verhandelter Netzzugang
2.2.2 Kostenregulierung: Rate of Return-Regulierung
2.2.3 Anreizregulierung: Revenue Cap
2.2.4 Exkurs Benchmarking
2.2.5 Verhandelter und regulierter Netzzugang im Vergleich
3 Bottleneck-Regulierung am Beispiel des deutschen Elektrizitätsmarktes
3.1 Erste Phase: verhandelter Netzzugang
3.1.1 Rechtliche Vorgaben: die erste EnWG – Novelle
3.1.2 Die Verbändevereinbarungen
3.1.3 Ökonomische Analyse des verhandelten Netzzugangs
3.1.3.1 Marktstruktur und Wettbewerbsintensität
3.1.3.2 Großhandel
3.1.3.3 Netzentgelte
3.1.3.4 Exkurs Netzentgeltvergleiche
3.1.3.5 Versorgungsqualität
3.1.3.6 Investitionen
3.1.3.7 Staatslasten
3.1.4 Zusammenfassung
3.2 Zweite Phase: regulierter Netzzugang
3.2.1 Rechtliche Vorgaben: die zweite EnWG-Novelle
3.2.2 Unbundling
3.2.3 Kostenregulierung
3.2.3.1 Ökonomische Analyse: aktueller Stand
3.2.3.2 Zusammenfassung
3.2.4 Anreizregulierung
3.2.4.1 Die Revenue Cap-Formel
3.2.4.2 Kritik der Revenue Cap-Formel
4 Fazit
4.1 Zusammenfassung
4.2 Limitations
4.3 Ausblick
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen sowie die praktische Umsetzung der Regulierung natürlicher Monopole im deutschen Elektrizitätssektor unter Berücksichtigung der Liberalisierungsprozesse, um Effizienzpotenziale zu identifizieren und die Preisentwicklung sowie Investitionstätigkeit kritisch zu bewerten.
- Theoretische Grundlagen natürlicher Monopole und Regulierungsansätze
- Analyse des verhandelten Netzzugangs der ersten Phase (EnWG-Novelle)
- Untersuchung des regulierten Netzzugangs der zweiten Phase (Bundesnetzagentur)
- Vergleich der Methoden zur Entgeltbildung und Anreizsetzung
- Evaluierung der Auswirkungen auf Marktstruktur, Preise und Versorgungssicherheit
Auszug aus dem Buch
2.2.4 Exkurs Benchmarking
Grundsätzlich kann die Sicherstellung eines nachhaltigen Netzbetriebes nur gewährleistet werden, wenn effiziente Netzbetreiber ihre Investitionen vollständig über die Netzentgelte refinanzieren können. Bei der Ausgestaltung des Vergleichs durch Benchmarking verfügt der Regulierer über erhebliche Spielräume bei der Auswahl der Methoden und Parameter. Es ergeben sich drei grundlegende Probleme bei der Ermittlung der Netzentgelte. Die Entscheidung für eine Methode und für bestimmte Variablen und -definitionen ist nur teilweise objektiv begründbar, führt aber zu stark abweichenden Ergebnissen. Es besteht die Gefahr einer Diskriminierung von Netzbetreibern. Für die Netzbetreiber ergeben sich Anreize zu strategischem Verhalten in Form von Beeinflussung bei der Methodenwahl, Kostenmanipulation und Fusionen. Zweitens beruht die Übersetzung der Benchmarkergebnisse in die Obergrenze zwangsläufig teilweise ebenfalls auf willkürlichen Entscheidungen. Je nach zeitlichen Verteilung der zugestandenen Gewinne und nach Länge des Anpassungspfades können suboptimale Anreize entstehen. Drittens ist die Kostenbasis des Benchmarking von grundlegender Bedeutung. Beispielsweise führen Neuinvestitionen zu höheren Kapital- und geringeren Betriebskosten (Instandhaltung). Die theoretisch langfristig optimale Kostenstruktur ergibt sich auf der Basis der Gesamtkosten. Für diesen Fall weisen Weber und Schober aber bei heterogenen Kapitalbeständen einen systematischen Anreiz zu Unterinvestitionen nach. Wegen des verzögerten Wirkungszusammenhangs von Investitionen und Versorgungsqualität kann möglichen Unterinvestitionen besonders in der Anfangsphase zunächst schon durch die Androhung einer Qualitätsregulierung begegnet werden. In Verbindung mit der Qualitätsregulierung können auf diese Weise Unterinvestitionen ebenso verhindert werden wie die Tendenz zur Überinvestition bei kostenorientierter Regulierung (Averch-Johnson-Effekt).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle öffentliche Debatte um Strompreise und die regulatorische Notwendigkeit, natürliche Monopole im Elektrizitätsmarkt effizient zu regulieren.
2 Behandlung natürlicher Monopole in Theorie und Praxis: Dieses Kapitel erläutert die ökonomischen Grundlagen natürlicher Monopole, definiert deren Effizienz und vergleicht traditionelle mit neuen Regulierungstheorien sowie praktischen Instrumenten.
3 Bottleneck-Regulierung am Beispiel des deutschen Elektrizitätsmarktes: Das Hauptkapitel analysiert detailliert die zwei Phasen der deutschen Marktregulierung, beginnend mit dem verhandelten Netzzugang bis hin zur systemischen Regulierung durch die Bundesnetzagentur.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Liberalisierung zusammen und bewertet die Wirksamkeit der regulatorischen Maßnahmen sowie die zukünftigen Herausforderungen im Elektrizitätssektor.
Schlüsselwörter
Elektrizitätsmarkt, Natürliches Monopol, Netzzugang, Anreizregulierung, Netzentgelte, Bundesnetzagentur, Revenue Cap, Unbundling, Marktkonzentration, Effizienz, Liberalisierung, Investitionen, Strompreise, Benchmarking, Infrastruktur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen und praktischen Regulierung von natürlichen Monopolen im deutschen Elektrizitätsmarkt, insbesondere im Hinblick auf den Netzzugang und die Netzentgeltbildung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder umfassen die marktökonomische Theorie natürlicher Monopole, die verschiedenen Phasen der deutschen Marktöffnung und die Rolle der staatlichen Regulierung durch die Bundesnetzagentur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie durch effektive Regulierung sowohl Effizienzgewinne realisiert als auch die Versorgungssicherheit gewährleistet werden kann, um letztlich marktüblich faire Preise für die Endverbraucher zu erreichen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, ordnungspolitischen Ansätzen sowie einer ökonomischen Auswertung von Regulierungsmodellen, ergänzt durch Daten zur Preisentwicklung und Investitionstätigkeit.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Betrachtung des verhandelten Netzzugangs (erste Phase) und des durch die Bundesnetzagentur gesteuerten regulierten Netzzugangs (zweite Phase), inklusive der mathematischen Grundlagen der Anreizregulierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich über Begriffe wie Netzzugang, Anreizregulierung, natürliche Monopole, Revenue Cap und Effizienz definieren.
Wie unterscheidet sich der verhandelte vom regulierten Netzzugang?
Der verhandelte Netzzugang basierte primär auf privatrechtlichen Verbändevereinbarungen, während der regulierte Netzzugang eine staatliche Aufsicht durch die Bundesnetzagentur mit expliziten ex-ante-Vorgaben vorsieht.
Welche Rolle spielen die Investitionen im Kontext der Regulierung?
Investitionen sind essentiell für die Versorgungsqualität, können jedoch durch unsichere Regulierungsrahmen oder falsche Anreizstrukturen, wie sie im Averch-Johnson-Effekt beschrieben werden, gehemmt werden.
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- Peter Schlotmann (Author), 2007, Theorie und Praxis der Regulierung monopolistischer Bottlenecks am Beispiel des Elektrizitätsmarktes in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178738