Sozialerziehung vs. Integrative Erziehung

Zwei Begriffe aber ein Konzept?


Hausarbeit, 2010
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Begrifflichkeit
2.1 Zum Begriff der Sozialerziehung
2.2 Zum Begriff der Integrativen Erziehung

3. Hauptprinzipien und Ziele
3.1 Sozialerziehung
3.2 Integrative Erziehung

4. Gemeinsamkeiten und Unterschiede

5. Fazit

Literatur

1. Einleitung

Die Pädagogik der frühen Kindheit hat viele Facetten. Die Erziehung der Kinder ist eine verantwortungsvolle Aufgabe und erfordert daher Berücksichtigung dieser zahlreichen Aspekte. So entstehen im Laufe der Zeit immer wieder neue Erziehungskonzepte, die neuartige Schwerpunkte im Bereich der Elementarerziehung setzten. Dementsprechend hat man als Elternteil heutzutage unterschiedlichste Möglichkeiten, sein Kind zu fördern. Sei es ästhetische Erziehung, Bewegungserziehung, Sprachförderung oder interkulturelle Erziehung. Den Kindergärten mangelt es da nicht am Angebot. Einige dieser Konzepte zu speziellen Bildungs- und Erziehungsbereichen standen im Rahmen einer Sitzung des Seminars „Einführung in die Pädagogik der frühen Kindheit“ zur Diskussion. Es handelte sich nämlich um folgende Konzepte: Sozialerziehung,

Sprachförderung, integrative Erziehung, interkulturelle Erziehung sowie geschlechtsbewusste Erziehung.

Beim Versuch entsprechende theoretische Grundlagen auf bestimmte Beispiele zu übertragen, fällt auf, dass einige der Prinzipien der Sozialerziehung beim Konzept der integrativen Erziehung wiederzufinden sind. Impliziert nun der Begriff „sozial“ wirklich wesentliche Merkmale der integrativen Erziehung oder sind die Ansprüche an die ErzieherInnen in den genannten Erziehungsbereichen doch ziemlich unterschiedlich? Dieser Fragestellung wird in der vorliegenden Arbeit nachgegangen. Dabei wird zunächst ein Überblick über Begrifflichkeit beider Konzepte geliefert. Im Anschluss daran werden die Hauptprinzipien und Ziele der Sozialerziehung einerseits sowie der integrativen Erziehung andererseits dargestellt. Auf der Grundlage von diesen Informationen werden die beiden Konzepte miteinander verglichen. Das Ergebnis des Vergleichs wird zeigen, inwiefern im Fall von sozialer und integrativer Erziehung von demselben Erziehungskonzept ausgegangen werden darf.

2. Zur Begrifflichkeit

Wird man zum ersten Mal mit einem unbekannten Konzept konfrontiert, so stellt man sich zunächst die Frage, was sich hinter der jeweiligen Bezeichnung verbirgt. Der Begriff allein kann bestimmte Einstellungen zum dahinter stehenden Inhalt auslösen und uns entweder dazu motivieren, sich weiter mit der jeweiligen Thematik zu beschäftigen oder uns wiederum davon abhalten. An den Begriffen Sozialerziehung und Integrative Erziehung wird man höchstwahrscheinlich nichts Abstoßendes finden. Ob diese Begriffe aber von Pädagogen einheitlich definiert werden, gilt es anhand des nachfolgenden Überblicks herauszuarbeiten.

2.1 Begriff der Sozialerziehung

Strätz (2006) macht in seinem Aufsatz „Sozialerziehung“ darauf aufmerksam, dass der Begriff Sozialerziehung nicht allgemeingültig definiert werden kann und sich dementsprechend einer festen Zuordnung im elementarpädagogischen Bildungs- und Erziehungskanon entzieht. Biermann (1986) hält seinerseits fest: „Wie alle zentralen Begriffe vom Menschen sind auch die Begriffe der 'Erziehung' und des 'Sozialen' vielfältig in theologischer und philosophischer, anthropologischer und pädagogischer, in psychologischer und soziologischer Sicht besetzt.“ (Biermann 1986: 13).

Außer der zu beobachtenden Komplexität des Begriffs sorgt eine weitere mit der Sozialerziehung konkurrierende Bezeichnung für verschwommene Definitionen dieses Konzepts. Wittenbruch (1985) erinnert in seinem Vortrag „Chancen sozialer Erziehung heute. Fallstudien aus pädagogischen Handlungsfeldern“ an die Zeiten, als der Begriff soziale Erziehung als dunkler Kontrasthintergrund um das soziale Lernen fungierte. Da aber diese Problematik den Rahmen der vorliegenden Arbeit sprengen würde, wird auf diesen Aspekt nicht näher eingegangen. Um dennoch nicht ausschließlich bei den diffusen Formulierungen stehen zu bleiben, seien im Folgenden einige Definitionen der Sozialerziehung eingeführt.

„Sozialerziehung bezeichnet das zielgerichtete Bemühen um soziales Lernen; dieses geht von den Sozialisationsbedingungen der Beteiligten aus, erfasst den Prozess der Auseinandersetzung mit deren Alltags-, Konflikt- und Lebenssituationen ein. [...] Sozial erziehung ist [...] intentionales Handeln an und mit anderen, [...] das zu einer Veränderung ihrer personalen, sozialen und materialen Lage im Sinne einer Fundamentaldemokratisierung beitragen soll.“ ( Oertel 1977: 165).

„Sozialerziehung will Fähigkeiten vermitteln, die Kindern eine kompetente und autonome Gestaltung ihrer Außenbeziehungen, d.h. vor allem ihrer Beziehungen zu anderen Menschen ermöglichen. Es geht um die Fähigkeit, Verhalten und Emotionen anderer in sozialen Situationen wahrzunehmen, zu verstehen, in den Wirkungen einzuschätzen und realitätsgerecht zu reagieren, d.h., S. bezieht sich sowohl auf soziale Kognition, soziales Verhalten und Emotionen.“ (Niermann 1979: 285f.).

Im Hinblick auf die zentrale Frage dieser Arbeit erscheint aber vor allem folgende Definition weiterführend: „Sozialerziehung ist ein spezifischer Teil der Gesamterziehung, aber mit dieser untrennbar verbunden; sie erfasst die soziale Dimension jeder Erziehung.“ ( Hervorhebung durch mich/Oertel 1983: 42).

2.2 Begriff der Integrativen Erziehung

Der Begriff Integrative Erziehung scheint ebenfalls dem Problem des uneinheitlichen Gebrauchs ausgesetzt zu sein. Die Autoren des Beitrags „Integrative Erziehung“-[1] Heimlich und Behr stellen heraus, dass der Begriff Integration in unterschiedlichen Kontexten verwendet wird. In der Pädagogik unterliegt diesem Terminus häufig ein soziologisches oder psychologisches Verständnis. Dabei wird Integration als ein veränderbarer, fortlaufender Entwicklungsprozess verstanden (vgl. Heimlich & Behr 2006).

Diese Feststellungen der Autoren würden aber einen in die Thematik nicht eingeweihten Leser immer noch über den im Begriff implizierten Inhalt rätseln lassen. In einer seiner weiteren Arbeiten liefert der bereits erwähnte Heimlich (2003) eine genauere Definition der integrativen Pädagogik, indem er den sozialwissenschaftlichen Integrationsbegriff folgendermaßen beschreibt: „ Integrative Pädagogik bezieht sich [...] auf die ursprünglich Wortbedeutung von Integration [...] im Sinne der 'Wiederherstellung eines Ganzen' bzw. der 'Einbeziehung, Eingliederung in ein größeres Ganzes' durch die 'Verbindung einer Vielheit von einzelnen Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit'.“ (Heimlich 2003: 17). Dieser Formulierung

vorausgehend erläutert er: „Integrativ deshalb, weil sie jene pädagogischen Handlungsformen zusammenfassen soll, die auf die volle gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung bei Anerkennung ihrer Selbstbestimmungsrechte abzielt.“ (ebd.: 17).

Während Heimlich auf das Wort Behinderung zurückgreift (s.o.), um den Kern integrativer Erziehung zu verdeutlichen, spricht Reiser (1992) von der „Verschiedenartigkeit“ und hebt in diesem Kontext hervor: „Integrative Erziehung stellt den Versuch dar, sehr verschiedenartige Kinder in gemeinsamen Aktivitäten zu vereinigen“ (Reiser 1992: 192). Seine ergänzende Bemerkung erlaubt zwar einige Parallelen zwischen den beiden Konzepten zu entdecken, grenzt aber gleichzeitig den Begriff Sozialerziehung von der integrativen Erziehung ab. Der Wissenschaftler führt nämlich fort: „Grundsätzlich ist dies eine pädagogische Aufgabe in jeder Kindergartengruppe; die integrative Gruppe zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass die Verschiedenartigkeit der einzelnen Kinder sehr ausgeprägt ist.“ (ebd.).

3. Hauptprinzipien und Ziele

Aus den im Vorhergehenden zitierten Definitionen der Sozialerziehung sowie der integrativen Erziehung werden teilweise die jeweiligen Hauptprinzipien der beiden Konzepte ersichtlich. Die in den Definitionen enthaltenen Hinweise sind aber bei weitem nicht ausreichend, um von Ähnlichkeit oder Verschiedenheit beider Erziehungsmodelle diskutieren zu können. Aus diesem Grund sollten im Folgenden die den Konzepten zugrunde liegenden Zielsetzungen differenzierter dargestellt werden. Diese werden außerdem in Bezug zu den Prinzipien der in letzter Zeit entwickelten Erziehungsansätze gesetzt. Bei der Darstellung von Prinzipien wird vor allem auf die Besonderheiten des jeweiligen Kindergartenalltags sowie die Rolle der ErzieherInnen geachtet.

3.1 Sozialerziehung

Es wäre utopisch anzunehmen, dass Prinzipien und Ziele der Sozialerziehung seit den 70er Jahren (als das Konzept in die Wege geleitet worden war) unverändert geblieben sind. Vor dem Hintergrund der begrifflichen Diversität erscheint es um so realitätsferner. Die tatsächliche Entwicklung des Sozialerziehungskonzepts kann in der bereits genannten Arbeit „Sozialerziehung“ von Strätz (2006) im Detail nachgelesen werden. In der nachfolgenden Tabelle sind die zum bestimmten Zeitpunkt jeweils vertretenen Leitgedanken zusammengefasst.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Heterogene Gruppenzusammensetzung als Chance für die Entwicklung sozialer Kompetenzen Tabelle Entwicklung des Sozialerziehungskonzepts im Zeitverlauf (erstellt in Anlehnung an Strätz 2006)

[...]


[1] Heimlich & Behr 2006 ( siehe Literatur )

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Sozialerziehung vs. Integrative Erziehung
Untertitel
Zwei Begriffe aber ein Konzept?
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
15
Katalognummer
V179224
ISBN (eBook)
9783656015284
ISBN (Buch)
9783656014997
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sozialerziehung, integrative, erziehung
Arbeit zitieren
Viktoria Hermes (Autor), 2010, Sozialerziehung vs. Integrative Erziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179224

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