Stellungnahme zur These - Konjunkturpolitik ist teuer und bringt wenig


Seminararbeit, 2011

24 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffliche Verortung des Untersuchungsgegenstandes
2.1 Definition Konjunktur
2.2 Definition Konjunkturpolitik (KP)

3 Theoretische Verortung des Diskurses
3.1 Die klassische Nationalökonomie (KNÖ)
3.2 Keynesianismus (K)
3.3 Monetarismus (M)

4 Situation vor der Finanzkrise und Zwischenfazit

5 Umriss des aktuellen Diskurses und Fazit

I Abkürzungsverzeichnis

II Literaturverzeichnis

I Abkürzungsverzeichnis

K - Keynesianismus

KNÖ - Klassische Nationalökonomie KP - Konjunkturpolitik

M - Monetarismus VWL - Volkswirtschaftslehre

1 Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Bewertung von staatlicher Konjunkturpolitik (KP). Konjunkturzyklen mit ihren negativen Begleiterscheinungen wie Preissteigerungen und Arbeitslosigkeit stehen seit Anbeginn der ökonomischen Forschungen im Mittelpunkt des wissenschaftlichen wie allgemeinen Interesses. Die, durch ungesteuerte Entwicklungen, entstehenden Übertreibungen an den Märkten durch aktive staatliche Steuerung einzudämmen und damit die wirtschaftlichen und sozialen Folgen konjunktureller Abschwünge abzufedern wird immer wieder durch die Betroffenen selbst und Teile der Wissenschaft an die Politik adressiert. Genauso vehement vertreten durch wissenschaftliche Kreise und wirtschaftliche Akteure ist die Forderung nach Enthaltsamkeit staatlichen Eingreifens in den komplexen volkswirtschaftlichen Mechanismus. Olaf Storbeck schreibt 2011 in Zeit-Online: „Die Antworten, die Volkswirte auf diese Fragen geben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Wenige Themen sind in der ökonomischen Zunft so umkämpft wie Sinn oder Unsinn von Konjunkturpolitik.“ Während zum Ende des 20. Jahrhunderts eine gewisse Harmonisierung der Ansichten einsetzte, sind die Meinungen seit Auflegung der Konjunkturpakete in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise wieder weit auseinander gegangen.

Dem Umfang der Arbeit entsprechend soll der wissenschaftliche Diskurs zum Thema KP im theoretischen, historischen und aktuellen Kontext dargestellt werden. Zuerst erfolgt eine begriffliche Verortung des Untersuchungsgegenstandes. Danach sollen die zentralen Eigenschaften der dem Diskurs zugrunde liegende theoretischen Modelle dargestellt werden um anschließend den Diskursverlauf, sowie den aktuellen Stand zusammengefasst wiederzugeben.

Bei der Beschreibung des Untersuchungsgegenstandes, sowie der theoretischen Modelle wird hauptsächlich auf Lexika, wissenschaftliche Aufsätze und Monographien zurückgegriffen, während bei der Einschätzung des Diskursverlaufes und der aktuellen Situation insbesondere aktuelle Dokumente, wie Zeitungen und Zeitschriften herangezogen werden.

2 Begriffliche Verortung des Untersuchungsgegenstandes

2.1 Definition Konjunktur

Konjunktur beschreibt die wirtschaftliche Lage eines Landes in Form eines wiederkehrenden Musters von Auf und Ab der wirtschaftlichen Aktivitäten. Die nach Konjunkturphasen1 eingeteilten Schwankungen ergeben zusammen einen Konjunkturzyklus. Entscheidenden Einfluss auf den Konjunkturverlauf haben die Nachfrage der privaten Haushalte, die Investitionen der Unternehmen, die Einnahmen und Ausgaben des Staates sowie die Importe und Exporte. Veränderungen der genannten Größen beeinflussen den Konjunkturverlauf positiv oder negativ, wirken also belebend oder dämpfend auf die Konjunktur und können auch Aufschwung- und Abschwungphasen einläuten. Veränderungen bei den einzelnen Einflussfaktoren werden durch den Multiplikatoreffekt2 und durch den Akzeleratoreffekt3 sowohl in ihrer belebenden Wirkung als auch in ihrer dämpfenden Wirkung auf den Konjunkturverlauf verstärkt, bzw. beschleunigt.4 Diese wiederkehrende wellenförmige Veränderungsweise des wirtschaftlichen Aktivitätsniveaus wird durch die Konjunkturtheorien untersucht und zu erklären versucht. Die zentralen Größen in der wissenschaftlichen Betrachtung sind: Produktion, Beschäftigung, Zinssatz und Preise. Zusammen sind sie ursächlich für Nachfrage- und Angebotsschwankungen und damit mittelbar für Schwankungen des Auslastungsgrades der Produktionskapazitäten.

Der Begriff der Konjunktur ist hierbei zu unterscheiden vom Wachstumsbegriff, der nicht auf die kurzfristige Verstetigung des Wirtschaftsablaufs abzielt, sondern den Wachstumstrend der Wirtschaft, also die Steigerung Menge aller dauerhaft rentablen Produktionsmöglichkeiten (Produktionspotenzial) betrachtet.5

Ein wesentliches Problem und Ursache eines anscheinend immerwährenden Diskurses liegt in der mangelnden Falsifizierbarkeit der theoretischen Modelle, sowie richtigen Deutung der Indikatoren.6

2.2 Definition Konjunkturpolitik (KP)

KP wird definiert als Summe aller Maßnahmen, „die darauf abzielen, den Konjunkturverlauf zu beeinflussen, z. B. Krisen und Rezessionen mit der Folge von Unterbeschäftigung sowie konjunkturelle Überhitzungen mit der Folge von Produktionsengpässen und starken Preisniveausteigerungen abzuschwächen oder ganz zu verhindern.“7 Im engeren Sinne beschreibt die KP die Gesamtheit aller Maßnahmen, die auf die Verstetigung der Nachfrage- und Produktionsentwicklung und einen hohen Auslastungsgrad der Produktionskapazitäten abzielen.8

Konkret sind die Maßnahmen der KP auf die Erreichung gesamtwirtschaftlicher Ziele ausgelegt, wie sie im Stabilitätsgesetzt (StabG) aus dem Jahre 1967 und ergänzend hierzu im Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt9, beschrieben wurden10. Der Staat als zentraler Akteur der KP soll im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung Maßnahmen ergreifen, die „gleichzeitig zur Stabilität des Preisniveaus, zu einem hohen Beschäftigungsstand und außenwirtschaftlichem Gleichgewicht bei stetigem und angemessenem Wirtschaftswachstum beitragen.“11

Unter den Zielen bestehen jedoch auf kurzfristiger Ebene zum Teil erhebliche Konflikte („trade-offs“), in dem Maßnahmen zur Förderung eines Ziels gleichzeitig eine andere Zieldimension mit beeinflussen.12 Dennoch orientieren sich die meisten westlichen Industrienationen bei der Ausgestaltung ihrer KP an diesem Zielkatalog, der aufgrund der teilweise unüberwindbaren Konflikte auch als „Magisches Viereck“ bezeichnet wird.

Ausgehend vom jeweiligen Ziel variieren Akteure und Instrumente. Das Instrumentarium gliedert sich in folgende vier wesentliche Bereiche:

a) Fiskalpolitik, b) Geldpolitik, c) Währungspolitik, d) Einkommenspolitik.

a) Fiskalpolitik: Der Staat versucht mittels Variation der staatlichen Einnahmen antizyklisch expansiv oder restriktiv auf die Konjunktur einzuwirken. Im Zuge einer Rezession können entweder die öffentlichen Ausgaben erhöht und/oder die öffentlichen Einnahmen vermindert werden, um die Kaufkraft im privaten Sektor zu stärken. Es wird ein negativer Budgetsaldo der öffentlichen Haushalte geschaffen (=Verschuldung), um die Gesamtnachfrage zu beleben (sog. „deficite spending“). In dem darauf folgenden Konjunkturaufschwung wird ein Budgetüberschuss angepeilt, um einer Überbeanspruchung des Produktionspotenzials entgegenzuwirken und um den in der Krisenzeit beanspruchten Haushalt zu konsolidieren.13

Das deutsche Steuersystem beinhaltet eine Ausgleichsmechanik wodurch der öffentliche Haushalt automatisch konjunkturstabilisierend wirkt. In Rezessionsphasen geht das Steueraufkommen deutlich zurück, während die Sozialausgaben (z.B. Arbeitslosengeld) ansteigen.

Bedingung für eine nachhaltig stabilisierende Wirkung ist die Konsolidierung der Haushalte in prosperierenden Phasen um eine ausufernde Staatsverschuldung zu vermeiden. Ein höherer Schuldenstand beim Staat führt zu negativen Rückwirkungen auf das Zinsniveau und die private Wirtschafttätigkeit.14 Aufgrund häufig ausufernder Staatsverschuldungen versuchen Industrienationen zunehmend den Umfang der fiskalpolitischen Instrumente, z.B. mittels verfassungsrechtlicher Hürden („Schuldenbremse“), einzuschränken.15

b) Geldpolitik: Die Notenbank kann mittels Steuerung des Zinsniveaus und der Geldmenge, also über das Geldangebot, Einfluss auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage ausüben.16 Im Rahmen der keynesianischen Sichtweise unterstützt die Geldpolitik die staatliche Ausgabenpolitik. In Rezessionszeiten wird durch die Senkung des Zinsniveaus und durch Bereitstellung von Liquidität eine Verringerung der Kreditzinsen für Investitionen herbeigeführt, wodurch die Attraktivität realer Investitionen als Anlagealternative steigt. Umgekehrt führt, z.B. in einer Phase konjunktureller Überhitzung, eine Erhöhung der Kreditkosten zu sinkenden Renditen bei den Realinvestitionen und damit zum Rückgang der Investitionsneigung. 17

Aus der monetaristischen Perspektive ist hauptsächlich die Steuerung der Geldmenge kunjunkturpolitisch erheblich. Erhöhungen der Geldmenge stoßen eine lange Kette von Substitutionsvorgängen an, in deren Folge die Nachfrage nach Finanzanlagen als Anlagealternative steigt und deren Renditen sinken. Das monetaristische Model zielt auf einen mittelfristig positiven, bzw. stabilisierenden Effekt auf die Wirtschaftstätigkeit. Eine Überbeanspruchung dieses Instrumentariums im Sinne einer kurzfristigen antizyklischen Konjunktursteuerung birgt die Gefahr eine Verknappung von Liquidität und langfristig ein Anstieg des Preisniveaus.18;19

Mit der Einführung der gemeinsamen Währung im Euro-Raum zum 1. Januar 1999 gingen die nationalen Zentralbanken im Europäischen System der Zentralbanken auf. Durch die Trennung des Instrumentariums in eine nationale und supranationale Politik ist aber auch den Mitgliedsländern die Möglichkeit genommen die Geldpolitik mit Ihren jeweiligen Fiskalpolitiken und umgekehrt abzustimmen. Durch die erheblichen ökonomischen und konjunkturellen Unterschiede unter den Mitgliedsländern erschwert dies eine sinnvolle KP und in der Rückkopplung auch die Erreichung des Ziels der Geldwertstabilität.20,21

[...]


1 Die Konjunkturphasen sind Aufschwungphasen (Expansion) , Hochkonjunktur (Boom), Abschwungphasen (Rezession) und Tiefphasen (Depression).

2 “Grundsätzlich lässt sich dabei eine Vervielfältigungswirkung (multiplikative Wirkung) feststellen.“ Vgl. BpB 2011.

3 Eine Schwankung der Nachfrage nach Konsumgütern führt zu einer prozentual gesteigerten Schwankung der Nachfrage nach Investitionsgütern. Vgl. Neumann 1972, S. 20f..

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. BpB 2011, Teichmann1972, 11ff., Gabler-Wirtschaftslexikon 2011c

6 „Die Wirkungen höherer Staatsausgaben oder niedrigerer Steuern seriös zu messen bereitet Volkswirten seit Jahrzehnten großes Kopfzerbrechen. Denn die bloße Beobachtung, dass die Welt die Rezession von 2008/09 schnell überwunden hat, sagt noch nichts aus. Niemand weiß, wie sich die Dinge ohne die Konjunkturprogramme entwickelt hätten. Zudem ist es oft schwierig, Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten: Legt das Wachstum zu, weil die Staatsausgaben steigen, oder ist es umgekehrt?“ Storbeck 2011.

7 Wirtschaftslexikon 2011.

8 Vgl. Gabler-online 2011.

9 Vgl. Art. 119 Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union

10 Vgl. Wagschal 2003, S. 254.

11 § 1 StabG

12 Beispielsweise kann eine staatliche Nachfrageexpansion den Beschäftigungsstand erhöhen und dabei gleichzeitig inflationäre Impulse auslösen. Aber auch zwischen scheinbar komplementären Zielen wie Wachstum und einem aussenwirtschaftlichen Gleichgewicht bestehen in manchen Ländern „trade-offs“, wie in Frankreich oder Großbritannien.Vgl.Wilke 1998 S. 346.

13 Vgl. Wagschal 2002, S. 255f.

14 Vgl. Wilke 1998, S. 347

15 „Bund und Länder einigten sich am 12. Februar 2009 über die letzten noch offenen Fragen zu einer neuen Schuldenbremse“ BMF (2011).

16 Bofinger 2011, S. 395.

17 Vgl. Wilke 1998, S. 348, Wagschal 2002, S. 257; Gabler 2011; Bofinger 2011, S. 395.

18 Vgl. ebd.

19 Die Europäische Zentralbank ist unabhängig von den nationalstaatlichen Regierungen und verfolgt hauptsächlich das Ziel der Preisniveaustabilität. Die Geldpolitik kann hier in einen deutlichen Konflikt zur staatlich organisierten Wachstums- und Vollbeschäftigungspolitik der Mietgliedsländer geraten.Vgl. Wagschal 2002, S. 257.

20 Vgl. Elger 2011.

21 Die europäische Zentralbank, so schreibt der Spiegel in seiner letzten Ausgabe, steckt in einem Dilemma: „Sei betreibt Geldpolitik für die gesamte Eurozone, nicht nur für einen Staat, mag er auch noch so dominant sein. (…) Aus Rücksicht auf die großen Sorgenkinder unter den Mitgliedsstaaten kann die EZB die Leitzinsen längst nicht so anheben, wie es für Boom-Länder, etwa Deutschland, notwenig wäre.“ Elger 2011.

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Stellungnahme zur These - Konjunkturpolitik ist teuer und bringt wenig
Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Autor
Jahr
2011
Seiten
24
Katalognummer
V179052
ISBN (eBook)
9783656013723
ISBN (Buch)
9783656013808
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
stellungnahme, these, konjunkturpolitik
Arbeit zitieren
B.A. Alexander Schabowski (Autor), 2011, Stellungnahme zur These - Konjunkturpolitik ist teuer und bringt wenig, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179052

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