Die Formierung des Widerstandes der Evangelischen Kirche gegen den kirchenpolitischen Einfluss der Nationalsozialisten


Hausarbeit, 2011
13 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Deutschen Christen
2.1 Die Entstehung der Deutschen Christen
2.2 Ideologie und Zweck der Deutschen Christen
2.3 Gründung und faktische Machtübernahme der Deutschen Evangelischen Kirche

3. Die Formierung des Widerstandes der Bekennenden Kirche gegen die Einflussnahme des NS-Regimes
3.1 Erster Widerstand durch die Jungreformatorische Bewegung
3.2 Die Entstehung des Pfarrernotbundes
3.3 Die Entstehung der Bekennenden Kirche
3.4 Die Bekenntnissynode von Barmen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Während des NS-Regimes leisteten viele Pfarrer sowie auch religiöse Laien innerhalb der Evangelischen Kirche aktiven Widerstand gegen die, von diesem geplante und angestrebte, Gleichschaltung von Organisation und Lehre innerhalb der Kirche. Im Folgenden soll nun die Formierung dieses Widerstandes in den Anfangsjahren der nationalsozialistischen Herrschaft vorgestellt und analysiert werden sowie nach Begründungen für diesen geforscht werden

Dabei soll vor allem die Entstehung sowie die Entwicklung und die Versuche zur Expansion der Bekennenden Kirche im Deutschen Reich dargestellt sowie ein Versuch der Begründung ihrer erfolgreichen Leistung von Widerstand gegen eben jenes Regime unternommen werden.

Als Grundlage dafür sollen aber zunächst die Organisation und die Entstehung sowie die Ansichten und Überzeugungen der „Deutschen Christen“, als Gegenpol zur Bekennenden Kirche, und mit diesen auch die der „Deutschen Evangelischen Kirche“, in ihren Grundzügen und Ansichten sowie vor allem in ihrer Funktion für die NSDAP vorgestellt werden.

Darüber hinaus sollen letztlich auch noch andere Organisationen und Zusammenschlüsse, wie z.B. der „Pfarrernotbund“ oder die „Jungreformatorische Bewegung“, in ihren Bemühungen um Widerstand sowie hinsichtlich der Wirksamkeit und des Erfolges ihrer jeweiligen Proteste und Gegenmaßnahmen, auch im Hinblick auf mögliche Signalwirkungen für andere Organisationen, die gerne Widerstand leisten wollten, untersucht werden.

In diesem Zuge soll auch die „Barmer Bekenntnissynode“ als ein wichtiger Akt mit Signalwirkung für alle Protestwilligen innerhalb der Evangelischen Kirche im Dritten Reich Erwähnung finden.

2. Die Deutschen Christen

2.1 Die Entstehung der Deutschen Christen

Hervor gegangen sind die Deutschen Christen (DC) aus zwei verschiedenen kirchlichen Organisationen. Zum Einen aus einer, im Jahre 1927 in Thüringen begründeten, kleineren und lokal beschränkten Gruppe, dem so genannten „nationalsozialistischen Pfarrer- und Lehrerkreis“.[1] Zum Anderen aus dem Bund für deutsche Kirche, welcher häufig auch als „Deutschkirchler“ bezeichnet wurde und 1921 gegründet wurde.[2]

Die NSDAP erkannte den Nutzen dieser Gruppierungen für ihre kirchenpolitischen Zwecke und initiierten die offizielle Gründung der „Glaubensbewegung Deutsche Christen“ anlässlich der Kirchenwahlen des Jahres 1932. Dadurch führten sie alle nationalsozialistisch geprägte evangelische Gruppierungen in einer Organisation zusammen.[3]

Bei der Preußischen Generalsynode am 4. September 1933 wurden die Generalsuperintendenturen durch zehn neu geschaffene Bistümer ersetzt und gänzlich mit, dem Nationalsozialismus zugeneigten, Bischöfen besetzt. Dadurch war die formelle Übernahme der Regierungsgewalt im sakralen Sektor vollzogen.[4]

Darüber hinaus wurde auch noch im September des Jahres 1933 auf der Nationalsynode in Wittenberg der, dem Nationalsozialismus nahe stehende, Pfarrer Ludwig Müller zum neuen Reichsbischof ernannt, womit auch das Oberkommando über die Kirche durch die Nazis nach ihrem Willen beeinflussbar gemacht wurde.[5] Auf diesen Aspekt wird im weiteren Verlauf auch noch einmal näher eingegangen werden.

2.2 Ideologie und Zweck der Deutschen Christen

Die Deutschen Christen wurden von der NSDAP mehr oder weniger als ein Werkzeug zur Schaffung einer Gleichschaltung der evangelischen Kirche im Deutschen Reich gegründet und benutzt und zu diesem Zwecke, in enger Anlehnung an das von Hitler propagierte Führerprinzip, ähnlich diesem ausgerichtet, organisiert und hohe Ämter mit Hitlertreuen Personen besetzt.[6] Hitler selbst gab ihnen ja den Namen „Deutsche Christen“[7] Man kann davon sprechen, dass sie einen Ableger bzw. Repräsentanten des Nationalsozialismus innerhalb der Kirche darstellten. Dies sollte vor allem dazu dienen, die Kirche in absehbarer Zeit völlig mit dem Staat zu verschmelzen, indem z.B. Hitler als Gesandter Gottes gepriesen wurde, um diese dadurch früher oder später nichtig werden zu lassen.[8] Es sollte also eine Gleichschaltung der Evangelischen Kirche mit dem Staat stattfinden.

Die Deutschen Christen vertraten daher auf christlicher Ebene in etwa die Einstellungen, die die Nationalsozialisten auf politischer Ebene vertraten. Dazu zählten etwa eine, an der Rassenlehre orientierte, Theologie, die Forderung nach einer Rassenreinheit auch in der Kirche (Mitglieder sollten folglich deutsch und von reiner Herkunft sein) sowie die, damit verbundene, radikale Distanzierung von der jüdischen Religion.[9] Auch die Einführung des „Arierparagraphen“ für alle Kirchenämter und der damit einhergehende Ausschluss von allen „Nichtariern“ aus dem Kirchendienst war ein Bestandteil dieser Vorgehensweise.[10] Aus diesem Denkansatz heraus stellten sie auch die Forderung nach einer Ausgliederung des Alten Testaments sowie der paulinischen Briefe aus der Liturgie der evangelischen Kirche, da Ersteres auf die jüdischen Wurzeln des Christentums hinweist, von welchen sie sich distanzieren wollten und sie Zweitere als Einführung eben dieser jüdischen Religionsansätze in die christliche Liturgie ansahen, welche dazu noch durch einen Juden (Paulus) verfasst worden sind sowie angeblich das Evangelium Jesu verfälschen würden, und als Konsequenz daraus ebenso verurteilten.[11]

2.3 Gründung und faktische Machtübernahme der Deutschen Evangelischen Kirche

Im Jahr der Machtübernahme von Seiten der NSDAP kam es zu der Gründung der Deutschen Evangelischen Kirche, einer Vereinigung der zur damaligen Zeit existierenden 28 deutschen evangelischen Landeskirchen,[12] dessen Verfassung am 14. Juli verabschiedet wurde.[13] Oberste Instanz dieser neu gegründeten Organisation sollte ein neu gewählter Reichsbischof werden. Die Deutschen Christen machten sich natürlich für die Benennung des Wunschkandidaten von Hitler persönlich, nämlich Ludwig Müller, der ja dann letztendlich auch Reichsbischof geworden ist, stark, um einerseits Hitler ihre Loyalität zu beweisen und sich andererseits bei der NSDAP, also ihrem, aus ihrer Sicht, schnellsten Weg zur Macht, beliebt zu machen.[14]

Hitler wollte unbedingt Müller in diesem höchsten Amt sehen, da er diesen als inkompetent für dieses Amt und somit beherrschbar ansah und weil diese ein fanatischer Verehrer von ihm war.[15]

Zunächst jedoch wurde Friedrich von Bodelschwingh zum Reichsbischof ernannt, welcher das Amt allerdings nur eine kurze Zeit auszuüben vermochte, da die Deutschen Christen, mit Unterstützung durch die Nationalsozialisten, einen enormen Druck auf Bodelschwingh ausübten und ihn dadurch, mehr oder weniger, zu seinem Rücktritt zwangen, da Hitler wusste, dass Bodelschwingh die Kirche nicht zu seiner Marionette verkommen lassen würde, wie Müller es getan hat.[16]

Der letztlich entscheidende Beweggrund für dessen Rücktritt war die Einsetzung des damaligen Landgerichtrats Dr. August Jäger als zuständigen staatlichen Kommissar für alle Landeskirchen in Preußen durch den damaligen preußischen Erziehungsminister Bernhard Rust, welchen die Deutschen Christen um Hilfe bei der Absetzung Bodelschwinghs und der Einsetzung Müllers gebeten hatten, da es ihnen an Sympathien bei den Geistlichen in Deutschland sowie an Einfluss bei den Kirchenbehörden mangelte.[17]

[...]


[1] Sonne, Hans-Joachim: Die politische Theologie der Deutschen Christen, Göttingen 1982, S.56 (Im Folgenden zitiert als Sonne, politische Theologie)

[2] Eben da, S. 11

[3] Neumann, Peter: Die Jungreformatorische Bewegung, in: Arbeiten zur Geschichte des Kirchenkampfes Band 25, Göttingen 1971, S. 11 (Im Folgenden zitiert als: Neumann, Bewegung)

[4] Conway, John S.: Die Nationalsozialistische Kirchenpolitik 1933 – 1945, München 1969, S. 69 (Im Folgenden zitiert als: Conway, Kirchenpolitik)

[5] Conway, Kirchenpolitik, S. 69

[6] Conway, Kirchenpolitik S. 68 – 70

[7] Hüffmeier, Wilhelm u. Stöhr, Martin (Hrsg.): Barmer Theologische Erklärung 1934 – 1984, Geschichte – Wirkung – Defizite, in: Unio und Confessio Band 10, Bielefeld 1984, S. 15 (Im Folgenden zitiert als: Stöhr, Erklärung)

[8] Conway, Kirchenpolitik S. 69 – 70

[9] Sonne, politische Theologie, S. 22 – 23 u. 34 – 39

[10] Conway, Kirchenpolitik, S. 69

[11] Sonne, politische Theologie, S. 49 – 51

[12] Conway, Kirchenpolitik, S. 57

[13] Eben da, S.62

[14] Eben da, S. 57 – 58

[15] Eben da, S. 57

[16] Conway, Kirchenpolitik, S. 58

[17] Conway, Kirchenpolitik, S. 58 – 59

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Formierung des Widerstandes der Evangelischen Kirche gegen den kirchenpolitischen Einfluss der Nationalsozialisten
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Veranstaltung
Christentumsgeschichte
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V179088
ISBN (eBook)
9783656014010
ISBN (Buch)
9783656014362
Dateigröße
436 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
formierung, widerstandes, evangelischen, kirche, einfluss, nationalsozialisten
Arbeit zitieren
Philipp-Michael Hebel (Autor), 2011, Die Formierung des Widerstandes der Evangelischen Kirche gegen den kirchenpolitischen Einfluss der Nationalsozialisten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179088

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