Der Islam in Frankreich


Hausarbeit, 2006

21 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einführung in die Grundprinzipien des Islam

3. Laizismus in Frankreich

4. Die muslimischen Einwanderer

5. Die Probleme der Integration
5.1. Die Kopftuchdebatte
5.2. Die ausgegrenzten Jugendlichen
5.3. Der radikale Islam
5.4. Die Unruhen in den banlieus vom Herbst

6. Lösungsversuche

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Zusammenleben verschiedener Kulturen auf engem Raum hat sich schon in mehreren Fällen als problematisch erwiesen. Gründe dafür sind die Sprache, andere Werte und Normen, die Mentalität oder verschiedene Meinungen über weltanschauliche Fragen. Besonders die Differenzen der gesamten westlichen Welt mit den von der islamischen Kultur geprägten Ländern sind seit jeher in aller Munde. Vor allem die Eingliederung der Einwanderer in die westliche Welt erweist sich immer wieder als schwierig. Jedoch ist diese Situation nicht nur für die Einwanderer, die sich in ein völlig neues System eingliedern müssen, schwierig, sondern auch das jeweilige aufnehmende Land steht vor schwierigen Aufgaben. Beispielsweise ist es problematisch, andere, fremde religiöse Riten, oder differente politische Positionen in das öffentliche Leben einzugliedern. Trotzdem lassen sich immer mehr Muslime in westlichen Ländern, in Europa und speziell auch in Frankreich nieder. Nach Schätzungen stellt die muslimische Bevölkerung nun mit ca. 11 bis 12 Millionen Anhängern- nach den Katholiken und Protestanten- die zweitgrößte Religionsgemeinschaft in Europa dar. Von diesen 11 bis 12 Millionen Muslimen leben ca. 4,5 Millionen in Frankreich.[1]

Im Folgenden soll die Bedeutung des Islam für Frankreich aufgezeigt werden. Dazu wird die Geschichte der Einwanderer näher beleuchtet, das Prinzip des Laizismus erklärt und die kulturellen und politischen Probleme dieser Entwicklung werden dargestellt, analysiert und anhand von aktuellen Beispielen veranschaulicht.

2. Einführung in die Grundprinzipien des Islam

Um die Konflikte, die durch das enge Zusammenleben von Muslimen und Christen in Frankreich vorherrschen, besser verstehen zu können, muss man zunächst die für uns fremde Religion, den Islam, mit seiner Geschichte, seinen Normen und Werten und seinen Traditionen besser kennen lernen.

Der Begründer des Islam war Mohammed, auch „der Geliebte Gottes“, „die Freude der Schöpfung“ oder einfach der Prophet genannt. Er wurde 570 n. Chr. in Mekka geboren und hatte eine Frau und sechs oder sieben Kinder. Mit vierzig erschien ihm der Engel Gabriel und er erkannte, dass er als Bote Gottes auserwählt worden war. Von nun an erhielt er regelmäßig Offenbarungen, die dann später zum Koran zusammengefasst wurden. Doch Mohammeds neue Religion stieß nicht gerade auf große Begeisterung und so wurde er 622 aus Mekka vertrieben. Aber er kehrte achte Jahre später mit seinem Heer zurück und zog 630 als Sieger in Mekka ein. Seine Frau war inzwischen verstorben und so nahm er sich insgesamt zehn neue Ehefrauen und zwei Nebenfrauen. Er starb 632 an einer Darmkrankheit.

Der Koran ist für die Gläubigen Gottes letztes Wort an die Menschheit. Er besteht aus 6666 arabischen Versen und ist für Muslime so wichtig, dass er ihn beispielsweise nie auf den Boden legen würde, oder an irgendeinen Ort, an dem er verschmutzt werden könnte. Manche Muslime lernen sogar den ganzen den ganzen Koran auswendig.

Im Islam gibt es fünf Regeln, die fünf Säulen des Islam, die jeder Muslim befolgen muss:

1. Schahadahd: es gibt nur einen Gott und Mohammed ist sein Prophet

Diese Zeilen werden am Anfang und am Ende des fünfmaligen täglichen Gebets wiederholt.

2. Salat: regelmäßiges Gebet

Täglich beten Muslime fünfmal in Richtung Mekka.

3. Zakat: Almosengeben

Das Almosengeben ist so etwas wie eine humanitäre Steuer. Es stärkt den Gemeinschaftssinn.

4. Sawn: einmonatiges Fasten

Während des Tages sind Essen, Trinken, Tabak und Geschlechtsverkehr verboten.

5. Hadsch: Pilgerfahrt nach Mekka

Die Pilgerfahrt nach Mekka sollte jeder Muslim einmal im Leben unternommen haben.

Die Religion spielt im täglichen Leben der Muslime eine große Rolle. Von Geburt an wird eine starke religiöse Disziplin gefördert und auch gefordert. Neben dem Koran existiert noch ein Regelwerk, Scharia, in welchem Gesetze, richtiges moralisches Handeln oder sogar eine angemessene Ernährung festgelegt sind. Nicht alle muslimischen Staaten wenden die Scharia so streng wie früher an, doch es gibt auch Muslim-Fundamentalisten, die sich streng an die Gesetze halten und jeden verachten, der das nicht tut. Daher kommen auch das Misstrauen und die Verachtung gegenüber dem Westen, den sie als dekadent betrachten und ihm vorwerfen, die Muslim-Länder kolonial und ökonomisch ausgebeutet zu haben. Doch dieses starke Misstrauen beruht inzwischen auf Gegenseitigkeit. Muslim-Fundamentalisten sind radikal, so radikal, dass sie auch Überfälle, Geiselnahmen, oder Schlimmeres in Kauf nehmen, nur um ihre Religion durchzusetzen. Auch ist es unter fundamentalistischen Muslimen, meist Schiiten, üblich, sich bei stark emotionalen Anlässen, beispielsweise bei Jahrestagen, als Zeichen der religiösen Hingabe mit einem Stock auf den Kopf und auf die Brust zu schlagen. Dies beweist, dass bei den Anhängern des radikalen Islamismus Gewalt zur Normalität geworden ist.[2]

3. Laizismus in Frankreich

Der Laizismus ist in Frankreich in der Verfassung festgesetzt. Der Begriff des Laizismus stammt von dem französischen Pädagogen und Friedensnobelpreisträger Ferdinand Buisson, der sich für religionsfreien Unterricht einsetzte. Die Entwicklung des Laizismus lässt sich in zwei Phasen unterteilen. Die erste Phase fällt auf die Revolutions- und Kaiserzeit. Diese Phase stellt gleichzeitig den aktiven Prozess der Veränderung der Beziehung zwischen Kirche, Staat und Gesellschaft dar. Erstes Kennzeichen dafür ist, dass die Kirche nicht mehr die gesamte Gesellschaft erreicht, da ihr der Staat Aufgaben wie Eheschließung oder universitäre Ausbildung entzogen hat. Weiterhin wird nun die Legitimität der Religion anerkannt. Der Staat sieht ein, dass die Menschen religiöse Bedürfnisse haben und dass es seine Aufgabe ist, deren Befriedigung zu ermöglichen. Für das dritte Kennzeichen dieser Phase des Laizismus ist Napoleon Bonaparte verantwortlich. Durch grundlegende Bestimmungen und die Durchsetzung der Dekrete bezüglich der Juden 1808, begründete er den religiösen Pluralismus.

Die zweite Laizisierungsstufe kann man mit dem Ausdruck „Privatisierung der Religion“ umschreiben. In den 1880er Jahren wurde eine Welle von laizistischen Gesetzen verabschiedet, besonders im Schulwesen, und der Höhepunkt folgte 1905 mit der Trennung von Kirche und Staat. Die Kirche hatte nicht mehr den Status einer strukturierenden Institution inne, diese Rolle hat die Schule oder die jeweilige Partei übernommen. Die Religion gehörte nun in den rein privaten Bereich.

Mit den Schulgesetzen von 1833 und 1850 glaubte Frankreich die durch die religiösen Spaltungen entstandenen Probleme durch die Schaffung einer konfessionsgebundenen öffentlichen Schule lösen zu können. Jedoch kam dieser Vorschlag bei den Minderheitsreligionen wenig Zuspruch. Ferry formulierte in diesem Zusammenhang in seinem Brief an den Lehrer den Satz:„Wenn es auch nur einen einzigen rechtschaffenen Menschen gibt, der verletzt sein könnte durch das, was sie sagen wollten, dann sollen sie es nicht sagen.“ Denn genau für diesen Menschen sei die Laizität erfunden worden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Frankreich eine neue Tendenz im gesellschaftlichen Leben spürbar. Diese Tatsache hing vor allem mit der endgültigen Industrialisierung des Landes, sowie mit dem Wandel zu einer Konsumgesellschaft zusammen. Dieser Wandel vollzog sich unter anderem mit dem Gefühl der religiösen Zugehörigkeit. Die Menschen begannen immer mehr sich vom Glauben und der geistlichen Autorität zu lösen. Die Säkularisierung, die Verweltlichung, war in Frankreich im 20. Jahrhundert nicht mehr von der Hand zu weisen. Vor allem viele Jugendliche wandten sich immer mehr von der Kirche ab, aber auch insgesamt gesehen wurden die Kirchen immer leerer und immer weniger gläubige Menschen erschienen zum Gottesdienst.

Im heutigen Frankreich ist Laizismus zu einem politischen Ideal geworden, dessen Ziel die Neutralität des Staates gegenüber allen Religionen, deren Gleichbehandlung sowie die Glaubensfreiheit sind. Der Laizismus wird in Frankreich tatkräftig umgesetzt. Beispielsweise ist es in öffentlichen Schulen verboten, Lehrer oder Schüler nach ihrer Religionszugehörigkeit zu fragen, da in Frankreich die Religion eben als reine Privatsache aufgefasst wird. Deshalb ist es seit 2004 auch verboten in Schulen auffällige religiöse Zeichen, wie Schleier, Kippa, Kreuze oder Ordenstracht, zu tragen.

Interessant ist auch, dass zwar in ganz Frankreich das Gesetz von 1905 gilt, jedoch Elsass- Lothringen davon ausgenommen ist. Das liegt daran, dass Elsass- Lothringen 1905 noch zu Deutschland gehörte und somit hier noch das Konkordat seine Gültigkeit besitzt.[3]

4. Die muslimischen Einwanderer

Der Beginn der Niederlassung von Einwanderern maghrebinischer Herkunft in Frankreich beginnt größtenteils nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie kamen nach Frankreich, um als Arbeiter am Wiederaufbau und am industriellen Wachstum nach 1945 teilzuhaben, da der Bedarf an Arbeitskräften durch die französische Bevölkerung allein nicht gedeckt werden konnte. Viele von ihnen kamen als Alleinstehende und wurden damals hauptsächlich als Arbeitskräfte gesehen, die ihre Familien und auch ihre Religion zuhause gelassen hatten. An dieser Sichtweise änderte auch die Einweihung der ersten Pariser Moschee 1926 nichts. Diese wurde errichtet, um die Dankbarkeit des Vaterlandes gegenüber den vielen, zu seiner Verteidigung 1914-1918, gefallenen Muslimen auszudrücken. Aber auch die Muslime selbst wollten lediglich in Frankreich arbeiten, genügend Geld verdienen und dieses Geld zu ihren Familien in die Heimatländer schicken. Wenn sie dann genügend Geld erarbeitet hätten, wollten sie in ihre Heimat zurückkehren.

Die Muslime wurden sich jedoch im Laufe der Zeit aufgrund einer Reihe atypischer sozialer Konflikte immer mehr ihrer eigenen Identität, und damit ihrer eigenen Religion, bewusst.

Bei den Konflikten der Facharbeiter in der Automobilbranche, die in den 70er Jahren den Einzug des Islam in die Betriebe und Firmen zur Folge hatten, ging es um die Veränderung der Arbeitsbedingungen und vor allem um den Übergang von Fließbandarbeit zur Automatisierung. Diese Veränderung hatte den Ausschluss von fast allen Gastarbeitern der ersten Einwanderungswelle, die sich an die Fließbandarbeit angepasst hatten, zur Folge.

Die meisten Maghrebiner kamen aus Ländern, die gerade erst, nach zum Teil langwierigen Entkolonialisierungsprozessen, ihre Unabhängigkeit erlangt hatten. Deswegen lag ihnen nicht viel daran, die französische Staatsbürgerschaft einzufordern und Frankreich zog es auch nicht in Erwägung, sie ihnen anzubieten. Hingegen lehnten sie es ab, zu Opfern oder Verlierern des technologischen Fortschritts gemacht zu werden. In dieser schwierigen Lage erschien ihnen der Islam als der einzig sinnvolle Weg, um erstens die Gruppenidentität zu stärken und zweitens Einzelinteressen, beispielsweise gegenüber Arbeitgebern oder der Konkurrenz anderer Arbeiter, zu verteidigen. Diese Rückbesinnung auf die eigene Identität zeigte sich in der Forderung nach geeigneten Gebetsstätten oder nach der Anpassung der Arbeitszeiten an religiöse Pflichten. Ausgehend von Forderungen kleinerer Gruppierungen entwickelten sich Formen kollektiven Handelns, so dass eine Gemeinschaft entstand. Oft wurden diese Gemeinschaften von Imanen vertreten, die als Verhandlungspartner den Geschäftsführern oder Gewerkschaften gegenübertraten. Somit war zumindest sicher, dass die Forderungen und Interessen der Arbeiter wahrgenommen und berücksichtigt wurden.

In der Folgezeit festigte sich die religiöse Präsenz meist in aller Stille, vor allem auch deshalb, weil 1981 das Vereinsrecht so ausgeweitet wurde, dass sich auch Ausländer durch eine einfache Erklärung zusammenschließen durften. Dies trug zu einer Vervielfachung der Kulturvereine bei und bestärkte die Muslime in ihrem Bedürfnis der freien Religionsausübung. Dadurch entstanden auch immer mehr Gebetsräume, die als Moscheen bezeichnet wurden, obwohl sie natürlich nicht die speziellen architektonischen Merkmale aufwiesen.

In den 80er Jahren begann aufgrund der immer schlechter werdenden wirtschaftlichen Lage Frankreichs, die Arbeitslosigkeit zu steigen. Nicht nur Franzosen, sondern auch ehemalige Gastarbeiter und deren Kinder, die zweite Generation der Einwanderer, verloren oftmals ihren Arbeitsplatz. Dadurch breitete sich die Armut immer mehr aus und es kam zu der Entstehung der „banlieues“ an den Stadträndern der großen Städte. Diese banlieues waren Armenviertel, in denen hauptsächlich Marokkaner und Algerier lebten. Heute gibt es schätzungsweise 1 Millionen Algerier und 800000 Marokkaner in Frankreich.

[...]


[1] Vgl. Alexandre Escudier „Der Islam in Europa. Der Umgang mit dem Islam in Frankreich und Deutschland“

[2] Vgl. Karen Farrington „Weltreligionen“, S.132-148

[3] Vgl. Patrick Cabanel „Laizität und Religion im heutigen Frankreich“, S.139-153

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Der Islam in Frankreich
Hochschule
Universität Leipzig  (Romanistik)
Note
1,5
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V179309
ISBN (eBook)
9783656017530
ISBN (Buch)
9783656017301
Dateigröße
464 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Islam, Frankreich, Kopftuch, Religion, Immigration
Arbeit zitieren
Andrea Köbler (Autor), 2006, Der Islam in Frankreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179309

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