Ob Zwangsstörungen, Essstörungen, somatoforme Störungen, posttraumatische Störungen, Schlafstörungen, Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen, sexuelle Funktionsstörungen bis hin zur Suchterkrankung, kann der Mensch eine Vielzahl verschiedener Verhaltensweisen und Verhaltensmuster zeigen oder gar verlieren, wenn sein inneres seelisches Befinden aus dem Gleichgewicht geraten ist. Man erkennt, dass das Feld seelischer Erkrankungen sehr vielfältig und breit gefächert ist, sowie dass in Deutschland ein enormer Handlungs- und Beratungsbedarf für seelische Leiden jeglicher Form entstanden ist und der Mensch die Art, wie er zukünftig leben will, überdenken sollte. Es wird Zeit, dass auch der Letzte erkennt, dass der Mensch eine Einheit aus Körper, Geist und Seele ist. Wird diese Einheit zerstört, so entstehen körperliche und auch seelische Probleme.
Hilfe verspricht hierbei die Verhaltenstherapie, die einen Großteil dieser Hausarbeit ausmachen wird. Im Rahmen dieser Hausarbeit soll unter Berücksichtigung des Leib-Seele-Problems die Brücke zum Behaviorismus geschlagen werden, um somit den Grundstein und den geschichtlichen Hintergrund der Verhaltenstherapie darzustellen. Fortfahrend werden lerntheoretische, kognitive sowie konfrontative Methoden der Verhaltenstherapie erläutert und in einem weiteren Punkt, Kritik an der Verhaltenstherapie geäußert.
Im zweiten Teil der Arbeit wird der psychodynamische Ansatz in seinem Grundverständnis erfasst, um dadurch die wesentlichen Unterschiede zum verhaltenstherapeutischen Verständnis herauszuarbeiten. Dabei soll die Psychoanalyse, die analytische Psychotherapie als auch die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie berücksichtigt werden. Anschließend sollen auch hier Kritiken zum psychodynamischen Ansatz geäußert werden. Ziel soll es sein, einen verständlichen und geordneten Einblick in das Grundverständnis dieser beiden verschiedenen Ansätze und deren Arbeitsweisen zu geben.
Fragestellung dieser Arbeit soll es sein, wie diese beiden großen Ansätze in der heutigen Zeit zueinander stehen und ob eine dieser Schulen als zeitgemäßer und eventuell wirksamer und effektiver charakterisiert werden kann oder sogar muss.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Leib-Seele-Problem
3. Die Verhaltenstherapie
3.1. Die Anfänge der Verhaltenstherapie – Definition Behaviorismus
3.2. Methoden der Verhaltenstherapie
3.2.1. Lerntheoretische Ansätze
3.2.1.1. Klassische Konditionierung
3.2.1.2. Operante Konditionierung
3.2.1.3. Sozial-kognitive Lerntheorie
3.2.2. Kognitive Ansätze
3.2.2.1. Rational-Emotive Therapie (nach Ellis)
3.2.2.2. Kognitive Therapie (nach Beck)
3.2.2.3. Stressimpfungstraining (nach Meichenbaum)
3.2.3. Konfrontative Ansätze
3.2.3.1. Systematische Desensibilisierung (graduiert, in sensu)
3.2.3.2. Flooding (massiert, in vivo)
3.3. Kritik an der Verhaltenstherapie
4. Eine kleine Gesellschaftsanalyse
5. Der psychodynamische Ansatz
5.1. Die Entwicklung der psychoanalytischen Technik Freuds
5.2. Methoden psychodynamischer Therapien
5.2.1. Psychoanalyse
5.2.2. Analytische Psychotherapie
5.2.3. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
5.3. Kritik an den psychodynamischen Therapien
6. Gegenüberstellung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen verhaltenstherapeutischen und psychodynamischen Ansätzen in der modernen Therapie und prüft, inwieweit diese Schulen als zeitgemäß und wirksam eingestuft werden können, wobei auch gesellschaftliche Aspekte beleuchtet werden.
- Grundlagen des Leib-Seele-Problems als philosophische Basis für die Psychotherapie.
- Detaillierte Darstellung verhaltenstherapeutischer Methoden (lerntheoretisch, kognitiv, konfrontativ).
- Untersuchung des psychodynamischen Ansatzes und dessen historischer Entwicklung.
- Kritische Gegenüberstellung beider Therapieformen hinsichtlich Wirksamkeit und therapeutischer Stile.
- Analyse der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf das psychische Wohlbefinden.
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1. Klassische Konditionierung
Begründer der klassischen Konditionierung ist, wie bereits genannt, Iwan Pawlow, der Experimente mit Hunden durchführte. Klassische Konditionierung kann auch als Signallernen bezeichnet werden. Hierbei geht es um die Kopplung verschiedener Reize. Die Begriffe „unbedingter Reiz“, „unbedingte Reaktion“, „neutraler Reiz“ sowie „bedingter Reiz“ und „bedingte Reaktion“ spielen bei der Erklärung eine wichtige Rolle. Ein unbedingter Reiz, ist ein Reiz, der ohne vorangegangenes Lernen eine Reaktion auslöst. Die unbedingte Reaktion ist eine angeborene Reaktion, die durch den unbedingten Reiz ausgelöst wird. Ein neutraler Reiz, ist ein Reiz, der zu keiner bestimmten Reaktion führt. Der bedingte Reiz ist ein ursprünglich neutraler Reiz, der aufgrund einer mehrmaligen Kopplung mit einem unbedingten Reiz, eine gelernte oder bedingte Reaktion bewirkt. Eine bedingte Reaktion ist eine erlernte Reaktion, die durch den bedingten Reiz ausgelöst wird.
Dem besagten Hund wurde nun Futter (unbedingter Reiz) gegeben. Das führte zur Speichelabsonderung (unbedingte Reaktion). Während des Essvorgangs wurde dem Hund immer ein Summton (neutraler Reiz) abgespielt. Summton und Futter (neutraler + unbedingter Reiz) führten zur Speichelabsonderung (unkonditionierte Reaktion). Hier kommt es zu einer Kopplung des neutralen Reizes mit dem unbedingten Reiz, aber noch ohne Lernerfolg. Erst durch mehrmalige Wiederholung dieser Schritte, wurde der eigentlich neutrale Reiz des Summtons zu einem bedingten Reiz. Das alleinige Abspielen des Summtons ohne Futter, führte beim Hund nun zur Speichelabsonderung (bedingte Reaktion). Ein auf dem Menschen bezogenes Beispiel wäre, wenn ein Kind von einer nahe stehenden, männlichen Person geschlagen wird und dabei Schmerz empfindet. Durch diese Handlung wird beim Kind Angst ausgelöst. Im Sinne der klassischen Konditionierung wird die besagte Person in Zukunft auch ohne Gewaltanwendung beim Kind Angst auslösen. Das Kind hat Angst nun mit dieser Person gekoppelt. Es hat gelernt vorsichtig zu sein und zeigt dies nun in seinem Verhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung psychischer Erkrankungen in einer schnelllebigen Gesellschaft und führt in die zwei Hauptansätze der Arbeit ein.
2. Das Leib-Seele-Problem: Dieses Kapitel erörtert die philosophischen Grundlagen des Körper-Geist-Verhältnisses, die das theoretische Verständnis der Psychologie maßgeblich beeinflusst haben.
3. Die Verhaltenstherapie: Es erfolgt eine umfassende Darstellung behavioristischer Grundlagen sowie lerntheoretischer, kognitiver und konfrontativer Methoden inklusive einer kritischen Würdigung.
4. Eine kleine Gesellschaftsanalyse: Hier wird die heutige von Reizen geprägte "Stimulus-Welt" kritisch analysiert und deren negativer Einfluss auf das menschliche Wohlbefinden und die Entfremdung vom Selbst untersucht.
5. Der psychodynamische Ansatz: Dieses Kapitel widmet sich der Entwicklung der Psychoanalyse durch Freud sowie den verschiedenen modernen psychodynamischen Behandlungsverfahren.
6. Gegenüberstellung: Eine vergleichende Analyse beider Ansätze zeigt, dass sich die Verfahren in ihren Wurzeln unterscheiden, aber in der Wirksamkeit keine signifikanten Differenzen aufweisen.
7. Fazit: Das Fazit plädiert für einen "methodischen Tellerrand" und die Bedeutung individueller Hilfepläne statt ideologischer Konkurrenzdenken.
Schlüsselwörter
Verhaltenstherapie, Psychodynamik, Psychoanalyse, Behaviorismus, Leib-Seele-Problem, Konditionierung, Kognitive Therapie, Stressimpfungstraining, Konfrontationstherapie, Gesellschaftsanalyse, Entschleunigung, Symptomorientierung, Psychotherapie, Intervention, Triade der Depression
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die zwei großen therapeutischen Richtungen, Verhaltenstherapie und psychodynamische Ansätze, um ihre jeweilige theoretische Basis, Methoden und kritische Aspekte zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind der Behaviorismus, diverse verhaltenstherapeutische Methoden, die psychoanalytische Entwicklung durch Freud, der Vergleich beider Ansätze und eine Analyse gesellschaftlicher Belastungsfaktoren.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist ein strukturierter Überblick über die Grundverständnisse beider Ansätze und die Untersuchung, ob eine der Schulen als moderner oder wirksamer charakterisiert werden kann.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie den Vergleich von Metaanalysen, um die Wirksamkeit und methodische Ausrichtung der Therapien darzustellen.
Welche Schwerpunkte werden im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden methodische Ausprägungen wie die klassische/operante Konditionierung, kognitive Ansätze nach Ellis und Beck sowie tiefenpsychologische Verfahren im Detail erläutert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, klassische Konditionierung, Kognitive Umstrukturierung und das Leib-Seele-Problem.
Was ist das Ziel der "ABC-Theorie" in der Rational-Emotiven Therapie?
Die ABC-Theorie soll das Problem für den Klienten vereinfacht darstellen, indem sie den Zusammenhang zwischen auslösendem Ereignis, kognitiver Bewertung und emotionaler Konsequenz verdeutlicht.
Wie unterscheidet sich die analytische Psychotherapie von der klassischen Psychoanalyse?
Die analytische Psychotherapie fokussiert stärker auf Gegenwartskonflikte, findet weniger häufig in der Woche statt und hat eine kürzere Behandlungsdauer als die klassische Psychoanalyse.
Welchen Einfluss hat die "Stimulus-Welt" laut der Analyse auf den Menschen?
Die Arbeit argumentiert, dass die ständige Reizüberflutung in der modernen Gesellschaft den Zugang zum eigenen Inneren erschwert und Menschen dazu zwingt, ihre Lebendigkeit durch äußere Stimulation statt durch Selbstverwirklichung zu definieren.
Was bedeutet der Begriff "Entschleunigung" im Kontext dieser Arbeit?
Entschleunigung wird als Lösungsvorschlag angeführt, um der sozialen Abstumpfung entgegenzuwirken, indem der Mensch wieder lernt, eigene Bedürfnisse wahrzunehmen und sich aus der ständigen Arbeits- und Konsumsucht zu lösen.
- Arbeit zitieren
- Christoph Bärwald (Autor:in), 2011, Verhaltenstherapeutische Ansätze - Unter Berücksichtigung der Sichtweise psychodynamischer Therapien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179070