Seit dem Beginn seiner Entstehung am Anfang der Neunzehnhundertsiebziger Jahre hat sich das Neurolinguistische Programmieren (NLP) weit verbreitet. In vielen Ländern der Welt wird es inzwischen in den unterschiedlichsten Bereichen angeboten und genutzt. Seine Anwendungsgebiete reichen von der Therapie über die Pädagogik bis zum Wirtschaftsleben. Einer der möglichen Gründe für den Erfolg des NLP könnte in der von ihm vertretenen Grundannahme liegen, dass jedes Verhalten in einem bestimmten Kontext nützlich sei. Auf diesem Gedanken aufbauend wird manches Problem zum Ausgangspunkt für Versöhnung mit problematischen Verhaltensweisen und für die Suche nach Handlungsalternativen - eine Einstellung, die auch für die Drogenberatung mit Alkoholikern nützlich sein könnte. Schaut man sich diesen Arbeitsbereich jedoch genauer an, stellt man fest, dass das NLP hier wenig genutzt wird. Diese Beobachtung wirft die Frage auf, ob es für die Drogenberatung mit Alkoholikern ungeeignet sei. Dieser Hypothese wird in dieser Diplomarbeit aus dem Jahr 1997 mit Hilfe der Analyse der Möglichkeiten, Grenzen und Risiken der Anwendung des NLP in diesem Bereich nachgegangen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Verschiedene Ansichten zum Thema - Ergebnisse einer Fragebogenaktion
2.1 Die Ansichten der mit Suchtfragen befaßten Verbände
2.2 Die Ansichten der Drogenberatungsstellen
2.3 Die Ansichten der NLP-Ausbildungsinstitutionen
2.4 Die Ansichten einer Rehaklinik für Alkoholkranke, Medikamenten- und Drogenabhängige
2.5 Schlußfolgerungen
3 Die Erfordernisse der Drogenberatung mit Alkoholikern
3.1 Die Aufgaben der Drogenberatung als Teil der Behandlungskette
3.2 Besonderheiten in der Gesprächsführung mit Alkoholikern - Von Spielen über Krankheits-einsichten und die "Trinker-Logik" zum Alkohol als Selbstheilungs- oder Selbstzerstörungsmittel
3.3 Schlußfolgerungen
4 Das Angebot des NLP an die Drogenberatung mit Alkoholikern
4.1 Theoretische Grundlagen: Die Anker-Theorie des NLP und der Alkoholismus
4.1.1 Alkoholkonsum als Reaktion - Alkoholismus als Bewältigungsstrategie
4.1.2 Alkoholkonsum als Anker - Zugang zu Ressourcen
4.2 Möglichkeiten, Grenzen und Risiken ausgewählter Orientierungen, Muster und Techniken des NLP in der Drogenberatung mit Alkoholikern
4.2.1 Physiologie-Kategorien und gezielte Außenwahrnehmung als Orientierungshilfen
4.2.2 Das Meta-Modell (nach BANDLER/GRINDER) und das Modell der (Neuro-) Logischen Ebenen (nach DILTS) als Hilfsmittel bei der Erforschung des Selbst- und Weltbildes des Klienten
4.2.3 Das Milton-Modell (nach BANDLER/GRINDER) und die Verwendung von Metaphern
4.2.3.1 Die Metapher vom Bio-Computer als möglicher Einstieg ins Ankläger-Opfer-Retter-Spiel
4.2.4 Die NLP-Welt der Sinne: Repräsentationssysteme und Submodalitäten
4.2.5 Zur Zielorientierung im NLP: Das Reframing, der Identity-Prozeß und die Wohlgeformtheitskriterien für Zieldefinitionen
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten, Grenzen und Risiken der Anwendung des Neurolinguistischen Programmierens (NLP) in der professionellen Drogenberatung für Alkoholiker. Das Ziel ist es, durch die Analyse von Expertenansichten und theoretischen NLP-Modellen zu klären, wie NLP-Techniken sinnvoll und sicher in diesen spezifischen Beratungskontext integriert werden können, ohne dabei therapeutische Grenzen zu überschreiten.
- Einsatzmöglichkeiten von NLP in der Suchtberatung und Motivationsförderung.
- Analyse systemischer Störungen und deren Abgrenzung zur NLP-Intervention.
- Übertragung der "Trinker-Logik" und des "Ankläger-Opfer-Retter-Spiels" in NLP-Modelle.
- Kritische Reflexion der "Gehirn als Bio-Computer"-Metapher im Kontext der Suchtarbeit.
- Entwicklung von Kriterien für eine ethisch verantwortungsvolle Anwendung von NLP-Methoden.
Auszug aus dem Buch
Besonderheiten in der Gesprächsführung mit Alkoholikern - Von Spielen über Krankheitseinsichten und die "Trinker-Logik" zum Alkohol als Selbstheilungs- oder Selbstzerstörungsmittel
Die Begegnung mit einem Abhängigen kommt anfangs meist gut voran, gerade das Verstehensgefühl. Der Patient äußert etwa 'Sie verstehen mich aber wirklich!' Wir fühlen uns bestätigt. 2. Akt - einige Zeit später hören wir von ihm: 'Ich bin von Ihnen enttäuscht. Niemand versteht mich!' 3. Akt: Wir reagieren darauf enttäuscht, wütend oder zynisch ('Undank ist der Welt Lohn'), was leicht zur Berufshaltung wird: Die Ewartung des Mißerfolges schützt vor Enttäuschung. Regelmäßig liegt unser Fehler am Anfang: Als wir uns wegen unseres 'außergewöhnlichen Verständnisses' loben ließen und der Patient uns denken ließ, wir kämen ungeschoren davon, hätten ohne große Mühe ein Vertrauensverhältnis hergestellt. Denn schon damit hat der Patient sich von mir und mich von ihm abhängig gemacht, die gegenseitige Begegnungsangst durch elegantes überspielen abgewehrt, mich als Gegner entschärft, uns kurzschlüssig zu Freunden gemacht, was leicht in Feindschaft umschlägt, die Auseinandersetzung vermieden. Manchmal werden wir aus dieser angenehmen Einlullung erst durch die Nachricht geweckt, der Patient habe sich umgebracht. Umgang mit Abhängigen ist - wie mit depressiven Menschen - ein Spiel auf Leben und Tod.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das NLP und die Motivation der Arbeit durch eigene Praxiserfahrungen in der Drogenberatung.
2 Verschiedene Ansichten zum Thema - Ergebnisse einer Fragebogenaktion: Darstellung der Ergebnisse einer Fragebogenaktion unter Verbänden, Beratungsstellen und NLP-Instituten zur aktuellen Nutzung von NLP in der Suchtarbeit.
3 Die Erfordernisse der Drogenberatung mit Alkoholikern: Analyse der Phasen der Alkoholikerbehandlung sowie der auftretenden Rollendynamiken (z.B. Karpman-Dreieck) in der Beratungsarbeit.
4 Das Angebot des NLP an die Drogenberatung mit Alkoholikern: Detaillierte Untersuchung spezifischer NLP-Konzepte wie Anker-Theorie, Meta-Modell, Milton-Modell und ihre Anwendbarkeit bzw. Risiken in der Arbeit mit Alkoholikern.
5 Zusammenfassung: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Fazit zur Nützlichkeit sowie den ethischen Grenzen von NLP in der Suchthilfe.
Schlüsselwörter
Neurolinguistisches Programmieren, NLP, Alkoholiker, Drogenberatung, Suchtberatung, Anker-Theorie, Meta-Modell, Milton-Modell, Reframing, Karpman-Dreieck, Systemische Störungen, Motivationsförderung, Psychosoziale Beratung, Therapie, Krankheitsbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, ob und wie NLP-Techniken in der Drogenberatung von Alkoholikern eingesetzt werden können, welche Potenziale sie bieten und wo ihre methodischen oder ethischen Grenzen liegen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die NLP-Methodik, die Dynamik in der Arbeit mit alkoholabhängigen Klienten, die Analyse von Rollenspielen in der Beratung und die kritische Auseinandersetzung mit theoretischen Modellen.
Welches ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen professionellen und ethisch fundierten Maßstab für den Einsatz von NLP in der Suchtberatung zu setzen, um eine effektive und zugleich sichere Unterstützung der Klienten zu gewährleisten.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Arbeit verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse zu NLP-Konzepten sowie auf eine eigene empirische Befragung von 43 Einrichtungen, um ein Bild über die Praxis und Einstellung zu NLP in diesem Feld zu gewinnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete NLP-Konzepte wie Anker, Meta-Modell und Milton-Modell detailliert auf ihren Nutzen für die diagnostischen und motivationsfördernden Aufgaben in der Drogenberatung geprüft.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind NLP, Drogenberatung, systemische Störungen, Rapport, Reframing und die "Trinker-Logik".
Wie unterscheidet sich der Ansatz des Autors bei der Anwendung von NLP bei Alkoholikern?
Der Autor betont die Notwendigkeit, eine "zudeckende" (schonende) Beratung bevorzugt anzuwenden, während er gleichzeitig vor der Anwendung von NLP bei Klienten mit systemischen Störungen warnt, da dies psychische Konflikte unnötig verschärfen könnte.
Welche Bedeutung misst der Autor dem "Ankläger-Opfer-Retter-Spiel" bei?
Er sieht diese Dynamik als ein zentrales Hindernis in der Beratungsbeziehung an und zeigt auf, wie der Berater mit NLP-Techniken diese Spiele erkennen und unterbrechen kann, um die therapeutische Energie effizient zu nutzen.
- Quote paper
- Andreas Langosch (Author), 1997, Das Neurolinguistische Programmieren (NLP) in der Drogenberatung mit Alkoholikern - Möglichkeiten, Grenzen und Risiken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/179544