Reis als Handelsgut im Basel des ausgehenden Spätmittelalters


Seminararbeit, 2009

15 Seiten


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG
1.1 Zielsetzung und Fragestellungen
1.2 Vorgehensweise, Quellen und Inhalt

2 BASEL UND DER REIS
2.1 Historisch-geographischer Kontext
2.1.1 Reis von der Urgeschichte bis ins Mittelalter
2.1.2 Der Reis im Spätmittelalter
2.1.3 Basels Stellung im internationalen Handel des 15. Jahrhunderts
2.2 Auf den Spuren des Reises in Basel
2.2.1 Die ersten Zeugnisse bis zur Etablierung des neuen Guts
2.2.2 Reis als „modernes Massengut“
2.2.3 Ausblick auf die Veränderungen im 16. Jahrhundert

3 SCHLUSSWORT: ZUSAMMENFASSUNG UND FAZIT

4 BIBLIOGRAPHIE
4.1 Selbständige Publikationen
4.2 Unselbständige Publikationen
4.3 Lexikaund Nachschlagewerke

5 ANHANG: VERWENDETE EINHEITEN

1 EINLEITUNG

1.1 Zielsetzung und Fragestellungen

Die vorliegende Arbeit will aufzeigen, wie der Reis gegen 1400 den Weg nach Basel fand - erst als Transitgut, dann auch in die heimischen Küchen - und sich schliesslich um 1500 als Massengut in ganz Westeuropa etablieren konnte. Die Betrachtungen beschränken sich da­bei im Wesentlichen auf die handelsgeschichtliche Perspektive.

Voraussetzungen, Zeitpunkt und Umstände für das Erscheinen von Reis in Basel sollen be­sprochen werden. Für das Emporkommen des neuen Handelsguts sollen einzelne Phasen ausgemacht, und mit lokalen und internationalen Begebenheiten verknüpft werden. Die Aufarbeitung der Geschichte des Reises in Europa liefert den dazu notwendigen Hinter­grund.

In diesem Rahmen soll auch versucht werden, Bedeutung und Wahrnehmung dieses Han­delsguts für die lokale Wirtschaft abzuschätzen. Es soll eruiert werden, welche internen und externen Kräfte den Reishandel in Basel verändert, vorangetrieben oder gehemmt haben könnten.

1.2 Vorgehensweise, Quellen und Inhalt

Besprochen werden als Erstes die historisch-geographischen Voraussetzungen, die das Auf­kommen von Reishandel in Basel ermöglichten: Basels Stellung als Handelsstadt im Spät­mittelalter einerseits, die Geschichte des Reises in Europa andererseits. Ersteres wurde von verschiedenen Autoren bereits sehr eingehend behandelt1, während fürs Letztere besonders die Zeit des Früh- und Hochmittelalters schlecht abgedeckt zu sein scheint2.

Als Kernbestandteil der Arbeit folgt die Untersuchung des Reishandels und -transits in Basel. Als Quellen dienen hierbei vor allem: Erstens, die Basler Zolltarife, die ab 1359 zu­verlässig die gehandelte Warenpalette wiedergeben können.3 Zweitens, die den mittelalterli­chen Alpentransit betreffenden Quellen- und Regestsammlungen im Anhang zu Schultes und Schnyders Darstellungen.4 Und drittens, die in der Publikation Glausers aufgearbeiteten Einträge des Luzerner Zentnerzoll, von dem für das letzte Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts ein Grossteil aller Handelsbewegungen über den Gotthard überliefert sind.5

Zur Ausweitung der Quellenbestände habe ich auch den Gang in die Archive erwogen, wo - beispielsweise in Gerichts- und Zunfturkunden - noch etliche Hinweise über Handelsbewe­gungen mit Reis in Basel auffindbar sein könnten. Der Aufwand einer entsprechenden Re­cherche wärejedoch erheblich, da genauere Anhaltspunkte über den Verbleib relevanter Do­kumente fehlen, während ihr Ertrag unsicher wäre. Im Laufe der vorbereitenden Lektüre wurde schnell klar, dass eine entsprechende Recherche den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde.

Entsprechend kann ich das gewählte Thema in meiner Arbeit das Thema nicht vollständig und abschliessend behandeln. Dagegen soll sie einen übersichtlich strukturierten und beson­ders auch anschaulichen Zugang zu den Leitfragen bieten. Aus einer sorgfältigen, gezielten Bearbeitung der ausgewählten Bestände sollen exemplarische Quellen extrahiert und illus­triert werden, welche die Rekonstruktion verbleibender Lücken erlauben.

2 BASEL UND DER REIS

2.1 Historisch-geographischer Kontext

2.1.1 Reis von der Urgeschichte bis ins Mittelalter

Erste Zeugnisse für domestizierten Reis reichen in Südostasien über 4'000 Jahre zurück, und es dürfte auch noch viel früher Reis angebaut worden sein.6 Im fünften Jahrhundert vor Christus war der Reisanbau in weiten Teilen Asiens und Indiens schon seit langem etabliert7 und war bis an die Grenzen des griechisch-römischen Kulturraumes vorgedrungen8. So ver­wundert es nicht, dass der Reis (Oryza sativa L.)9 auch in der griechischen und römischen Antike bekannt war. Im antiken Rom war Reis ein teurer Luxus, der aus dem Nahen Osten oder Indien importiert wurde.10 Er fand fast ausschliesslich zu medizinischen Zwecken Ver­wendung.11

Im frühen und hohen Mittelalter scheint der Reis in Europa (vor allem im byzantinischen Reich) nie ganz in Vergessenheit geraten zu sein, blieb aber weiterhin extrem teuer und nur als Arzneidroge bekannt,12 so dass nur noch sehr vereinzelte Zeugnisse erhalten sind. Erst im Spätmittelalter wurde er hier wieder langsam aus seiner Versenkung gehoben: die bei Owen erwähnte Bestellung13 von rund 50 kg Reis durch die Gräfin von Leicester im Jahre 1264 wäre eine der ältesten entsprechenden Quellen. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Araber, die den Reis seit Alters her kennen und lieben gelernt hatten, dessen Anbau schon lange bis in ihre spanischen und sizilianischen Territorien exportiert.14

2.1.2 Der Reis im Spätmittelalter

In Quellen des 14. Jahrhunderts taucht der Reis bereits zahlreich auf: in Zolltarifen und Er­lassen,15 Handelsakten16 und Rezeptsammlungen17. Dabei fallt auf, dass man den Reis nicht mehr wie in der Antike hauptsächlich als Heil- sondern als Nahrungsmittel verwendete.

Importiert wurde der Reis bis zu seiner Verpflanzung nach Oberitalien möglicherweise aus Asien über Griechenland18 sowie aus Spanien19. Der weite Weg und die damit verbundenen Risiken und Kosten dürften das Gut sehr verteuert haben, was auch von frühen Zeugnissen bestätigt wird20. Der Reis wurde im 14. Jahrhundert noch von Apothekern und Gewürzhänd­lern verkauft,21 was einen Hinweis auf seine Seltenheit und Besonderheit gibt. So kommt man leicht zur Vermutung, dass der Reis als teuere Importfrucht einer wohlhabenden Ober­schicht vorbehalten war, was von diversen Darstellungen gestützt wird22.

Mit der Etablierung des Reisanbaus in Oberitalien in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert wurde der Reis innert kurzer Zeit zum Massengut.23 Die Reiskultivierung ging wahrschein­lich auf das Königreich Neapel zurück, welches sie von den Aragonesen, undjene wiederum von den Mauren, übernommen haben könnte. Von dort aus verlagerte sich der Reisanbau all­mählich nach Norden, bis er Mitte des 15. Jahrhundert im Mailändischen Fuss fasste.24 Dort wusste ihn Herzog Galeazzo Maria Sforza erfolgreich zu fördern, worauf Reis bald zu ei­nem der bedeutsamsten Erzeugnisse der Region aufstieg.25 Zeitgenössische Erhebungen be­zifferten die dort bewirtschafteten Fläche auf beachtliche 5592 ha.26

[...]


1 Vgl. Ehrensperger, Basels Stellung im internationalen Handelsverkehr, Geering, Handel und Industrie, Wackernagel, Geschichte der Stadt Basel, und Amman, Mittelalterliche Zolltarife aus der Schweiz III.

2 Für die Antike vgl. Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere, und für die Einführung des Reisanbaus in der Lombardei vlg. Motta, Per la storia della coltura del riso in Lombardia. Bei den folgenden Werken, die mir leider nicht zur Verfügung standen, dürfte es sich um weitere gehaltvolle Quellen für die Zeit der Einfüh­rung des Reisanbaus in Italien handeln: Novelli, Novello; Sampietro, Giovanni: La risicoltura in Italia. Note storiche ed agrarie, Hg. vom Ministerio dell' Intorno, Rom 1925, sowie Ciferri, Raffaele: Lineamenti per una storia del riso in Italia, in: Quaderno (Università Pavia, istituto botanico) 14, 1959.

3 Publiziert bei Amman, Mittelalterliche Zolltarife aus der Schweiz III.

4 Schulte, Geschichte des mittelalterlichen Handels. Schnyder, Handel und Verkehr.

5 Glauser, Der internationale Gotthardtransit im Lichte des Luzerner Zentnerzolls.

6 Grist, Rice, S. 3.

7 Grist, Rice, S. 3-5.

8 Aristobolus beschreibt Reisanbau im Zweistromland zur Zeit der Feldzüge Alexanders des Grossen: Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere, S. 497f.

9 Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere, S. 495.

10 Bakels u.a., Access to Luxury Foods, S. 13, und Hehn, Kulturpflanzen und Haustiere, S. 499.

11 Hehn, Kulturpflanzenund Haustiere, S. 499.

12 Owen, The Rice Book, S. 66.

13 Vgl. Owen, The Rice Book, S. 68. Leider weist OwENjedoch keine Quellen aus.

14 Hehn, Kulturpflanzenund Haustiere, S. 499.

15 Vgl. z.B. Mailänder Tarife und Verordnungen (1340, 1388ff), zit. Motta, Per la storia della coltura del riso in Lombardia, S. 392f; ebenso wie die Konstanzer Kaufhausverordnung (nach 1391), zit. Schnyder, Handel und Verkehr, Bd. 1, S. 169.

16 Vgl. z.B. die Einfuhr von Reis durch die Genuesen in Antwerpen 1315, zit. Schulte, Geschichte des mittel- alterlichenHandels, Bd. 1, S. 712.

17 Adamson, Food in Medieval Times, S. 84-86.

18 Motta, Per la storia della coltura del riso in Lombardia, S. 392, 394.

19 Schnyder, Handel und Verkehr, Bd. 1, S. 59.

20 Motta, Per la storia della coltura del riso in Lombardia, S. 392.

21 Motta, Per la storia della coltura del riso in Lombardia, S. 392f.

22 z.B. Herrmann u.a., Determinanten der Bevölkerungsentwicklung im Mittelalter, S. 116; Galioto u.a., Das Haus "Zum roten Basler Stab", S. 640.

23 Motta, Per la storia della coltura del riso in Lombardia., Glauser, Der internationale Gotthardtransit im Lichte des Luzerner Zentnerzolls.

24 Negri, Le riz en Italie, S. 2.

25 Motta, Per la storia della coltura del riso in Lombardia.

26 Negri, Le riz en Italie, S. 4. Dies ist ein Bruchteil der heute bebauten Fläche - laut Statistiken des Ente Na­tionale Risi, URL: http://www.enterisi.it/index.jsp für 2007 etwa 80'000 ha für die selben Gebiete.

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Details

Titel
Reis als Handelsgut im Basel des ausgehenden Spätmittelalters
Hochschule
Universität Basel
Veranstaltung
Proseminar Europa und Asien
Autor
Jahr
2009
Seiten
15
Katalognummer
V179090
ISBN (eBook)
9783656013990
ISBN (Buch)
9783656014348
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Asien, Reis, Basel, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Handel, Jakob Irmi, Balthasar Irmi, Ulrich Meltinger, Zollrodel, Riso, Galeazzo Maria Sforza
Arbeit zitieren
Remo Wasmer (Autor), 2009, Reis als Handelsgut im Basel des ausgehenden Spätmittelalters, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179090

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