Im Zuge der Globalisierung hat die Anzahl grenzüberschreitender Unternehmenstransaktionen in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Daraus entsteht die Notwendigkeit einer internationalen Angleichung der Vorschriften zur Bewertung von Unternehmen. Während auf dem Gebiet der externen Rechnungslegung bereits weitreichende Harmonisierungsbestrebungen unternommen wurden, ist der Standardisierungsgrad im Bereich der Unternehmensbewertung allerdings noch gering.
Vor diesem Hintergrund spielen internationale Organisationen wie das International Valuation Standards Council (IVSC) eine bedeutende Rolle. Das IVSC, ursprünglich aus einer Kooperation zwischen nationalen Bewertungsverbänden hervorgegangen, bemüht sich aktiv um eine Vereinheitlichung internationaler Bewertungsstandards. Um dieses Ziel zu erreichen, entwickelt und veröffentlicht das IVSC eigene Verlautbarungen, die sogenannten International Valuation Standards (IVS).
In den folgenden Ausführungen sollen das IVSC sowie dessen Bewertungsstandards im Kontext der Unternehmensbewertung kritisch erörtert werden. Im zweiten Kapital werden zunächst die Ziele und der Aufbau der Organisation dargestellt, während in Kapitel drei die IVS in ihrer aktuellen Fassung erläutert werden. Das vierte Kapitel behandelt anschließend den neuen Entwurf der Bewertungsstandards, der voraussichtlich Anfang 2012 in Kraft treten wird. Kapitel fünf enthält einen Vergleich mit den Verlautbarungen des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW), bevor die IVS im sechsten Kapitel einer kritischen Würdigung unterzogen werden. Abschließend werden die wichtigsten Ergebnisse nochmals zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das International Valuation Standards Council
2.1 Entwicklungsgeschichte und Ziele
2.2 Organisatorischer Aufbau
3 Die International Valuation Standards 2007
3.1 Struktur
3.2 Verlautbarungen zur Bewertung von Unternehmen
3.2.1 Allgemeine Regelungen
3.2.2 Methoden der Unternehmensbewertung
3.2.2.1 Vorbemerkung
3.2.2.2 Marktorientierte Bewertungsverfahren
3.2.2.3 Kapitalwertorientierte Bewertungsverfahren
3.2.2.4 Substanzwertorientierte Bewertungsverfahren
3.2.2.5 Gewichtung der Teilergebnisse
4 Staff Draft der neuen International Valuation Standards
4.1 Vorbemerkung
4.2 Wesentliche Änderungen
4.2.1 Allgemein
4.2.2 Unternehmensbewertung
5 Vergleich mit den Verlautbarungen des IDW S 1
5.1 Vorbemerkung
5.2 Allgemein
5.3 Bewertungsmethoden
6 Kritische Würdigung
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch das International Valuation Standards Council (IVSC) und dessen Bewertungsstandards im Kontext der Unternehmensbewertung. Das primäre Ziel besteht darin, die aktuelle Fassung der International Valuation Standards (IVS 2007) sowie den geplanten Entwurf (Staff Draft) vorzustellen, mit den deutschen Standards des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW S 1) zu vergleichen und eine kritische Würdigung der internationalen Harmonisierungsbemühungen vorzunehmen.
- Historische Entwicklung und Aufbau des IVSC
- Struktur und Bewertungsmethodik der IVS 2007
- Analyse der Änderungen im Staff Draft der neuen IVS
- Vergleich der IVS mit dem deutschen Standard IDW S 1
- Kritische Diskussion zur Objektivität und Standardisierung
Auszug aus dem Buch
3.2.2.2 Marktorientierte Bewertungsverfahren
Bei marktorientierten Bewertungsverfahren, kurz Market Approach (GN 6, § 5.14.1) genannt, wird der Unternehmenswert aus beobachtbaren Marktpreisen abgeleitet. Dabei können entweder Preise für Anteile des zu bewertenden Unternehmens oder Marktpreise ähnlicher Unternehmen herangezogen werden (GN 6, § 5.14.1.2).
In ersterem Fall ist der Preis aus einer früheren Transaktion des Bewertungsobjekts angemessen zu korrigieren. Gem. GN 6, § 5.14.1.5 muss dabei den in der Zwischenzeit eingetretenen Entwicklungen ausreichend Rechnung getragen werden.
Im zweiten Fall sind zunächst mehrere dem Bewertungsobjekt ähnliche Unternehmen zu bestimmen, für welche aktuelle Marktpreise verfügbar sind. Die Vergleichsunternehmen sollen dem gleichen Wirtschaftszweig wie das zu bewertende Unternehmen angehören oder einer Branche entstammen, die durch die gleichen ökonomischen Variablen beeinflusst wird (GN 6, § 5.14.1.3). Darüber hinaus sind weitere qualitative und quantitative Vergleichskriterien heranzuziehen. Auf eine ausreichende Nachprüfbarkeit der erforderlichen Daten ist zu achten (GN 6, § 5.14.1.3.1 f.).
Aus den vorliegenden Informationen wird anschließend eine Bewertungskennzahl bestimmt, die das Verhältnis zwischen dem Marktpreis für Unternehmensanteile und einer Ergebnis- oder Vermögensgröße widerspiegelt (GN 6, § 5.14.1.4). Dieser Quotient stellt den sogenannten Multiplikator dar, weshalb dieses Verfahren auch als Multiplikatormethode bezeichnet wird. Im Zähler können sowohl Börsenkurse als auch Transaktionspreise als Vergleichsmaßstäbe herangezogen werden. Die Wahl der Bezugsgröße im Nenner liegt im Ermessen des Sachverständigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Notwendigkeit der internationalen Harmonisierung von Unternehmensbewertungsstandards aufgrund zunehmender globaler Transaktionen und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2 Das International Valuation Standards Council: Dieses Kapitel behandelt die Entstehungsgeschichte des IVSC seit 1981, die Zielsetzung der Standardisierung und den organisatorischen Aufbau der Organisation.
3 Die International Valuation Standards 2007: Hier wird die hierarchische Struktur der IVS 2007 detailliert dargestellt und die spezifischen Ansätze zur Unternehmensbewertung innerhalb der Guidance Notes erläutert.
4 Staff Draft der neuen International Valuation Standards: Das Kapitel analysiert die geplante Neustrukturierung der IVS, den prinzipienbasierten Ansatz und die spezifischen Anpassungen im Bereich der Unternehmensbewertung im Vergleich zur Fassung von 2007.
5 Vergleich mit den Verlautbarungen des IDW S 1: Diese Gegenüberstellung verdeutlicht die konzeptionellen Unterschiede zwischen dem internationalen Rahmenwerk der IVS und dem deutschen Standard IDW S 1, insbesondere hinsichtlich Bewertungsmethoden und Bindungswirkung.
6 Kritische Würdigung: Der Autor hinterfragt die Marktwertorientierung der IVS und diskutiert die durch den hohen Ermessensspielraum beeinträchtigte Vergleichbarkeit der Bewertungsergebnisse.
7 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die IVS bei der Unternehmensbewertung trotz Harmonisierungsbemühungen bislang nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Schlüsselwörter
International Valuation Standards, IVSC, Unternehmensbewertung, IDW S 1, Marktwert, Fair Value, Multiplikatorverfahren, Kapitalwertmethode, Ertragswertverfahren, DCF-Verfahren, Harmonisierung, Standardisierung, Bewertungsgutachten, Asset-based Approach, Bewertungsanlass
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kritischen Analyse der International Valuation Standards (IVS) des IVSC und untersucht deren Anwendung und Eignung für die Unternehmensbewertung im internationalen Vergleich.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung des IVSC, die Struktur der IVS-Bewertungsstandards, die methodischen Ansätze zur Unternehmenswertermittlung sowie der Vergleich mit dem etablierten deutschen Standard IDW S 1.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Eignung der internationalen Standards zur Unternehmensbewertung zu bewerten und zu prüfen, inwieweit diese im Vergleich zu nationalen deutschen Regelungen eine harmonisierte und objektive Bewertung ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive sowie komparative Analyse, bei der existierende Standards und Entwürfe (Staff Draft) ausgewertet und mit der Fachliteratur sowie dem IDW S 1 verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der IVSC-Struktur, die Erläuterung der aktuellen IVS 2007 inklusive ihrer Bewertungsmethoden, die Analyse der Neuerungen im Staff Draft sowie den detaillierten Vergleich mit dem IDW S 1.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Unternehmensbewertung, International Valuation Standards, Marktwert, Multiplikatorverfahren, Ertragswertmethode, Harmonisierung und IDW S 1.
Wie unterscheidet sich die methodische Herangehensweise der IVS von der des IDW S 1?
Die IVS erlauben einen methodenpluralistischen Ansatz mit starker Marktwertorientierung und großem Ermessensspielraum, während der IDW S 1 primär auf den objektivierten Unternehmenswert abstellt und bei der Unternehmensbewertung fast ausschließlich kapitalwertorientierte Methoden vorsieht.
Warum wird die Marktwertorientierung der IVS in der Fachliteratur häufig kritisiert?
Kritiker bemängeln unter anderem die Einperiodenorientierung, die unsachgemäße Vermischung von Wert und Preis sowie die Notwendigkeit komplexer Anpassungen, um zwischen dem Bewertungsobjekt und Vergleichsunternehmen eine Objektivität zu gewährleisten.
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- Anonym (Author), 2011, Das International Valuation Standards Council, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178741