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Conte d´hiver: Zwischen Erleuchtung und idées reçues

Titel: Conte d´hiver: Zwischen Erleuchtung und idées reçues

Hausarbeit , 2011 , 20 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Andrea Köbler (Autor:in)

Französische Philologie - Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Ein typisches Merkmal im Gesamtwerk von Eric Rohmer ist seine Vorliebe, Filme zu Zyklen zusammenzufassen. Doch die „Contes des quatre saisons“ unterscheiden sich insofern von den vorherigen Zyklen „Contes moraux“ und „Comédies et Proverbes“, da es sich um einen abgeschlossenen Zyklus handelt. Dieser Zyklus wurde nicht in chronologischer Reihenfolge gedreht, sondern nach filmisch günstigen klimatischen Bedingungen. Ganz im Gegensatz zu der Vorhersehbarkeit der immer wieder kehrenden Merkmale der vier Jahreszeiten stehen zufällige Ereignisse, die durch die Eigenschaft der Unvorhersehbarkeit geprägt sind. Die „Erzählungen der vier Jahreszeiten“ spielen sich zwar vor einem festen Hintergrund der Jahreszeiten ab, greifen aber immer wieder das Phänomen des Zufalls auf. So ist Félicies große Liebe Charles in Conte d’hiver zufällig verschwunden und sie kann ihn nicht wiederfinden. Und wiederum durch einen dummen Zufall erfährt Charles nichts von seinem Vaterglück, da Félicie ihm versehentlich die falsche Adresse gibt. Der Titel „Conte d’hiver“ lässt an die gleichnamige Shakespeare-Komödie denken, in welcher es ebenfalls um unmögliche Liebe und Trennungen geht, doch die Hoffnung vereint am Ende das sizilianische Königpaar Leontes und Hermione wieder. Rohmers Geschichte von Félicie ähnelt inhaltlich zwar nur sehr grob Shakespeares „Wintermärchen“, doch in beiden Fällen wurde etwas schuldhaft verloren, wodurch später Leid entstand. Und nur der Glaube an irgendeine Art von Wiedergeburt des Verlorenen hält bei Shakespeare Leontes und bei Rohmer Félicie wirklich am Leben.
Die Protagonisten in Rohmers Filmen sind immer auf der Suche, auf der Suche nach der Liebe, nach dem Sinn oder nach einem Zentrum. Es ist also auch ein Kino der Existenzweisen bei dem die „choix“ eine wichtige Rolle spielt: ein Mann zwischen zwei Frauen oder zwei Frauen zwischen einem Mann, die Auserwählte oder die Geliebte, Großstadt oder Provinz oder Zufall oder Vorhersehung?
Im Folgenden wir der Film „Conte d’hiver“ näher beleuchtet. Welche verschiedenen Lektüren bietet der Film an? Wie wird Paris im Film inszeniert? Welche amourösen Begegnungen gibt es?

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Hinführende Gedanken

2. Figuren und Handlung

2.1 Abriss der Handlung

2.2 Figurenkonstellationen

2.3 Charakterisierung der Figuren

2.3.1 Félicie

2.3.2 Charles

2.3.3 Maxence

2.3.4 Loïc

2.3.5 Elise

3. Les différentes lectures possibles

3.1 Lecture crétienne

3.2 Lecture ironique

3.3 Lecture topographique

3.3.1 Orte und Nicht-Orte

3.3.2 Der Mythos Paris

3.3.3 Stadtinszenierung in Conte d’hiver

4. Conte d’hiver- Ein modernes Märchen?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Film "Conte d'hiver" von Eric Rohmer hinsichtlich seiner zentralen Motive wie Liebe, Glaube und Zufall sowie der filmischen Inszenierung von Raum und Identität. Dabei wird analysiert, wie die Hauptfigur Félicie zwischen verschiedenen Lebensentwürfen und Männern navigiert und wie durch die Topografie des modernen Paris sowie literarische Referenzen eine spezifische Lesart des Films ermöglicht wird.

  • Analyse der Figurenkonstellationen und der psychologischen Verfassung der Protagonistin
  • Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen christlicher Lesart und ironischer Distanz
  • Darstellung von Paris als Schauplatz jenseits des klassischen Mythos
  • Deutung der Rolle von "Nicht-Orten" in der modernen Lebenswelt der Figuren
  • Interpretation des Films als modernes Märchen über Glaube und Vorhersehung

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Orte und Nicht-Orte

Paris ist nicht nur zentraler Schauplatz sondern auch ein zentraler Gegenstand in der französischen Literatur der Moderne. Natürlich gilt dies auch für Filme. Die Metropole Paris gilt als die Stadt der Liebe, als romantische Stadt, ein Image, welches sich nach unzähligen filmischen Inszenierungen bis heute etabliert hat. Filme transportiere Informationen als Boten und als Vermittler von Wissen und Bildung aus allen Gegenden der Erde und über alle Orte der Erde. Somit verfügt das Medium Film über die große Fähigkeit, ein vielschichtiges Geflecht an Raumbedeutungen zu generieren. Filme haben in unserer heutigen Gesellschaft die Macht, die Vorstellungen der Menschen von Orten stark zu beeinflussen. Man muss nur einmal im Film Paris gesehen haben, um sich ein Bild von dieser Stadt machen zu können. Dem Zuschauer wird die Raumbedeutung quasi aufgezwungen. Doch nicht in allen Filmen wird Paris als blühende, kulturelle, romantische Stadt dargestellt. Auch in Paris existieren Orte, die entweder von Filmemachern ausgespart werden, um im Film das gute Image der Stadt der Liebe nicht zu zerstören bzw. aufrecht zu erhalten, oder aber diese Orte werden explizit gezeigt, um dem Zuschauer klar zu machen, dass Paris nicht nur aus dem Louvre, dem Sacre Coeur und dem Notre Dame besteht.

Der Soziologe und Anthropologe Marc Augé hat in seinem Buch „Non-Lieux. Introduction à une anthropologie de la surmodernité’’ ein Konzept über die Beziehung von Orten und Nicht-Orten, von lieux und non-lieux, entwickelt. „So wie ein Ort durch Identität, Relation und Geschichte gekennzeichnet ist, so definiert ein Raum, der keine Identität besitzt und sich weder als relational noch als historisch bezeichnen lässt, einen Nicht-Ort.“ (Augé 1994: 92) Laut Augé ist es die Übermoderne, die surmodernité, eine Steigerungsstufe der modernité, die diese Nicht-Orte hervorbringt und der postmodernen Gesellschaft den Verlust an Identität und Erfahrung beschert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Hinführende Gedanken: Das Kapitel führt in das Gesamtwerk von Eric Rohmer ein und erläutert die thematische sowie strukturelle Einordnung des Films in den Zyklus der "Erzählungen der vier Jahreszeiten".

2. Figuren und Handlung: Dieser Abschnitt bietet eine detaillierte Inhaltsangabe sowie eine eingehende Charakterisierung der zentralen Protagonisten und ihrer Beziehungen zueinander.

3. Les différentes lectures possibles: Hier werden drei methodische Zugänge – eine christliche, eine ironische und eine topografische Lesart – angewandt, um den Film aus verschiedenen Perspektiven zu deuten.

4. Conte d’hiver- Ein modernes Märchen?: Das abschließende Kapitel reflektiert die filmische Umsetzung einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte und bewertet den Status des Films als modernes Märchen.

Schlüsselwörter

Eric Rohmer, Conte d'hiver, Liebe, Glaube, Zufall, Paris, Nicht-Orte, Identität, Emma Bovary, Filmwissenschaft, Lebensentwurf, Félicie, Rauminszenierung, Moderne, Existenzweise

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert Eric Rohmers Film "Conte d'hiver" unter verschiedenen thematischen und erzähltheoretischen Aspekten.

Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der Darstellung von Liebe, Glaube, der Suche nach Sinn sowie der filmischen Inszenierung von urbanen Räumen.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, durch unterschiedliche Lektüren (christlich, ironisch, topografisch) aufzuzeigen, wie Rohmer komplexe existenzielle Fragen und die Unentschlossenheit seiner Figuren filmisch greifbar macht.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Es wird eine film- und literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die Konzepte wie die von Marc Augé (Nicht-Orte) oder literarische Referenzen (Flauberts Emma Bovary) integriert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Figuren- und Handlungsanalyse sowie eine dreiteilige methodische Untersuchung des Films.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem "Nicht-Orte", "Existenzweisen", "Liebeskristallisation" und die filmische "Re-écriture" literarischer Stoffe.

Wie interpretiert die Arbeit die Bedeutung der Kathedrale in der Schlüsselszene?

Die Kathedrale wird als ein "lieu" (Ort) gedeutet, der im Kontrast zur ständigen Hektik der sonst gezeigten "Nicht-Orte" steht und Félicie eine göttliche Eingebung ermöglicht.

Inwiefern beeinflussen die "Nicht-Orte" die Charakterzeichnung von Félicie?

Die ständige Bewegung an anonymen Orten wie U-Bahnen oder Bussen spiegelt die innere Zerrissenheit und das Gefühl des "Dazwischenseins" der Protagonistin wider.

Warum wird Félicie als "semantische Schwester" von Emma Bovary bezeichnet?

Aufgrund ihrer Romantisierung der Liebe und des Leidens an der Alltäglichkeit wird sie im Kontext der ironischen Lesart in die literarische Tradition von Flauberts Figur gestellt.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Conte d´hiver: Zwischen Erleuchtung und idées reçues
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,0
Autor
Andrea Köbler (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V179413
ISBN (eBook)
9783656017721
ISBN (Buch)
9783656017905
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Rohmer Film Frankreich
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Andrea Köbler (Autor:in), 2011, Conte d´hiver: Zwischen Erleuchtung und idées reçues, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179413
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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