Anarchy in the UK

Die Punkbewegung der Siebziger Jahre


Seminararbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung:

1. Einleitung

2. Geschichtliche Entwicklung der Punkbewegung

3. Historische Einordnung

4. Konzeption der Punkkultur

5. Sex Pistols – "Anarchy in the UK"
5.1 Hintergründe zur Band
5.2 Interpretation des Liedes

6. Fazit

7. Verweise

8. Quellen

1. Einleitung

Punk – die komplette Verneinung des Lebens, wie es sich weite Teile des Establishments in den siebziger Jahren in Westeuropa wünschten. Für große Teile der Gesellschaft bedeutete diese neue Subkultur einen Affront gegen das Leben, dass man allgemein als strebsam erachtete – Ziele wie Arbeit, Familie, Haus, Auto, Wohlstand und gesellschaftliche Partizipation wurden vom "Punk" mit einem "No Future!" oder "Anarchy" beantwortet. Für Anhänger und Sympathisanten war "Punk" die Möglichkeit aus als beengend empfundenen gesellschaftlichen Strukturen auszubrechen und ihr Leben selbstbestimmt – aber abseits des "normalen Bürgertums" zu gestalten.

In der folgenden Hausarbeit werde ich die zeitliche Entwicklung des Punks nachzeichnen und ihn historisch verorten. Außerdem werde ich aufzeigen, welche Zusammenhänge die Entstehung des Punks in seiner ganzen Breite begünstigten.

Nachfolgend werde ich die Konzeption des Punks in Musik, Mode, Lebensstil und gesellschaftlicher Teilhabe darlegen und darstellen, dass sie als direkter Kontrast zum herrschenden Establishment wirkt und somit zu einem Aufsehen erregenden Phänomen werden musste. Anschließend werde ich die Sex Pistols als erste erfolgreiche Punkband, die sowohl als Ergebnis dieser Bewegung als auch als Katalysator der Bewegung wirkt, vorstellen. Darüber hinaus werde ich das Lied "Anarchy in the UK" interpretieren und darlegen, warum dieses Lied zu außerordentlichen Skandalen führte.

2. Geschichtliche Entwicklung der Punkbewegung

Die Jugendkultur Punk – also ein Konglomerat aus Musik, Mode, Lebenseinstellung und -stil – hatte mehrere Phasen der Entwicklung und Stagnation.

Ihre musikalischen Wurzeln liegen zu großem Teil in amerikanischen Garage-Rockbands der Sechziger wie zum Beispiel The Stooges, MC5 oder The Velvet Underground.

Diese Bands spielten eine aggressivere, schnellere und einfachere Form der Beatmusik beziehungsweise des Rock'n'Rolls. In den swinging sixtees formierten sich in Großbritannien Bands wie The Who, The Kinks oder die Rolling Stones, die ebenfalls rohere Spielarten mit programmatischen Texten verbanden. Trotz des kommerziellen Erfolgs dieser Bands, beherrschten Rock-Bands, wie Genesis, Led Zeppelin oder Pink Floyd die Rockszene. Diese Bands zeichneten sich durch komplexe Liedarrangements, teure Studioaufnahmen und -produktionen, sowie große Liveshows aus. Kritiker des Progressive Rocks oder Bombastrocks – also schwülstiger, aufgeblasener Musik – führten an, dass diese Kommerzialisierung einen Graben zwischen den Musikern und ihren Fans entstehen lässt, sodass "[...]ein einfacher Fan [mit ihnen] nicht einmal mehr in der gleichen Toilette pinkeln kann[...]"[1]. Der Wunsch nach einer einfacheren Form des Rocks führte zu einer regelrechten Form der do-it-yourself Ethik, sodass Szene-eigene Labels und Magazine entstanden, die die junge Bewegung förderten und dokumentierten. Die neuen Bands zeichneten sich durch günstige Produktionen und Ausstattungen, einfache, schnelle und aggressive Kompositionen und klassischen Besetzungen mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Sänger aus. Frei nach dem Motto des Punk-Magazins Sideburns: "This is a chord, this is another, this is a third. Now form a band."[2] gründeten sich in den Siebzigern in London und New York diverse Bands wie die New York Dolls, Queens, The Dictators und vielen weiteren.

Malcom McLaren war zu Beginn des Jahres 1975 kurzzeitig Manager der New York Dolls und kehrte im Mai nach London zurück. Als Besitzer der Boutique Sex verkaufte er Anti-Fashion für junge Nonkonformisten und übernahm das Management der Sex Pistols, die nun von ihm eingekleidet und gefördert wurden. Als die Band ihr Debütalbum Anarchy in the UK veröffentlichten, gaben sie der Szene eine musikalische Identität, sodass Punk erstmals Begriff für eben jene Musik und Lebenseinstellung wurde. Der - durch die Sex Pistols ausgelöste - Punkboom führte dazu, dass Punk den Weg in den Mainstream fand und von breiteren Massen rezipiert wurde. Des Weiteren gründeten sich im breiten Fahrwasser der Sex Pistols Bands wie The Clash, The Damned, Buzzcocks und viele weitere. Jedoch führte die verstärkte Kommerzialisierung dieser Bewegung zu inneren Widersprüchen, namentlich zu den nonkonformistischen und anti-kommerziellen Grundsätzen des Punks. Dies führte unter anderem zu einer Aufspaltung der Punkszene, die nunmehr New Wave, Hardcore, Oi, Ska, Post-Punk und viele weitere Genres hervorbrachte. Des Weiteren führte die Auflösung der Sex Pistols am 17.01. 1978 zu einem weiteren Abebben des Phänomens Punk.

Jedoch erlebte Punk zum Beginn der Achtziger eine globale Renaissance, getragen vom Hardcore, der radikale politische Forderungen (Antihomophobie, Antisexismus, Antirassismus) mit der aufkeimenden Hausbesetzerszene verband. Führende Bands waren Dead Kennedys, The Exploited, Black Flag oder deutsche Bands, wie Toxoplasma, OHL und Chaos Z. 1981 verkaufte sich das Debütalbum "Punk's not Dead" von The Exploited 67.000 Mal und zeigte eindrucksvoll das erneute Erstarken des Punks[3]. Auch in Deutschland bildeten sich Ende der Siebziger beziehungsweise Anfang der Achtziger Punkbands, die stark mit der Anti-AKW-Bewegung und der Hausbesetzerszene verbunden waren. Wichtige Vertreter waren unter anderem Fehlfarben, Trio, Slime und Razzia. Doch auch hier fand, wie in Großbritannien, eine Abspaltung der Szene statt. Aus der Punkbewegung entstand analog zum britischen New Wave die Neue Deutsche Welle, die elektronische Instrumente (E-Drums, Synthesizer) verwendete und sich massentauglicheren Produktionen zuwendete. Ab 1982 fanden regelmäßige Treffen deutscher Punks in Wuppertal statt, die 1982 zu den ersten Chaostagen in Hannover führten, bei denen sich Punks aus allen Teilen der Welt trafen. 1984 eskalierte die Situation und das Jugendzentrum Glocksee wurde zerstört, nachdem es zu Auseinandersetzungen zwischen Punks und Skinheads kam. Hier entlud ein Teil der Besucher gewalttätige und destruktive Elemente und führte zu weiteren Spaltungen und Distanzierungen innerhalb der deutschen Szene. Im gleichen Jahr beendeten die letzten Punk-Labels No Future und Riot City in England den Betrieb und somit verliert auch die do-it-yourself Ethik an Bedeutung[4].

Abschließend muss man feststellen, dass sich die Punkbewegung in den achtziger Jahren weitestgehend in kleinere Genres aufspaltet und sie somit an Breite und Schlagkraft verliert. Auch wenn nur noch eine kleine Anzahl von Punks der Musik und Lebenseinstellung treu geblieben sind, sind sie bis heute nie komplett aus dem Stadtbild verschwunden.

3. Historischer Kontext

Die Zeit war in erster Linie vom Kalten Krieg – also der Blockbildung zwischen den demokratischen Staaten des Westens und deren Verbündete (NATO) und den sozialistisch-kommunistischen Staaten des Warschauer Pakts im Osten – geprägt. Durch die Gründung dieser Militärbündnisse standen sich zwei Parteien gegenüber, die sich wirtschaftlich, sozial und politisch unterschieden, jedoch jeweils den universalistischen Anspruch hatten, die richtige Weltordnung zu vertreten. Daher versuchten beide Bündnisse nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Einfluss zu erweitern und darüber hinaus den Einfluss der jeweils anderen Partei zu beschränken. Folgerichtig entstand ein gewaltiges Konfliktpotential, welches in gegenseitiges Wettrüsten und in Stellvertreterkriege (zum Beispiel der Koreakrieg 1950-1953 oder der Vietnamkrieg 1960-1975) mündete. Der Kalte Krieg war das beherrschende Thema dieser Zeit, die die Außenpolitik der Länder maßgeblich beeinflusste und Unmengen von Ressourcen (Rüstung, Sicherheit, Spionage) band. Außerdem waren die Menschen in einer ständigen Angst vor einem Atomkrieg gefangen, der sich in unterschiedlichen Konflikten (zum Beispiel während der Kubakrise 1962) abzeichnete. Erst in den achtziger Jahren vollzog sich eine Entspannung des Konfliktes, nachdem Michail Gorbatschow mit den Reformprogrammen Perestroika und Glasnost die Sowjetunion liberalisierte und somit eine Annäherung an die NATO möglich war. Dies machte den Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 erst möglich und führte zur Beendigung des Kalten Kriegs und einer beginnenden Verständigung und Zusammenarbeit der Völker.

Eine weitere wichtige Komponente dieser Zeit war die Ölkrise 1973. Hierbei drosselte die OPEC (Organization of Arab Petroleum Exporting Countries) den Ölexport an den Westen um ca. 5%. Grund hierfür war die Unterstützung der Westmächte für Israel im Jom-Kippur-Krieg (1973), wo ein Verbund von ägyptischen und syrischen Truppen ohne Kriegserklärung auf israelische Gebiete vorrückten. Mit dem Ölembargo versuchten die arabischen Staaten die westliche Unterstützung für Israel einzudämmen und Israel grundlegend zu schwächen, sodass die Araber den Krieg für sich entscheiden konnten. Die Ölkrise hatte enorme Auswirkungen auf die Volkswirtschaften des Westens, da diese stark vom Öl der Araber abhängig waren. Steigende Energiepreise führten zu höheren Transport- und Produktionskosten, die wiederum mit höheren Preisen der Unternehmen beantwortet wurden. Durch die Preiserhöhung wurde das Konsumverhalten rückläufig und die Unternehmen entließen Arbeiter oder beschäftigten sie in Kurzarbeit um überlebensfähig zu bleiben. Folglich stiegen die Arbeitslosenzahlen und erreichten Mitte der Siebziger beispielsweise in Deutschland fast 5%, wobei die Arbeitslosigkeit vor 1970 noch bei ca. 1% lag[5]. Daraufhin steuerten die westlichen Wirtschaften einer Rezession zu, die mit zusätzlich steigenden Produktpreisen zum Sinken der Reallöhne führte und den Wohlstand der westlichen Nationen signifikant minderte. Betroffen von der Arbeitslosigkeit waren viele Jugendliche, die unerfahren auf den Arbeitsmarkt drängten und kaum Chancen gegen erfahrene Fachkräfte hatten. Dadurch bildete sich eine junge, arme und perspektivlose Schicht, die die Basis der Punkbewegung wurde und den Spruch "No future" zu ihrem Leitmotiv kürte.

Des Weiteren fanden in dieser Zeit Auseinandersetzungen paramilitärischer Verbände statt, wo der Fokus besonders auf die MPLA, UDA und IRA gelegt werden soll, da diese Gruppierungen in dem Lied "Anarchy in the UK" der Sex Pistols genannt werden.

Die MPLA (Movimento Popular de Libertação de Angola) ist eine Gruppierung, die sich 1956 gründete und die Befreiung Angolas von den portugiesischen Kolonialisten durch einen Guerillakrieg anstrebte. Nachdem die Portugiesen die Kolonie 1975 aufgaben, gründete die MPLA eine sozialistische Volksrepublik nach dem Vorbild der europäischen Ostblockstaaten.

In der Folge versuchten unterschiedliche Gruppierungen die neue Regierung zu stürzen – auch mit der Unterstützung westlicher Mächte – und ein Bürgerkrieg um die Zukunft Angolas begann, der erst 2002 enden sollte und mehrere hunderttausend Opfer forderte.

Die UDA (Ulster Defence Association) wurde 1971 gegründet und bekämpfte Bestrebungen der Nordiren eine eigenständige Republik zu bilden und somit den Einfluss der Briten auf Nordirland zu verringern. Die UDA setzte sich aus Protestanten, der anglikanischen Kirche zugehörig, zusammen. Sie verstanden sich als Schutzmacht nordirischer Protestanten, die von der IRA durch Attentate und andere terroristische Aktionen bedroht wurden. Während der sogenannten troubles (1969-2001) waren sie sich für den Tod von mehreren hundert Menschen – davon zumeist Zivilisten – verantwortlich[6].

Die IRA war, wie bereits angemerkt, der republikanische Konterpart der UDA. Diese gründete sich bereits 1919 und strebte die Unabhängigkeit der Iren (einschließlich Nordirlands) von der britischen Herrschaft an, beziehungsweise versuchte sie die 1916 proklamierte irische Unabhängigkeit militärisch zu verteidigen. Dadurch brach 1919 der Krieg gegen Großbritannien aus, der erst 1921 beendet wurde und dazu führte, dass Nordirland der britischen Krone zugesprochen wurde und die Republik Irland nunmehr einen autonomen Staat bildete. In dieser Spaltung liegt der Ursprung für die späteren Konflikte Nordirlands, da sich das Land in katholisch-nationalistische Iren und protestantische Schotten und Engländer (Unionisten) aufspaltete, die sich in der Folge bekämpften. Somit sind die UDA und die IRA sich gegenüberstehende Organisationen, die durch Bombenattentate und Mordkommandos einen bürgerkriegsähnlichen Zustand entstehen ließen.

Analog zu den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Angola und Irland, kann auch die RAF (Rote Armee Fraktion) betrachtet werden. Diese Gruppe hatte ihre Wurzeln in den Studentenunruhen der sechziger Jahre, die eine Radikalisierung nach der Ermordung Benno Ohnesorgs durch die Polizei erfuhr. Der Kern der RAF, Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Horst Mahler, Ulrike Meinhof und andere, war überzeugt, dass der bewaffnete Widerstand gegen die Ausbeutung der ArbeiterInnen und gegen Repressionen durch den Staat beginnen müsste. Ziel der links-radikalen Gruppierung war es, die Gesellschaft gewaltsam umzustürzen und die Diktatur des Proletariats zu ermöglichen[7].

In der Folge fanden diverse Bombenattentate (beispielsweise am 11.5.1972 auf den Terrace Club), Entführungen (beispielsweise Hanns-Martin Schleyer) oder Ermordungen (zum Beispiel von Siegfried Buback) statt. Der Höhepunkt der RAF-Aktivität bildete der Herbst 1977 ("Deutscher Herbst"), bei dem RAF-Mitglieder versuchten, die inhaftierten Genossen Baader, Ensslin, Raspe und Möller freizupressen. Durch die Aktionen, denen bis zur Auflösung 1998 34 Menschen zum Opfer[8] fielen, wurde ein Zustand dauerhafter Gefahr und Verunsicherung – ähnlich wie in Irland – erzeugt.

4. Konzeption der Punkkultur

Die Punkkultur als Protest und Widerspruch zum Establishment hatte seine Wurzeln in wirtschaftlichen, sozialen und politischen Problemen der Zeit und führte zu Modeerscheinungen und Lebensstilen, die diesen Widerspruch offenbarten.

"Die typische Punksymbolik bediente sich der von der Gesellschaft verheimlichten und verdrängten Dinge. Alles, was im konventionellen Alltag als häßlich, aggressiv oder obszön empfunden wurde, diente dazu, einen Punk zu schmücken"[9]. Zu diesen Merkmalen gehörten unter anderem die Haare, die als bewusster Gegensatz zu den langen Haaren der Hippies, zuerst kurz getragen und später in grellen Farben gefärbt wurden. Charakteristisch für die Haarmode der Punks ist der Iro – der mit seinem vertikal gestylten Haupthaar bis heute als Zeichen für einen Punk gilt. Des Weiteren wurden Teile des Kopfes rasiert, Haarteile abgeschnitten oder in ihrer Länge belassen und so in ihrem Gesamtbild unstimmige Frisuren kreiert, die sie grundlegend von der Gesellschaft und ihren Vorstellungen bezüglich "richtiger" Haarmoden, unterschieden.

Die Kleidung des Punks ist geprägt von der do-it-yourself Ethik. Um ihren Protest gegen das Konsumverhalten und um ihre eigene Individualität zu unterstreichen, fertigen Punks ihre Kleidung oft selbst. Jacken werden aus alten Stofffetzen oder Lederteilen zusammengenäht und mit programmatischen Sprüchen oder dem Anarchie-Symbol versehen, um sich klar von der Gesellschaft abzugrenzen, beziehungsweise sich anderen Punks zu offenbaren. Dabei war es auch üblich, dass die Kleidung verschmutzt oder in Teilen zerstört sein konnte, da dies im adrett gekleideten Bürgertum ebenfalls Aufsehen erregte. Punks trugen überdies einfache T-Shirts, die der Einzelne in Teilen zerreißen oder in bester Dadaismus -Manier mit Aufnähern verschönern konnte. Die Schuhwahl fiel oft auf Springerstiefel (zum Beispiel der Marke Dr. Martens), die sowohl beim Tanzen als auch beim sit-in in der Innenstadt praktisch waren und sich außerdem durch ihre Langlebigkeit auszeichneten.

Durch den fehlenden Kleidungskodex fand der Einfallsreichtum des Punks in Sachen Mode keine Grenzen. Der Punk verwendete alles, was in seinen Augen praktikabel war und sein Outfit verschönerte und dazu einzigartig machte. So ist es nicht verwunderlich, dass Punks beispielsweise Hundehalsbänder, die mit Nieten versehen wurden, trugen oder sie Vorhängeschlösser, Angelhaken, Gürtelschnallen und viele weitere Gegenstände als Kette trugen. Ziel war die größtmögliche Verwirrung und Aufmerksamkeit bei dem Betrachter zu erzielen. Ebenfalls war in der Szene die Sicherheitsnadel beliebt, die im Mundwinkel angebracht wurde und mit einem Kettchen mit dem Ohr verbunden sein konnte. Dieser Trend wurde unter anderem von Johnny Rotten eingeführt[10].

Ein weiteres wichtiges Merkmal waren Badges, Patches und Beschriftungen, die an der Kleidung angebracht waren. Badges (oder auch Buttons) bestehen aus Metall und werden mit einer kleinen Sicherheitsnadel an die Kleidung geheftet. Diese konnten Bandlogos, Parolen oder das obligatorische Anarchie-A darstellen, wodurch dem Gegenüber die Gesinnung oder der Musikgeschmack des Trägers vermittelt wurde.

Patches hingegen sind Stofffetzen, die auf den Stoff genäht, gebügelt oder geklebt werden. Auch diese können Bandlogos oder Parolen darstellen. Badges, sowie Patches, dienen zur Abgrenzung zu anderen Subkulturen aber vor allem vor dem Establishment, das niemals seine hart erarbeitete Kleidung mit solchen Gegenständen "zerstören" würde.

Doch auch abseits von der Mode pflegen Punks einen anderen Lebensstil als der Rest der Gesellschaft. Ein großer Bestandteil des Zusammenlebens stellt der gemeinsame und häufige Alkoholkonsum dar, der auch in der Öffentlichkeit vollzogen wird. Auch heute ist der Alkoholgenuss ein wichtiger Bestandteil der Punkkultur. Beispielsweise sieht man auch am Bielefelder Hauptbahnhof Punks Bier trinken und die Passanten um Kleingeld bitten. Das Schnorren ist ein weiterer wichtiger Bestandteil der Punkethik, da Punks selten einer regelmäßigen Arbeit nachgehen und nicht selten als Obdachlose leben, um ihre Nonkonformität gegenüber der arbeitenden Gesellschaft zum Ausdruck zu bringen. Daher sind sie angewiesen den Lebensunterhalt mit Schnorren in Fußgängerzonen zu bestreiten. Die musikalischen und modischen Unterschiede haben auch einen unterschiedlichen Tanz zur Folge. Anders als im Disco, der einen eigenen festgeschriebenen Tanzstil entwickelt hat, begnügen sich die Punks mit dem Pogo. Hierbei wird der Kontakt zu den anderen Konzertteilnehmern explizit gesucht, indem man immer wieder in die Menge springt und sich gegenseitig wegstößt. Es gibt keine speziellen Regeln für den Bewegungsablauf, jedoch kann man Pogo getrost als Anti-Tanz deklarieren, der auch Verletzungen hervorrufen kann. Auch dieser Tanz sorgt für Kopfschütteln in der Gesellschaft, da ein Tanz der keinen erkennbaren Richtlinien folgt und sogar zu Verletzungen führt, nicht toleriert wird.

All diese Merkmale zeigen, dass die Punkkultur ein kompletter Gegensatz zum Establishment darstellt und demnach zu diesem aufregendem Phänomen werden konnte.

[...]


[1] Vgl. Der Spielgel, Kultur aus den Slums.

[2] Savage, Englands Dreaming, S280f.

[3] Vgl. Lau, Die heiligen Narren, S.27.

[4] Ebd.

[5] Vgl. Diewald, Vorlesung Sozialstrukturanalyse.

[6] Conflict Archive on the Internet (CAIN)

[7] vgl. Agit883 Ausgabe 62 vom 05.06.1970

[8] Dietl, Das Terrorimus-Lexikon, S.69.

[9] Thiele, Jugendkulturen und Gangs, S.62.

[10] Lau, Die heiligen Narren, S.93.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Anarchy in the UK
Untertitel
Die Punkbewegung der Siebziger Jahre
Hochschule
Universität Bielefeld
Veranstaltung
Das politische Lied als historische Quelle
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V179513
ISBN (eBook)
9783656018629
ISBN (Buch)
9783656018964
Dateigröße
549 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Punk, Sex Pistols, Geschichte des Punks, Anarchy in the UK, Liedinterpretation Anarchy in the UK
Arbeit zitieren
Sascha Pliske (Autor), 2011, Anarchy in the UK , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179513

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