Analyse: ARTE "Karambolage - Eine Sendung von Claire Doutriaux"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

23 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Karambolageim Sendekonzept von ARTE
2.1 Die Erfinderin Claire Doutriaux und ihre Idee einer wirklichen deutsch- französischen Sendung
2.2 Der Umgang mit Stereotypen
2.3 Die Auszeichnungen
2.4 Erfüllt die SendungKarambolagedie Grundsätze des ARTE- Gründungsvertrages?

3. Die Rubriken/ Les rubriques
3.1 Der Gegenstand/ L`objet
Das Opinel/ L`opinel
Das Baiser/ Le meringue
3.2 Der Brauch/ Le rite
Der Blumenstrauß/ Le bouquet
Der Vatertag/ La fête des pères
3.3 Der Look/ Le look
Das Dirndl/ Le dirndl
3.4 Das Wort/ Le mot
Die Ente/ Le canard
Fallen/ tomber
Der „vésigondin“/ Le vésigondin
Der Polizist/ Le gendarme
3.5 Weitere Kategorien

4. Arte und die Sprache

5. Abschließende Überlegungen

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Am 2. Oktober 1990 unterzeichneten die Vertreter der französischen Republik und der elf „alten“ Bundesländer einen „Zwischenstaatlichen Vertrag“ als Grundlage für einen europäischen Kulturkanal. Ein halbes Jahr später schon, am 30. April 1991, kommt es zur Gründung des Europäischen Kulturkanals ARTE in Form einer Europäischen Wirtschaftlichen Interessenvereinigung, der am 30. Mai 1992 erstmals in Deutschland und Frankreich auf Sendung geht.

Doch Pläne für ein mehrstündiges europäisches Fernsehprogramm gab es schon viel eher, nämlich 1965, anlässlich einer Konferenz der European Broadcast Union. Diese Pläne scheiterten jedoch an den damaligen technischen Möglichkeiten. Aber 1980 wurden sie wieder aufgegriffen, als das Europäische Parlament eine Kommission zur Prüfung der Einrichtung eines europäischen Fernsehprogramms aufforderte. Daraufhin erstellte das Europäische Parlament einen Zwischenbericht, der allerdings wenig Beachtung fand. Durch den damaligen baden- württembergischen Ministerpräsidenten Lothar Späth wurden die Gespräche über einen gemeinsamen Kulturkanal von Deutschland und Frankreich 1984 wieder aufgenommen und es kam schließlich 1990 zur Gründung des Kulturkanals ARTE.[1]

Seitdem hat sich viel getan. ARTE sendet nun rund um die Uhr und hat sein Programm an die Interessen und Gewohnheiten seiner Zuschauer angepasst. Es wurden Kooperationsabkommen mit verschiedensten europäischen Partnern geschlossen, das Design hat sich geändert und das Programmangebot wurde erweitert und verbessert. Heute steht der Sender für ein kreatives Qualitätsprogramm und hat sich sowohl in Deutschland als auch in Frankreich fest etabliert. Zahlreiche Auszeichnungen lassen auf die hohe Qualität des Programms schließen. Das ARTE- Programm bietet ein sehr breites Spektrum an Themen und Programmgenres: Themenabende, Dokumentationen, Spielfilme, Musik, Theater, Tanz, Fernsehfilme, Informationen und Magazine.

Ein Magazin wird in dieser Arbeit näher beleuchtet: Karambolage.

Karambolage läuft seit 2004 auf ARTE und wurde erfunden und konzipiert von der französischen Filmemacherin Claire Doutriaux. Doch passt die Sendung ins Sendekonzept von ARTE? Und fördert sie tatsächlich die Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich?

2. Karambolage im Sendekonzept von ARTE

Der Gründungsvertrag von ARTE, der am 30. April 1991 unterzeichnet wurde, besagt im 1. Artikel:

„Gegenstand der Vereinigung (von ARTE G.E.I.E.) ist es, Fernsehsendungen zu konzipieren, zu gestalten und durch Satellit oder in sonstiger Weise auszustrahlen oder ausstrahlen zu lassen, die in einem umfassenden Sinne kulturellen und internationalen Charakter haben und geeignet sind, das Verständnis und die Annäherung der Völker in Europa zu fördern.“

Und weiter heißt es in Artikel 19.1:

„Die Programme der Vereinigung unterliegen folgenden Grundsätzen:

- Unabhängigkeit, Pluralismus und Ausgewogenheit der angebotenen Sendungen. Die Sendungen dürfen keine einseitige Unterstützung vor allem einer Regierung, von Parteien oder anderen Akteuren des sozialen, wirtschaftlichen oder politischen Lebens enthalten;
- Achtung des Prinzips der Völkerverständigung, der Würde des Menschen, moralischer, weltanschaulicher oder religiöser Überzeugungen.“[2]

Weiterhin beschreibt der Sender seinen Auftrag und sein Konzept mit den Worten:

„Schließlich haben wir den Anspruch, unsere Programme so zu gestalten, dass sie Zuschauer aus unterschiedlichen Kulturen bereichern, zum Mitdenken anregen und emotional ansprechen. Unsere Zuschauer sollen sich mit ihren Fragen, Leidenschaften, und Träumen in unserem Programm wiederfinden. In anderen Worten: sie sollen Nähe und Wärme empfinden.“[3]

Das alles sind Grundsätze und Prinzipien des Fernsehsenders ARTE. Ob die einzelne Sendung Karambolage diesen Anspruch auch erfüllt, wird im Folgenden geklärt. Doch zunächst zu der Erfinderin der Sendung, der Filmemacherin Claire Doutriaux, ihrer Idee und ihrer Motivation.

2.1 Die Erfinderin Claire Doutriaux und ihre Idee einer wirklichen deutsch- französischen Sendung

Claire Doutriaux wurde 1954 in Valenciennes geboren. Sie studierte in Paris Germanistik und Wirtschaftswissen und ging 1974 nach Hamburg, um dort zwei Filmkunsttheater zu leiten. In den 1980er Jahren drehte sie Dokumentarfilme und seit 1998 leitet sie das „Atelier de recherche“ bei ARTE France, welches dann auch ab 2004 die Sendung Karambolage zeigte.[4]

Schon im Alter von 12 Jahren verließ sie ihren Heimatort jedes Jahr, um im Rahmen eines Schüleraustauschs einige Wochen in Düren, in Deutschland, zu verbringen. Sie selbst sagt heute: „L’allemand a été pour moi une langue d’identification“[5] und „je suis Française, mais je suis rentreée profondement dans la culture allemande. Pour moi les deux cultures font l`objet d`un dialogue intérieur permanent. L`idée de Karambolage est venu de mon envie de l`exprimer“[6]

In mehreren Interviews spricht Claire Doutriaux von dem Leben zwischen zwei Kulturen und dem inneren Dialog den sie versucht hat, mit der Sendung Karambolage nach außen zu tragen. Sie wollte eine Sendung konzipieren, die die Unterschiede und auch die Gemeinsamkeiten der Deutschen und der Franzosen zeigt, ohne in Stereotype zu verfallen. Dabei waren ihr auch der lustige, lockere Ton und die bunte, anspruchsvolle Animation ein Anliegen.

Sie selbst beschreibt ihre Sendung in einem Interview wie folgt:

„Eine kurze Sendung, die jeden Sonntag um 20 Uhr bei Arte läuft, in der ich (…) den waghalsigen Versuch unternehme, ohne zu sehr in Stereotypen und Vorurteile zu fallen, auf kleine Details der französischen und deutschen Alltagskultur hinzuweisen.“[7] Sie suchte einen Weg, ihre Erfahrungen aus Deutschland in einer Sendung zu verarbeiten. Um dies möglichst authentisch durchzuführen und die Distanz zu den Themen zu verringern, ist das gesamte Team bikulturell, denn Claire Doutriaux stellte fest,

„quiconque vit entre deux pays, deux cultures, connaît ce jeu de l`esprit qui consiste à être dans un va-et-vient constant entre ces deux mondes. Plus la connaissance de l`autre culture s`approfondit, plus le fossé se creuse avec sa propre culture, plus les nuances se dessinent et se font jouissives. Mais comment faire partager ce jeu de l`esprit à ceux qui ignorent tout de cette autre culture sans tomber dans les clichés faciles, les vaines comparaisons? Les Français sont nombreux, pour d`évidentes raisons historiques, à méconnaître l`Allemagne moderne, sa langue, sa culture quotidienne, ses coutumes.”[8]

Es geht bei Karambolage also immer um ein konkretes Detail, das mit Humor, Witz und Ironie betrachtet wird. Die einzelnen Beiträge berühren verschiedene Bereiche des alltäglichen Lebens, mit denen sich der Zuschauer identifizieren kann, etwa Sprache, Gegenstände, Bräuche und Gewohnheiten. Doch schafft es die Sendung dadurch, mit Stereotypen aufzuräumen? Oder kreiert sie erst dieselben, indem sie auf die Unterschiede der zwei Länder explizit aufmerksam macht?

2.2 Der Umgang mit Stereotypen

Das Ziel von Claire Doutriaux war es, eine wirkliche französisch- deutsche Sendung zu konzipieren:

„Il fallait trouver la forme. Le danger était de tomber dans les stéréotypes : les Allemands font comme ça, les Français font comme ça… Je me suis dit qu’il fallait décrire des choses qui existent, partir du concret pour en tirer éventuellement les conclusions. (…) Au début, les gens d’Arte ont eu peur . Ils craignaient que l’émission crée des dissensions franco-allemandes. Il y a eu débat, mais j’ai mis tout mon poids dans la balance. J’étais sûre de mon coup"[9].

Stereotype verfügen über eine erstaunliche Wirkung und Langlebigkeit und sind äußerst resistent gegenüber realen gesellschaftlichen Veränderungen. Nationalstereotype haben sich in Laufe der Geschichte tief in das kollektive Bewusstsein eingegraben und sind dort verankert geblieben. Trotz aller Aufklärungsversuche halten sie sich hartnäckig und sind auch schwer durch internationale Kommunikation abzubauen.[10]

Claire Doutriaux beklagt sich aber auch über das vorhandene Desinteresse, vor allem der Franzosen gegenüber Deutschland. Dazu sagt sie in einem Interview:

“Il y a un désintérêt pour les pays nordiques en général. Dans le cas de l’Allemagne, ça va bien au-delà. Sans doute à cause de la guerre. Alors que justement, ça devrait nous pousser à y aller. Voir pour comprendre. D’autant que c’est un des intérêts de ce pays, qui ne cesse de se remettre en question, ce qui est aussi épuisant que palpitant. Mais les Français s’en désintéressent au point qu’ils sont souvent incapables d’en nommer les frontières.“[11]

Im selben Zeitungsartikel titelte L`Humanité zum Sendestart von Karambolage, dass die Sendung eine „pont sur le Rhin“[12] geschaffen habe. Denn eine humorvolle herangehensweise an die Problematik der Stereotypen ist viel effizienter als mit schwerem Geschütz gegen sie aufzufahren. Fakt ist, dass Nationalstereotype nun einmal existieren, wie etwa „die Franzosen verstehen es zu leben, während sich die Deutschen durch Disziplin und Arbeitsamkeit auszeichnen.“[13]

[...]


[1] Haltern, S. 1f

[2] http://www.arte.tv/static/c5/pdf/gruendungsvertrag.pdf

[3] http://www.arte.tv/de/alles-ueber/ARTE-Gruppe/2153580.html

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Claire_Doutriaux

[5] http://www.lepetitjournal.com/content/view/24229/2153

[6] http://www.lepetitjournal.com/content/view/24229/2153

[7] http://www.asg-marl.de/Albert/anlagen/videodateien/grimmepreis06/doutriaux.wmv

[8] Doutriaux, S.8 (Préambule)

[9] http://www.lepetitjournal.com/content/view/24229/2153/

[10] Uhde, S. 49

[11] http://www.humanite.fr/2004-01-03_Medias_-Un-pont-sur-le-Rhin

[12] http://www.humanite.fr/2004-01-03_Medias_-Un-pont-sur-le-Rhin

[13] Uhde, S. 48

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Analyse: ARTE "Karambolage - Eine Sendung von Claire Doutriaux"
Hochschule
Universität Leipzig
Veranstaltung
Hauptseminar: Langue – culture – traduction à la télé: l’exemple d’ARTE
Autor
Jahr
2009
Seiten
23
Katalognummer
V179404
ISBN (eBook)
9783656018391
ISBN (Buch)
9783656019213
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Arte, Karambolage, Frankreich, Fernsehen, Claire Dutriaux
Arbeit zitieren
Andrea Köbler (Autor), 2009, Analyse: ARTE "Karambolage - Eine Sendung von Claire Doutriaux", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179404

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