Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung und Erprobung eines Kann-Buches in einer Jahrgangsstufe 12, im Unterrichtsvorhaben Le Parkour, mit dem Ziel der Stärkung der Selbsteinschätzung und Selbstreflexion der SuS.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die Erprobung der Sinnhaftigkeit eines solchen Kann-Buches im Hinblick auf die oben genannten Merkmale in einem Unterrichtvorhaben unter der pädagogischen Perspektive „Etwas wagen und verantworten“. In einem UV unter dieser Perspektive wird selten der Wagnisgedanke beleuchtet. Man sieht bei den SuS nur den „Output“, also das, was erreicht oder nicht erreicht wird. Die Vorgänge, die in den einzelnen SuS vonstatten gehen, werden selten kenntlich gemacht. Warum freuen sich die SuS bei bestimmen Übungen, bei anderen nicht? Welche Prozesse laufen in ihnen ab?
Welche Beweggründe gibt es, Übungen auszuführen oder zu verweigern? Das Kann-Buch erfragt diese Grenzen und Wagnisse der SuS und macht deren Prozesse – auch für sie selber – transparent.
Einleitend wird zunächst die Ausgangslage beschrieben, um in einem nächsten Schritt zu begründen, warum gerade die Auseinandersetzung mit dieser Art des selbstgesteuerten Lernens als sinnvoll erachtet wird. Der Haupt- und somit empirische Teil der Arbeit besteht aus der Beschreibung der Durchführung bzw. Anwendung des Kann-Buches im UV. Es findet eine Evaluation des Vorhabens und des Kann-Buches in seinen verschiedenen Funktionen statt. Diese wird anhand der von den SuS ausgefüllten Büchern und eigenen Beobachtungen vorgenommen.
Zuletzt werden die gewonnenen Ergebnisse der Arbeit zusammenfassend präsentiert und die daraus evtl. resultierenden Verbesserungsvorschläge oder weitere Möglichkeiten zum Einsatz des Kann-Buches formuliert. Dabei gilt es u. a. aufzuzeigen, inwieweit die Selbsteinschätzung und Selbstreflexion der SuS durch das Kann-Buch gestärkt werden konnte und inwieweit das Buch bei der besagten pädagogischen Perspektive hilfreich war, um die Ergebnisse für zukünftige Unterrichtsvorhaben und fächerübergreifend übertragbar zu machen. Dies wurde mithilfe eines Reflexionsbogens und eines Abschlussgesprächs innerhalb des Kurses beurteilt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffserklärungen
2.1 Selbstreflexion oder Selbsterfahrung
2.2 Selbsteinschätzung
2.3 Innere Differenzierung und Individualisierung
3 Das Kann-Buch
3.1 Kann-Bücher im Allgemeinen
3.2 Das Kann-Buch als Instrument der Selbstreflexion und Selbsteinschätzung
3.3 Das Kann-Buch als Motivation
3.4 Das Kann-Buch als Prozess begleitende Bewertungsgrundlage
3.5 Das Kann-Buch als Differenzierungselement
3.6 Bezug zum Lehrplan
4 Le Parkour
4.1 Das Unterrichtsvorhaben Le Parkour
4.2 Le Parkour unter der pädagogischen Perspektive „Etwas wagen und verantworten“
4.3 Bezug zum Lehrplan
5 Ausgangslage
5.1 Voraussetzungen
5.2 Evaluation im Vorfeld
6 Rahmen der Erprobung: Das Kann-Buch im Unterrichtsvorhaben Le Parkour
6.1 Merkmale des Vorhabens
6.1.1 Lehrplanbezug
6.1.2 Zielsetzung – Methode des Kann-Buches
6.1.3 Das Kann-Buch im Unterrichtsvorhaben Le Parkour
6.1.4 Lerngruppenanalyse
6.2 Durchführung des Unterrichtsvorhabens
6.3 Die Rolle der Lehramtsanwärterin
7 Evaluation des Vorhabens und der Kann- Bücher
7.1 Auswertung der Kann-Bücher
7.1.1 Das Kann-Buch als Instrument der Selbstreflexion und Selbsteinschätzung
7.1.2 Das Kann-Buch als Motivation
7.1.3 Das Kann-Buch als Prozess begleitende Bewertungsgrundlage
7.1.4 Das Kann-Buch als Differenzierungselement
7.2 Auswertung des Kann-Buches unter der pädagogischen Perspektive „Etwas wagen und verantworten“
7.3 Auswertung des Kann-Buches im Unterrichtsvorhaben Le Parkour
7.4 Weitere Möglichkeiten zum Einsatz des Kann-Buches
7.4.1 Das Kann-Buch als Instrument der Planung und Dokumentation
7.3.2 Das Kann-Buch als Medium der Kommunikation
8 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Entwicklung und empirische Erprobung eines "Kann-Buches" in einem Sportkurs der gymnasialen Oberstufe, um die Selbstreflexionsfähigkeit und Selbsteinschätzung der Schülerinnen und Schüler im Kontext des Unterrichtsvorhabens "Le Parkour" gezielt zu stärken und zu fördern.
- Erprobung der pädagogischen Perspektive "Etwas wagen und verantworten" im Sportunterricht.
- Einsatz des Kann-Buches als Reflexionsinstrument zur Förderung selbstgesteuerten Lernens.
- Analyse der Wirkung von Kann-Büchern auf die Lernmotivation und Leistungsbewertung.
- Verknüpfung von individueller Selbstbeurteilung mit schulischen Leistungsanforderungen.
- Evaluation des Kann-Buches als Instrument der Binnendifferenzierung und Unterrichtsplanung.
Auszug aus dem Buch
3.2 Das Kann-Buch als Instrument der Selbstreflexion und Selbsteinschätzung
Ein Lehrer sollte bei seinen Schülern „die Hauptbedeutung“ aufrufen. Dies meint, wie bereits erwähnt, dass der Lehrer immer erfahren muss, wie der Unterricht und der Unterrichtsgegenstand von den SuS wahrgenommen wurde. Dadurch werden Lernprozesse deutlich, die in den SuS abgelaufen sind. Des Weiteren kann man anhand dessen Inhalte bedeutsam machen, die vermittelt werden sollen. Um im Fach Sport Selbst- und Fremdbewertung der Leistungen miteinander verbinden zu können, beschreibt Tillmann zwei Formen für dialogische Leistungsbewertungen. So könnte zum Beispiel in Form eines Kann-Buches eine Selbstreflexion der Schüler erreicht werden. Bei der Lektüre dieses Buches könne der Lehrer Einblicke in individuelle Persönlichkeitsstrukturen und motivationstheoretische Zusammenhänge bekommen und mit Hilfe der „Schüleraugen“ ein nützliches Feedback über seinen Unterricht erhalten. Durch das Kann-Buch wird aber auch eine Aussage über „die selbst erbrachte Leistung oder den eigenen Lernfortschritt“ gemacht. Dies ist zum einen im Hinblick auf die Tatsache nützlich, dass ein Lehrer im Unterricht nicht immer alle SuS gleich beobachten kann und er, zum anderen, durch das Führen dieses Buches seitens der SuS dahingehend entlastet wird, dass sie ihre eigenen Leistungen erkennen und zu beurteilen versuchen. Beim Schreiben und in den Phasen zwischen dem Schreiben und Handeln laufen in den SuS aber auch Prozesse ab, die das Lernen und Handeln der SuS beeinflussen.
Sie reflektieren und bewerten sich immer wieder selbst und werden durch das Kann-Buch auch immer wieder dazu aufgefordert, dies schriftlich zu fixieren. Dadurch wird den SuS der eigene Lernfortschritt aber auch die eigene Motivation hinsichtlich jeder Stunde deutlich. Des Weiteren sollen die SuS sich vor jeder Stunde selbst einschätzen und sich ein Stundenziel setzen, welches sie dann am Ende der Stunde betrachten, bewerten und analysieren. Insofern ist das Kann-Buch dazu geeignet, Motivation und Selbstreflexion über die Abläufe in der Stunde durch konkrete Fragestellung nachzuvollziehen: Welches Stundenziel habe ich mir gesetzt? Habe ich dieses erreicht, nicht erreicht oder bin ich über dieses hinausgewachsen? Warum habe ich es nicht erreicht? Durch die Bearbeitung der einzelnen Seiten des Kann-Buches lernen die SuS zunehmend ihre Leistungen einzuschätzen, zu dokumentieren und zu bewerten. Dabei können sie die individuelle Leistungsentwicklung beobachten bzw. ablesen. Das Kann-Buch unterstützt die SuS bei der Entwicklung ihrer Wahrnehmung über das persönliche Lernverhalten.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Motivation für das Thema ein, das auf Beobachtungen zur Binnendifferenzierung und Reflexionsfähigkeit in einem Sportkurs der 12. Jahrgangsstufe basiert.
2 Begriffserklärungen: Hier werden die theoretischen Grundlagen der Begriffe Selbstreflexion, Selbsteinschätzung sowie innere Differenzierung und Individualisierung für den Kontext der Arbeit definiert.
3 Das Kann-Buch: Dieses Kapitel erläutert das Konzept des Kann-Buches, seine Entstehung, seine Funktion als Reflexions- und Motivationsinstrument sowie seine Bedeutung als Grundlage für Bewertung und Differenzierung im Lehrplan.
4 Le Parkour: Hier wird die Sportart Le Parkour als Trendsportart eingeführt, ihr Bezug zur pädagogischen Perspektive "Etwas wagen und verantworten" dargelegt und die Einbettung in den Sportlehrplan beschrieben.
5 Ausgangslage: Dieses Kapitel beschreibt die schulischen Rahmenbedingungen und die Ergebnisse einer Vorab-Evaluation zur Einschätzung der motorischen Fähigkeiten und Motivation der SuS.
6 Rahmen der Erprobung: Das Kann-Buch im Unterrichtsvorhaben Le Parkour: Hier werden der konkrete Lehrplanbezug, die Zielsetzung, die Lerngruppenanalyse sowie die methodische Durchführung des 10-wöchigen Unterrichtsvorhabens und die Rolle der Lehrkraft dargestellt.
7 Evaluation des Vorhabens und der Kann- Bücher: Dieses zentrale Kapitel wertet die Erkenntnisse aus den Kann-Büchern in Bezug auf Selbstreflexion, Motivation, Bewertung und Differenzierung aus und untersucht die pädagogische Perspektive kritisch.
8 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Wirksamkeit des Kann-Buches als Variante des Lerntagebuchs zusammen und reflektiert über die Übertragbarkeit auf andere Fächer und die Arbeitsbelastung für Lehrkräfte.
Schlüsselwörter
Kann-Buch, Le Parkour, Selbstreflexion, Selbsteinschätzung, Unterrichtsvorhaben, Binnendifferenzierung, Sportunterricht, Motivation, Lernprozess, Wagnissituationen, Selbstbeurteilung, individuelle Leistungsentwicklung, Schulsport, Metakognition, Eigenverantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und Erprobung eines sogenannten "Kann-Buches" in einem Sport-Grundkurs der gymnasialen Oberstufe, um Schülern zu ermöglichen, ihren eigenen Lernprozess besser zu reflektieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind die Förderung der Selbstreflexion, die Schulung der Selbsteinschätzung, die Anwendung der Trendsportart Le Parkour im Sportunterricht sowie die pädagogische Perspektive "Etwas wagen und verantworten".
Welches primäre Ziel verfolgt die Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Sinnhaftigkeit des Kann-Buches als Instrument zu evaluieren, das Schülern hilft, eigene Grenzen und Lernfortschritte transparent zu machen und mehr Verantwortung für den eigenen Lernzuwachs zu übernehmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine praxisorientierte Untersuchung (Schriftliche Hausarbeit) im Rahmen des Vorbereitungsdienstes, die auf einer empirischen Evaluation der Kann-Bücher, Schülerbefragungen und eigenen Beobachtungen der Lehramtsanwärterin basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil beschreibt das Konzept des Kann-Buches, die theoretischen Hintergründe, die spezifische Durchführung des Unterrichtsvorhabens "Le Parkour" sowie die ausführliche Auswertung der Schülereinträge hinsichtlich ihrer Wirksamkeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kann-Buch, Selbstreflexion, Le Parkour, Binnendifferenzierung, Selbsteinschätzung und selbstgesteuertes Lernen.
Wie unterscheidet sich das Kann-Buch von einem klassischen Lerntagebuch?
Laut der Arbeit sind Kann-Bücher offener gestaltet als klassische Lerntagebücher und geben den Lernenden mehr Raum, ihre persönliche Entwicklung und ihr subjektives Empfinden neben der rein sachlichen Dokumentation festzuhalten.
Welchen Einfluss hat das Kann-Buch auf die Leistungsbewertung?
Das Kann-Buch dient als Prozess begleitende Bewertungsgrundlage, die es der Lehrkraft erlaubt, auch die individuelle Anstrengung und Selbstreflexion der SuS in die Benotung mit einzubeziehen, was eine dialogische Leistungsbewertung ermöglicht.
Wie gehen die Schüler mit dem Thema "Wagnis" bei Le Parkour um?
Die Schüler lernen durch das Kann-Buch, ihre eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen und sich selbst Ziele zu setzen, um Risiken bei Wagnissituationen verantwortungsvoll zu kalkulieren und Angst gemeinsam zu überwinden.
- Arbeit zitieren
- Meike Hentschel (Autor:in), 2009, Ein „Kann-Buch“ als Mittel zur Stärkung der Selbsteinschätzung von Schülern im Unterrichtsvorhaben „Le Parkour“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179332