1.Einleitung
Der Begriff der Öffentlichkeit ist eine zentrale Kategorie zum Verständnis von Gesellschaft. „Wenn wir als zentralen Wert der Moderne die „demokratische Selbstherrschaft“ bezeichnen, dann ist damit impliziert, dass eine Gesellschaft auf sich selbst einwirken kann. Um dies zu können, braucht es für die Bürgerinnen und Bürger einen politischen Begriff „ihrer“ Gesellschaft und die Wahrnehmung eines gemeinsamen politischen Geltungsbereichs. (...) Beides, der politische
Begriff von „ihrer“ Gesellschaft wie die Möglichkeit, dass diese Bürgergesellschaft auf sich selbst einwirken kann, setzt öffentliche Kommunikation voraus.
In dieser Öffentlichkeit, und nur in dieser, ist das, was wir in politischem Sinne Gesellschaft nennen, beobacht- und gestaltbar.“1
Auf der anderen Seite erzeugt die Existenz von Massenmedien und das stattfinden von Massenkommunikation Bedingungen, die eine spezifische Strukturiertheit von Gesellschaft ermöglichen, Teile der Gesellschaft miteinander verbinden und Ordnung herzustellen.2
Ziel dieser Arbeit ist es, Grundbegriffe der Soziologie und der Öffentlichkeit mit dem Medienbegriff zu verknüpfen und zu erörtern um festzustellen, wie Öffentlichkeit definiert und durch Medien hergestellt werden kann.
Hierzu wird zunächst in Kapitel zwei auf den systemtheoretischen Hintergrund von Öffentlichkeit eingegangen. Im darauffolgenden dritten Kapitel werden die Begriffe Medien, Massenmedien und Massenkommunikation vorgestellt. Hierbei wird ihr Zusammenhang sowohl zum in Kapitel zwei vorgestellten systemtheoretischen Konzipierung als auch auf ihre Funktion an sich eingegangen. Kapitel vier ist der Erläuterung des Öffentlichkeitsbegriffs, ihrer Funktionen und
Akteuere gewidmet, welche dann in Kapitel fünf mit dem Medienbegriff zusammengeführt werden.
Den Abschluss der Arbeit bildet Kapitel sechs mit einer Zusammenfassung der Ergebnisse und dem Fazit.
1 Imhof, Kurt: Medien und Öffentlichkeit in Jäckel, Michael (Hrsg.): Mediensoziologie. Grundfragen und Forschungsfelder. Wiesbaden
2005, S. 273
2 Vgl. Jäckel, Michael (Hrsg.): Mediensoziologie. Grundfragen und Forschungsfelder. Wiesbaden 2005, S.11 und 18
3 Vgl. Saxer, Ulrich: Systemtheorie und Kommunikationswissenschaft, in: Burkart, Roland / Hömberg, Walter (Hg.): Kommunikationstheorien.
Ein Textbuch zur Einführung. 3. Auflage. Wien 2004, S.85
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition System
2.1 Soziologische Systemtheorie
2.2 Funktionssystem
3. Medien und Massenmedien
3.1 Medien
3.2 Massenmedien und Massenkommunikation
3.2.1 Massenmedien
3.2.2 Massenmedien als System
3.2.3 Funktionen von Massenmedien
4. Öffentlichkeit
4.1 Merkmale von Öffentlichkeit
4.2 Funktionen von Öffentlichkeit / Öffentlichkeitsmodelle
4.3 Akteure und Rollen der Öffentlichkeit
4.3.1 Akteur
4.3.2 Sprecher
4.3.3 Vermittler oder Kommunikateure
4.3.4. Publikum
4.4 Ebenen von Öffentlichkeit
4.4.1 Problematik der Ebenen der Öffentlichkeit
5. Medien und Öffentlichkeit
5.1 Aspekt der Gegenöffentlichkeit
6. Fazit und Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, soziologische Grundbegriffe mit dem Medienbegriff zu verknüpfen, um die Definition von Öffentlichkeit und ihre mediale Herstellung theoretisch zu erörtern. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie Öffentlichkeit durch Massenkommunikation konstituiert und von den Bedingungen der Massenmedien beeinflusst wird.
- Systemtheoretische Grundlagen sozialer Funktionssysteme
- Merkmale und Funktionen von Öffentlichkeit
- Differenzierung von Akteuren und Rollen in Kommunikationsprozessen
- Strukturierung der Öffentlichkeit in drei verschiedene Ebenen
- Die Rolle der Medien als intermediäres System
Auszug aus dem Buch
4.4 Ebenen von Öffentlichkeit
Als offenes Kommunikationssystem stellt Öffentlichkeit eine weitgespannte und diffuse Größe dar, die eine Vielzahl kleiner und großer Foren umfasst und nur teilweise miteinander vernetzt ist. Laut GERHARDS und NEIDHARDT werden drei Ebenen von Öffentlichkeit unterschieden:
a. Encounter-Ebene (oder auch „Kommunikation au trottoir“): Diese Ebene der Öffentlichkeit weist den geringsten Grad an struktureller Verfestigung auf. Sie entsteht spontan und ist ein einfaches Interaktionssystem ohne eine Differenzierung in Leistungs- oder Publikumsrolle. D.h. jeder Teilnehmer kann zugleich als Sprecher oder Publikum auftreten. Ein Vermittler ist auf dieser Ebene nicht vorhanden.
Bei der Encounter-Ebene handelt es sich um die z.T. spontane öffentliche Kommunikation auf der Straße („au trottoir“), am Arbeitsplatz oder im Wohnbereich. Sie ist meist räumlich, zeitlich und sozial beschränkt, „gekennzeichnet durch fließende Übergänge zwischen privater Kommunikation mit wechselseitig hoch selektiven Publikumsbezügen und öffentlicher Kommunikation gegenüber einem prinzipiell unbegrenzten Publikum.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Bedeutung von Öffentlichkeit als zentrale Kategorie für demokratische Gesellschaften ein und erläutert das Ziel der Arbeit, diese mit soziologischen Medienbegriffen zu verknüpfen.
2. Definition System: Dieses Kapitel legt die systemtheoretischen Grundlagen dar, wobei insbesondere der Begriff des sozialen Funktionssystems nach Luhmann erläutert wird.
3. Medien und Massenmedien: Hier werden Medien als notwendige Infrastruktur für Kommunikation sowie Massenmedien als komplexes, funktionales System näher definiert.
4. Öffentlichkeit: Dieses Hauptkapitel analysiert Merkmale, Funktionen, Akteursrollen und die spezifischen Ebenen der Öffentlichkeit, von der Encounter-Ebene bis zur Medienöffentlichkeit.
5. Medien und Öffentlichkeit: Dieses Kapitel führt die bisherigen Erkenntnisse zusammen und diskutiert das Verhältnis von Medien und Öffentlichkeit sowie das Phänomen der Gegenöffentlichkeit.
6. Fazit und Schluss: Das Fazit fasst zusammen, wie stark die heutige Öffentlichkeit durch Massenmedien geprägt ist und welche Herausforderungen dies für Transparenz und Diskurs mit sich bringt.
Schlüsselwörter
Öffentlichkeit, Massenkommunikation, Systemtheorie, Medienöffentlichkeit, Soziale Systeme, Funktionssysteme, Kommunikationsprozess, Gegenöffentlichkeit, Journalismus, Intermediäres System, Diskurs, Transparenz, Leistungsrollen, Sprecher, Publikum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das theoretische Zusammenspiel zwischen gesellschaftlichen Strukturen, Medien und der Entstehung von Öffentlichkeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Systemtheorie, die Funktionsweise von Massenmedien und die soziologische Einordnung von Öffentlichkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie Öffentlichkeit definiert werden kann und durch welche Mechanismen Medien diese Öffentlichkeit herstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Analyse und der Verknüpfung soziologischer Begrifflichkeiten, insbesondere der systemtheoretischen Perspektive.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Systemgrundlagen, die Definition von Massenmedien, die detaillierte Analyse der Ebenen von Öffentlichkeit sowie die Rolle der verschiedenen Akteure.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Systemtheorie, Massenkommunikation, Öffentlichkeitsebenen und das intermediäre System.
Wie unterscheidet sich die "Encounter-Ebene" von anderen Ebenen?
Sie ist die spontanste Form der Kommunikation ohne feste Rollenverteilung zwischen Sprecher und Publikum, im Gegensatz zu hochstrukturierten Ebenen wie der Medienöffentlichkeit.
Was ist die Problematik bei der Professionalisierung der Öffentlichkeit?
Mit zunehmender Professionalisierung wächst zwar die Leistungsfähigkeit, aber auch die Distanzierung von Publikumsrollen sowie die Anfälligkeit für externe Kontrollen und Gefährdungen.
Können Massenmedien laut der Autorin vollkommene Transparenz schaffen?
Nein, es wäre vermessen, von Massenmedien eine vollständige Transparenz zu erwarten, da sie nur einen Ausschnitt der Realität basierend auf ihren spezifischen Produktionsrastern abbilden.
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- Ingrid Forster (Author), 2010, Medien und Öffentlichkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179055