Werthers Krankheit zum Tode

Eine psychologisch-pathologische Betrachtung unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Hintergrundes


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
23 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Werthers Leiden in literaturpsychologisch-pathologischer Sicht

3. Werthers „alter ego“

4. Die Selbstmordfrage

5. Die bürgerliche Gesellschaft zu Zeiten Werthers

6. Werthers Selbstmord

7. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Der Briefroman „Die Leiden des jungen Werther“ ist seit seiner ersten Veröffentlichung im Herbst 1774 bei Weygand in Leipzig ein vieldiskutiertes und vielbeachtetes Werk, das zur großen Popularität Johann Wolfgang Goethes einen wesentlichen Beitrag leistete. So wurde der Roman als „komplexes literargeschichtliches Dokument für die Rebellion des Sturm und Drang“ (Martin 2002: 27) angesehen. Die immense Aufmerksamkeit, die dieses Werk erhielt, kann man vor allem an der Anzahl der Rezensionen durch namhafte Persönlichkeiten dieser Zeit erkennen. So appellierte beispielsweise Christian Daniel Schubert:

„Kauf’s Buch und lies selbst! Nimm aber dein Herz mit! - Wollte lieber ewig arm sein, auf Stroh liegen, Wasser trinken und Wurzeln essen, als einem solchen sentimentalischen Schriftsteller nicht nachempfinden zu können!“ (Schubert in Goethe 2010: 111)

Die Thematisierung von Leidenschaften und Emotionen und schließlich des radikalen Ausstiegs aus der Gesellschaft durch den Suizid brachten dem Werk eine breite Leserschaft vor allem bei Vertretern des jüngeren zeitgenössischen Publikums ein, sodass sich sogar der Begriff des „Wertherfiebers“ etablierte. (vgl.: Martin 2002: 27) Goethe schien als Erster eine Thematik aufgegriffen zu haben, die jeder verstand und jeder fühlte, die jedoch bis dahin noch niemand so offen auszusprechen gewagt hatte. So kommentierte Jakob Michael Reinhold Lenz: „Eben darin besteht Werthers Verdienst, dass er uns mit Leidenschaften und Empfindungen bekannt macht, die jeder in sich dunkel fühlt, die er aber nicht zu nennen weiß.“ (Lenz in Goethe 2010: 111) Diese dunklen Emotionen, Trauer, Depression und vor allem der allgegenwärtige Suizidgedanke brachten allerdings nicht nur positive Reaktionen. So gab es zahlreiche geniekritische Stimmen, die den Suizid des Protagonisten am Ende des Werkes sowohl von aufklärerischer als auch von kirchlich- orthodoxer Seite als Skandal empfanden. Vielen fehlte eine ausreichende Reflexion, eine moralisierende Rede am Schluss. So erfragte Gotthold Ephraim Lessing in einem Kommentar über „Die Leiden des jungen Werther“, ob Goethe nicht meine, „dass es noch eine kleine kalte Schlussrede haben müsste“ (Lessing in Goethe 2010: 110) und zwar „je zynischer, desto besser.“ (Lessing in Martin 2002: 28) Der aufklärerische Dichter stellte damit nicht die schriftstellerischen Kompetenzen Goethes in Frage, sondern verlieh, wie dies ähnlich auch Vertreter der Kirche taten, seiner Sorge Ausdruck, dass das das Buch „mehr Unheil als Gutes stiften“ (Lessing in Goethe 2010: 110) und einen klaren Verzicht auf das eigene Dasein darstellen könnte. Besagte Kirchenvertreter reagierten jedoch bestimmter auf Goethes Werk und vor allem auf den Suizid, der im 18. Jahrhundert noch unter theologischen Prämissen als Todsünde galt. Im „Werther“ wurde der Suizid erstmals literarisch verarbeitet; Pastor Goeze, Repräsentant kirchlicher Orthodoxie, denunzierte daraufhin den Roman als „verachtungswürdige Schrift“ und als „Pestgeschwür“. (vgl.: Martin 2002: 28)

Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht somit das, was auch Möbius (1989: 32) im Mittelpunkt des ganzen Buches sieht: die „Selbstmordfrage“. Jedoch geht es hier primär um die Krankheit Werthers, die ihn zu seiner finalen Entscheidung getrieben hat. Vor allem werden seine psychischen Leiden näher betrachtet und der Versuch unternommen, ein Krankheitsbild Werthers zu entwerfen. Nach dem Versuch einer Anamnese von Werthers Beschwerden und der Symptome seiner Krankheit, kann man diese verschiedenen, aus der Medizin bekannten psychischen Leiden zuordnen und den Versuch unternehmen, die Entwicklung der Krankheit aus seiner Vergangenheit, dem Verhalten seiner Mitmenschen oder seinem eigenen Verhalten zu erklären. Anschließend findet sich eine Analyse der im Werk erschienen Referenzen zu Charakteren mit ähnlichen Schicksalen, in der der Frage nachgegangen wird, inwiefern diese Charaktere mit der Situation Werthers vergleichbar sind und ob sie ihn maßgeblich beeinflusst haben. Es folgt die Behandlung der Selbstmordfrage; hier werden die Gedanken und Geisteshaltungen Werthers zum Selbstmord erläutert und es wird der Frage nachgegangen, wie die Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung mit dieser Thematik umgehen. Dies muss insbesondere auch im Zusammenhang mit den damaligen gesellschaftlichen Verhältnissen gesehen werden, sodass eine skizzenartige Darstellung der damaligen bürgerlichen Welt folgt, die einen Eindruck gibt von der Inkompatibilität der Denkweise Werthers mit Ethik- und Moralvorstellungen der bürgerlichen Gesellschaft. Ebenso werden nochmals Reaktionen von Zeitgenossen Goethes auf den Roman aufgeführt, um mögliche Parallelen der Geisteshaltungen der damaligen Schriftsteller mit dem Protagonisten darzustellen. Abschließend befasst sich die Arbeit mit der zentralen Frage, warum sich Werther nun eigentlich umgebracht hat und welche Faktoren wohl die ausschlaggebenden für seine Suizid-Entscheidung waren. Nicht zuletzt wird neben der scheinbar ungelösten Mutterbindung und unter theologisch-familiären Gesichtspunkten die unerfüllte Liebe Werthers zu Lotte näher beleuchtet, die im Werk einen hohen Stellenwert einnimmt.

2. Werthers Leiden in literaturpsychologisch-pathologischer Sicht

Die Leiden, bzw. die tatsächlich vorhandenen klinischen Krankheiten des Protagonisten Werther sind ein vieldiskutiertes Sujet und sollen in diesem Kapitel kontrovers diskutiert werden. Es wird versucht, eine literaturpsychologisch-pathologische Diagnose zu erstellen, um die Intention Werthers, sich selbst zu erschießen, möglicherweise zu begründen oder zumindest besser verständlich zu machen. „Pathologisch“ bedeutet in diesem Kontext eine Anamnese der auftretenden Symptome, sowie die Erforschung ihrer Ursachen und ihrer möglichen Auswirkungen auf das Leben und Handeln des Protagonisten. Da sich Werthers Beschwerden allerdings größtenteils auf geistige Leiden beschränken, hat die Betrachtung seines psychologischen Zustands Priorität. Goethe selbst betonte einst, dass der Protagonist seines Werkes einen „‚pathologischen‘, von ‚sinnlich-geistiger‘ Krankheit zeugenden Charakter“ (Goethe in Meyer-Kalkus 1989: 86) hat, und dass er sein Werk „mit dem Blute des eigenen Herzens gefüttert“ (Goethe in Meyer-Kalkus 1989: 86) habe. Es wird nun zunächst erläutert, welche Krankheiten nur aufgrund einer Anamnese durch die monoperspektivischen Briefe und die wenigen auktorialen Beschreibungen des Erzählers diagnostiziert werden können. Und zum anderen, ob diese Leiden tatsächlich diesem „hoffnungsfroh in die Welt blickenden jungen Mann“ (Schmiedt 1989: 8) keinen anderen Ausweg als den Selbstmord gelassen haben.

Um das Krankheitsbild Werthers genauer zu analysieren, müssen wir zunächst seinen Charakter näher beleuchten. In seinen Briefen erscheint er stets als ein sehr emotionaler und empfindsamer junger Mann, der „für Natur und Poesie schwärmt“ (Möbius 1989: 31). Er gehört dem Bürgertum an, scheint jedoch für regelmäßige Erwerbsarbeit nicht viel übrig zu haben; er hat eine „Abneigung gegen Berufsarbeit“ (Möbius 1989: 31). Scheinbar aussichtslos schwärmt er für Lotte, eine Frau höheren Stands, die einem anderen versprochen ist und die diesen auch pflichtbewusst heiratet.

Daher soll nun als erstes die so genannte „Liebeskrankheit“ (Mayer-Kalkus 1989: 106) Werthers betrachtet werden. Schon beim ersten Zusammentreffen Werthers mit Lotte bei einem Tanzball ist sich Werther bewusst, dass sie einem anderen versprochen ist, dass er sie also nicht für sich gewinnen kann. Seine aufblühende Liebe steht von Anfang „im Zeichen des Verbots“ (Möbius 1989: 107). Und dennoch lässt er sich darauf ein, Lotte nach ihrer ersten Begegnung in den höchsten Tönen zu loben und von ihr zu schwärmen: „Einen Engel! - Pfui! das sagt jeder von der Seinigen, nicht wahr?“ (Goethe 2010: 15) Die Gespräche mit Lotte bestärken Werther dann noch mehr in seinen Empfindungen und wecken in ihm den Eindruck, dass seine Liebe von Lotte womöglich erwidert wird:

„Ich fand so viel Charakter in allem, was sie sagte, ich sah in jedem Wort neue Reize, neue Strahlen des Geistes aus ihren Gesichtszügen hervorbrechen, die sich nach und nach vergnügt zu entfalten schienen, weil sie an mir fühlte, dass ich sie verstand.“ (Goethe 2010: 18)

In diesem Teil findet sich ein erster Hinweis, worauf die scheinbar einseitige Liebe Werthers zu Lotte begründet ist: Für Werther gewinnt Lotte immer mehr an Reiz, je mehr er glaubt, dass sie sich in ihren gemeinsamen Gesprächen in seinem Sinne entwickeln kann. Werther gibt dadurch vor, Lotte zu verstehen. (vgl. Meyer-Kalkus 1989: 107) Dies ist aber ein Trugschluss Werthers; er ist kein „Frauenversteher“, sondern seine Liebe zu Lotte ist primär begründet in seinem ausgeprägten Narzissmus.

Dass Lotte ihn aber aus einer Perspektive scheinbar genauso liebt, wie er sie, und wie er es sich erhofft hat, weckt bei Werther eine Tendenz zur „Selbstvergötterung“ (Meyer-Kalkus 1989: 107): „Mich liebt! - Und wie wert ich mir selbst werde, wie ich - dir darf ich’s wohl sagen, du hast Sinn für so etwas - wie ich mich selbst anbete, seitdem sie mich liebt!“ (Goethe 2010: 32) Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Werther narzisstische Züge aufweist, die sich in der Projektion des eigenen Seins in eine andere Person äußern. Diese „passion narcissique“ (Begriffsprägung durch Jacques Lacan) (Meyer-Kalkus 1989: 100) äußert sich zum einen in einer Art Selbstvergötterung, zum anderen aber auch als eine „Verstrickung in den imaginären Charakter dieser Wonnen“ (Meyer-Kalkus 1989: 100). „passion narcissique“ ist eng mit dem Begriff des „Genies“ verbunden: Werther erscheint als ein solches Genie, welches geistig über alle Maßen kreativ zu sein scheint, seine Kunst jedoch nicht ausdrücken kann und damit tragischerweise als Künstler ein absoluter Dilettant ist: „Ich könnte jetzt nicht zeichnen, nicht einen Strich, und bin nie ein größerer Maler gewesen als in diesen Augenblicken.“ (Goethe 2010: 6) Werther versteht sich selbst durchaus als Genie: Er bekennt, dass er scheinbar schon oftmals kurz vor dem Wahnsinn gestanden hat, wie dies ja bei den meisten Genies die Regel ist, und diese Nähe zum Wahnsinn nahezu ein konstituierender Faktor sei, um etwas Großes zu vollbringen:

"Ich bin mehr als einmal trunken gewesen, meine Leidenschaften waren nie weit vom Wahnsinn und beides reut mich nicht: denn ich habe in meinem Maße begreifen lernen, wie man alle außerordentlichen Menschen, die etwas Großes, etwas Unmöglichscheinendes wirkten, von jeher für Trunkene und Wahnsinnige ausschreien musste." (Goethe 2002: 39)

Er versucht damit vor sich, bzw. vor Wilhelm eine mögliche psychische Krankheit nicht nur zu rechtfertigen, sondern sogar positiv zu betonen, da er sich selbst als Genie ansieht und ansehen möchte. Schon in früheren Jahren scheint sich bei ihm bereits der Hang zum Narzissmus zu zeigen, als er Wilhelm von einer vergangenen Liebe erzählt: „Aber ich habe sie gehabt, ich habe das Herz gefühlt, die große Seele, in deren Gegenwart ich mir schien mehr zu sein, als ich war, weil ich alles war, was ich sein konnte.“ (Goethe 2010: 9) Der frühe Tod dieser ersten Liebe Werthers erzeugt eine Leerstelle in seinem Leben, die es nun zu füllen gilt. Mit der Bekanntschaft Lottes und mit seinem Werben um ihre Zuneigung gelingt es ihm, diese Leere auszufüllen. (vgl. Meyer-Kalkus 1989: 106) So beruht die Liebe des Protagonisten in großen Teilen auf einer „trügerischen Selbstspiegelung“ (Meyer-Kalkus 1989: 106), bei der er verzweifelt versucht, Lotte für sich zu gewinnen. Diese Selbstspiegelung oder Selbstreflexion ist so zu erklären, dass Werther aufgrund der scheinbar perfekten Lotte sich selbst für ebenso unfehlbar hält. Er sieht sein Verhalten stets als richtig an und bereut keine seiner Entscheidungen. Ebenso identifiziert er sich in Lotte mit einer „idealen Körpergestalt“ (Meyer-Kalkus 1989: 100), in der er sich selbst vergöttert. Dieser Akt der Selbstreflexion, die als Ausprägung seines Narzissmus zu verstehen ist, nimmt jedoch selbstzerstörerische Züge an und mündet in einer vollständigen Abhängigkeit Werthers von Lotte: „Ich habe so viel und die Empfindung an sie verschlingt alles; ich habe so viel und ohne sie wird mir alles zu nichts.“ (Goethe 2010: 72)

Werthers Liebe ist im Freud‘schen Sinne eine krankhafte „Objektliebe“. Der Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud hat den Begriff der „Objektliebe“ (Freud in Meyer- Kalkus 1989: 134) geprägt. Lotte ist darin das geliebte Objekt Werthers, in dem er sich spiegelt und in dem er vollends aufzugehen scheint, mit dem er sich „mit Haut und Haaren“ (Meyer-Kalkus 1989: 109) identifiziert. Werther stilisiert Lotte zum einzigen Bezugspunkt in seinem Leben und erhebt sie daher zu einem Ideal, das von ihm gerade wegen dieser Perfektion nicht erreicht und nicht erobert werden kann. (Assling 1981: 181) Der Protagonist befindet sich in einem Teufelskreis, da zum einen das geliebte und für ihn perfekte Objekt unerreichbar ist, zum anderen ein Verlust jedoch auch den „Untergang seiner ganzen Welt“ (Meyer-Kalkus 1989: 109) bedeutet. Daher versucht Werther immer wieder verzweifelt auf unterschiedlichen Wegen, sich Lotte anzunähern.

Eine ausgeprägte und textuell belegte Variante dieser Annäherung ist die Projektion einer Mutter-Kind Beziehung auf das Verhältnis Lotte-Werther, die Stilisierung Werthers seiner eigenen Person zu einem Kind und Lottes zu seiner pflegenden Mutter. Da Lotte aufgrund des frühen Todes ihrer Mutter deren Rolle für ihre kleineren Geschwister übernehmen muss, kann Werther sie oftmals beim liebevollen Umgang mit den Kindern beobachten;

Werther beschreibt eine Szene, bei der Lotte Brot für die Kinder schneidet, als „das reizendste Schauspiel […], das er je gesehen habe.“ (Goethe 2010: 17) Werther hegt keinen größeren Wunsch, als von Lotte geliebt zu werden. Nachdem er es scheinbar aufgegeben hatte, Lotte als Partnerin zu erobern, bedenkt er die Möglichkeit, von ihr eine andere Form der Liebe zu erfahren, die Mutterliebe: „Wo ich hin will? […] ich will nur Lotten wieder näher, das ist alles. Und ich lache über mein eignes Herz - und tu ihm seinen Willen.“ (Goethe 2010: 64) Erkennbar ist sein Wunsch, wieder Kind zu sein, welches naiv handeln kann und nicht über Konsequenzen reflektieren kann bzw. muss. Ein Kind wird so geliebt wie es ist, auch wenn es Fehler begeht. (vgl. Assling 1981: 180) Dieses infantile Wunschbild Werthers trägt zu seiner narzisstischen Krise bei. Es kann durchaus einer ungelösten Mutterbindung entspringen, wie es auch Jäger (1989: 18) formuliert. Es ist zu vermuten, dass diese Krise bereits in Werther schlummerte, noch bevor er Lotte kennenlernte. Das lässt sich aus dem Zitat am 13. Mai schließen; da sagt er, noch bevor er seine künftige Angebetete das erste Mal sieht: „Auch halte ich mein Herzchen wie ein krankes Kind; jeder Wille wird ihm gestattet.“ (Goethe 2010: 8)

Das Problem Werthers mit einer Mutterpersönlichkeit zeigt sich schon früh in seiner Jugend. Nach dem frühen Tod des Vaters steht er unter der Herrschaft seiner Mutter und muss ihr ins „verhaßte“ (Meyer-Kalkus 1989: 127) Wahlheim folgen. Die Mutter tritt nach dem Tod des Vaters an dessen Stelle und bestimmt die Berufspläne Werthers. Nach seinem beruflichen Scheitern kann man dann einen gereizten Ton in seinen Briefen erkennen, wenn es um die Mutter und ihre Bestimmungen geht: „ […] mich in das Joch geschwatzt und mir so viel Aktivität vorgesungen […]“ (Goethe 2010: 53) Daher sehnt er sich nach einer Trennung und Loslösung aus diesem Matriarchat. Abseits der realen Mutter, entwickelt Werther jedoch erneut Gefühle zu Lotte, wie sie für eine Mutter-Kind- Beziehung charakteristisch sind. (vgl. Meyer-Kalkus 1989: 128)

So zeigen sich hier zum einen eine „realitätsabgewandte Selbstbezogenheit“ (Jäger 1989: 18) Werthers und zum anderen die Referenz und die Metapher seines Herzens als das eines kleinen Kindes. Es ist jeglicher rationaler Reflexion unfähig, beeinflusst jedoch seinen „erwachsenen Träger“ Werther so sehr, dass er in kindlicher Naivität und Subjektivität handelt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Werthers Krankheit zum Tode
Untertitel
Eine psychologisch-pathologische Betrachtung unter Berücksichtigung des gesellschaftlichen Hintergrundes
Hochschule
Universitat de València  (Departamento de Filologia Alemana)
Veranstaltung
Literatura Alemana Moderna
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V178831
ISBN (eBook)
9783656009696
ISBN (Buch)
9783656010364
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Werther, Krankheit, Tod, psychologisch, pathologisch, gesellschaftliche Umstände, Gesellschaft, alter ego, Selbstmord, Selbstmordfrage, Wertherfieber, Patriarchat, Matriarchat, Lotte, Albert, Liebeskrankheit, Narzissmus, passion narcissique, Wahnsinn, Selbstspiegelung, trügerische Selbstspiegelung, Selbstreflexion, Objektliebe, Psychoanalyse, ungelöste Mutterbindung, Mutterbindung, Mutter-Kind-Beziehung, Selbstbezogenheit, Absolutismus des Herzens, Eskapismus, Bauernbursche, trügerische Selbstzerstörung, Selbstzerstörung, Liebesrivale, Leidenschaft, Leidenschaften, Anpassung, Egozentrik, Liebeshoffnung, ewiges Leben, Kollektiv, Individuum, psychische Deformation, Liebe, Sturm und Drang, Realität, Ideologie, Selbstverwirklichung, psychisch deformiert, Emanzipation der Leidenschaften, Genie, Genieströmung, heftige Leidenschaften, Raserei, geliebtes Objekt, Todeswunsch, Suizid, Mutterfigur, Vaterfigur, Hominisation, Menschwerdung, zusammenhängende Krankheiten, Vorbildcharakter, Gefühlswelt
Arbeit zitieren
Carlos Steinebach (Autor), 2011, Werthers Krankheit zum Tode, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178831

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