Sonn- und Feiertagsrecht in einer säkularisierten Gesellschaft: Der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage

Ist der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage in unserer heutigen modernen, säkularisierten Gesellschaft noch zeitgemäß?


Seminararbeit, 2010

25 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage
2.1. Die Entstehungsgeschichte des Sonn- und Feiertagsschutzes
2.1.1. Kirchliche Ursprünge und kirchenrechtliche Regelungen
2.1.2. Der Sonn- und Feiertagsschutz als sozialpolitisches Ziel
2.2. Der fortgeltende Artikel 139 Weimarer Reichsverfassung
2.3. Die Grundsätze der Seelischen Erhebung und der Arbeitsruhe
2.4. Die Ausnahmen vom Sonn- und Feiertagsschutz
2.5. Die Sonn- und Feiertagsruhe im Spannungsverhältnis zu den Menschenrechten
2.6. Fazit

3. Die Bedeutung der Sonn- und Feiertage im Wandel
3.1. Der Feiertag
3.2. Der Sonntag
3.3. Unsere Verantwortung für den Erhalt des Sonn- und Feiertags

4. Ergebnis und Ausblick

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Der Sonntag ist für den Menschen da. Eine Gesellschaft, die den Sinn des Sonntags nicht mehr verstünde und das Verbot der Arbeit mehr und mehr aufweichte, würde ein Kernstück ihrer Kultur preisgeben.“[1]

Dieses Zitat zeigt die essentielle Bedeutung des Sonntags für den Menschen als höchsten Feiertag der Woche. Der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage ist somit der Ausdruck für eine Konstante innerhalb einer schnelllebigen Welt. Allerdings werden stetig neue Diskussionen um die Problematik der Sonn- und Feiertagsarbeit durch den gesellschaftlichen Wandel ausgelöst. Schlagwörter, wie Mobilität oder Aktivität verdrängen den traditionellen Rast- und Regenerationsgedanken des Sonn- und Feiertags und begründen auf diese Weise ein neues Freizeitverhalten innerhalb der Gesellschaft.[2]

Der Sonn- und Feiertagsschutz deutscher Vorstellung findet im Ausland kaum Parallelen, teilweise wird dieser sogar abgebaut. In Zeiten der Globalisierung und der europäischen Integration erscheint der deutsche Sonn- und Feiertagsschutz nicht nur veraltet, sondern hemmt auch die wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit Deutschlands.[3]

Die folgende Arbeit beschäftigt sich auf der Grundlage dieser Überlegungen mit der Fragestellung: Inwiefern ist der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage in unserer heutigen modernen, säkularisierten Gesellschaft noch zeitgemäß?

In unserem gegenwärtigen pluralistischen Gesellschaftssystem, in welchem nicht nur die Zahl der Kirchenmitglieder stetig abnimmt, sondern ebenfalls die Verpflichtung des deutschen Staates zur religiös-weltanschaulichen Neutralität gegeben ist, wurde der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage seit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland kritisch hinterfragt. Diese unvergängliche Relevanz begründet die aufgezeigte Fragestellung und rechtfertigt die ausführliche Beschäftigung mit diesem Themenbereich.[4]

Der Hauptteil dieser Arbeit fokussiert sich auf die Erörterung des grundgesetzlichen Schutzes der Sonn- und Feiertage. Im Besonderen wird hier auf den bis heute fortgeltenden Artikel 139 der Weimarer Reichsverfassung mit seinen Grundsätzen der seelischen Erhebung und der Arbeitsruhe eingegangen. Um jedoch eine zufriedenstellende Antwort auf die dargestellte Problematik zu erhalten, wird zunächst die Entstehungsgeschichte des deutschen Sonn- und Feiertagsschutzes detailiert herausgearbeitet. Im Folgenden werden die Ausnahmeregelungen des grundgesetzlichen Schutzes der Sonn- und Feiertage hinterfragt, um anschließend das Spannungsverhältnis der Sonn- und Feiertagsruhe im Hinblick auf die Menschenrechte kritisch bewerten zu können. Nachfolgend liegt die schwerpunktmäßige Untersuchung auf dem Bedeutungswandel der Sonn- und Feiertage. Abschließend wird sowohl die Verantwortung des Menschen für die Aufrechterhaltung des Sonn- und Feiertagsschutzes als auch die Zukunft des Sonn- und Feiertags in der modernen Gesellschaft dargelegt. Mit dieser Erörterung ist der Ausgangspunkt für eine umfassende Beantwortung der Fragestellung nach der heutigen Bedeutung des grundgesetzlichen Sonn- und Feiertagsschutzes geschaffen.

Auf Grund der Komplexität der aufgeführten Thematik beschränkt sich diese Arbeit auf die Darstellung des grundgesetzlichen Schutzes der Sonn- und Feiertage in der Bundesrepublik Deutschland. Die Gesetzgebung und die Entwicklungstendenzen bezüglich eines Sonn- und Feiertagsschutzes in anderen Staaten treten in den Hintergrund und finden nur dann Erwähnung, insofern diese für den oben genannten Bereich Auswirkungen entfaltet haben.

Um der aufgezeigten Fragestellung gerecht zu werden, ist sowohl eine vielschichtige als auch breit gefächerte Primär- und Sekundärliteratur erforderlich. Im Besonderen findet hier das Werk von Andreas Mattner: „Sonn- und Feiertagsrecht“[5], in welchem sich der Autor unter rechtswissenschaftlichen Gesichtspunkten mit dem Sonn- und Feiertagsrecht auseinandersetzt, Beachtung. Die Primärliteraturangabe wird nicht nur durch die Schrift von Hans Feller: „Sonn- und Feiertage im Recht von Staat und Kirche“[6], sondern ebenso durch die Aufsatzsammlung „Essener Gespräche zum Thema Staat und Kirche“[7] vervollkommnet. Diese Literatur wurde nicht nur wegen ihrer unterschiedlich ausgerichteten Sichtweisen auf die thematisierte Fragestellung gewählt, sondern sie bietet ebenfalls, auf Grund ihrer umfangreichen rechtswissenschaftlichen Erklärungen, ein ausführliches Bild des Sonn- und Feiertagsschutzes in der Bundesrepublik Deutschland. Somit können sowohl kulturelle, soziale, rechtliche als auch ökonomische und kirchliche Perspektiven berücksichtigt werden. Auf dieser Basis ist es möglich, eine interdisziplinäre Erörterung der Fragestellung vorzunehmen.

Die methodische Grundlage für die Anfertigung dieser Arbeit ist die Textanalyse der oben aufgeführten Schriften. Desweiteren wird eine Vielzahl von kirchlichen Dokumenten in die Überlegungen eingearbeitet, welche vorrangig die Notwendigkeit des Schutzes der Sonn- bzw. Feiertage als kulturellen Grundwert unserer Gesellschaft und die daraus resultierende Verantwortung des Menschen für die Aufrechterhaltung des grundgesetzlichen Sonn- und Feiertagsschutzes thematisieren. Die aufgeführte Sekundärliteratur dient dem Quellennachweis und stellt eine fächerübergreifende Ergänzung im Hinblick auf die Bearbeitung der aufgeführten Thematik dar.

2. Der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage

„Der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage bleiben als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt.“[8]

Diese grundgesetzliche Verankerung des Schutzes der Sonn- und „staatlich anerkannten“ Feiertage zeigt die essentielle Bedeutung dieser Ruhetage für das Leben und die Kultur der Menschen. Die Bedeutung des Sonn- und Feiertages ist allerdings in der modernen Konsum- und Freizeitgesellschaft der Bundesrepublik Deutschland einem fortlaufenden gesellschaftlichen Wandel unterworfen. Die Anzahl der Bürger, welche den Gottesdienst besuchen, sank in den vergangenen Jahren stetig. Die religiösen Bedürfnisse der Bürger nehmen ab und insbesondere das kirchliche Angebot der „seelischen Erhebung“ wird von der Bevölkerung weniger wahrgenommen als in der Vergangenheit.[9]

Im Folgenden wird der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage, anhand seiner Entstehungsgeschichte, seiner Ausnahmeregelungen und seines Verhältnisses zu den Menschenrechten aufgegriffen und differenziert beurteilt.

2.1. Die Entstehungsgeschichte des Sonn- und Feiertagsschutzes

Die historische Entwicklung des staatlichen Sonn- und Feiertagsschutzes lässt sich sowohl auf die kirchliche Verehrung des Sonntags als auch auf die sozialpolitische Forderung von Ruhetagen durch die Arbeiterbewegung zurückführen. Diese beiden Entwicklungstendenzen werden anschließend betrachtet.[10]

2.1.1. Kirchliche Ursprünge und kirchenrechtliche Regelungen

„Achte darauf, den Sabbat zu heiligen! Sechs Tage magst du arbeiten und alle deine Geschäfte verrichten! Aber der siebte Tag ist ein Ruhetag zu Ehren des Herrn, deines Gottes. Da darfst du keinerlei Arbeit tun, weder du noch dein Sohn oder deine Tochter, weder dein Knecht noch deine Magd noch dein Vieh noch der Fremdling, der bei dir innerhalb deiner Tore weilt! Denn in sechs Tagen schuf der Herr Himmel und Erde, das Meer und alles, was in ihnen ist, aber am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbat gesegnet und geheiligt.“[11]

Diese Worte verweisen auf den ursprünglich religiös begründeten Bedeutungsinhalt des Sonntags, als höchstes Fest der Woche. Der Sontag als wöchentlicher Tag der Arbeitsruhe versinnbildlicht infolgedessen den christlichen Urfeiertag, als Tag der Auferstehung des Herrn: Jesus Christus.[12]

Die Grundlage der jüdisch- christlichen Verehrung eines Tages des Herrn ist das Alte Testament. Der ursprüngliche Name des Sonntags wurde von dem heidnischen Sonnengott „Helios“ abgeleitet. In der Apostelzeit des ersten Jahrhunderts war der Sonntag ein Symbol für die gottesdienstlichen Zusammenkünfte und die Würdigung der Auferstehung von Jesus Christus. Durch den Papst Viktor wurden in den Jahren 196 bis 198 uniforme Regeln der Feiertagspraktiken durchgesetzt.[13] Das erste staatliche Gesetz zum Schutz des Sonntags, welches jegliches Gewerbetreiben am Sonntag verbot, wurde durch Kaiser Konstantin den Großen am 7. März 321 erlassen.[14] Rechtshistorisch lässt sich das gesetzliche Gebot der Sonntagsruhe folglich auf ihn zurückführen. Gewisse Berufe, wie beispielsweise die Körperpflege waren von diesem Arbeitsverbot allerdings ausgenommen.[15]

Bis zum vierten Jahrhundert entwickelte sich der kirchliche Festkreis mit dem Tag der Erscheinung des Herrn, dem Himmelfahrtstag und dem Pfingstfest. Diese Tage wurden neben dem Sonntag zu Tagen der Besinnung und wurden durch das kirchliche Ruhetagsrecht explizit geschützt.[16] Auf diese Weise wurde der Ritus zum Kirchenrecht, in dessen Verlauf die christliche Tradition den Gehalt des Sabbats in den Sonntag überführte. Durch die Ersetzung des jüdischen Sabbats und die damit verbundene Loslösung vom Judentum wurde das Sonntagsfest zu einem prägenden Element der christlichen Identität. Jedoch war nicht die Arbeitsruhe, sondern primär die Sonntagsfeier und die daraus resultierende Sonntagsruhe für dieses spezielle Sonntagsrecht entscheidend.[17]

[...]


[1] Gemeinsames Wort des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz vom 16. September 1985, Der Sonntag muß geschützt bleiben; In: Marré, Heiner/ Stüting, Johannes (Hrsg.), Essener Gespräche zum Thema Staat und Kirche, Band 24, Münster 1990, 186/187.

[2] Vgl. Mattner, Andreas, Sonn- und Feiertagsrecht, 2. Aufl., Köln u.a. 1991, 1-5.

[3] Vgl. Kunig, Philip, Der Schutz des Sonntags im verfassungsrechtlichen Wandel, Berlin/ New-York 1989, 5-34.

[4] Vgl. Marré, Heiner, Vorwort; In: Marré, Heiner/ Stüting, Johannes (Hrsg.), Essener Gespräche zum Thema Staat und Kirche, Band 24, Münster 1990, VII/VIII.

[5] Vgl. Mattner, Andreas, Sonn- und Feiertagsrecht, 2. Aufl., Köln u.a. 1991.

[6] Vgl. Feller, Hans, Sonn- und Feiertage im Recht von Staat und Kirche, Frankfurt am Main 1990.

[7] Vgl. Marré, Heiner/ Stüting, Johannes (Hrsg.), Essener Gespräche zum Thema Staat und Kirche, Band 24, Münster 1990.

[8] Weimarer Reichsverfassung, Artikel 139.

[9] Vgl. Altermatt, Alberich M. / Schnitker, Thaddäus A. (Hrsg.), Der Sonntag: Anspruch - Wirklichkeit - Gestalt, Würzburg 1986, 248-289.

[10] Vgl. Mattner, Andreas, Sonn- und Feiertagsrecht, 2. Aufl., Köln u.a. 1991, 7-30.

[11] Ex 20, 8-11.

[12] Vgl. Gemeinsame Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Kirche in Deutschland vom 15. Februar 2010, Das Kirchenjahr in der Tradition des Ostens und des Westens. Der Sonntag - „Urfeiertag“ der Christen; In: http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/veroeffentlichungen/Sonstige/100302_Sonntag-Gesamt.pdf (Stand: 15.06.2010).

[13] Vgl. Mattner, Andreas, Sonn- und Feiertagsrecht, 2. Aufl., Köln u.a. 1991, 7-30.

[14] Vgl. Richardi, Reinhard, Der Sonn- und Feiertagsschutz im Arbeitsleben; In: Marré, Heiner/ Stüting, Johannes (Hrsg.), Essener Gespräche zum Thema Staat und Kirche, Band 24, Münster 1990, 117-180.

[15] Vgl. Pribyl, Herbert, Freizeit und Sonntagsruhe. Zur ethischen Relevanz der Freizeit unter besonderer Berücksichtigung der Sonntagsruhe, Wien u.a. 2005, 140-180.

[16] Vgl. Mattner, Andreas, Sonn- und Feiertagsrecht, 2. Aufl., Köln u.a. 1991, 7-30.

[17] Vgl. Richardi, Reinhard, Der Sonn- und Feiertagsschutz im Arbeitsleben; In: Marré, Heiner/ Stüting, Johannes (Hrsg.), Essener Gespräche zum Thema Staat und Kirche, Band 24, Münster 1990, 117-180.

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Details

Titel
Sonn- und Feiertagsrecht in einer säkularisierten Gesellschaft: Der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage
Untertitel
Ist der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage in unserer heutigen modernen, säkularisierten Gesellschaft noch zeitgemäß?
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Theologie und Ethik)
Veranstaltung
Christliche Kultur in moderner Gesellschaft: Entstehung – Präsenz – Wandel
Note
1,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V178862
ISBN (eBook)
9783656009559
ISBN (Buch)
9783656010104
Dateigröße
753 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sonn-, feiertagsrecht, gesellschaft, schutz, sonn-, feiertage, schutz, sonn-, feiertage, gesellschaft
Arbeit zitieren
Susanne Lossi (Autor), 2010, Sonn- und Feiertagsrecht in einer säkularisierten Gesellschaft: Der grundgesetzliche Schutz der Sonn- und Feiertage , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178862

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