Thomas Mann: Radiosendung nach Deutschland, 27. September 1942

Analyse unter Berücksichtigung des Streites mit Bertolt Brecht


Referat / Aufsatz (Schule), 2010
3 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Thomas Mann

Radiosendung nach Deutschland, 27. September 1942

Analyse unter Berücksichtigung des Streites mit Bertolt Brecht von Tim Blume

Thomas Manns ǷRadiosendung nach Deutschland“ wurde am 27. September 1942 über London nach Deutschland ausgestrahlt. Diese Radiosendung gehört damit zu einer Reihe von Radiosendungen, die Mann von Oktober 1940 bis Mai 1945 gehalten hat und die von der BBC ausgestrahlt wurden. Thomas Mann verließ Deutschland im Jahre 1933 als Re- aktion auf die Bücherverbrennung der Nazis, die auf diese Weise Bücher von zum Bei- spiel jüdischen Autoren oder von Autoren, die das System kritisierten, vernichteten. Im Zuge des Nationalsozialismus wurde im Oktober 1933 das sogenannte ǷSchriftleiterge- setzt“ erlassen, das den Autiren vorschrieb, was sie schreiben durften und was nicht.

Thomas Mann reist 1934 in die USA, da auch Teile seiner Werke den Bücherverbren- nungen zum Opfer fielen, ab 1938 lebt er dauerhaft in den USA. Er kann den Nationalso- zialismus nicht unterstützen und stellt sich gegen ihn. Solch ein Verhalten wird in Nazi- Deutschland nicht geduldet und verfolgt. In den USA hat er jedoch die Möglichkeit, seine Ansichten zu verbreiten, dies tut er, indem er seine Sendungen über die BBC ausstrahlt, so dass auch deutsche Hörer sie verfolgen können. Das Abhören von Feindsendern wie der BBC stand in Deutschland unter Strafe, so dass Manns Hörer sich vor strafrechtlicher Verfolgung schützen mussten.

Seine Radiosendung vom 27. September 1942 richtet sich an das gesamte deutsche Volk, er appelliert an sein Gewissen, etwas gegen das Hitler-Regime zu unternehmen. So zeigt er dem Hörer beispielsweise auf, dass der Hass der Deutschen auf die Juden nicht wech- selseitig sei und dass die Taten für vernunftbegabte Menschen nicht nachzuvollziehen seien. Er beleidigt Hitler und seine Anhänger und fragt den Hörer ganz direkt, ob er von den Schandtaten wisse und was er davon halte. Durch Nennung einiger Beispiele für den Abtransport und die Vergasung mehrere Tausend Juden verdeutlicht er dem Hörer die Schandtaten des NS-Regimes. In einem seiner letzten Sätze bezeichnet er die Deutschen als Ƿmissgebildete Killer“ und stellt die Frage nach dem weiteren Vorgehen mit diesen in den Raum.

Thomas Mann gliedert seine Radioansprache, indem er zuerst eine Frage an das Publi- kum richtet, das er in der zweiten Person Plural (Ƿihr“, Ƿeuch“) anspricht, und anschlie- ßend einen Fakt beziehungsweise etwas, das er für einen Fakt hält, anschließt. Dieses ǷFrage-Fakt-Muster“ nutzt er bis zum Ende der Ansprache, die mit einer Frage schließt. Mann sagt aus, dass die Deutschen es nicht fertig brächten, Ƿden Haß [sic] wechselsei- tig“ zu machen. Durch Verwendung einer Steigerung (Klimax) gepaart mit einer Reihung und einer Alliteration, die er asyndetisch verbindet, macht er den Deutschen deutlich, was sie mit den Juden getan haben: Sie hätten sie Ƿentmachtet, entrechtet, enteignet, in den Staub gedemütigt“, und das, obwohl die Juden die einzigen Freunde der Deutschen in der Welt sein könnten. Er unterstellt den Deutschen, einer ǷQuälsucht“ verfallen zu sein, mit der Absicht - wie er Goebbels, den Reichspropagandaminister zitiert - Ƿ‚die Juden auszurotten‘“. Daraufhin fragt er die Hörer, welchen Vorteil sie davon hätten, wenn die Juden vernichtet seien. Mann bezeichnet Goebbels als Ƿunselige[n] Lügen- bold“ und wünscht sowohl ihm als auch Adolf Hitler als auch den anderen Nazis die Fahrt in die Hölle. Mit diesen Beleidigungen verdeutlicht er seine Abneigung oder gar seinen Hass auf die Führungsspitze Deutschlands und deren Anhänger.

In seiner Beschreibung über das Warschauer Ghetto benutzt Mann sehr konkrete und bildhafte Wendungen, bezeichnet das Ghetto sogar als ǷHunger-, Pest- und Todesgrube“ (Stilmittel der Steigerung und Reihung) und untermalt die Gräueltaten unter Zuhilfenahme einiger abschreckend wirkender Zahlenangaben. Er fragt die Hörer, wie sie diese Schandtaten empfinden und wie sie zu den Geschehnissen stehen.

Mittels einer Antithese (Schreie und Qual sind in der Regel nicht mit Gelächter vereinbar) stellt er den Todeskampf der vergast werdenden Juden dar, der von den ǷSS- Hottentotten“ (Metapher) mit einem Ƿgutmütigen Gelächter“ begleitet worden sei. Mit seiner abschätzigen Schlussbemerkung beleidigt er zum einen die Deutschen und stellt sie den Führungspersonen gleich, zum anderen appelliert er (indirekt), mit den Schand- taten aufzuhören. Die gesamte Rede Manns ist geprägt von Beleidigungen, beispielswei- se verwendet er Begriffe aus den Bereichen der Fäkalsprache (Ƿverjauchten Gehirne“).

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Ende der Leseprobe aus 3 Seiten

Details

Titel
Thomas Mann: Radiosendung nach Deutschland, 27. September 1942
Untertitel
Analyse unter Berücksichtigung des Streites mit Bertolt Brecht
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
3
Katalognummer
V179140
ISBN (eBook)
9783656018889
Dateigröße
735 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
thomas, mann, radiosendung, deutschland, september, analyse, berücksichtigung, streites, bertolt, brecht
Arbeit zitieren
Tim Blume (Autor), 2010, Thomas Mann: Radiosendung nach Deutschland, 27. September 1942, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179140

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