Möglichkeiten und Grenzen pädagogischer und sonderpädagogischer Maßnahmen bei mißhandelten Kindern


Hausarbeit, 1997

25 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Teil A : Theoretischen Aspekte von Kindesmißhandlung
1. Einführung in die Thematik
2. Grundlegende Gedanken zu Kindesmißhandlung
2.1 Definitionen
2.2 Formen von Kindesmißhandlung
2.2.1 Physische Mißhandlung
2.2.2 Psychische Mißhandlung
2.2.3 Vernachlässigung
2.2.3.1 Physische Vernachlässigung
2.2.3.2 Psychische Vernachlässigung
2.3. Häufigkeit und Dunkelfeld
2.4. Diagnostik von Mißhandlungen
2.5. Merkmale mißhandelnder Familien
2.6. Auswirkungen von Kindesmißhandlung
2.6.1 Kognitive Entwicklung mißhandelter und /oder vernachlässigter Kinder
2.6.2 Sozial - emotionale Entwicklung
3. Interventionsmöglichkeiten : Therapie und Prävention
3.1 Therapie
3.1.1 Psychotherapeutische Interventionen
3.1.1.1 Ansätze, Inhalte und Ziele
3.1.1.2 Interventionsmaßnahmen
3.1.1.3 Effizienz, Probleme und Grenzen
3.1.2 Sozio - situationale Interventionen zur Modifikation mißhandlungsfördernder Interaktionsmuster
3.1.2.1 Verhaltenstherapeutische Ansätze
3.1.2.2 Kognitive Ansätze
3.2 Prävention
3.2.1 Definitionen und Beschreibung
3.2.2 Programme und Möglichkeiten zur Prävention von Gewalt gegen Kinder
3.2.2.1 Primäre Prävention
3.2.2.2 Sekundäre Prävention
3.2.2.3 Tertiäre Prävention

Teil B: 1. Literaturverzeichnis

„(...) Papa stand im Wohnzimmer und hielt in der einen Hand das Zeugnis und in der anderen schon den Hosengürtel. In mir kam ein komisches Gefühl auf, und ich hatte plötzlich einen merkwürdigen Kloß im Hals. Papa fragte mich irgend etwas, aber ich hörte es nicht, denn der bloße Anblick des Hosengürtels versteinerte mich, und ich war nicht fähig, eine Antwort zu geben. Ich verstand nur noch das eine: `Wenn Du mir keine Antwort geben willst und Du es nicht anders haben möchtest, dann leg Dich über den Hocker.´ Auf einmal konnte ich wieder sprechen und fing dabei an zu weinen : `Papa, bitte nicht schlagen, bitte, bitte, nicht!´

Es half nichts, ich mußte mich über den Hocker legen und dann spürte ich die Schläge, der Schmerz schoß mir in den Kopf, obwohl mich Papa auf den Hintern schlug. Ich schrie so laut ich konnte, aber ich bekam dieses Mal mein volles Quantum (...).“ (Mertens, 1987, S. 75)

Teil A : Theoretischen Aspekte von Kindesmißhandlung

1. Einführung in die Thematik

Die Entwicklung der letzten Jahrzehnte und das zunehmende Interesse an Kindern und deren Rechten unterstützte auch die kontinuierliche Enttabuisierung des Themas Kindesmißhandlung in der Bevölkerung. Vor allem in den letzten Wochen und Monaten, insbesondere durch die Boulevardpresse, erfuhr diese Thematik eine erneute Aktualisierung.

Doch sind die Hintergründe und Auswirkungen von Kindesmißhandlung trotz allem einem Großteil der Bevölkerung kaum bekannt.

Unabhängig von dieser Aktualität rückte im Verlauf meines Praktikums die sozialen und emotionalen Auswirkungen von Kindesmißhandlung und die pädagogischen Interventionsmöglichkeiten ins Zentrum meines persönlichen Interesses.

2. Grundlegende Gedanken zu Kindesmißhandlung

2.1 Definitionen

Unter Kindesmißhandlung versteht man die gewaltsame (nicht auf einen Unfall zurückführende) physische und/oder psychische Schädigung eines Kindes durch das aktive Handeln oder Unterlassen erziehender Maßnahmen. Die Auswirkungen von Kindesmißhandlung sind komplexer Natur: sie reichen von „einfachen“ Verletzungen wie Hämatomen über Entwicklungshemmungen und Fehlentwicklung bis hin zum Tod des Kindes.

In der wissenschaftlichen Literatur gibt es eine Vielzahl verschiedenster Definitionen von Kindesmißhandlung, die in Abhängigkeit zur jeweiligen theoretischen Perspektive des Autors stehen. Essentiell ist eine Unterscheidung in eng- und weitgefaßte Definitionen, die in Relation zum Handlungsziel angewendet werden.

Ich möchte im folgendem jeweils eine Definition exemplarisch herausgreifen, um diese fundamentale Unterscheidung zu verdeutlichen:

Eng gefaßte Definition:

„Strafrecht § 223 b; Mißhandlung von Schutzbefolenen:

Wer Personen unter 18 Jahren ..., die seiner Fürsorge oder Obhut unterstehen oder seinem Hausstand angehören, ... quält oder roh behandelt, oder wer durch böswillige Vernachlässigung seiner Pflicht, für sie zu sorgen, sie an der Gesundheit schädigt, wird

bestraft ...“

Weit gefaßte Definition:

„Kindesmißhandlung umschreibt die gewaltsame, nicht unfallbedingte, körperliche oder seelische Schädigung eines Kindes durch aktives Handeln oder Unterlassung durch eine erwachsene Beziehungs- oder Betreuungsperson.“

(Ziegler, 1989, 18 f.)

Bestreben einer enggefaßten Definition ist eine niedrige Rate von falsch-positiv Selektionsentscheidungen1, während eine weitgefaßte Definition die Intention verfolgt, die Rate der falsch-negativ Selektionsentscheidungen2 zu minimieren.

Wie eng - oder weitgefaßt Kindesmißhandlung definiert wird, nimmt Einfluß auf die Diagnostik, Schätzungen über die Häufigkeit sowie auf die Erkenntnisse über Ursache und Auswirkungen, und schließlich auf die Kriterien der Interventionsmaßnahmen.

(vgl. Ziegler, 1989, 18 f.; Engfer, 1986, S. 1 ff.)

So kann nach einer eng gefaßten Definition bei einem Fall psychischer Mißhandlung keine eindeutige Diagnose erstellt werden, während nach eine weitgefaßten Definition ein Tatbestand zweifelsohne vorliegen würde.

2.2 Formen von Kindesmißhandlung

Der Begriff „Kindesmißhandlung“ umfaßt eine Vielzahl von Mißhandlungsformen.

Da es den Umfang meiner Arbeit sprengen würde, werde ich im folgenden nur die Subkategorien physische und psychische (emotionale) Mißhandlung sowie physische und psychische Vernachlässigung anschneiden. Die Kategorien des sexuellen Mißbrauches und failure to thrive werde ich nicht berücksichtigen.

Empirische Untersuchungen zeigten mehrfach, daß die jeweiligen Mißhandlungsformen ineinander übergehen. Im Verlauf meiner Arbeit verwende ich den Begriff der Mißhandlung im übergeordnetem Sinne.

2.2.1 Physische Mißhandlung

„Physische Kindesmißhandlung“ meint eine unangemessene körperliche Gewaltanwendung, die dem Kind ernsthafte, vorübergehende oder bleibende physische Verletzungen zufügt. Die Auswirkungen physischer Mißhandlung stehen in Abhängigkeit zum Alter des Kindes - so kann z.B. eine Ohrfeige bei einem zehnjährigen lediglich Rötungen der Haut hervorrufen, während sie bei einem Säugling eine Gehirnerschütterung verursachen kann. ( Reiner Frank aus: Kindesmißhandlung 1989; S. 18 f.).

2.2.2 Psychische Mißhandlung

„Psychische Mißhandlung“ bezeichnet alle feindlichen und ablehnenden Verhaltensweisen, die dem Kind Gefühle der Angst, des Abgelehntseins und der eigenen Wertlosigkeit vermitteln.

Diese sind insbesondere:

- psychisches Terrorisieren des Kindes durch Drohungen, Einschüchterung oder

durch

sadistische und zynische Äußerungen

- verbalisierte oder nonverbalisierte Ablehnung und Demütigung
- dijunktive und inkonsistente Erziehungspraktiken, die bewußt vom Erzieher eingesetzt

werden

- räumliche, emotionale und soziale Isolation des Kindes

(Reiner Frank aus: Kindesmißhandlung, 1989; S. 19; Engfer, 1986, S. 17f)

2.2.3 Vernachlässigung

Maßnahmen, die für das Wohlergehen und Überleben des Kindes notwendig sind, werden nicht oder nur mangelhaft ausgeführt.

Obwohl in der Literatur körperliche und emotionale Vernachlässigung deutlich voneinander abgegrenzt werden, gehen in der Praxis meisz beide Vernachlässigungsformen ineinanderüber.

2.2.3.1 Physische Vernachlässigung

Die Betreuungsperson des Kindes sorgt nicht in angemessener Weise für seine Gesundheit, Sicherheit und sein physisches Wohlergehen.

[...]


1 falsch-positiv Selektionsentscheidungen bezeichnen Fälle, die in Wirklichkeit keine mißhandelten Kinder sind.

2 falsch-negativ Selektionsentscheidungen bezeichnen dahingegen Fälle, von wirklich mißhandelten Kindern, die aber nicht als solche erkannt werden

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Details

Titel
Möglichkeiten und Grenzen pädagogischer und sonderpädagogischer Maßnahmen bei mißhandelten Kindern
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Pädagogik)
Note
1
Autor
Jahr
1997
Seiten
25
Katalognummer
V17930
ISBN (eBook)
9783638223690
ISBN (Buch)
9783638699983
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Möglichkeiten, Grenzen, Maßnahmen, Kindern
Arbeit zitieren
Dipl. Päd., Andragogin Cornelia Leistner (Autor), 1997, Möglichkeiten und Grenzen pädagogischer und sonderpädagogischer Maßnahmen bei mißhandelten Kindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17930

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