Das Filmschaffen von Martin Scorsese ist geprägt von einem außerordentlichen religiösen Interesse – und nicht erst seit seinem Skandal-Werk „The Last Temptation of Christ“!
Die vorliegende Arbeit geht der Fragestellung nach inwiefern sich Scorseses Weltanschauung und Religiosität in seinen frühen Filmwerken widerspiegelt.
Einleitend werden seine ersten beiden Filme „Who’s that knocking on the door“, sowie „Mean Streets“ analysiert – der Hauptteil konzentriert sich auf sein Kult-Werk „Taxi Driver“.
Inhaltsverzeichnis
I Biografische Beweggründe für Scorseses religiöses Interesse
II WHO'S THAT KNOCKING AT MY DOOR (1969)
III MEAN STREETS (1973)
IV TAXI DRIVER (1976)
"I'm God's lonely man" - Eine Charakterstudie
a) Isolation und Artikulationsunfähigkeit
b) Hass auf die eigenen sozialen Wurzeln und Sinnsuche
c) Liebe als sinnspendendes Element
d) Scheitern der Kommunikationsversuche
e) Schizophrenie
f) Abbau der Aggression durch Gewalt
g) Schluss
V Das religiöse Element in TAXI DRIVER
a) Motiv und Dialog
b) Existentialismus
c) "Schwarzer Engel"
d) Gottesverständnis
VI THE LAST TEMPTATION OF CHRIST (1988)
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die zentrale Rolle der Religion im filmischen Schaffen von Martin Scorsese. Dabei steht die Analyse der ambivalenten Beziehung des Regisseurs zu seinem katholischen Herkunftsmilieu sowie dessen Spiegelung in seinen Protagonisten im Mittelpunkt, wobei der Film "Taxi Driver" als exemplarische Fallstudie dient.
- Religiöse Prägung von Scorseses Biografie und deren Einfluss auf seine Weltsicht
- Konflikt zwischen katholischer Moral und der Darstellung von Gewalt
- Existenzielle Sinnsuche und Isolation des Individuums in der Großstadt
- Interpretation religiöser Symbolik und Motive in "Taxi Driver"
- Entwicklung des Erlöser-Motivs von frühen Werken bis zu "The Last Temptation of Christ"
Auszug aus dem Buch
a) Isolation und Artikulationsunfähigkeit
"In jeder Strasse ist ein Niemand, der davon träumt, jemand zu sein. Er ist ein einsamer, vergessener Mann, der verzweifelt zu beweisen versucht, dass er lebt." (5)
Der Text des Kinoplakats bezieht sich in erster Linie auf Travis Bickle (Robert de Niro), Scorseses stark autobiografisch geprägtem alter ego, einzelgängerischer Taxifahrer in New York mit latent missionarischen Zügen. Der "Taxi Driver", ein für Scorsese typischer Protagonist, fungiert als einsamer Gegner der übervölkerten Stadt. Er hat extrem strenge Moralvorstellungen, ist dabei aber unfähig seine Ansichten zu artikulieren.
Nicht umsonst ist Travis Bickle Taxifahrer. Das Taxi als abgeschlossener Innenraum ist ebenso Ausdruck der Isolation und Vereinsamung des Helden, wie dessen beengendes Appartement, in dem er nie Besuch empfängt. Beide Räume sind Metapher für die Großstadt, die ihn zugleich beschützt und erdrückt.
Zusammenfassung der Kapitel
I Biografische Beweggründe für Scorseses religiöses Interesse: Das Kapitel beleuchtet die katholische Kindheit in New York und den prägenden Einfluss des Milieus auf Scorseses spätere Auseinandersetzung mit christlichen Themen.
II WHO'S THAT KNOCKING AT MY DOOR (1969): Hier wird dargelegt, wie Scorsese in seinem Erstlingswerk Religion und Gewalt sowie das Motiv der Madonna zur Charakterisierung repressiver Moralvorstellungen verknüpft.
III MEAN STREETS (1973): Dieses Kapitel analysiert die Figur des "falschen Heiligen" und den Konflikt des Protagonisten zwischen dem christlichen Glaubensideal und der harten Realität seines Gangstermilieus.
IV TAXI DRIVER (1976): Eine detaillierte Charakterstudie von Travis Bickle, die dessen Isolation, Schizophrenie und die Suche nach Sinn durch gewaltsame Selbstjustiz als fehlgeleitete religiöse Mission untersucht.
V Das religiöse Element in TAXI DRIVER: Hier werden die spezifischen religiösen Symbole, der Einfluss existenzialistischer Philosophie und das Gottesbild in Scorseses Kernwerk systematisch analysiert.
VI THE LAST TEMPTATION OF CHRIST (1988): Das abschließende Kapitel zeigt die Reifung von Scorseses Gottesbild und die Darstellung eines zutiefst menschlichen, zweifelnden Jesus auf dem Weg zur Erlösung.
Schlüsselwörter
Martin Scorsese, Taxi Driver, Religion im Film, Katholizismus, Gewalt, Isolation, Erlösung, Existenzialismus, Travis Bickle, Filmanalyse, Schizophrenie, moralisches Dilemma, schwarzer Engel, The Last Temptation of Christ, urbane Angst.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion religiöser Motive und Konzepte im filmischen Gesamtwerk des Regisseurs Martin Scorsese.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Religion und Gewalt, die Darstellung moralischer Ambivalenz, existenzielle Isolation sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben in einem säkularen, teils gewalttätigen Umfeld.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Scorsese seine eigene religiöse Sozialisation und seinen "unorthodoxen" Glauben in seine Filmfiguren und deren Handlungen einfließen lässt, insbesondere am Beispiel des Films "Taxi Driver".
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmwissenschaftliche und hermeneutische Analyse angewandt, die sich auf Dialoganalysen, Bildsprache, die Auswertung von Regie-Interviews und den Bezug zu existenzialistischen Strömungen stützt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert chronologisch verschiedene Filme Scorseses, beginnend mit biografischen Grundlagen, über "Mean Streets" bis hin zur ausführlichen Untersuchung von "Taxi Driver" und abschließend "The Last Temptation of Christ".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören u.a. Martin Scorsese, Taxi Driver, Religion, Erlösung, Gewalt, Schizophrenie und Existenzialismus.
Inwiefern spielt der "High-Angle-Shot" in "Taxi Driver" eine religiöse Rolle?
Dieser Blickwinkel wird als "göttlicher Blick" gedeutet, der das Geschehen neutral und urteilsfrei von oben dokumentiert, als würde ein unsichtbarer, unbeteiligter Gott das menschliche Schauspiel beobachten.
Wie unterscheidet sich Travis Bickle von Scorseses späteren Jesus-Figur?
Während Travis Bickle in seiner Suche nach einer "göttlichen Aufgabe" in der Gewalt und Destruktion endet, zeigt der Film "The Last Temptation of Christ" eine optimistischere Entwicklung, in der sich Gott zu erkennen gibt und die Figur eine spirituelle Erlösung erfährt.
- Citar trabajo
- Michael Rösel (Autor), 1995, Die Rolle der Religion im Werk von Martin Scorsese - Exemplarisch analysiert am Film "Taxi Driver", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17959