......Nach der Hinrichtung seiner Mutter wird Grenouille, wie zu der damaligen Zeit für Waisen üblich, auf Staatskosten einer bezahlten Amme zugewiesen. Aufgrund seiner Sauggier, die ein „rentables Stillen“ (S.9) unmöglich macht, befindet er sich als er von der Amme Jeanne Bussie aus der Rue Saint-Denis versorgt wird bereits in der Obhut der vierten Amme. Wenige Wochen später übergibt diese den unersättlichen „Bastard“ (S.11) wieder dem Kloster. Jeanne Bussie lebt in ihrer Profession als Amme. Da er sie „leergepumpt hat bis auf die Knochen“ (S.11) sieht sie ihre Lebensgrundlage gefährdet. Sie begründet ihre Entscheidung damit, dass Grenouille vom Teufel besessen sei, da er überhaupt nicht rieche. Damit wird das Motiv des Riechens aufgegriffen, denn die Amme verfügt über einen sehr feinen Geruchssinn und bemerkt als Erste die Geruchlosigkeit Grenouilles. ....
....Nach ihrer Ermordung zieht er sich aus der Öffentlichkeit zurück und beabsichtigt, bei der Hinrichtung des Mörders diesem „den ganzen Ekel in die Augen [zu] träufeln“ (S.295). Doch anstatt ihm seinen hass entgegenzuschleudern, fällt „kein rächender Engel, sondern ein erschütterter, kläglich schluchzender Richis“ (S.308) in die Arme des Mörders. Richis’ Persönlichkeit verändert sich, bzw. zerfällt auf groteske weise. Seine Begierde richtet sich nun auf den neuen Träger des Duftes seiner Tochter. Durch diese Depersonalisierung reiht sich auch Richis in die Gallerie der Figuren, die nach Kontakt mit Grenouille des Lebens nicht mehr fähig sind....
Inhaltsverzeichnis
1) Jeanne Bussie
2) Pater Terrier
3) Madame Gaillard
4) Madame Arnulfi
5) Dominique Druot
6) Antoine Richis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Charakterisierung zentraler Nebenfiguren in Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ und untersucht deren Interaktionen sowie ihr schicksalhaftes Aufeinandertreffen mit dem Protagonisten Jean-Baptiste Grenouille.
- Psychologische Profile der Bezugspersonen Grenouilles
- Die Funktion von Zieheltern und Mentoren im Roman
- Einfluss von moralischen Normen und ökonomischen Interessen
- Die zerstörerische Wirkung der Begegnung mit dem Protagonisten
- Analyse von Motiven wie Geruch, Aberglaube und Aufklärung
Auszug aus dem Buch
1) Jeanne Bussie
Nach der Hinrichtung seiner Mutter wird Grenouille, wie zu der damaligen Zeit für Waisen üblich, auf Staatskosten einer bezahlten Amme zugewiesen. Aufgrund seiner Sauggier, die ein „rentables Stillen“ (S.9) unmöglich macht, befindet er sich als er von der Amme Jeanne Bussie aus der Rue Saint-Denis versorgt wird bereits in der Obhut der vierten Amme. Wenige Wochen später übergibt diese den unersättlichen „Bastard“ (S.11) wieder dem Kloster.
Jeanne Bussie lebt in ihrer Profession als Amme. Da er sie „leergepumpt hat bis auf die Knochen“ (S.11) sieht sie ihre Lebensgrundlage gefährdet. Sie begründet ihre Entscheidung damit, dass Grenouille vom Teufel besessen sei, da er überhaupt nicht rieche. Damit wird das Motiv des Riechens aufgegriffen, denn die Amme verfügt über einen sehr feinen Geruchssinn und bemerkt als Erste die Geruchlosigkeit Grenouilles.
Zusammenfassung der Kapitel
1) Jeanne Bussie: Analyse der ersten Amme Grenouilles, die ihn aufgrund seiner unersättlichen Art und seiner fehlenden Witterung als unheimlich abweist.
2) Pater Terrier: Untersuchung des Paters, der versucht, Grenouilles Geruchslosigkeit rational zu erklären, bis er das Kind aus einer Mischung aus Aberglaube und Überforderung verstößt.
3) Madame Gaillard: Beschreibung der emotionslosen Pflegemutter, deren ökonomische Interessen Grenouille kurzzeitig ein Überleben sichern, bevor sie ihn als Bedrohung wahrnimmt.
4) Madame Arnulfi: Darstellung der Geschäftsfrau, die Grenouille als Arbeitskraft einstellt und dessen fachliche Entwicklung im Bereich der Duftgewinnung ermöglicht.
5) Dominique Druot: Porträt des Gesellen, der von Grenouilles Talent profitiert, während er gleichzeitig in ein komplexes Beziehungsverhältnis mit Madame Arnulfi eingebunden ist.
6) Antoine Richis: Analyse des Gegenspielers Richis, der trotz strategischem Denken und väterlicher Fürsorge scheitert und durch den Kontakt mit Grenouille an seiner eigenen Moral zerbricht.
Schlüsselwörter
Das Parfum, Patrick Süskind, Jean-Baptiste Grenouille, Charakteranalyse, Geruchssinn, Nebenfiguren, Motivik, Aufklärung, Aberglaube, Literaturanalyse, Parfumeur, Schicksalsanalyse, Gesellschaftsbild, Romaninterpretation, Duftgewinnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Interaktionsmuster und Lebenswege ausgewählter Nebenfiguren in Patrick Süskinds Roman „Das Parfum“ in Bezug auf ihre Begegnung mit Grenouille.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die psychologische Zeichnung der Charaktere, ihre moralischen Wertvorstellungen und ihre soziale Funktion als Zieheltern oder Gegenspieler.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Aufarbeitung der Entwicklung dieser Figuren vor und nach ihrem Kontakt mit dem Protagonisten und die Analyse der oft grotesken Konsequenzen dieses Kontakts.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Analyse verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse angewandt, die sich auf zentrale Textstellen und die Figurenkonstellation stützt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Einzelporträts von Figuren wie Jeanne Bussie, Pater Terrier, Madame Gaillard bis hin zu Antoine Richis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Geruchlosigkeit, moralische Normen, Überlebensstrategien, psychologische Depersonalisierung und soziale Stellung.
Welche Rolle spielt der Geruchssinn bei Pater Terrier?
Terrier versucht, die fehlende Geruchswahrnehmung bei Grenouille theologisch zu rationalisieren, scheitert jedoch an der eigenen emotionalen Verunsicherung.
Warum endet das Schicksal von Madame Gaillard so tragisch?
Trotz ihrer lebenslangen, kalten Bereicherung verliert sie alles im Chaos der Französischen Revolution und endet in einem Massensterben.
Warum scheitert Antoine Richis in seiner Rolle als Vater?
Obwohl er strategisch alles versucht, um seine Tochter zu schützen, wird er durch den Verlust und die Begegnung mit dem Mörder in seinem Kern erschüttert und verliert seine moralische Integrität.
Wie lässt sich die Beziehung zwischen Madame Arnulfi und Dominique Druot beschreiben?
Es handelt sich um eine zweckgebundene, aber intime Verbindung, die weit über ein gewöhnliches Arbeitsverhältnis hinausgeht.
- Arbeit zitieren
- Lisa Maria Hirschfelder (Autor:in), 2009, Charakterisierungen der Hauptpersonen in "Das Parfum" - Patrick Süskind, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179258