Die Fertigkeit Schreiben - Wozu lehren/lernen wir das Schreiben?


Seminararbeit, 2012
11 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhalt

Einleitung und Vorüberlegungen

Wozu lehren/lernen wir das Schreiben?

Entwicklung der Schreibdidaktik

Modelle zum Schreiblernprozess

Schritte im Umgang mit Fehlern

Fazit

Bibliografie

Einleitung und Vorüberlegungen

Das Ziel des Schreibens ist es, andere sehen zu machen. “ [1] Joseph Conrad (1857-1924), britisch-polnischer Autor Mit diesem Zitat soll eine Abhandlung über das Schreiben, eine der vier Fertigkeiten des Fremdsprachenunterrichts, eingeleitet werden. Neben Hören, Sprechen und Lesen ist das Schreiben eine produktive Fertigkeit, welche allerdings im kommunikativen Ansatz im Fremdsprachenunterricht nicht ganz unumstritten ist. So findet sich im Lehrerhandbuch zu Themen 1, einem Deutsch-als-Fremdsprache (wird in der weiteren Arbeit der Einfachheit halber mit „DaF“ abgekürzt) Lehrbuch von 1983, folgende Richtlinie: „Es liegt das Schwergewicht der Fertigkeitsschulung […] auf den zwei mündlichen Fertigkeiten Sprechen und Hören.“[2] Ebenso wurden unterschiedliche Lehrerbefragungen gemacht, wie sie die Effektivität und den Nutzen der Fertigkeit „Schreiben“ betrachten. Drei repräsentative Thesen sind in diesem Zusammenhang die Folgenden: „Schreiben ist nur für Spezialisten wichtig“, „Schreiben kann weitgehend selbst erlernt werden“, „Schreiben ist Zeitverschwendung“[3] Nach näherer Betrachtung der Möglichkeiten, die durch das Schreiben eröffnet werden, haben sich die Lehrwerke der zweiten Generation dieser Fertigkeit mehr angenommen und das kreative wie auch das kommunikative Potential erkannt. Es wird nunmehr unterschieden zwischen dem Schreiben als Mittlerfertigkeit und dem Schreiben als Zielfertigkeit. Ersteres bedeutet, dass das Schreiben nur als Werkzeug benutzt wird, um eine Aufgabe mit einem Ziel zu erfüllen, welches nicht der schriftliche Ausdruck ist (wie beispielsweise bei schriftlichen grammatischen Übungen). Zweiteres beschreibt hingegen genau diesen schriftlichen Ausdruck als Ziel einer Aufgabe, wie man sie beispielsweise beim Verfassen eines Briefes findet. In Themen 1 nimmt das Schreiben, wie oben bereits erwähnt, nur eine nebengeordnete Rolle ein und wird somit fast ausschließlich als Mittlerfertigkeit verwendet. Zehn Jahre später, in Themen 1 neu erhält das Schreiben schon eine höhere Bedeutung, ebenso wie in Sprachbr ü cke 1, indem eine eindeutige Progression des Schreibens als Zielfertigkeit zu erkennen ist, da zahlreiche Übungen dieser Art im Lehrbuch enthalten sind.[4] Doch nun stellt sich die Frage, ob das Schreiben denn wirklich Legitimität im DaF-Unterricht hat und wie diese begründet wird. Daher wird sich das nächste Kapitel mit der Frage beschäftigen, warum das Schreiben überhaupt wichtig und unerlässlich zu sein scheint.

Wozu lehren/lernen wir das Schreiben?

Das Lernen einer Fremdsprache in der Schule ist häufig damit verbunden, dass man sich bei manchen Unterrichtsinhalten fragt, ob sie im weiteren Leben von Relevanz sein werden und wenn nicht, warum man diese dann behandelt. Ist es beispielsweise nicht so, dass man das Schreiben als Fertigkeit nach der Schule nahezu nicht mehr verwendet, es sei denn die Fremdsprache ist von besonderer Relevanz für den weiteren Lebensweg? Warum also wird sie dann in der Schule noch verwendet?[5]

Betrachten wir zunächst das Schreiben als kommunikatives Bed ü rfnis. Hier werden vor allem Korrespondenzen zu unterschiedlichen Zwecken aufgeführt, wie beispielsweise formelle Briefe, informelle Briefe oder Formulare. Nun legitimiert der seltene Gebrauch dieser Mitteilungsformen jedoch noch nicht die Rolle des Schreibens.

Daher ist das Schreiben aufgrund unterrichtspraktischer Bed ü rfnisse näher zu analysieren. Dies prägt sich vor allem bei der Bearbeitung von Hausaufgaben, Tests, Übungen zu Wortschatz und Grammatik sowie beim Anfertigen von Notizen, Stichwortzetteln oder Materialsammlungen aus. Ein wichtiger Aspekt ist in diesem Zusammenhand die Binnendifferenzierung. Es kann beim Schreibprozess individuell auf das Niveau jeden Schülers zugeschnittene Aufgaben behandelt oder gleiche Aufgaben von jedem Schüler in seinem Tempo und nach seinen Interessen gestellt werden. Weiterhin ist es möglich, mit einer großen Varietät an didaktischen Arbeitsformen zu agieren, bei dem die unterschiedlichen Lerntypen mit ihrer optimalen Methode operieren können.

Auch das Schreiben aufgrund lernpsychologischer Ü berlegungen bietet eine plausible Erklärung für die Wichtigkeit dieser Fertigkeit. Drei Aspekte spielen hier zusammen und stützen die Argumentation. Erstens spielt die Rolle des Schriftbildes beim Hören, Lesen und Schreiben eine große Rolle, da phonetische Überlegungen zwischen dem Phon und den Graphemen angestellt werden müssen. Damit zusammenhängend ist zweitens eine wechselseitige Abhängigkeit aller Fertigkeiten zu beobachten. Aus der Neuropsychologie gibt es Erkenntnisse, dass die vier Fertigkeiten keine isoliert arbeitenden Bereiche darstellen, sondern eng miteinander verbunden sind und sich gegenseitig unterstützen. So gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Sprechen und Schreiben, der dadurch entsteht, dass bei beiden Fertigkeiten die Arbeitsprozesse der Konzipierung des Inhalts, des Auswählens sprachlicher Mittel und der Verknüpfung von Wörtern zu Sätzen zu beobachten sind. Auch wird dem Sprechenden die phonetische und phonologische Lautform bewusst, da das Schreiben stets von einem inneren Sprechen begleitet wird. Ebenso gibt es einen Zusammenhang zwischen Lesen und Schreiben, der darin besteht, dass durch das Schreiben eingeübte Schriftbilder beim Leser schneller erfasst und besser eingeprägt werden. Dadurch werden unterschiedliche Sinneskanäle aktiviert, was sich ebenso positiv auf die Binnendifferenzierung und auf die unterschiedlichen Lerntypen auswirkt. So gibt es Impulse im Bereich des Akustischen (Assoziierung der Sprachlaute mit deren Abbildung), des Sprechmotorischen (Innere Artikulation) und des Motorischen (Schreibbewegung mit der Hand). Ebenso erwähnenswert ist der Effekt, dass sich viele Menschen Informationen leichter einprägen können, wenn sie sie vorher niedergeschrieben haben.[6]

Als letzter Aspekt bleibt noch das Schreiben als Hilfe bei der Strukturierung geistlicher Handlungen. Im Gegensatz zu der zweiten produktiven Fertigkeit des Sprechens, ist das Schreiben nicht unmittelbar und spontan, sondern in den meisten Fällen durchdachter und bietet die Möglichkeit der nachträglichen Korrektur. Somit können beim Schreibprozess zunächst chaotische und unstrukturierte Gedanken geordnet, niedergeschrieben und anschließend korrigiert oder auch komplett verworfen werden. Dieser Aspekt führt zu der Überlegung, welche grundlegenden Merkmale das Schreiben hat. Zu nennen wären in diesem Zusammenhang zwei unerlässliche, zum einen die Vergegenständlichung der Gef ü hle und Gedanken und zum anderen die Verlangsamung der Abläufe.

[...]


[1] http://www.zitate.de/kategorie/Schreiben/

[2] Kast 1999: 6.

[3] Ebd.: 6.

[4] Vgl.: Kast 1999: 5-19.

[5] Vgl.: Pommerin 1995: 5, Krumm 2000: 7-9.

[6] Vgl.: Krumm 2000: 12-15.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Fertigkeit Schreiben - Wozu lehren/lernen wir das Schreiben?
Hochschule
Universitat de València  (Departamento de Filologia Alemana)
Veranstaltung
Metodología del alemán como lengua extranjera
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V178836
ISBN (eBook)
9783656009689
ISBN (Buch)
9783656010357
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Schreiben, Fertigkeit, Fertigkeiten, Fertigkeit Schreiben, DaF, Fremdsprachenunterricht, Mittlerfertigkeit, Zielfertigkeit, Themen 1, Sprachbrücke 1, Schreiben als Zielfertigkeit, Schreiben als Mittlerfertigkeit, Deutsch als Fremdsprache, Kommunikatives Bedürfnis, Schreiben als kommunikatives Bedürfnis, Unterrichtspraktisches Bedürfnis, Schreiben als unterrichtspraktisches Bedürfnis, Schreibprozess, Lernpsychologische Überlegung, Lernpsychologie, Neuropsychologie, Sinneskanäle, Sinneskanal, Binnendifferenzierung, Innere Artikulation, Schreiben als Strukturierung geistlicher Handlungen, Verlangsamung der Abläufe, Vergegenständlichung der Gegenstände und Gedanken, Nähe-Distanz-Verhältnis, direktiver Ansatz, textlinguistischer Ansatz, prozessorientierter Ansatz, notation, spelling, working practice, composition, Entdeckung des Schreibenden, Schreibdidaktik, Freies Schreiben, Kooperatives Schreiben, Kommunikatives Schreiben, Fehler, Umgang mit Fehlern, Fehlerkorrektur, Kreativer Prozess, Schreibarbeit, Fremdsprachenausbildung, Kreatives Schreiben
Arbeit zitieren
Carlos Steinebach (Autor), 2012, Die Fertigkeit Schreiben - Wozu lehren/lernen wir das Schreiben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178836

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